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annuschkar

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2026

Große Empfehlung

Nachts am Askanischen Platz
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Im Jahr 1928 wird im Hinterhof des „Cabaret des Bösen“ eine Leiche gefunden, die Identität wirft für Leo Wechsler und sein Team viele Fragen auf. Welche Rolle spielen die Akteure in diesem Sensationstheater? ...

Im Jahr 1928 wird im Hinterhof des „Cabaret des Bösen“ eine Leiche gefunden, die Identität wirft für Leo Wechsler und sein Team viele Fragen auf. Welche Rolle spielen die Akteure in diesem Sensationstheater? Und wie passt Jelena, die mysteriöse Russin, ins Bild, die auf einmal im Theater auftaucht?

Auch im sechsten Teil der Kriminalroman-Reihe bekommen wir einen spannenden Fall präsentiert, der am Anfang noch undurchdringlich erscheint, sich dann aber wie eine Lotusblüte öffnet und genau so vielschichtig ist. Militärgeschichte von deutschen Kriegsgefangenen, historische Polizeiarbeit, eine herzzerreißende Liebesgeschichte - eingebettet in den Kontext der späten 1920er Jahre.

Im Gegenteil zu anderen Krimireihen bekommen wir hier etwas weniger Lokalkolorit, dafür aber mehr Einblicke in das „echte“ Leben. Die Ermittlerkollegen Jakob Sonnenschein und Robert Walther werden ebenso beleuchtet wie Leo Wechsler und seine eigene Familie.

Mit 312 Seiten ist es ein eher kürzeres Buch, was den verkürzten und etwas gehetzt wirkenden Einstieg erklären mag. Dies hat mir zu Beginn etwas Sorgen bereitet, sich dann aber schnell gelegt, als die Gesichte so richtig an Fahrt aufgenommen hat.

Bisher vermutlich mein liebster Teil der Reihe und eine große Empfehlung für alle Fans von nicht so derben und weniger blutigen Krimis mit einem historischem Faible.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Charaktere mit Vorbildfunktion

Vielleicht nie (Vielleicht-Trilogie, Band 2)
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Joanas Leben läuft perfekt nach Plan, nur ist es der Plan ihrer verstorbenen Schwester an deren Tod sie sich die Schuld gibt. Als der Bruder ihrer besten Freundin wieder in München auftaucht, weckt der ...

Joanas Leben läuft perfekt nach Plan, nur ist es der Plan ihrer verstorbenen Schwester an deren Tod sie sich die Schuld gibt. Als der Bruder ihrer besten Freundin wieder in München auftaucht, weckt der Adrenalinjunkie Killian Träume und Sehnsüchte in ihr, die sie sich eigentlich nicht erlauben kann.

Jo ist eine kantige Protagonisten voller selbst auferlegten Zwängen und Prinzipien, die erst erkennen muss, dass sie sich selbst im Weg steht. Killian ist sorg- und zwanglos, der sein Dasein auf Gottes grüner Erde eigentlich nur genießen möchte, ohne Einschränkungen und der Beständigkeit, die ihm Angst macht.

Seit dem sie klein sind, geraten sie mit Worten wieder und wieder aneinander, weil es ihnen einfach Spaß macht, sich gegenseitig zu triezen. Das Geplänkel der Beiden ist super natürlich und sprüht nur so vor Funken. Es knistert auf jeder Seite.

Beide sind unglaublich charakterstark und auf ihrer Seite ein Vorbild für mich geworden. Die Entwicklung dieser frenemies with benefits Geschichte passiert auf der einen Seite sacht und schleichend und auf der anderen Seite explosiv zwischen Wiesn und Weihnachtsmarkt. Dabei entwickeln sich beide Charaktere weiter, erkennen eigene Baustellen und machen den jeweils anderen einen Stück besser.

Third-Arch-Breakups bleiben meine Nemesis, aber hier waren es zum Glück nur ca. 20 Seiten und das letzte Kapitel hat es für mich wieder wett gemacht. I loved it.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Für jeden Titanic-Fan

Schiff der verlorenen Träume
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Fast 20 Jahre begleitet mich nun diese Obsession für die Geschichte der Titanic. Neben fiktionalen Werken versuche ich auch alles an Sachbüchern, Dokumentationen und anderem zu diesem Thema zu verschlingen ...

Fast 20 Jahre begleitet mich nun diese Obsession für die Geschichte der Titanic. Neben fiktionalen Werken versuche ich auch alles an Sachbüchern, Dokumentationen und anderem zu diesem Thema zu verschlingen und als ich dann per Zufall gesehen habe, dass es einen deutschen Roman in diesem Setting gibt, musste ich diesen haben.

Ich wurde nicht enttäuscht. Die Liebesgeschichte von Catherine, dem Mädchen aus gutem Hause die gezwungen wird jemanden zu heiraten und dem ersten Offizier Murdoch, der das Meer mehr liebt als seine Ehefrau wird mit einem federleichten Schreibstil erzählt, wobei die historischen Gegebenheiten gut aufgearbeitet werden. Am Anfang fühlt es sich fast ein wenig an, als würde man eine Folge Downtown Abbey schauen.

Während die Titanic also auf ihre Jungfernfahrt geht und sich eine berührende Liebesgeschichte entspannt, wurde ich in den Bann des Buches gezogen, denn natürlich weiß der Leser was passiert - die Titanic wird untergehen und lässt das alles in einem bittersüßen Licht erstrahlen.

