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Veröffentlicht am 04.01.2018

Eine berührende Geschichte

Mit anderen Worten: ich
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Inhalt:

Sam hat ein geregeltes Leben. Sie geht zur Schule und ist Mitglied einer Mädchenclique, deren Mitglieder sie ihre „besten“ Freundinnen nennt. In ihrer Freizeit geht Samantha schwimmen. Sie ...




Inhalt:

Sam hat ein geregeltes Leben. Sie geht zur Schule und ist Mitglied einer Mädchenclique, deren Mitglieder sie ihre „besten“ Freundinnen nennt. In ihrer Freizeit geht Samantha schwimmen. Sie ist so gut, dass sogar ein Stipendium in Aussicht steht. Und dennoch ist Sams Leben alles andere als perfekt. Die Freundinnen sind auf Oberflächlichkeit, Wohlleben und Zerstreuung fixiert. Die Angst, irgendwann von der Gruppe ausgeschlossen zu werden, ist stets latent vorhanden. Und daher verheimlicht Sam Tag für Tag ihr größtes Geheimnis, obwohl sie sich doch so sehr wünscht, sich jemand anderem als ihren Eltern und ihrer Therapeutin anvertrauen zu können. Sam leidet unter einer Zwangsstörung, die ihren Alltag stark beeinträchtigt.

Der Druck, unter dem Sam steht, wird größer, als sie eines Tages auf den Gängen ein Mädchen trifft. Caroline trägt im August eine Wollmütze, ihr Armgelenk ziert eine kaputte Uhr, dazu trägt sie Motto-Shirts und eine alte schlabbrige Jeans. Eine Person, die ihre Clique nie dulden würde. Doch Caroline ist so nett. Als Sam den Drang verspürt, ihr Geheimnis zu teilen, lockt das fremde Mädchen sie mit dem Versprechen einer Überraschung, die ihr Leben für immer verändern würde.



Schreibstil:

Meine Erwartungen an dieses Buch waren sehr hoch. Aus meinen bisherigen Erfahrung mit dem Verlagsprogramm ahnte ich bereits, dass das hier aufgegriffene Thema Zwangsstörungen nicht nur oberflächlich angeschnitten sondern tiefgehender aufgegriffen werden würde. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Protagonistin Sam leidet unter einer akuten Zwangsstörung. Viele Dinge muss sie drei Mal erledigen; eine Autofahrt darf erst enden, wenn der Kilometerstand am Ende eine Drei aufweist. Samanthas visuelle Vorstellungskraft ist sehr ausgeprägt. So kann zum Beispiel der Gedanke an einen Kuss mit dem Junior-Schwimm-Trainer durchaus so real erscheinen, dass sich Sam danach erst einmal wieder in der Realität zurechtfinden muss, bevor sie begreift, dass das, was sie gerade gespürt hat, gar nicht passiert ist. In manchen Situationen überkommt Samantha der Drang einfach alles über eine bestimmte Situation wissen zu müssen, bevor sie gedanklich damit abschließen kann. Eine Symptomatik, die sie vor ihren eitlen, hedonistischen „besten Freundinnen“ und auch den Klassenkameradinnen unbedingt geheim halten möchte.

Immer wieder begleitet der Leser Samantha auf ihren Besuchen zu ihrer Therapeutin und begreift, wie wichtig die Gespräche mit „Hör-zu-Sue“ für Samantha sind. Die Vertrautheit, zwischen Sue und Sam ist hierbei sehr greifbar.

Sams Freundinnen, die „verrückte Acht“, die sich bereits seit Kindertagen kennen, hören einander zu, sie verbringen die Schulpausen und auch die Freizeit miteinander. Und dennoch ist der Konformitätsdruck in der Mädchenclique spürbar. Sam und Hailey bleiben eher am Rande, während Kaitlyn und Alexis das Sagen haben. Teure Ausflüge, Partys und oberflächliche Themen stehen auf der Tagesordnung. Die Treue zur Clique ist Voraussetzung. Eine Veränderung durch neue Freunde oder einen Partner, ja jede Abgrenzung zur Gruppe, wird mit Mobbing bestraft.

