Profilbild von Arbade

Arbade

Lesejury Star
offline

Arbade ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Arbade über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2026

Dunkle Seiten des glanzvollen Lebens

Arrivederci Jesolo
0

Das Cover des Buches verrät sofort den Schauplatz dieses Italien-Krimis: Es ist Jesolo, ein angesagter Ferienort an der italienischen Adriaküste. Auch die Reichen und Schönen verbringen hier gerne ihre ...

Das Cover des Buches verrät sofort den Schauplatz dieses Italien-Krimis: Es ist Jesolo, ein angesagter Ferienort an der italienischen Adriaküste. Auch die Reichen und Schönen verbringen hier gerne ihre Zeit; viele Künstler sind hier aktiv, es gibt diverse kulturelle Veranstaltungen und Kunstausstellungen.

Der Maler Gustav Görlitz aus Wien, der Star der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig, soll dort an dem Abend eine Rede halten. Doch dazu kommt es nicht: kurz davor findet man seinen leblosen Körper in einem Freizeitpark in Jesolo. Noch vor wenigen Stunden hat Ambra Santoro, Journalistin des Lokalsenders Jesolo24, ein Interview mit dem Opfer geführt. Jetzt steht sie dem hiesigen Commissario Vialli zur Seite; beide versuchen den mysteriösen Todesfall zu lösen.

Einen kurzweiligen Krimi bietet Nadia Weiss mit ihrem Debütroman „Arrivederci Jesolo“. Nicht nur der brutale Mord an einem Ort, der von Familien mit Kindern gerne besucht wurde, sorgt für viel Spannung. Auch die Ermittlungen in dem Mordfall, welche der eigenwillige Commissario Vialli übernimmt, verlaufen äußerst spannend. Ungewöhnlich ist es, dass die Journalistin Ambra Santoro ihn dabei unterstützen kann; mehr noch, die beiden agieren gemeinsam und sprechen ihr Handeln miteinander ab.
Bildhaft beschreibt die Autorin die Orte des Geschehens, liefert viele nützliche Informationen über den beliebten Ferienort und seine Attraktionen. Beim Lesen erkennt man viele Orte, die man vom eigenen Urlaub in Jesolo kennt; die Handlung wirkt dadurch authentischer, realistischer.

Nadia Weiss lässt uns auch hinter die Kulissen des scheinbar perfekten, sorgenlosen Lebens der Reichen und Schönen blicken und enthüllt dabei dessen dunkle Seiten mit Geheimnissen, Lügen, Machenschaften und verhängnisvollen Affären.
Ebenso überzeugt hat mich das ungewöhnliche Ermittlerpaar: der attraktive Commissario Vialli und die Ex-Miss-Jesolo Ambra Santoro, die sich bei den Ermittlungen wunderbar ergänzen können und auch privat gerne die Zeit miteinander verbringen.

Der angenehme flüssige Schreibstil der Autorin lässt die Buchseiten nur so dahinfliegen, gerne hätte ich mehr davon. Auf die Fortsetzung der Reihe bin ich sehr gespannt. Der nächste Krimi mit Commissario Vialli und Journalistin Santoro erscheint am 11. März 2026 im Gmeiner Verlag.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.02.2026

Interessante Familiengeschichte

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
0

Mit dem Buch „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ endet im Jahr 2023 die Geschichte der Familie Borowski. Die 34-jährige Hannah Borowski lebt und arbeitet in Berlin, führt einigermaßen ruhiges ...

Mit dem Buch „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ endet im Jahr 2023 die Geschichte der Familie Borowski. Die 34-jährige Hannah Borowski lebt und arbeitet in Berlin, führt einigermaßen ruhiges Leben. Bis plötzlich ihr Vater, den sie bisher nicht gekannt hat, auftaucht und ihr Leben durcheinanderwirbelt. Nach dem verschollenen Bild sucht Hannah nicht mehr.

Auch in dem Teil der Jahrhundertgeschichte gibt es einen zweiten Handlungsstrang, der mich diesmal direkt nach Güstrow im Mai 1945 führt. In dem verlassenen Forsthaus versteckt sich die 14-jährige Waise Marlen vor den russischen Soldaten und findet dort in einer alten Kommode eine Leinwand, die sie dann mitnimmt. Bei der Künstlerin Wilma Engels findet Marlen ihr neues Zuhause.

Beide Geschichten sind sehr interessant. Beide erzählen über bewegende Frauenschicksale, beide vermitteln ein Teil der deutschen Geschichte. Die bildhaft dargestellten Ereignisse wirken authentisch, ließen mich in das Geschehen eintauchen. Besonders interessant fand ich die Erzählung über die Nachkriegszeit in Güstrow, über die Veränderungen, die diese Ära für die Bevölkerung mit sich brachte. Alle Protagonisten überzeugen mit ihrem Handeln, ihre Sorgen und Gedankengänge sind nachvollziehbar und glaubwürdig.

