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Veröffentlicht am 16.08.2025

Tiefgründiges Debüt über Freundschaft und Verrat

Bestie
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Was passiert, wenn man mit einer neuen Identität in eine WG einzieht und sich immer weiter in ein Netz aus Lügen verstrickt? Genau das macht Delia, als sie ein neues Leben in Hamburg als Lilly beginnt ...

Was passiert, wenn man mit einer neuen Identität in eine WG einzieht und sich immer weiter in ein Netz aus Lügen verstrickt? Genau das macht Delia, als sie ein neues Leben in Hamburg als Lilly beginnt und gleichzeitig ihre Vergangenheit ausradiert. Dabei nutzt sie ihre Mitbewohnerin Anouk opportunistisch für ihre beruflichen und persönlichen Zwecke. Schnell entsteht eine Freundschaft, die auf gegenseitiger Ausnutzung beruht.

Die Handlung bleibt jederzeit spannend. Der Leser fragt sich kontinuierlich, wann die Masken endlich fallen und alle Lügen aufgedeckt werden. Insbesondere im letzten Viertel gewinnt die Handlung nochmal an Intensität und Dramatik.
Der Roman greift tiefgründige Konstrukte auf: Es geht um die Sehnsucht, jemand Anderes sein zu wollen, um Selbstfindung, um Obsession, um Einsamkeit, aber auch um Vertrauen. Kann man sein vergangenes Ich einfach begraben, oder holt einem die Vergangenheit nicht irgendwann ein? Wer bin ich, wer will Ich sein und aus welchen Motiven?

Die Charakterentwicklung, welche im Roman eine zentrale Rolle einnimmt, ist der Autorin äusserst gut gelungen. Die beiden Protagonistinnen sind alles andere als perfekt. Durch die wechselnden Sichtweisen taucht der Leser in die Gefühlswelt beider Frauen ein. Ihre Konflikte sind zwar spezifisch, dennoch konnte ich mich in vielen Situationen wiederfinden (wenn man den Kern der Konflikte betrachtet). Beide Figuren durchlaufen eine Transformation, sobald sie sich ihren Ängsten und Lügen stellen. Diese psychologische Auseinandersetzung verleiht der Geschichte eine aussergewöhnliche Tiefe.

Auch der Schreibstil hat mich vollkommen umgehauen. Joana wählt jedes einzelne Wort mit Bedacht und drückt sich in einer wunderschönen poetischen Sprache aus. Es gibt gegen Ende des Buches einige Szenen, welche einen experimentellen Charakter haben und eher untypisch für einen Roman sind. Diese ergeben in Anbetracht der Handlung aber vollkommen Sinn und machen das Buch zu etwas Einzigartigem. Zudem ist der Text voller symbolischer Elemente, welche immer wieder aufgegriffen werden. Diese stark ausgeprägte Symbolik lädt an vielen Stellen zu einer Analyse bzw. philosophischen Interpretation ein. Nach der Lektüre gewinnt der auf den ersten Blick schlicht wirkende Titel „Bestie“ eine ganz neue (und tiefe) Bedeutung. Ich habe viele Sätze markiert, da die Sprache meine Erwartungen deutlich übertroffen hat!

Kurzes Fazit: Das ist kein Buch, welches man schnell auslesen sollte, sondern eines, das man auf einer sprachlichen sowie stilistischen Ebene zeitlich auskostet. Dieser Roman ist für jeden Leser geeignet, der sich auf ein besonderes und stilistisch geniales Buch einlassen will.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Romantisch und emotional

Just for the Summer
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Justin und Emma treffen durch ein Zufall aufeinander, weil sie etwas vereint: Es will mit der Liebe einfach nicht klappen. Sobald sie sich von ihrem Partnern trennen, finden diese ihre Lebensgefährten. ...