Als Sam auf Caroline trifft, weiß sie sofort, dass diese Freundin ein weiteres Geheimnis gegenüber der „verrückten Acht“ bedeuten wird. Daran, dass Sam ohne groß nachzudenken von ihrem Handicap spricht, dass sie der Fremden gleich mehr Vertrauen schenkt, als ihren langjährigen Freundinnen, spürt man auch als Leser, dass sich die Protagonistin nach einer wirklichen Freundin sehnt. Caroline fordert ziemlich schnell ein, dass Sam ihr ein weiteres Mal Vertrauen schenkt und verspricht ihr dafür eine grundlegende Veränderung ihres Lebens. In welche Richtung diese Veränderung geht, das möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Die Themen, die dieses Buch aufgreift, haben mich sehr interessiert und dennoch hatte ich in der ersten Hälfte das Gefühl, dass der Geschichte ein paar weitere Konflikte und ein wenig mehr Spannung gutgetan hätten. Leser, die dieses Gefühl teilen, sollten jedoch unbedingt weiterlesen. Sie werden mit einer sehr schönen Geschichte belohnt werden. Ich kann verraten, dass Sam kämpfen und wachsen wird. Sie wird mit dem Leser eine neue Welt für sich entdecken. Und auch Freunde einer schönen Liebesgeschichte werden hier auf ihre Kosten kommen.

Am Ende des Buches findet der Leser ein Nachwort der Autorin, die ihre umfangreiche Recherche in Sachen Zwangsstörung darlegt. Der Leser begreift, dass die Geschichte von Samantha durchaus Anleihen an den Alltag der Betroffenen nimmt. Mit ihren abschließenden Worten verleiht Tamara Ireland Stone ihrem Buch zusätzlichen Mehrwert.



Fazit:

Tamara Ireland Stone stützt sich in ihrem Buch, „Mit anderen Worten: ich“, auf eine umfangreiche Recherche zum Thema Zwangsstörung. Das Interesse für ihr Thema merkt man Stone auf jeder Seite an. Anschaulich zeigt sie, welche Einschränkungen solch eine Krankheit im Leben eines Menschen bewirken kann. Angst und Unsicherheit sind die prägenden Elemente des Romans. Der allgemeine gesellschaftliche Konformitätsdruck und die Sehnsucht nach wahrer Freundschaft werden hier fühlbar. Sehr deutlich kommt zum Ausdruck, wie jede Veränderung erstmal Ablehnung bewirkt. Die Protagonistin nimmt hier durchaus eine Vorbildrolle ein.

Eine zaghafte und schöne Liebesgeschichte und ein Geheimnis runden dieses Buch ab.

Ich möchte „Mit anderen Worten: ich“ an Leser/innen empfehlen, die eine bewegende Geschichte erfahren wollen. Diese zu vermitteln gelingt der Autorin beeindruckend gut. Ein Buch, das lange nachwirkt.



Buchzitate:

Es ist meine Zwangsstörung, das unerklärliche, unbeherrschbare Bedürfnis, eine Sache zu wissen, dann noch eine und immer so weiter, bis mein Gehirn vollkommen erschöpft ist.

Veröffentlicht am 25.12.2025

Winterromanze mit rauem Charme

24 Dates To Fall In Love
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Inhalt:


Trotz eindringlicher Verkehrswarnungen, bei dem winterlichen Ausnahmewetter besser zu Hause zu bleiben, macht sich Romy auf den Weg zum Geburtstag ihrer Mutter. Auf der Rückfahrt zahlt sie jedoch ...

Inhalt:


Trotz eindringlicher Verkehrswarnungen, bei dem winterlichen Ausnahmewetter besser zu Hause zu bleiben, macht sich Romy auf den Weg zum Geburtstag ihrer Mutter. Auf der Rückfahrt zahlt sie jedoch den Preis: Das dichte Schneetreiben macht ein Weiterkommen fast unmöglich.

Schnell wird klar, dass sie ihr Date mit ihrem Freund verpassen wird. Vollends bestätigt sich das, als sie am Straßenrand auf ein liegengebliebenes Auto stößt. Spontan bietet sie dem jungen Mann, Oliver, ihre Hilfe an. Der Zufall will es, dass er ausgerechnet in dem Hotel untergebracht ist, in dem Romy als Rezeptionistin arbeitet.

