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Veröffentlicht am 31.12.2025

Jahreshighlight!

Ava liebt noch
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Darum geht es:
Ava ist 43 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und mit einem karriereorientierten Ehemann verheiratet. Seit Jahren ist sie vollständig in den familiären Alltag eingebunden. Ihr Leben ist ...

Darum geht es:
Ava ist 43 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und mit einem karriereorientierten Ehemann verheiratet. Seit Jahren ist sie vollständig in den familiären Alltag eingebunden. Ihr Leben ist geprägt von Routinen, Verantwortung und dem stillen Zurückstellen eigener Bedürfnisse. Während ihr Mann beruflich vorankommt und die Kinder älter werden, empfindet Ava ihr eigenes Dasein zunehmend als Stillstand. Die Begegnung mit dem deutlich jüngeren Kieran wird für Ava zum Wendepunkt. Aus einer unerwarteten Nähe entwickelt sich eine Affäre, die sie mit Gefühlen konfrontiert, die sie längst verloren glaubte. In der Beziehung zu Kieran erlebt sie Selbstbestimmung, Begehren und eine Version ihrer selbst, die jenseits der Rolle als Mutter und Ehefrau existiert. Gleichzeitig steht Ava vor einem inneren Konflikt. Darf sie die heile Familie für ihr eigenes Glück opfern?

Mein Leseeindruck:
Ava liebt noch ist ein außergewöhnlich kluges und tief berührendes Buch. Selten habe ich einen Roman gelesen, in dem jedes Wort, jeder Satz und jede Seite mit einer solchen Sorgfalt und emotionalen Präzision gestaltet sind. Auf vergleichsweise schlanken 320 Seiten entfaltet sich eine bemerkenswert dichte Geschichte, die überrascht, fordert und lange nachhallt.

Ava ist eine Figur, die man nicht nur begleitet, sondern liebt, als Mensch mit all ihren Widersprüchen, Sehnsüchten und inneren Brüchen. Ihre Geschichte ist keine einfache Erzählung über Untreue, sondern eine fein durchdachte Betrachtung von Selbstverlust, Rollenbildern und dem leisen Verschwinden eigener Bedürfnisse im Alltag von Ehe, Familie und Verantwortung. Obwohl Ava ihren Mann betrügt, ein Umstand, der meinen eigenen Werten grundsätzlich widerspricht, fühlte sich dieser Schritt innerhalb der Geschichte zu keiner Sekunde falsch an. Die Autorin moralisiert nicht, sie erklärt nicht, sie rechtfertigt nicht. Stattdessen lässt sie verstehen.

Besonders hervorzuheben ist die meisterhafte Darstellung der gesamten Familienkonstellation. Avas Ehemann, die Kinder sowie die Affäre sind vielschichtig, glaubwürdig und mit großer psychologischer Feinheit gezeichnet. Alle tragen zur emotionalen Wahrheit der Geschichte bei.

Der Roman wird leise erzählt und wirkt dabei umso eindringlicher. Es ist ein Buch über Begehren, Identität und die Frage, ob man sich selbst verlieren darf, um das scheinbar Richtige zu bewahren. Für mich war dieser Roman ein absolutes Jahreshighlight, klug, mutig und von seltener emotionaler Ehrlichkeit. Vielen Dank, liebe @verazischke für diesen Buch-Diamanten ❤️

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Eine Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen gefesselt hat.

Die Heilerin des Nordens
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Darum geht es:

Im Lappland des 19. Jahrhunderts wächst Miija in einer Welt auf, die tief mit der Natur und den spirituellen Traditionen der Samen verbunden ist. Als Tochter einer Schamanin trägt sie früh ...

Darum geht es:

Im Lappland des 19. Jahrhunderts wächst Miija in einer Welt auf, die tief mit der Natur und den spirituellen Traditionen der Samen verbunden ist. Als Tochter einer Schamanin trägt sie früh eine besondere Verantwortung, die sie zugleich ehrt und von anderen trennt. Während äußere Einflüsse wie das Christentum und die moderne Heilkunst zunehmend in das Leben ihres Volkes eingreifen, gerät Miija zwischen Tradition und Veränderung. Inmitten dieses Umbruchs muss sie ihren eigenen Weg finden, zwischen Glauben, Herkunft und einer Begegnung, die ihr Leben nachhaltig prägt.

Mein Leseeindruck:

Für mich ist Ines Thorn die Queen des historischen Romans und auch mit diesem Buch hat sie mich vollkommen überzeugt. Die Geschichte beginnt am 13. Januar 1833 und begleitet Miija von ihrer Geburt bis ins Erwachsenenalter. Schon sehr früh ist sie mir ans Herz gewachsen, denn die Autorin hat mit ihr eine großartige Protagonistin geschaffen. Miija ist eine Figur voller Tiefe und besonderer Charakterzüge. Man spürt ihre Stärke, ihre Verletzlichkeit und ihre unerschütterliche Verbundenheit zu ihrer Welt, und genau das macht sie so einzigartig und lebendig.