Etwas enttäuscht hat mich die Geschichte des verschollenen Bildes, die im ersten Buch so viel Platz einnahm und hier nur am Rande behandelt wurde.

Die Familiengeschichte Borowskis wurde in drei Büchern erzählt. Auch wenn jedes Buch in sich abgeschlossen ist und alle drei unabhängig von einander gelesen werden können, bin ich froh, zuerst das erste Buch gelesen zu haben. So wurden für mich die Ereignisse des gesamten Jahrhunderts klarer, die Charaktere vertrauter.
Fazit: eine lesenswerte Geschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2026

Die Geschichten des alten Hauses

Das Polenhaus
0

Ein verlassenes Bauernhaus mit einem wunderschönen Obstgarten hat dem Journalisten Stéphane angetan: Er beschließt das Grundstück mit dem verfallenen Haus, eigentlich schon eine Ruine, im Jahre 2014 zu ...

Ein verlassenes Bauernhaus mit einem wunderschönen Obstgarten hat dem Journalisten Stéphane angetan: Er beschließt das Grundstück mit dem verfallenen Haus, eigentlich schon eine Ruine, im Jahre 2014 zu kaufen und es neu zu errichten. Die Menschen in der Gegend raten dem neuen Hausbesitzer das „Polenhaus“, wie man es abschätzig im Dorf nennt, sogar abzureißen.
Während der Umbauarbeiten stößt Stéphane auf die Spuren der dramatischen Vergangenheit seiner Vorbesitzer; ein unheimlicher Fund lässt ihm keine Ruhe mehr. Nicht nur die ungeklärte geheimnisvolle Geschichte des Hauses und seiner früheren Bewohner raubt ihm den Schlaf, er versucht auch mit der eigenen dramatischen Vergangenheit abzuschließen.

In dem parallel verlaufenden Handlungsstrang erzählt der Autor die Geschichte der früheren Besitzer des Hauses. Diese Geschichte beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts; damals wohnte Teresa mit ihren Eltern und Brüdern in einem kleinen Dorf in Russisch-Polen.
Um dem Hunger und Armut zu entkommen, melden sich Teresa und ihr Bruder Adam bei einer Anwerbeagentur, die Saisonmitarbeiter für die Landwirtschaft in Frankreich suchte. Das Leben in Frankreich und die Arbeit sind nicht einfach, doch als 1914 der Krieg ausbricht, sind die polnischen Saisonarbeiter gezwungen vorerst in Frankreich zu bleiben.

Für Teresa beginnt ein leidvoller Lebensabschnitt in der Fremde; voreilige Heirat, das Leben mit einem gewalttätigen alkoholsüchtigen Mann, unzählige Schwangerschaften, schwere Arbeit, Heimweh und Angst vor der ungewissen Zukunft.

Beide Geschichten sind sehr interessant und emotional. Beide Hauptfiguren, Teresa und Stéphane, erleben Tragisches, was ihr Leben nachhaltig prägt. Während Stéphane einen Neuanfang wagt, blieb Teresa ihrem alten Leben mit all seinen Regeln und Zwängen treu.
Teresas Lebensgeschichte hat mir besonders gefallen; ihr leidvoller Lebensweg in der Fremde, aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, macht sie – trotz all ihrer Verfehlungen - zu einer sympathischen Figur, mit der man mitfühlt und mitleidet.
Sehr interessant fand ich die geopolitische Lage Europas zu der Zeit, und das Leben der Menschen in einem Land, das sie ihre Heimat nannten, obwohl es auf keiner Karte zu finden war. Genauso spannend sind die Einblicke in das Leben der polnischen Saisonarbeiter in der Fremde; und wie sie, trotz aller Vorurteile und Gemeinheiten, ihr Leben meistern konnten. Hier hätte ich die entsprechenden Landkarten sehr begrüßt.

Überwiegend nüchtern und sachlich erzählt Gregor Höppner die beiden Geschichten, welche mit ihren Höhen und Tiefen gleichermaßen faszinieren, wie auch berühren. Die Protagonisten wirken lebensecht, authentisch. Wie der Autor im Nachwort verrät, Teresas Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.
Das spannende Buch habe ich mit großem Interesse gelesen und empfehle es gerne weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2025

Fesselnd über die Bedeutung von Erinnerungen

Das Buch der verlorenen Stunden
0

Alles beginnt wie ein Märchen: mit der elfjährigen Lisavet begeben wir uns in eine mysteriöse Bibliothek, in der die Bücherregale vollgestopft mit unzähligen Büchern sind. Diese Bücher sind kostbar, denn ...

Alles beginnt wie ein Märchen: mit der elfjährigen Lisavet begeben wir uns in eine mysteriöse Bibliothek, in der die Bücherregale vollgestopft mit unzähligen Büchern sind. Diese Bücher sind kostbar, denn dort wurden die menschlichen Erinnerungen aufbewahrt und nur die Zeithüter können über diesen magischen Ort bestimmen.