Romy verschweigt ihm diese Tatsache, um ihn am nächsten Tag überraschen zu können. Doch zu Hause erwartet sie das nächste Desaster: Ihr Freund Ben macht mit ihr Schluss, wegen einer anderen. Genau an dem Tag, an dem Romy ihm ihren selbstgebastelten Adventskalender mit 24 Datingideen überreichen wollte.

Von da an beginnt Romys Pechsträhne. Am nächsten Tag erfährt sie, dass Oliver, dem sie gerade noch geholfen hat, von ihrem Chef als neue rechte Hand eingestellt wurde, mit der unausgesprochenen Möglichkeit, das Hotel irgendwann zu übernehmen. Oliver wirkt vom ersten Moment an arrogant, kritisiert alles und alle und tritt den Mitarbeitenden herablassend gegenüber.

Als dann auch noch Romys Datingadventskalender, den ihre Kolleginnen ihr heimlich stibitzt haben, beim Weihnachtswichteln auf Olivers Platz landet, ist das Chaos perfekt. Romy möchte die Dates auf keinen Fall mit dem neuen Vorgesetzten durchziehen. Doch bevor sie Einspruch erheben kann, läuft bereits eine Wette unter den Kollegen: Wenn Oliver und Romy alle 24 Dates bis Weihnachten absolvieren, bekommen sie den Jackpot: Eine ansehnliche Summe, die die neugierigen Kollegen für Klatsch und Beweisfotos großzügig in den Topf geworfen haben. Und Romy könnte dieses Geld gut gebrauchen: Die Trennung, die Kaution für eine neue Wohnung und hohe Tierarztkosten für ihr Pferd bringen sie finanziell an ihre Grenzen …



Meinung:


Kurz vor Weihnachten hatte ich große Lust auf eine winterliche Liebesgeschichte. „24 Dates To Fall in Love“ versprach angesichts des Klappentexts nicht nur Romantik, sondern weckte besonders meine Neugierde auf die vierundzwanzig originellen Dates. Ich hoffte auf süße Ideen, herzerwärmende Momente und ein paar Überraschungen.

Doch Stefanie Diem erzählt keine klassische, zuckersüße Weihnachtsromanze. Romy ist ein Charakter, dem das Leben immer wieder Stolpersteine in den Weg legt. Und Oliver ist keinesfalls der typische Love Interest, der wie ein rettender Engel ins Geschehen tritt. Vielmehr merkt man schnell, dass Romy ein unglückliches Händchen für Männer hat.

Ben zeigt kaum Verständnis für ihre Leidenschaft fürs Pferd, behauptet, sie hätten sich auseinandergelebt, und eröffnet ihr im nächsten Moment, dass er sich in eine andere verliebt habe. Oliver hingegen gibt sich im beruflichen Umfeld überheblich, kritisiert sie öffentlich und handelt ohne Rücksicht auf Verluste. Zwar zeigt er bei den Dates gelegentlich eine freundliche, fast zarte Seite, doch im Hotel wirkt er kühl und distanziert.

Romy lässt sich davon nicht einschüchtern. Zwischen den beiden entstehen hitzige Wortgefechte, Sticheleien und gegenseitige Provokationen.

Die Idee des Adventskalenders mit den Datingaktivitäten hat mir besonders gefallen. Hier steckt viel Kreativität drin: Schlittschuhlaufen, Schneemannbauen, ein Dinner mit verbundenen Augen oder ein romantisches Fotoshooting am zugefrorenen See. Diese Einfälle bringen Charme und Wärme in die Geschichte.

Gleichzeitig prallen Romantik und harte Realität immer wieder aufeinander. Neben Olivers oft verletzendem Verhalten gibt es Streitigkeiten unter Kolleginnen, Romys finanzielle Sorgen und die Frage, warum gerade jetzt alles schiefläuft. Und auch während der Dates geht nicht alles glatt …



Fazit:


„24 Dates To Fall in Love“ ist weniger eine gemütliche, glitzernde Weihnachtsromanze als vielmehr eine winterliche Geschichte über Chaos, Selbstzweifel und die Frage, ob man sich trotz Rückschlägen wieder für neue Gefühle öffnen kann.

