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Veröffentlicht am 22.02.2018

Wenn Religion und Glaube aus dem Ruder läuft

Fanatisch
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Nara ist, wie fünf andere Mädchen, spurlos verschwunden. Nach sechs Tagen kehren alle sechs Mädchen wieder nach Hause zurück: stumm, in einheitlicher Kleidung, mit einer versorgten Wunde an der Hand. Sechs ...

Nara ist, wie fünf andere Mädchen, spurlos verschwunden. Nach sechs Tagen kehren alle sechs Mädchen wieder nach Hause zurück: stumm, in einheitlicher Kleidung, mit einer versorgten Wunde an der Hand. Sechs Tage soll sie schweigen, sonst stirbt ihr Bruder. Nara kämpft gegen Ängste, gegen den Druck der Eltern und Polizei und gegen die Zeit – denn sie findet heraus, dass das Verbrechen noch nicht zu Ende ist und sie hat eine große Rolle in diesem kranken Plan …

Mit „Blind Walk“ hatte mich die Autorin Patricia Schröder schon gewonnen. Der Stil ist frisch, intensiv, ehrlich und dennoch mit Gefühl. Nicht die große Romantik ist hier mit Gefühl gemeint, sondern eben das, was ihre Charaktere und der Leser empfinden. Das kommt auch bei „Fanatisch“ extrem gut rüber.

Das Thema ist aktuell, aber dennoch kommt die Autorin ohne den erhobenen Zeigefinger aus. Sie bleibt sachlich in Bezug auf Flüchtlinge und Religion und lässt den Leser sein Urteil selbst bilden. Was falsch und schlecht ist, weiß jeder selbst, das muss man nicht noch in Großbuchstaben vorgehalten bekommen. Gerechtigkeitsempfinden aus eigenem Herzen heraus ist wichtig, nicht „erlerntes“.

Die Figuren sind sehr authentisch. Hier gibt es ganz normale Teenager, keine Superhelden, keine extrem prolligen Charaktere – einfach Teenager. Mit all ihren Sorgen und Nöten, mit völlig normalen Teenager- und Pubertätsproblemen. Und es gibt eine Bedrohung, die gar nicht so weit weg ist, wie man das gerne hätte. Doch der Leser muss mit Nara durch die komplette Geschichte, um die Lösung zu erfahren. Hier ist keine eigentliche Wendung eingebaut, sondern ein kleiner Trick, der mit super gut gefällt. Die Story kommt ganz ohne Nebenstränge aus, was meinem Geschmack sehr entgegen kommt. Ein paar Kapitel sind zwar eingestreut, die von einer anderen Position als der von Nara (vom Täter und einem weiteren Opfer) ausgehen, aber sie sind im Prinzip keine Nebenstränge. Den Großteil erzählt Nara und nimmt den Leser damit tief ins Geschehen mit hinein.

Der Spannungsbogen ist extrem gut gelungen. Er zieht sich straff, aber nicht zu straff, quer durchs ganze Buch. Man bleibt gern dran, man liest es flott weg, aber man kann auch ab und an etwas durchatmen. Nicht vergessen sollte man, dass dies ein Jugendbuch ist. Dass in diesem Genre gewisse Elemente fehlen, ist also nicht verwunderlich (und mir gerade sehr recht). Dennoch ist die Story lebendig und realitätsnah. Fast alle Charaktere hatte ich geradezu bildlich vor Augen. Sympathie und Antipathie kommt sehr einfach auf. Patricia Schröder ließ mich die Figuren fast spielerisch genau so sehen, wie sie das wollte. Das nenne ich gelungen!

Ich hatte mit „Fanatisch“ eine tolle Lesezeit. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Buch an Schulen Lesestoff wird, um mit den Kids das Thema religiöser Fanatismus zu behandeln. Von mir bekommt es auf alle Fälle die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 09.02.2018

Tolle Idee – und Spaß macht’s auch!

Die Bucket List für Paare. DAS Hochzeitsgeschenk
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Eigentlich fand ich diese Bucket-Lists echt nervig. Doch dann fiel mir „Die Bucket-List“ der Autorin in die Hände und das ist einfach genial! Nun gibt es diese Variante auch für Paare und das gefällt mir ...