Bereits nach dem ersten Kapitel entwickelte der Roman eine starke Sogwirkung. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, da es auf keiner einzigen Seite langweilt. Ich habe mit Miija gelitten, gelacht, gehofft und gebangt. Ihre Geschichte hat mich emotional durchgehend begleitet.

Besonders beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich und stimmungsvoll die Autorin schamanische Rituale und Bräuche in die Handlung einbindet. Die Natur Lapplands wird mit großer Kraft beschrieben. Mächtig, rau und zugleich unnahbar. Wind, Kälte und die endlose Weite waren für mich beim Lesen spürbar und haben eine außergewöhnlich dichte Atmosphäre geschaffen. Ich habe den Roman zufrieden und glücklich beendet. Es bleibt das Gefühl, eine besondere Geschichte gelesen zu haben. Intensiv erzählt, atmosphärisch dicht und emotional tiefgehend. Ich hoffe sehr, noch viele weitere historische Romane von Ines Thorn lesen zu dürfen.

Fazit:

5/5 ⭐️ Eine Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen gefesselt hat. Eine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Ein tief berührender Roman, der Geschichte lebendig macht und lange im Herzen bleibt.

Lebensbande
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Darum geht es:
Die Geschichte erzählt vom Schicksal dreier Frauen, deren Leben während und nach dem Zweiten Weltkrieg eng miteinander verbunden ist. In einer Zeit voller Angst und Bedrohung entwickeln ...

Darum geht es:
Die Geschichte erzählt vom Schicksal dreier Frauen, deren Leben während und nach dem Zweiten Weltkrieg eng miteinander verbunden ist. In einer Zeit voller Angst und Bedrohung entwickeln Lene, Nora und Lieselotte eine tiefe Freundschaft, die sie über große Entfernungen und schwerste Prüfungen hinweg trägt. Sie erleben Krieg, Verfolgung und Zwangsarbeit in der Sowjetunion und müssen Entscheidungen treffen, die ihr Leben und das der Menschen, die sie lieben, maßgeblich beeinflussen. Jahrzehnte später bringt ein unerwarteter Brief die Vergangenheit erneut in das Leben einer der Frauen und konfrontiert sie mit Erinnerungen, die lange zurückzuliegen schienen.

Mein Leseeindruck:
Ein Lesegenuss vom Allerfeinsten!
Bevor ich erzähle, warum mich dieses Buch so sehr berührt hat, möchte ich euch unbedingt ans Herz legen, wenn ihr die Chance habt, eine Lesung von Mechthild Borrmann zu besuchen, nutzt sie. Es macht große Freude, Hintergründe zu erfahren und ihre Texte von ihr selbst lesen zu hören.

Der Roman erzählt die Geschichte von Lene, Nora und Lieselotte, drei Frauen, deren Leben vom Zweiten Weltkrieg bis zum Mauerfall in Ost und Westdeutschland eng miteinander verbunden sind. Auf zwei Zeitebenen entfaltet sich die Handlung, in der Gegenwart 1991 und in der Vergangenheit ab 1931.

Die Erzählweise ist zart und leise und gleichzeitig unglaublich kraftvoll. Man spürt die Freude, das Glück und die Hoffnung, aber auch den Schmerz, der oft so nah beieinanderliegt. Ich habe die Protagonistinnen mit dem Herzen begleitet, mit ihnen gelitten, gehofft und gestaunt. Diese Geschichte bewegt, erschüttert und berührt. So könnte Geschichtsunterricht wirklich Spaß machen. Ein Buch, das noch lange nachklingt.

Fazit:
5/5 ⭐ Ein tief berührender Roman, der Geschichte lebendig macht und lange im Herzen bleibt. ♥️

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Ein starker achter Band, der die Reihe auf hohem Niveau fortsetzt.

Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit
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Darum geht es:
Berlin 1932. Die Hebamme Hulda Gold arbeitet im Frauengefängnis in der Barnimstraße und kümmert sich dort um inhaftierte Schwangere. Sie begegnet Frauen, die oft verzweifelt sind und kaum ...

Darum geht es:
Berlin 1932. Die Hebamme Hulda Gold arbeitet im Frauengefängnis in der Barnimstraße und kümmert sich dort um inhaftierte Schwangere. Sie begegnet Frauen, die oft verzweifelt sind und kaum Gehör finden. Als eine junge Insassin innerhalb der Gefängnismauern plötzlich stirbt, kommen Zweifel an der offiziellen Todesursache auf. Der Verdacht richtet sich gegen Anna Marwitz, die wegen Mordes verurteilt wurde und kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes steht. Hulda beginnt, an ihrer Schuld zu zweifeln. Die Ermittlungen übernimmt Kriminalkommissarin Irma Siegel, mit der Hulda eine schwierige gemeinsame Vergangenheit verbindet. Während sich die politischen Verhältnisse in Deutschland zunehmend zuspitzen und radikale Kräfte an Einfluss gewinnen, geraten beide Frauen in einen gemeinsamen Kampf gegen Unrecht. Sie kämpfen für die Zukunft aller Frauen und den Schutz ihrer Familien.