Die kreative Adventskalender-Idee bringt viel Charme in den Roman, doch die Dynamik zwischen Romy und Oliver wirkt manchmal fragmentiert und etwas unausgewogen.

Wer eine Wohlfühlgeschichte sucht, könnte enttäuscht werden. Wer jedoch realistische Figuren sucht, wer Imperfektion in harten und emotional schmerzhaften Lektionen nicht scheut, wer ein romantisches Konzept mit Ecken und Kanten mag, findet hier eine unkonventionelle, teils bittersüße Lovestory.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Düster, faszinierend, magisch

Her Dark Power
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Inhalt:

Die junge Hexe Edda steht kurz vor ihrer Initiationszeremonie. In wenigen Stunden soll sich zeigen, ob sie als Kräuterhexe, Heilerin oder Weise Frau kategorisiert wird. Doch als der Kristall sie ...

Inhalt:

Die junge Hexe Edda steht kurz vor ihrer Initiationszeremonie. In wenigen Stunden soll sich zeigen, ob sie als Kräuterhexe, Heilerin oder Weise Frau kategorisiert wird. Doch als der Kristall sie keiner der drei Gruppen zuordnet, gerät ihre Welt aus den Fugen.

Verwirrt und verzweifelt flieht Edda und landet zufällig auf einer Beltanefeier der Dunklen Hexen; zu ihrer Überraschung fühlt sie sich dort seltsam wohl. Kurz darauf beschließt ihre Baba, sie auf das Crescent College zu schicken, eine Schule, an der schwarze Magie gelehrt wird. Dort soll Edda herauszufinden, was es mit der Düsternis in ihr auf sich hat. Hier soll sie lernen, ihre unkontrollierbar scheinenden Kräfte zu beherrschen.

Doch die Dunkelheit in Edda scheint stärker, als sie dachte. Und ausgerechnet Morven, der Hexer, mit dem sie auf der Feier noch getanzt hat, begegnet ihr am College, hier aber mit kalter Ablehnung. Während Edda verzweifelt versucht, ihren Platz in dieser neuen Welt zu finden, wird immer deutlicher, dass ihr Schicksal weitaus größer und gefährlicher ist, als sie ahnt.



Meinung:

Carina Schnell entführt ihre Leser mit „Her Dark Power“ in eine düstere, atmosphärisch dichte Welt voller Magie, Naturgewalten, Intrigen und Geheimnisse.

Die Autorin verbindet klassische Hexenelemente – Besen, Kräuterbeutel, Zauber und Rituale – mit fantasievollen Ideen wie Riesenfledermäusen, magischen Schutzzaubern und geheimnisvollen Naturgeistern. Besonders das Setting des Crescent College hat mir gefallen: ein imposantes, von Nebel und Magie umwobenes Gebäude inmitten wilder Landschaft.

Ein zentrales Thema des Romans sind die unterschiedlichen Fraktionen der Hexen. Während die weißen Hexen in Harmonie mit der Natur leben und die Göttin anbeten, feiern die Dunklen Hexen wilde Feste, verehren den Gehörnten und setzen affektives Erleben an die Stelle vernunftgeleiteter Reflexion. Diese Gegensätze ziehen sich wie ein Spannungsfeld durch die gesamte Handlung.

Edda steht zwischen diesen beiden Welten. Ihre Suche nach Identität und Zugehörigkeit bildet den emotionalen Kern der Geschichte und macht sie zu einer besonders greifbaren und vielschichtigen Figur.

Besonders mochte ich Eddas Zimmernachbarin Myr, ein Wesen mit schneeweißen Flügeln und einem riesigen Nachtfalter als tierischem Begleiter. Sie begegnet Edda in einem Moment der Verzweiflung und wird schnell zu ihrer wichtigsten Bezugsperson am College.

Ein wenig unruhig empfand ich den Plot in der Mitte des Buches. Als thematischer roter Faden, der die Charaktere schlüssig miteinander verknüpft, funktionieren einige Handlungsstränge nur leidlich gut. Dennoch bleibt die Geschichte durchweg atmosphärisch dicht und geheimnisvoll.