Eigentlich fand ich diese Bucket-Lists echt nervig. Doch dann fiel mir „Die Bucket-List“ der Autorin in die Hände und das ist einfach genial! Nun gibt es diese Variante auch für Paare und das gefällt mir mindestens genauso gut! Es versammelt 250 völlig unterschiedliche Punkte, die man abarbeiten kann, aber nicht muss. Man kann sich beispielsweise gemeinsam 50 Punkte davon aussuchen oder auch 100 oder wie viele man eben möchte, aber man kann auch eigene Ideen anfügen. Platz dazu ist hinten im Buch genug vorhanden.

Wie im Vorgängerbuch sind auch hier nicht nur die üblichen, abgedroschenen Punkte aufgeführt, sondern auch so komische, lustige, witzige (und für jeden machbare) wie: Im Bett pupsen und danach mit dem Laken wedeln! Wirklich alle Bereiche des Lebens sind abgedeckt, was die Liste zu einer ganz besonderen, liebenswerten Sache macht. Unbeschreiblich schön!

Immer wieder finden sich auch freie Felder, um Dinge einkleben zu können – als Beweise, als Erinnerungen, als interaktiver Gag. Einfach toll und super abwechslungsreich! Es macht Spaß, durch das Buch zu blättern, die Punkte zu lesen, darüber nachzudenken (Wann haben wir beide gemeinsam das noch mal genau gemacht? Könnten wir das machen? Was, das macht einer echt?), anzukreuzen, auszufüllen – kurz und gut, das ganze Buch ist ein Hit und macht allen, die Humor haben, super gute Laune.

Für mich beinhaltet das Buch auch Punkte, die ich definitiv nie machen möchte oder kann. Und Punkte, die mich gerade deshalb nachdenklich machen. Das gefällt mir ganz besonders an diesem Buch. Man kann (gemeinsam) Punkte überspringen und vielleicht in einigen Jahren doch noch mal in Angriff nehmen, sich gegenseitig zu anderen Punkten überreden, Ersatzpunkte erarbeiten usw. Und ist man mal traurig, kann man im Buch blättern und sich freuen!

Ob nun für sich selbst oder als Geschenk, beispielsweise zur Hochzeit, das Buch ist klasse! Das Leben ist soooo schön und genau das zeigt uns das Buch. Viele Kleinigkeiten, die man leicht als selbstverständlich erachten kann, sind hier notiert und bekommen einen so viel höheren Stellenwert. Das Gefühl, wie toll man als Paar ist, wird dadurch immer wieder aktiviert. Das ist doch einfach großartig, oder? Und neue Ideen für ebensolche eigene Punkte, kommen da ganz von allein!

Ich bin total begeistert von dieser Bucket-List. Sie gefällt mir doppelt so gut, denn es geht um die Beziehung, um Gemeinsamkeit und gemeinsame – wenn auch kurze, alberne, nicht-großartige – Unternehmungen. Deshalb bekommt dieses Buch auch „doppel-fünf“-Sterne von mir!

Veröffentlicht am 07.02.2018

Langsam kocht besser – Entschleunigung in der Küche

Meine besten Rezepte für Slow Cooker und Schongarer
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Seit einiger Zeit bin ich riesiger Fan des langsamen Kochens mit dem Crockpot. Das ist anfangs eine große Umstellung, doch dann wird man schnell „süchtig“. Doch wie bereitet man all die Dinge, die man ...

Seit einiger Zeit bin ich riesiger Fan des langsamen Kochens mit dem Crockpot. Das ist anfangs eine große Umstellung, doch dann wird man schnell „süchtig“. Doch wie bereitet man all die Dinge, die man so gern isst, im Schongarer zu? Viel Ausprobieren ist da nötig, denn es gibt kaum Kochbücher dazu. Ganz klar, dass ich Freudensprünge gemacht habe, als ich Garbriele Frankemölles Buch entdeckt habe. Und noch mal, als ich entdeckte, wie toll dieses Buch tatsächlich ist!

Es finden sich zu super vielen Bereichen Rezepte, die sich leicht so variieren lassen, dass man noch mal so viele Gerichte zaubern kann. Grundrezepte sozusagen – und nicht nur für Hauptmahlzeiten, sondern auch für Suppen und Eintöpfe, süße Gerichte, Kuchen, Desserts und – was mich besonders freut – auch für Soßen, Fonds und Beilagen. Es ist eine wahre Fundgrube!