Es werden reichlich Intrigen gesponnen und die wenigen Tage an Bord sind voll mit Wendungen, denn neben Catherine und Murdoch treten noch andere Figuren auf. So Catherines Kammerzofe Josephine mit einer tragenden Rolle, oder ihr Verlobter Josef, oder dessen bester Freund Alfred, oder dessen Angebetete, oder Catherines eigentlich Verlobter Matthew, oder ihr Bruder George, oder ihre beste Freundin - zusätzlich zu etlichen real existierenden Personen, die wir aus der Geschichte bereits kennen.

Und das ist der Knackpunkt an der Geschichte. Es entstehen zu viele von einander abhängigen Beziehungen die die Story verdichten und zu chaotisch machen. Schön finde ich, dass auch die verwirrenden Anhörungen und Untersuchungen nach dem Untergang thematisiert werden.

Ich konnte das Buch nur schlecht aus der Hand legen und habe sogar ein paar Tränchen verdrückt - große Empfehlung.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Ein letztes Mal Viktoria & Christian

Das verschwundene Fräulein
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Norderney, 1914. Während die ersten Vorboten von Krieg die Sommergäste in Aufruhr versetzen, wartet Kriminalassistent Christian Hinrichs gespannt auf die Ankunft von Viktoria Berg. Sie ist ihm noch die ...

Norderney, 1914. Während die ersten Vorboten von Krieg die Sommergäste in Aufruhr versetzen, wartet Kriminalassistent Christian Hinrichs gespannt auf die Ankunft von Viktoria Berg. Sie ist ihm noch die Antwort auf die Frage schuldig, ob sie ihn denn heiraten möchte. Da wird Admiralstochter Ilse von Manteuffel entführt und der Entführer gibt Hinrichs und der Familie drei Tage Zeit sie zu finden, oder sie stirbt. Aber ist es wirklich eine politisch motivierte Tat oder finden sich die Beweggründe nicht eher in den dunklen Geheimnissen der adligen Marinefamilie?

Der letzte Band der Seebadkrimi-Reihe fühlt sich etwas kühler an, als die vorherigen Bücher, denn es geht auf Krieg an. In der historischen Retrospektive kann man nur Mitleid mit den Leuten haben, denn der Leser weiß was kommt und vielleicht fühlt sich die Sommerfrische 1914 deswegen auch so anders an. Im gewohnt leichten Schreibstil lernen wir weniger Leute auf der Promenade kennen, sind weniger in den glamourösen Hotels und Pensionen unterwegs und essen weniger Moccatorte. Stattdessen tritt Viktoria mehr in den Hintergrund, wir lernen mehr über das Leben der Einheimischen, der Dienstboten und von Christians Gefühlswelt kennen.

Wir beschäftigen uns aktiv mit der Rolle der Frau im frühen 20. Jahrhundert und mit der Frage ob es möglich ist, berufstätig und verheiratet zu sein und ob man als junge Frau überhaupt die Möglichkeit hat über sein eigenes Leben zu entscheiden.

Wir versuchen einen spannenden Entführungsfall zu lösen, der uns oft im Dunklen tappen lässt und lernen nebenbei noch viel über die Welt der Farbfotografie und Gestaltung der kaiserlichen Marine.

Drückende Hitze, liebenswerte - wenn auch etwas blasse - Charaktere und eine sympathische Portion nördlichem Lokalkolorit, eingebettet in einem historischen Kontext erschaffen einen wunderbaren Reihenabschluss, obgleich die Auflösung des Falles etwas gehetzt wird.

Ich würde gerne wissen, wie es nun mit Christian und Viktoria in den turbulenten Zeiten des 1. Weltkrieges weitergeht, aber leider ist hier erstmal Schluss.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Der Junge auf dem Berg

Der Junge auf dem Berg
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Das erste Buch, welches ich von John Boyne gelesen habe, war „Das späte Geständnis des Tristan Sadlers“ was mich völlig umgehauen hat. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ habe ich nie gelesen, aber geschaut ...

Das erste Buch, welches ich von John Boyne gelesen habe, war „Das späte Geständnis des Tristan Sadlers“ was mich völlig umgehauen hat. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ habe ich nie gelesen, aber geschaut und als absoluter Geschichtsnerd, war es ein Muss für mich auch „Der Junge auf dem Berg“ zu lesen.

Pierrot verliert erst seinen Vater, dann seine Mutter und als seine Tante ihn zu sich holt auch seine Identität und Integrität. Mit sieben Jahren lernt Pierrot den Führer kennen, noch vor dem Krieg, auf dem Obersalzberg. Schnell wird aus Pierrot Peter, der Waise wird zum machthungrigen Opfer einer ganzen Ideologie und vor allem eines Mannes, der mit Hass und Unterdrückung über Millionen regiert.

Mit knapp 300 Seiten ist mir das Buch für die Thematik zu dünn. Sehr schnell driftet unser Protagonist in dieser Sucht nach Macht ab und ich kann mir vorstellen wieso und warum, aber mir wird es im Buch nicht klar genug dargestellt. Im Buch entwickelt sich für mich leider nicht die gefährliche Sogwirkung, die die vielen echten „Peter“ 1936 wirklich erfahren haben. Dementsprechend ist mir das „Aufwachen“ nach Kriegsende auch ein zu starker Kontrast, denn nur innerhalb eines Absatzes wird aus einem machthungrigen egomanischen Kind, ein verlorener Jugendlicher ohne Heimat.

Die Botschaft ist klar, der Schreibstil eindringlich - wirklich unfassbar gut.