Diese hat mich sofort in den Bann gezogen: atmosphärisch dicht, erzählt mit Figuren, die einen nicht loslassen, die fernab von Schwarz und Weiß das Thema Identität ausloten und dabei auch Tabus brechen.

So bleibt Morven bis zuletzt ein faszinierender Charakter. Erst zum Ende des Buches erfährt man mehr über seine Herkunft, doch seine wahren Motive und seine Entwicklung bleiben weiterhin rätselhaft und wecken große Neugier auf den nächsten Band.



Fazit:

„Her Dark Power“ ist ein stimmungsvoller, düster-magischer Reihenauftakt voller Atmosphäre, Emotionen und Geheimnisse.

Genrebezeichnungen sind vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie ihre Funktion als orientierende Konventionen zwischen Produzenten und Lesenden erfüllen. Das vorliegende Buch punktet aber vor allem mit der Kombination aus literarischen Vorlagen und originellen neuen Ideen.
Figuren werden nicht nur als bekannte Archetypen präsentiert, sondern durch neue, interessante Perspektiven vertieft.
Carina Schnell verbindet klassische Hexenmythen mit modernen Fantasy-Elementen und schafft so eine faszinierende Welt, in der Licht und Schatten untrennbar miteinander verwoben sind.

Ein Buch für alle, die dunkle Magie, geheimnisvolle Internate und starke Heldinnen lieben.

Ich bin gespannt, welche Abgründe und Wahrheiten Edda im nächsten Band noch erwarten.

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Interaktiver Sommerroman voller Herz, sizilianischem Flair und wunderschöner Gestaltung

My Italian Lovestory
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Inhalt:

Emilia kehrt nach Jahren in ihre alte Heimat Sizilien zurück – nicht, um dort Urlaub zu machen, sondern um ihrem Vater auf seinem Weingut zur Seite zu stehen. Dieser kann sich nach einem Beinbruch ...

Inhalt:

Emilia kehrt nach Jahren in ihre alte Heimat Sizilien zurück – nicht, um dort Urlaub zu machen, sondern um ihrem Vater auf seinem Weingut zur Seite zu stehen. Dieser kann sich nach einem Beinbruch nicht wie gewohnt um den Betrieb kümmern. Zwar stehen ihm Mitarbeiter zur Verfügung, doch in diesem Jahr folgt eine Katastrophe der nächsten: Ein Schädlingsbefall bedroht die gesamte Weinernte. Es heißt, schnell zu handeln, bevor ein erheblicher finanzieller Schaden entsteht.

In der malerischen Kulisse Siziliens begegnet Emilia nicht nur alten Erinnerungen, sondern auch zwei Männern aus ihrer Jugend: Paolo, mit dem sie sich früher oft in die Haare bekommen hatte und der heute als Vorarbeiter tätig ist, sowie Angelo, ihr ruhiger Kindheitsfreund, der gerade als Vollzeitkraft im Betrieb ihres Vaters eingestiegen ist.

Gemeinsam mit den beiden versucht Emilia, das Schädlingsproblem zu lösen – und gerät dabei emotional zwischen die Fronten. Wird sie die Weinernte retten können? Und für wen wird sich ihr Herz entscheiden – für den temperamentvollen Paolo oder den bodenständigen Angelo? 


Meinung:

„My Italian Lovestory“ ist weit mehr als eine einfache Urlaubsromanze – es ist ein kleines Gesamtkunstwerk. Schon beim ersten Anblick überzeugt das Buch mit seinem detailverliebten Farbschnitt, der Zitronen und sizilianische Ornamente zeigt, und direkt für Sommerstimmung sorgt.

Doch auch das Innenleben hält Überraschungen bereit: Statt linear von vorne bis hinten zu lesen, begibt man sich mit Emilia auf ein interaktives Abenteuer. Am Ende jedes Kapitels – das stets über vier Doppelseiten geht – wird man vor Entscheidungen gestellt: Soll Emilia erst einkaufen oder lieber die Rebstöcke inspizieren? Diese interaktive Erzählweise, auch wenn sie nur punktuell eingesetzt wird, verleiht dem Lesen eine besondere Dynamik und macht die Geschichte erlebbar.