Sehr spannend und emotional ist der Anfang der Geschichte, in der sowohl die wichtigen historischen Ereignisse, wie auch die bewegenden Menschenschicksale bedeutende Rolle spielen. 1938 versteckt ein jüdischer Uhrmacher seine Tochter Lisavet in dem Zeitraum; so rettet er ihr das Leben. Viele Jahre später wurde ein anderes Mädchen, Amelia, in den Zeitraum geschickt, um eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.

Hayley Gelfuso kreiert in ihrem Roman einen mystischen Ort, der außerhalb von Zeit und Raum existiert: einen Zeitraum, der zwar für normale Menschen nicht zugänglich ist, aber ihr Leben und das Zeitgeschehen bedeutend beeinflussen kann. Es ist ein mysteriöser und gleichzeitig ein magischer Ort, an dem Lisavet die Zeit flüstern hört, gute Geister und Zeithüter trifft. Hier begegnet sie dem Zeithüter Ernest, hier sammelt sie in ihrem eigenen Buch Erinnerungen, die nicht in die Vergessenheit geraten sollten.

In einer bildhaften, oft poetischen Sprache erzählt die Autorin diese außergewöhnliche Geschichte. Die lebendige Erzählung erzeugt Bilder im Kopf, die viele Emotionen wecken, berühren und verzaubern.
Der parallele Handlungsstrang, in dem die Geschichte nach dem Krieg weiterspielt, verliert etwas von dem magischen Zauber. Der Roman entwickelt sich zu einem temporeichen Mystery-Thriller mit vielen überraschenden Wendungen. Und auch dieser Teil der Geschichte fesselt und ließ mich um das Schicksal der Protagonisten bangen. Das Buch endet mit einer unerwarteten Lösung, die mich nicht vollständig überzeugen konnte.

Den phantasievollen, fesselnden Roman habe ich jedoch sehr gerne gelesen. Den Fantasy-Teil habe ich genossen, die Idee mit den Erinnerungen in einem Zeitraum fand ich faszinierend. Das gesamte Buch bietet gute Unterhaltung und ist absolut lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.10.2025

Ein eigener Garten Eden

Wilder Honig
0

In ihrem neuesten Roman „Wilder Honig“ erzählt Caryl Lewis über drei Frauen, die nach schicksalhaften Lebensereignissen einen Neuanfang wagen.

Eine davon ist Hannah, die gerade um ihren verstorbenen ...

In ihrem neuesten Roman „Wilder Honig“ erzählt Caryl Lewis über drei Frauen, die nach schicksalhaften Lebensereignissen einen Neuanfang wagen.

Eine davon ist Hannah, die gerade um ihren verstorbenen Mann trauert. John war ihre große Liebe, mit ihm hat sie viele Jahre in einer glücklichen Ehe verbracht - dachte sie. Aber dann erfährt sie aus den Briefen, die John ihr hinterlassen hat, sein großes Geheimnis. Und ihre Welt gerät ins Wanken.

Sadie, Hannahs Schwester, unterstützt sie in der schweren Zeit. Sie selbst ist vor langer Zeit aus dem Elternhaus ausgezogen und hatte den Kontakt mit der Familie abgebrochen. Auch sie hütet ein Geheimnis, auch sie ist vom ihren bisherigen Leben enttäuscht.

Und dann ist noch Megan, eine junge Frau, die von den Schwestern auf den Hof in Berllan Deg eingeladen wurde. Ihr eigenes Geheimnis verrät Megan erst zum Schluss.

In seinen Briefen an Hannah erzählt John, der Schriftsteller und Imker war, viel über Bienen und ihr Leben, zieht in diesen Erzählungen Parallelen zur Ehe mit Hannah. Mit diesen Metaphern versucht John sein Handeln und seine Gefühle zu erklären.
Dieses Buch hat mich vor allem mit seiner Sprache überzeugt. Die bildhaften Beschreibungen der Natur, des Bienenlebens und des lebenden Gartens haben mir sehr gefallen. Anstrengend jedoch fand ich die detaillierten Schilderungen der einzelnen Arbeitsschritte bei der Gartenpflege oder in der Imkerei. Viel lieber hätte ich mehr über die Vergangenheit von Megan oder Sadie erfahren; darüber fallen nur gelegentlich am Rande kurze Bemerkungen.

„Wilder Honig“ ist eine ruhige Geschichte, die vielen Emotionen weckt und zum Nachdenken anregt. Manches in dem Roman bleibt – genauso wie im wahren Leben - bis zum Schluss unerklärt, offengelassen.

Und manche weisen Botschaften -wie diese von Hannah - sollte man sich merken, und am besten befolgen:
…in letzter Zeit denke ich immer wieder darüber nach, wie es wäre, wenn man seinen eigenen Garten Eden, nach seinen Vorstellungen, erschaffen würde…und all das, was man ererbt hat, vergessen würde.“ (179)

Ein schöner Satz, ein schöner Traum! Eine schöne Lebensaufgabe!
Der Roman „Wilder Honig“ – lehrreich, lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere