Gefährliche Farben
Ralf H. Dorweiler hat mich mit seinem Kriminalroman ‘Die Farbe des Bösen‘ mächtig in Atem gehalten. Bereits im Prolog, in dem Bente um ihr Leben rennt und vor ihrem gewalttätigen Ehemann flüchtet, betritt ...
Ralf H. Dorweiler hat mich mit seinem Kriminalroman ‘Die Farbe des Bösen‘ mächtig in Atem gehalten. Bereits im Prolog, in dem Bente um ihr Leben rennt und vor ihrem gewalttätigen Ehemann flüchtet, betritt ein fürchterlich zugerichtetes Opfer die Bühne des Geschehens. Hier beginnt das große Rätselraten um eine Serie von Morden, wobei es dem Autor vortrefflich gelingt, unverhoffte Details ins Spiel zu bringen, die mich immer wieder aufforderten, neu zu denken. Es ist eine atmosphärisch sehr dichte Geschichte, die in das politische und industrielle Geschehen Hamburgs im Jahre 1887 eintaucht. Sozialdemokratischen Bestrebungen in der Stadt werden verfolgt und unterdrückt, der Kampf um menschlichere Arbeits- und Lebensbedingungen im Keim erstickt. Doch das Volk begehrt auf und seine Forderungen nach rechtswirksamen Arbeitsverträgen bekommen einen unüberhörbaren Ton der Dringlichkeit.
Während Kommissar Hermann Rieker sich diesem Fall nur mit sehr deutlichen Worten gegenüber seinem Vorgesetzten annehmen darf, ermittelt die Tochter des Richters Johanna Ahrens in äußerst gefährlicher Mission und bringt dabei sich und andere in ungeahnte Gefahr, in eine brisante Lange, die scheinbar aussichtslos scheint.
Mir gefällt der lebendige Schreibstil mit einer unglaublichen Sogwirkung, der den Zeitgeist für mich sehr authentisch wiedergibt. Schon der Gebrauch und die Schreibweise der Berufsbezeichnungen führte mich automatisch in eine vergangene Welt, die in ihrer Komplexität der Alltagsgeschehnisse wirkungsvoll in Szene gesetzt ist. Es macht einfach Spaß den Protagonisten zu folgen, mit ihnen zu ermitteln und dabei in ein Wechselbad der Gefühle zu geraten.
Der Kriminalroman ist der zweite Teil einer Fortsetzungsreihe um Rieker und Ahrens, kann jedoch ohne Kenntnis der vorangegangenen Geschichte gelesen werden. Zum Schluss lässt es sich der Autor jedoch nicht nehmen, neugierig auf das weitere Geschehen zu machen durch Andeutungen, die spannende Entwicklungen um die Protagonisten versprechen.