Justin und Emma treffen durch ein Zufall aufeinander, weil sie etwas vereint: Es will mit der Liebe einfach nicht klappen. Sobald sie sich von ihrem Partnern trennen, finden diese ihre Lebensgefährten. Sie beschliessen, sich gegenseitig zu Daten und sich anschliessend direkt zu trennen, um endlich ihre jeweiligen Soulmates zu finden. Was auf den ersten Blick nach einer leichten Komödie klingt, entpuppt sich nach und nach als viel mehr. Die Autorin hat rund um den lustigen Kerngedanken einen echten Mehrwert mit wichtigen Themen geschaffen. Die Spannung wurde über das ganze Buch hoch gehalten, sodass man das Buch nicht weglegen kann. Insbesondere gegen Ende passiert noch viel, was dazu geführt hat, dass ich das Buch in fast einem Zug verschlungen habe. Zudem hat mich diese Geschichte aus einer starken Leseflaute gerettet.
Es ist eine Geschichte über zwei gegensätzliche Lebensstile, über prägende Traumata aus der Kindheit sowie über die Überwindung von Hindernissen zugunsten der Liebe. Die Figuren sind nicht perfekt, sondern komplex, was sie sehr greifbar macht.
Die sich abwechselnde Ich-Perspektive von Emma und Justin hat mir auch gut gefallen. So kann sich der Leser in beide Hauptfiguren hineinversetzen.
Trotz der erwähnten ernsten Themen ist es eine herzerwärmende Lektüre (bitte bei Bedarf die Triggerwarnungen beachten). Für mich ist das eine gelungene Storyline, da sie emotional, lustig und berührend ist.

Zwar ist das der dritte Band einer Reihe, jedoch kann dieses Buch auch unabhängig von den anderen zwei Bänden gelesen werden. Diese werde ich aber auf jeden Fall auch lesen, da mich dieses Buch überzeugen konnte.

Ich empfehle das Buch allen Lesern, die auf der Suche nach einer unterhaltsamen Sommerlektüre sind, welche zugleich auch psychologische Tiefe aufweist. Ideal auch für Leser, die einen Ausweg aus einer Leseflaute suchen!

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Venezuela durch die Augen einer Familiensaga

Der Traum des Jaguars
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Der Aufbau der Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen erstreckt, wurde hervorragend umgesetzt. Der fliessende Wechsel in die nächste Lebensgeschichte hat Bonnefoy gekonnt eingefädelt. Durch ...

Der Aufbau der Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen erstreckt, wurde hervorragend umgesetzt. Der fliessende Wechsel in die nächste Lebensgeschichte hat Bonnefoy gekonnt eingefädelt. Durch die Perspektivenwechsel wird die Spannung konstant aufrechterhalten. Für mich persönlich hat die Spannung lediglich in der Mitte leicht nachgelassen, ist aber danach wieder auf das anfängliche Niveau angestiegen. An vereinzelten Passagen geht die Geschichte etwas zu schnell voran. Da hätte eine Entschleunigung der Geschichte gutgetan. Der Unterhaltungsfaktor ist einer der grössten Stärken der Erzählung. Der Leser lernt viel über Südamerika und die venezolanische Lebensrealität. Wie in Allendes Werken wurden im Werk auch geschichtspolitische Ereignisse integriert, wodurch ich viel über Venezuela erfahren habe. Was mir an der Handlung gefallen hat, sind die Konflikte und Probleme, mit denen die Figuren zu kämpfen hatten. Dass das Ende und der Anfang der Geschichte eng zusammenhängen, bildet den krönenden Abschluss.

Bonnefoy schreibt sehr atmosphärisch und sehr poetisch, wodurch der Leser sanft durch die Seiten und die Geschichte getragen wird.

Das Werk umfasst viele starke, eigensinnige Figuren. Genau das hat mir so gefallen. Ich habe besonders Venezuela sehr in mein Herz geschlossen. Sie ist eine starke, tapfere Frau, die eine riesige Abenteuerlust hat. Oder Antonio mit seiner grossen Vision, eine Universität zu gründen. Es kommen zudem viele Nebencharaktere vor, sodass ich nebenbei eine Liste geführt habe mit allen Figuren. Dieses Vorgehen würde ich den Lesenden empfehlen.

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Veröffentlicht am 06.12.2025

Manifestieren mal etwas anders

SUPER SYNCHRONICITY - Tritt ein in die Frequenz der glücklichen Zufälle
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Wie kann man alles schaffen, was man sich wünscht? Was kann man selbst machen, abgesehen vom stumpfen träumen? Das Buch Super Synchronicity versucht, eine Antwort darauf zu finden. Es geht darum, die richtige ...

Wie kann man alles schaffen, was man sich wünscht? Was kann man selbst machen, abgesehen vom stumpfen träumen? Das Buch Super Synchronicity versucht, eine Antwort darauf zu finden. Es geht darum, die richtige Einstellung einzunehmen. Darüber hinaus ist es aber wichtig, auch aktiv zu werden und sein Inneres in Einklang mit seinem Zukunfts-Ich zu bringen. Schwerpunkt dieses Buches stellt die Synchronicity Formel dar, welche der Leser Schritt für Schritt erarbeitet.

