Tolles Thema, aber zu seicht
Mit anderen AugenDas Potential dieses Buches ist einfach riesig! Die Prämisse, dass Frauen ab enem gewissen Alter langsam aus dem Blickfeld der Gesellschaft verschwinden, ist grundsätzlich nicht neu, bekommt hier durch ...
Das Potential dieses Buches ist einfach riesig! Die Prämisse, dass Frauen ab enem gewissen Alter langsam aus dem Blickfeld der Gesellschaft verschwinden, ist grundsätzlich nicht neu, bekommt hier durch Tilda aber ein völlig neues Gesicht.
Denn Tilda verschwindet. Was mit einem kleinen Finger beginnt, breitet sich schnell auch auf andere Körperteile aus. Und ein erstes Gespräch mit ihrer Ärztin zeigt, dass sie damit bei weitem nicht alleine steht. Auch wenn die Diagnose "nicht heilbar" heißt, beginnt Tilda dagegen anzukämpfen.
Der Anfang bzw das erste Drittel des Buches ist wirklich gelungen und verspricht eine tolle Geschichte. Doch nach und nach verliert mich die Autorin. Das liegt zum einen an Tilda, bei der man immer mehr das Gefühl hat, dass sie sich in ihrem Elend suhlt. Ja, sie ist geschieden und man fragt sich immer wieder, wie sie es überhaupt so lange bei ihrem Blödkerl von Exmann ausgehalten hat. Sie hat aber auch einen unglaublich tollen Freundinnenkreis, der ihr permanent Rückendeckung gibt und zwei tolle Töchter, denen sie weniger zutraut als gut ist. Sie hat weder Geldprobleme noch andere größere Sorgen.
Das alles macht es mir unheimlich schwer, Mitgefühl für sie zu entwickeln und meine Meinung ab der Hälfte des Buches nicht zu ändern.
Aber auch die Storyline driftet leider in eine etwas plakative und gleichzeitig seichte Richtung ab, die dem Thema und damit dem ganzen Buch nicht gut tut.
Was ein richtiger Oberknaller von feministischem Manifest hätte sein können verkommt irgendwie zu einem australischen "Cafe am Rande der Welt". Was für eine Verschwendung!