Mein Leseeindruck:
Anne Stern schafft es auch im achten Band der Reihe „Die Hebamme von Berlin“ wieder mühelos, mich von der ersten Seite an in ihre Geschichte hineinzuziehen. Ihr stimmungsvoller, feinfühliger Schreibstil lädt sofort zum Abtauchen ein. Kaum aufgeschlagen, befindet man sich mitten im Berlin des Jahres 1932. Seit dem ersten Band verfolge ich mit großer Begeisterung nicht nur die politische Entwicklung dieser Zeit, sondern ganz besonders den Weg von Hulda Gold. Ich liebe es, wie Anne Stern über all die Jahre hinweg Huldas private Entwicklung erzählt. Zu lesen, wie Hulda den Spagat zwischen Beruf, Verantwortung und ihrem ganz persönlichen Leben meistert, ist für mich einer der schönsten Aspekte dieser Reihe. Der achte Band führt uns diesmal in das berühmt berüchtigte Frauengefängnis in der Barnimstraße. Ein Setting, das ich als äußerst gelungen empfunden habe. Dank der hervorragend recherchierten Details und der spürbaren Ortskenntnisse der Autorin entsteht beim Lesen ein eindringliches Bild. Die Mordaufklärung entfaltet sich vor einer düsteren, beklemmenden Atmosphäre, während der Nationalsozialismus immer stärker seine Schatten vorauswirft.

Ein besonderes Highlight war für mich das Wiedersehen mit vertrauten, liebgewonnenen Figuren, die sich wie alte Bekannte anfühlen und der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen. Der Preis der Freiheit verbindet historische Spannung mit viel Gefühl und beleuchtet eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte auf bewegende und fesselnde Weise.

Fazit:
5/5 ⭐️
Ein starker achter Band, der die Reihe auf hohem Niveau fortsetzt.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Ein literarisches Meisterwerk, das unter die Haut geht!

Da, wo ich dich sehen kann
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Darum geht es:
Maja ist neun Jahre alt, als ihre Welt auseinanderbricht. Zwischen einem herrischen Vater und einer liebevollen, unterdrückten, müden Mutter wächst sie in einem Zuhause auf, in dem Schweigen ...

Darum geht es:
Maja ist neun Jahre alt, als ihre Welt auseinanderbricht. Zwischen einem herrischen Vater und einer liebevollen, unterdrückten, müden Mutter wächst sie in einem Zuhause auf, in dem Schweigen die Luft füllt. Niemand erklärt ihr, warum Dinge so sind, wie sie sind. Als der Vater die Mutter brutal ermordet, zerreißt etwas. Nicht nur die Familie, sondern auch Majas Vorstellung davon, was sicher und verlässlich ist. In dieser Dunkelheit wird ihre Patentante Liv, eine Astrophysikerin, zu einer wichtigen Bezugsperson. Sie zeigt Maja den Himmel, spricht mit ihr über Sterne, Lichtjahre und die unendliche Weite des Universums. Zwischen Fragen über das Leben und den Kosmos entsteht eine leise Nähe. Liv wird für Maja zu einem Lichtblick. Jemand, der ihr hilft, das Unbegreifliche langsam in Worte zu fassen und wieder einen Platz in der Welt zu finden.

Mein Leseeindruck:
Für mich war dieser Roman ein emotionales, glühendes Feuerwerk an Gefühlen. Es ist mein erster Roman von Jasmin Schreiber, aber ganz bestimmt nicht mein letzter. Ihr Schreibstil ist bildgewaltig, sie beschönigt nichts, und doch trifft jede Szene mit einem unglaublichen Fingerspitzengefühl ins Herz. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Die Autorin lässt ihre Protagonisten zu Wort kommen. Jede Figur ist facettenreich, lebendig und unvergesslich. Man leidet, hofft und trauert mit ihnen. Besonders Maja, die erst neun Jahre alt ist und so etwas Schreckliches miterleben muss, hat mich tief erschüttert.
Es tat mir unendlich weh, dass dieses junge Mädchen durch solche Gewalt gehen muss, aber gerade diese Nähe zu ihr macht das Buch so bewegend und greifbar. Ein Femizid erschüttert eine Familie und zieht weite Kreise in einer Gemeinschaft, die plötzlich aufbricht.
Aus den verschiedenen Perspektiven entfaltet sich ein vielstimmiges Bild von Angst und Ohnmacht. Ein Roman über das Versagen von Systemen, die Verantwortung verweigern, und über Menschen, deren Leben sich inmitten des Schocks neu ordnen muss. Diese Story wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben, nicht nur wegen der tragischen Ereignisse, sondern vor allem wegen der unvergesslichen Figuren, der berührenden Erzählweise und der Nähe zu Maja, die das Herz so schwer macht.

Fazit:
5/5 ⭐️ Ein literarisches Meisterwerk, das unter die Haut geht, nachhallt und zwingend zum Nachdenken anregt. Absolut lesenswert. ❤️❤️❤️

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