Alle Rezepte sind für den 3,5-l-Topf gedacht. Mit der Übersicht im Buch vorne kann alles leicht auf den 1,5-l-Topf herunter oder auf den 6,5-l-Topf hochgerechnet werden. Für fast jedes Rezept gibt es auch ein Foto vom fertigen Produkt. Die Anzahl der Portionen wird jedes Mal angegeben, ebenso die Vorbereitungszeit. Sehr schön finde ich die kleinen Kästchen, die für die Zutatenlisten stehen. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen sind verständlich und aussagekräftig. Zu vielen Rezepten gibt es auch kleine Tipps oder Varianten-Vorschläge. Und natürlich wurde auch die Angabe der Garzeit nicht vergessen. Besonders genial hier: man kann zwischen den Varianten HIGH und LOW wählen, ganz nach eigener Vorliebe.

Die Rezepte sind so gewählt, dass man die Zutaten beim normalen Einkauf bekommen kann und nicht extra in Spezialgeschäften danach suchen muss. Anfänger sowie Profis im Bereich Slowcooker finden hier Anregungen und kommen bestens mit den Rezepten zurecht.

Das Nachkochen macht echt Spaß und die Ergebnisse überzeugen! Bei uns wird jetzt viel öfter mit dem Slowcooker gezaubert und ich werde immer mutiger, selbst damit zu experimentieren und neue Rezepte zu „erfinden“. Aufmachung, Ausarbeitung, Anleitung und Anregung: perfekt. Macht dann auch glatt fünf Sterne!

Veröffentlicht am 06.02.2018

Der geringe Wahrheitsgehalt so mancher Zitate

»No Sports« hat Churchill nie gesagt
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In den 1980er Jahren gab es eine kleine Buchserie über Urban Legends, die ich liebte und immer wieder las. „Die Spinne in der Yucca-Palme“ war der erste Band davon. „No Sports“ hat Churchill nie gesagt ...

In den 1980er Jahren gab es eine kleine Buchserie über Urban Legends, die ich liebte und immer wieder las. „Die Spinne in der Yucca-Palme“ war der erste Band davon. „No Sports“ hat Churchill nie gesagt – Das Buch der falschen Zitate reiht sich da bestens ein. Erstaunlich, wie es immer wieder zu falschen Zitaten kommt und wie schnell und einfach sie sich hartnäckig verbreiten und „einnisten“!

Bei mir hat dieses Buch bewirkt, dass ich nie wieder ein Zitat zitieren werde, wenn ich die Quelle nicht selbst überprüft habe! Das Übernehmen ist regelrecht gefährlich, wenn man sich nicht bis auf die Knochen blamieren möchte.

Die Kapitel bzw. Abschnitte über die jeweiligen Zitate beginnen mit einer Übersicht, die das Zitat nennt, danach folgen meist der angebliche Urheber, der Grad des Wahrheitsgehaltes, die Art der Verfälschung, ein Kreativitätsgrad, der Urheber der Verfälschung, die Zeit des ersten falschen Zitierens.

Die Erklärungen sind äußerst interessant und aufschlussreich. So manches der Zitate kennt und nutzt man selbst gern. Bei einigen hätte ich zwar nicht den (angeblichen) Verfasser nennen können, dennoch kam fast schon Scham auf, dass ich sie überhaupt benutzt hatte! Aber ich kann ja über mich selbst lachen! Ich hab viel gelernt und bin sicher, dass ich immer mal wieder nachlesen werde, sobald mir eins der Zitate vorgesetzt wird!

Ich finde dieses Büchlein informativ und unterhaltsam, auch wenn man nicht auf jeder Seite laut lachen muss. Der Humor ist hier ein wenig unterschwellig, aber dennoch vorhanden. Mir hat’s gefallen! Macht dann in der Summe auch die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 05.02.2018

Trauer hat viele Gesichter – und bietet auch Chancen!

Ein ganz neues Leben
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Eineinhalb Jahre sind seit Wills Tod vergangen. Louisa hat noch immer damit zu kämpfen. Selbst die Wohnung, die sie von dem Geld, das er ihr hinterlassen hat, gekauft hat, ist noch nicht wirklich eingerichtet. ...

