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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2025

Mick Herrons Debütroman

Down Cemetery Road
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Als ich zum Buch griff, habe ich mich, als Fan seiner Bücher, über eine neue Reihe von Mick Herron gefreut. Allerdings ist “Down Cemetery Road” gar nicht so neu, denn das Buch ist im englischen Original ...

Als ich zum Buch griff, habe ich mich, als Fan seiner Bücher, über eine neue Reihe von Mick Herron gefreut. Allerdings ist “Down Cemetery Road” gar nicht so neu, denn das Buch ist im englischen Original bereits 2003 erschienen, nun liegt es erstmals auf Deutsch vor. Das ist leider komplett an mir vorbeigegangen.

Und irgendwie merkt man auch, dass Herron sich über die Jahre erst finden musste. Der trockene Humor ist da, ebenso die komplexe Story. Schnell wechselnde Schauplätze, zahlreiche Ereignisse und undurchsichtige Charaktere fordern viel Aufmerksamkeit. Genau so kennt man Mick Herron. Aber irgendwie ist es an vielen Stellen dann doch etwas zu konfus, an anderen wiederum dreht sich die Handlung im Kreis.

Ein zentraler Schwachpunkt sind für mich aber die Protagonisten. Sarah Tucker ist ziemlich verplant, oft verwirrt und permanent überfordert. Klar, sie ist Hausfrau und keine Ermittlerin, ihr Verhalten daher nur logisch. Dennoch empfand ich es an vielen Stellen als sehr anstrengend und war irgendwann auch etwas genervt von ihr. Die im Untertitel genannte Ermittlerin Zoë Boehm kommt lange nur ganz am Rande vor, erst in den letzten 100 Seiten darf sie einigermaßen aktiv an der Handlung teilnehmen.

Fazit
“Down Cemetery Road” ist kein schlechtes Buch, aber schwächelt deutlich im Vergleich zu dem, was Mick Herron später geliefert hat. Sein Humor ist großartig und sorgt immer wieder für gelungene Momente. Die Handlung und Figuren konnten mich aber nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 07.12.2025

Leider viel zu kurz

Queen Macbeth
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In ihrem neuesten Werk widmet sich die Thriller-Autorin Val McDermid der historischen Figur der schottischen Königin Gruoch, bekannt als Lady Macbeth aus Shakespeares berühmten Drama. Wobei es mit seinen ...

In ihrem neuesten Werk widmet sich die Thriller-Autorin Val McDermid der historischen Figur der schottischen Königin Gruoch, bekannt als Lady Macbeth aus Shakespeares berühmten Drama. Wobei es mit seinen gerade mal 190 Seiten eher ein Büchlein als ein Buch ist. Durch die recht große Schrift und den breiten Seitenrand ist die Geschichte dann nochmal deutlich kürzer als der erste Blick erwarten lässt.

Den knappen Umfang merkt man auch inhaltlich sehr deutlich. Es ist kein Platz, um den Charakteren echte Tiefe zu verleihen oder irgendeine Entwicklung zu beschreiben. Selbst Emotionen und dramatische Geschehnisse bleiben oberflächlich. Viele Szenen werden nur kurz angerissen, bevor es in der Handlung dann schon weitergeht. Dadurch fehlte es an zu vielen Stellen an Substanz und Kontext. Ich frage mich noch immer, welche Geschichte McDermid eigentlich erzählen wollte - und warum auf so wenigen Seiten. Denn die Geschichte ist atmosphärisch gut erzählt, sie liest sich angenehm und flüssig und die Rahmenbedingungen für eine spannende Erzählung wären auch da. Nur eben fehlt der Raum, dass eine wirklich fesselnde Erzählung entstehen kann.

Fazit
Wirklich näher kommt man Lady Macbeth durch diese Geschichte nicht. Ich hätte gerne eine längere, tiefgreifendere Version gelesen.

Veröffentlicht am 27.09.2025

Eher ein Roman für Jugendliche

Not Quite Dead Yet
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Als Teenager hätte mich das Buch vermutlich begeistert: die ein wenige makabre Story ist schnell zu lesen und kann ohne größere Durchhänger gut unterhalten. Doch als erwachsene Leserin stolperte ich in ...

Als Teenager hätte mich das Buch vermutlich begeistert: die ein wenige makabre Story ist schnell zu lesen und kann ohne größere Durchhänger gut unterhalten. Doch als erwachsene Leserin stolperte ich in beinahe jedem Kapitel über Ungereimtheiten. Der Tiefpunkt war erreicht als Jet mit ihrem Aneurysma fröhlich einen Vorschlaghammer schwingt. Auch abseits davon hat für mich vieles nicht gepasst: die Figuren sind Ende 20, benehmen sich aber wie launische Teenager, die Cops wirken lustlos und dilettantisch, Jets Erfahrungen in der Ermittlungsarbeit basieren auf einem abgebrochenen Jura-Studium und jahrelangen Netflix-Krimiabenden.