Susanne Kos führt uns in ihrem Buch durch ihre eigene Lebensgeschichte und erzählt, wie sie verschiedene Synchronitäten selbst bereits erlebt hat. Im Anschluss darauf zeigt sie in einem lockeren und direkten Ton die einzelnen Schritte der Synchronizitätsformel auf, die der Lesende direkt bearbeiten kann. Der Schreibstil ist sehr euphorisch und mich persönlich hat es meistens angesteckt, auch positive Gefühle zu haben und die Synchronicity Formel mit Elan zu entwickeln.

Was mir sehr gefallen hat war die praktische Auslegung des Buches. Hier geht es nicht um eine passive Lektüre, sondern um eine aktive Beteiligung des Lesenden an die einzelnen Schritte der Super Synchronicity Formel.

Der Mehrwert dieses Buches besteht darin, dass es über das Manifestieren hinausgeht. Kos macht deutlich, dass es nicht nur ums Träumen geht, sondern dass man selbst zu der Person werden muss, die man sich wünscht. Dabei gräbt man tief. Man schaut sich seine eigenen Glaubenssätze an, man geht seinen Ängsten auf den Grund, man untersucht Trigger und das Innere Kind. Der Lesende sollte bereit sein, sich auf eine Selbstreflektionsreise zu begeben und diese ganzen Themen zu analysieren. Wenn man eine offene Einstellung dem Thema gegenüber hat, wird man einiges mitnehmen können - und sei es auch nur, sich Zeit zu nehmen und über seine Lebensziele/-träume nachzudenken.

Für mich grenzt sich das Buch von reiner Esoterik ab, denn es geht darum, sein Leben seinen Zielen entsprechend auszurichten, und dann ergeben sich glückliche Zufälle wie von selbst, die einen zu seinen Zielen bringen.

Das Buch empfehle ich allen, die nach einem praxisorientierten Buch suchen, welches das Thema Manifestieren auf eine lockere und positive Weise vermittelt.

Veröffentlicht am 10.11.2025

Anspruchsvolle Familiensaga im kriegsgeprägten 20. Jahrhundert

Lázár
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„Lazar“ handelt von der ungarischen Adelsfamilie, die über mehrere Generationen, Umbrüche und Kriege hinweg versucht, ihren Weg durchs Leben zu finden - inspiriert durch die eigene Biografie des Autors.

Die ...

„Lazar“ handelt von der ungarischen Adelsfamilie, die über mehrere Generationen, Umbrüche und Kriege hinweg versucht, ihren Weg durchs Leben zu finden - inspiriert durch die eigene Biografie des Autors.

Die Ereignisse in dem Buch sind von einer gewaltigen Fülle. Es ist eine Familiensaga, die sich in einem schnellen Tempo entwickelt. Die kurzen Kapitel führen zu einem regelmässigen Szenenwechsel. Es werden grosse Themen angesprochen: Psychische Gesundheit, familiäre Konflikte, Krieg und Flucht, politische Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Stellenweise musste ich das Buch weglegen, da explizite Beschreibungen über den Krieg vorkommen. Dennoch hat Biedermann eine unglaublich spannende Welt geschaffen, in der ich insgesamt gerne meine Lesestunden verbracht habe.

Leider konnten mich nicht alle Figuren berühren. Viele bleiben eher oberflächlich und sind sich insbesondere in der ersten Hälfte des Buches doch sehr ähnlich. Dies hat mich enttäuscht, da die Familiengeschichte doch ein Schwerpunkt des Werks darstellt.

Der Schreibstil hat mich vollkommen überzeugt. Durch die poetische, ergreifende und bildhafte Sprache gelingt es Biedermann eine Welt zu schaffen, die den Leser vollständig in ihren Bann zieht. Biedermanns Sprache schafft eine mythische (an manchen Stellen sogar idyllische) Atmosphäre. Er spielt auch oft mit traumähnlichen Szenen, in denen die Realität und Traum ineinander übergehen. Die Komplexität der Sprache schätze ich als eher hoch ein, was die Lektüre entsprechend anspruchsvoll macht.

Ein Buch, das noch lange nach der Lektüre nachhallt und mich zutiefst beeindruckt hat. Ich empfehle das Werk allen, die nach einer anspruchsvollen Lektüre suchen.

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