Eineinhalb Jahre sind seit Wills Tod vergangen. Louisa hat noch immer damit zu kämpfen. Selbst die Wohnung, die sie von dem Geld, das er ihr hinterlassen hat, gekauft hat, ist noch nicht wirklich eingerichtet. Louisa lebt aus Kartons, hat einen unterbezahlten, stressigen Job in einem Flughafen-Pub und übertüncht ihre Trauer mit Alkohol und lockeren Affären. Als sie eines Nachts zu waghalsig wird, stürzt sie von der Dachterrasse … und löst damit eine Kette von Ereignissen aus, mit denen sie nicht gerechnet hätte!

„Ein ganzes halbes Jahr“ hat mich, die ich so gut wie nie Herzschmerz-Bücher lese, unbeschreiblich berührt und verzaubert. Ich lachte, ich weinte und ich trug die Geschichte ewig im Herzen. Ganz selten wünsche ich mir Folgebände, denn Serien sind einfach sehr oft nur Aufgüsse. Aber hier – Louisa war mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es ihr „danach“ geht, was sie aus ihrem Leben macht. Kein Wunder, dass es vielen anderen Lesern auch so ging – und wunderbar, dass Jojo Moyes den Wünschen der Leser entgegenkam.

Oft werden solche Bücher dann aber deutlich schwächer, als die Bücher, auf die sie aufbauen. Doch die Autorin hat eine ganz neue, eigenständige, wunderbare Story geschaffen, die ihren ganz eigenen Zauber hat. Auch hier konnte ich wieder die ganze Bandbreite der Gefühle durchleben, zusätzlich noch Spannung und ganz oft auch mal Verwunderung. Stellenweise konnte ich weder Louisa, noch andere Figuren verstehen, doch wenn dann die Auflösungen kamen, war ich immer wieder über mich und meine automatischen Vorurteile erstaunt. Dieses Buch lehrte mich mal wieder, dass man die Dinge nie vorschnell nach dem ersten Eindruck bewerten darf, denn hinter allem und jedem steckt eine Geschichte.

Jojo Moyes hat Louisas Leben nicht komplett neu gestaltet. Das wäre auch extrem unrealistisch gewesen. Menschen ändern sich, ja, aber doch immer nur schrittchenweise. Ihre Schwester geht einen recht geraden Weg, ihre Mutter startet – für viele überraschend – ihre Selbstverwirklichung, die Liebe spielt eine Rolle, berufliche Probleme werden thematisiert … in diesem Roman steckt tatsächlich ein ganzes Leben, auch wenn nur einem kurzen Zeitraum beschreibt. So viele kleine Szenen, in denen man sich und sein eigenes Verhalten erkennen kann und aus denen man so viel für sich selbst ziehen kann (aber nicht muss)! Mir gefällt „Ein ganz neues Leben“ ganz genau so gut, wie der erste Band und freue mich sehr, dass Will zwar eine tragende Rolle spielt, das Buch aber kein billiger Abklatsch geworden ist.

Die bekannten Charaktere entwickeln sich alle auf ihre eigene Weise weiter, neue Charaktere kommen dazu. Aber alle sind einzigartig, dennoch nicht überzeichnet und wie aus dem wahren Leben gegriffen. Einzelne kleine Erzählstränge, die das Leben um Louisa herum lebendig machen, fügen sich wunderbar ineinander. Das Ende ist recht offen, aber auf eine zufriedenstellende Weise. Diesmal ist die Tür offen für einen weiteren Band. Sorgen, dass dieser eine Enttäuschung werden könnte, habe ich keine. Im Gegenteil – ich freue mich sehr darauf, Louisa noch weiter begleiten zu können.

Auf keiner der 521 Seiten habe ich mich auch nur ansatzweise gelangweilt oder fand etwas total überspannt. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass Louisa eine reale Person ist, die ihren Weg im Leben noch immer sucht und durch die Trauer um einen ganz besonderen Menschen belastet nicht immer die richtige Entscheidung trifft. Wer selbst schon tief getrauert hat, kann das vollkommen verstehen und fühlt sich durch diese Story auch verstanden. Von mir bekommt dieses Buch auf alle Fälle die kompletten fünf Sterne!