Zum Teil harte Kost
The Spirit Bares Its TeethLondon, 1883. Der sechzehnjährige Silas Bell ist trans und würde sich eher die violetten Augen ausreißen, als eine gehorsame Speaker-Ehefrau zu werden. Doch für die Welt zählt nur das Mädchen, das sie ...
London, 1883. Der sechzehnjährige Silas Bell ist trans und würde sich eher die violetten Augen ausreißen, als eine gehorsame Speaker-Ehefrau zu werden. Doch für die Welt zählt nur das Mädchen, das sie in ihm sehen will. Nach dem Scheitern seiner Flucht vor einer arrangierten Ehe wird bei Silas die Schleierkrankheit diagnostiziert – eine mysteriöse Krankheit, die violettäugige Frauen in den Wahnsinn treibt – und er landet im Braxton-Sanatorium. Als die Geister vermisster Schüler ihn um Hilfe bitten, beschließt Silas, Braxtons dunkles Inneres offenzulegen – sofern die Schule ihn nicht vorher zerstört.
Ein Buch was mich zu Anfang erstmal erschrocken hat, da der Autor schon sehr brutal in seinen Schilderungen war.
Die Geschichte wird aus Silas’ Perspektive erzählt. Der Einstieg fällt nicht ganz leicht, da der Autor einen strikten Stil hat, der nicht sofort zu verstehen ist bzw. war, jedenfalls für mich. Silas ist eigentlich ein Mädchen welche Trans ist und sich eher als Mann sieht, was zu der historischen Epoche Gegebenheit garnicht passt. Man kann auch nicht sagen, dass es sich hier um ein normalen historischen Roman handelt, da doch vieles in den Fantasybereich abdriftet. So kommt man erst nach und nach dahinter was mit einer sog. Speakergeseelschaft gemeint ist und woraus diese ihre Macht bezieht. Das bestimmte violettäugige Menschen den Schleier zwischen Leben und Tod öffnen können – ein Privileg, das ausschließlich Männern zusteht. Frauen hingegen sind auf ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu reduzieren. Menschen wie Silas die sich gegen dieses System wehren, werden als Schwachsinnige ins Sanatorium eingeliefert.
Seine psychische Belastung äußert sich in depressiven Phasen, Selbsthass und verstörenden Gedanken. Die Zustände in der Anstalt sind brutal und werden entsprechend eindringlich geschildert: Missbrauch, Gewalt und Grenzüberschreitungen prägen den Alltag.