Und Jet selbst? Mit ihrer unsympathischen und überheblichen Art konnte sie bei mir keine Sympathiepunkte sammeln und ging mir recht bald auf die Nerven. Das ist allerdings noch gar nichts gegen das ewige Geschniefe: Jet schnieft, Billy schnieft, die halbe Besetzung schnieft sich durch die Kapitel. An seltsamen literarischen Stilmitteln ist das mein neuer Spitzenreiter…

Trotz meinem vielen Gemeckere liest sich das Buch erstaunlich gut weg. Bei der Handlung tut sich immer etwas, es gibt gut funktionierende Plottwists und die Auflösung ist tatsächlich überraschend. Man verdreht also an vielen Stellen die Augen, ist von Jet genervt und liest trotzdem weiter, weil man wissen will wie das alles nun ausgeht.

Fazit
An vielen Stellen total absurd, aber immerhin so unterhaltsam, dass man das Buch zu Ende lesen möchte. Irgendwie ist man dann aber auch erleichtert, dass es vorbei ist. Mein erstes Buch von Holly Jackson wird daher erstmal mein letztes bleiben.

Veröffentlicht am 18.08.2025

Kann man lesen, es gibt aber bessere Thriller

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Natalie und Dawn könnten unterschiedlicher nicht sein. Natalie ist der Verkaufsstar des Büros, sie ist gutaussehend, freundlich und beliebt. Die unscheinbare Dawn arbeitet als Buchhalterin, spricht am ...

Natalie und Dawn könnten unterschiedlicher nicht sein. Natalie ist der Verkaufsstar des Büros, sie ist gutaussehend, freundlich und beliebt. Die unscheinbare Dawn arbeitet als Buchhalterin, spricht am liebsten über Schildkröten und ist sozial sehr unbeholfen. Als Dawn eines Morgens nicht im Büro auftaucht, stolpert Natalie bald über Hinweise, die auf ein brutales Verbrechen hindeuten.

Erzählt wird das Ganze auf zwei Ebenen: in der Gegenwart begleitet man Natalie bei der Suche nach Antworten, in Rückblicken erlebt man Dawns spezielle Gedankenwelt und die Tage vor ihrem Verschwinden. Nach und nach zweifelt man am Bild der beiden Frauen, die Rollen verschwimmen und man weiß nicht mehr wer ehrlich ist und wer eine Fassade aufrechterhält. Das ist gut beschrieben und spannend zu beobachten, es gibt nur ein Problem: die Figuren sind durch die Bank weg unsympathisch. Man kann mit ihnen kaum emotional mitfiebern. Dazu kommt noch ein absolut dilettantisch handelnder Detective, dessen Ermittlungsarbeiten stellenweise unfreiwillig komisch wirkten.

Gut gefallen hat mir dafür McFaddens Schreibstil. Locker, flüssig, leicht zugänglich - man fliegt nur so durch die Kapitel. Die Wendungen in der Handlung halten die Spannung, sind gut eingebaut und die meisten davon konnten mich auch überraschen.

Fazit
Ich habe bislang viel Positives über Freida McFadden gehört, „Die Kollegin“ war mein erstes Buch von ihr. Enttäuscht hat es mich nicht, umgehauen aber auch nicht. Wer atemlose Thriller-Atmosphäre erwartet, wird hier vermutlich enttäuscht, unterhaltsam ist das Buch aber zumindest.

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2025

Konnte zu mir nicht durchdringen

Blondes Herz
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Die Geschichte von Doris, die sich trotz der erlebten Grausamkeiten ihren Mut behält, sich nicht unterkriegen lässt und sich ihren ungebrochen Freiheitswilligen erhält, ist spannend zu lesen. Emotional ...

Die Geschichte von Doris, die sich trotz der erlebten Grausamkeiten ihren Mut behält, sich nicht unterkriegen lässt und sich ihren ungebrochen Freiheitswilligen erhält, ist spannend zu lesen. Emotional fühlte ich aber insgesamt zu wenig mit ihr, dafür war mir die Geschichte, obwohl in der ich-Form verfasst, zu nüchtern und zu distanziert erzählt.

Das Buch spielt in keiner klaren Epoche. Sprache, Kleidung und Technologie sind ein bunter Mix aus modern und historisch, mir hat das nicht gefallen. Hätte die Autorin eine eigene Welt erschaffen, wäre das für mich ok gewesen. Aber dadurch, dass sie Epochen wild durcheinanderwürfelt, habe ich immer wieder gestutzt, wurde aus dem Lesefluss geworfen und in meinem Kopf konnte kein klares Bild entstehen, wie diese Welt nun eigentlich aussieht.

Auch habe ich bis zum Schluss nicht verstanden, was genau die Autorin mit dem Buch vermitteln will. Klar, es ist immer wieder sehr bewegend und dramatisch und hat dazu auch herrlich satirische Szenen, etwa wenn die blonde Doris in einem Friseursalon schmalzinkige Kämme speziell für schwer zu bändigendes “feines Flatterhaar” entdeckt. Eigentlich eine sehr gute Kombination. Aber abgesehen davon werden letztendlich historische Ereignisse und Perspektiven einfach nur umgedreht - mir haben dabei die unerwarteten Wendungen gefehlt.

Fazit
Liest sich das Buch gut? Zweifelsfrei.
Kann es eine Message vermitteln, die lange nachhallt: zumindest bei mir nicht.