Ein weiteres Highlight sind die wunderschönen Watercolor-Illustrationen, die das Buch durchziehen. Die liebevoll gestalteten Szenerien – etwa Landschaften, das Weingut oder emotionale Momente – laden zum Träumen ein und ergänzen die Geschichte perfekt. Ergänzt wird das Ganze durch fünf sizilianische Rezepte, die nicht nur thematisch passen, sondern auch Lust machen, selbst den Kochlöffel zu schwingen.

Besonders praktisch empfand ich das Lesebändchen – obwohl ich normalerweise kein Fan davon bin. Bei einem Buch, das nicht chronologisch gelesen wird, ist es jedoch überaus hilfreich.

Inhaltlich sollte man keine komplexe, tiefschichtige Handlung erwarten – das Buch lebt eher von der Atmosphäre, dem Urlaubsfeeling und der charmanten Liebesgeschichte. Der Fokus liegt klar auf Emilias persönlicher Entwicklung, eingebettet in eine glaubhaft geschilderte Rahmenhandlung. Das Ganze wird mit viel Lokalkolorit - rund um das Weingut – abgerundet. Offenbar hat sich die Autorin intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

Die beiden männlichen Hauptfiguren, Paolo und Angelo, entwickeln sich im Laufe der Geschichte auf überraschende Weise. Während Paolo zunächst etwas schwierig wirkt, zeigt er bald empathische Anteilnahme und Zuwendung. Angelo wiederum gewinnt über die Seiten Charaktertiefe und zeigt eine interessante Entwicklung. Die Autorin versteht es geschickt Leser-Sympathien zu lenken – und genau das macht einen Teil des Reizes aus.

Und das Beste daran? Man kann das Buch einfach noch einmal lesen – und sich beim zweiten Mal vielleicht für den anderen Mann entscheiden.




Fazit:

„My Italian Lovestory“ ist ein Buch, das nicht nur mit seiner romantischen Geschichte, sondern vor allem durch seine besondere Aufmachung begeistert. Die interaktiven Entscheidungen, die liebevoll gestalteten Illustrationen und die einzigartige Atmosphäre machen diese Geschichte zu einem echten Erlebnis.

Wer eine leichte, sommerliche Lektüre sucht, die das Fernweh weckt und mit kleinen, kreativen Details überrascht, wird mit diesem Buch große Freude haben. Die Handlung ist vielleicht nicht tiefgründig, aber sie ist charmant, lebendig und genau richtig, um für ein paar Stunden dem Alltag zu entfliehen.

Ein Herzensbuch für alle, die Geschichten lieben, bei denen man mitfühlen, mitentscheiden und sich einfach mal kurz wegträumen darf – am besten mit einem Glas Wein in der Hand und Sizilien im Kopf.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Zwischen Mauern und Worten

Break to You
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Inhalt:

Als sich die Tür hinter Adriana schließt, weiß sie, dass die kommenden Monate ein Kampf ums Überleben sein werden. Ihr einziger Halt: ein Notizbuch, in dem sie ihre Gedanken in Gedichtform festhält. ...

Inhalt:

Als sich die Tür hinter Adriana schließt, weiß sie, dass die kommenden Monate ein Kampf ums Überleben sein werden. Ihr einziger Halt: ein Notizbuch, in dem sie ihre Gedanken in Gedichtform festhält. Doch noch bevor sie sich in der neuen Umgebung orientieren kann, wird ihr das Buch abgenommen.

Adriana wurde von einer Freundin betrogen und für eine Tat verurteilt, die sie nicht begangen hat. Nun muss sie sich in einer Jugendstrafanstalt zurechtfinden – einer Welt mit eigenen Regeln, strengen Hierarchien und täglichen Machtkämpfen. Als sie ihr Notizbuch schließlich zurückbekommt, verliert sie es erneut – diesmal in der Bibliothek. Jon, ein Mitinsasse, der als gefährlich gilt, findet es. Er beginnt, ihre Einträge zu kommentieren, und stellt das Buch zurück. Nach und nach entspinnt sich ein stiller Austausch, der beiden Jugendlichen hilft, ihre Gefühle zu verarbeiten und in einer gnadenlosen Umgebung ein Stück Halt zu finden.



Meinung:

Neal Shusterman gehört neben Jay Kristoff zu meinen Lieblingsautoren, daher war für mich klar, dass ich „Break to You“ lesen musste. Gemeinsam mit Debra Young und Michelle Knowlden erzählt er eine berührende Geschichte. Erzählt wird diese abwechselnd aus zwei Perspektiven: zum einen der von Adriana zum anderen der von Jon.

Besonders eindrücklich gelingt den AutorInnen die Darstellung des Gefängnisalltags. Adriana muss lernen, sich in einem Alltag, geprägt von brutalen strittigen Hierarchien und blutigen Rivalitäten, zurechtzufinden. Die Beziehungen zwischen den Insassinnen sind von dem ständigen Versuch geprägt, keine Schwäche zu zeigen. Doch nicht nur die Mitinsassinnen sind eine Herausforderung – auch die MitarbeiterInnen der Anstalt sind nicht immer wohlwollend. Der Psychologe nutzt seine Position, um Jugendliche zu manipulieren, und Jon setzt gezielt Gerüchte ein, um seinen Status zu sichern.

Das Buch sensibilisiert für die Realität in Jugendstrafanstalten – eine Welt voller Isolation und Ausweglosigkeit, die von der Gesellschaft oft vergessen wird. Besonders eindringlich sind die Schicksale der Jugendlichen: Da ist das Mädchen, dessen Eltern sie eines Tages einfach nicht mehr abgeholt haben und das nur deshalb noch hinter Gittern sitzt, weil niemand weiß, wohin mit ihr. Oder die junge Mutter, die ihr Kind liebt, aber kaum in der Lage wäre, es außerhalb der Anstaltsmauern großzuziehen.

Trotz der Härte des Alltags gibt es Hoffnung – in Form von kleinen Gesten, von Vertrauen, das langsam wächst, und von der Kraft der Worte. Die Bibliothek wird zu einem Zufluchtsort, Büchern kommt eine besondere Bedeutung zu.

Ohne moralischen Zeigefinger, aber mit feinem Gespür für Zwischentöne, zeigen die AutorInnen, wie diese Jugendlichen, die oft in ihrem Leben bereits schwere Zeiten durchgemacht haben, sich dennoch ein Stück Selbstbestimmung bewahren.

Die Handlung beginnt ruhig und konzentriert sich zunächst auf den Gefängnisalltag, die Dynamiken unter den Insassen und die Herausforderungen, denen Jon und Adriana gegenüberstehen. Erst nach und nach nimmt die Geschichte an Fahrt auf, bis sie im letzten Viertel eine mitreißende Wendung erfährt.

Was das Ende betrifft, so wird es sicherlich polarisieren. Einerseits bleiben einige Fragen unbeantwortet, was die Geschichte offener und realistischer erscheinen lässt. Andererseits gibt es eine Art von Abschluss, der nicht zwangsläufig als klassisches Happy End zu bezeichnen ist, aber dennoch einen hoffnungsvollen Ton trifft. Das Buch zeigt eindrücklich, dass es im Leben selten einfache Lösungen gibt – manches bleibt ungewiss, manches ungerecht, und nicht jede Geschichte endet mit einem klaren Schlussstrich. Gerade diese Unvollkommenheit macht den Roman so authentisch und nachdenklich stimmend.



Fazit:

„Break to You“ erzählt eine Geschichte, die zwischen Härte und Hoffnung balanciert. Die ruhige Erzählweise lässt die Leser tief in den Gefängnisalltag eintauchen, bevor die Handlung sich zuspitzt und in einem dramatischen Höhepunkt endet.

Das offene Ende mag nicht für jeden befriedigend sein, doch gerade seine Unvollkommenheit macht es so lebensnah. Das Buch zeigt, dass es nicht immer klare Abschlüsse gibt – aber selbst in schwierigen Situationen kann es Lichtblicke geben.

Eine eindrucksvolle, nachdenklich stimmende Lektüre, die noch lange nachhallt.

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