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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.06.2026

Viel Brutalität in gesellschaftskritischer Dystopie

Chain-Gang All-Stars
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Die Szenerien, an römische Gladiatorenkämpfe erinnernd, handeln von lebenslänglich inhaftierten Kämpferinnen als Stars der Chain-Gang All-Stars in öffentlichen Medien und vor Live-Publikum, wie bei den ...

Die Szenerien, an römische Gladiatorenkämpfe erinnernd, handeln von lebenslänglich inhaftierten Kämpferinnen als Stars der Chain-Gang All-Stars in öffentlichen Medien und vor Live-Publikum, wie bei den heutigen Wrestling-Stars des World Wrestling Entertainment in einem skrupellosen, kapitalistischen Amerika. Die Gesellschaftskritik wendet sich gegen das Fehlen jeglicher Moral, Ethik und Empathie, wenn diese inhaftierten Schwerverbrecherinnen vor laufender Kamera morden, um ihre Freiheit zu erlangen. Leider bleiben die Charaktere ziemlich farblos und die etwas verwirrende Story verliert sich ab und an in Belanglosigkeiten. Kritisiert werden neben den Haftbedingungen in amerikanischen Gefängnissen auch die Todesstrafe an sich, die Verrohung und den immerwährenden Rassismus der Gesellschaft. Die Würde des Individuums scheint hier bedeutungslos zu sein. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Insgesamt interessante Themen zum Nachdenken, doch der rote Faden geht in der Gesamtheit zu leicht verloren.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Zu viel an negativem Ambiente

Home Before Dark
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Die Szenerie spielt grössenteils im dörflichen Island. Hauptfiguren sind 2 charakterlich unterschiedliche Schwestern, anfangs 14 und 16, in nicht alltäglichem, Geheimnis umwitterten Familienambiente. Auf ...

Die Szenerie spielt grössenteils im dörflichen Island. Hauptfiguren sind 2 charakterlich unterschiedliche Schwestern, anfangs 14 und 16, in nicht alltäglichem, Geheimnis umwitterten Familienambiente. Auf zwei Zeitebenen, 1967 und 1977, geht es zunächst um die nun 24-jährige Marsibil Karvelsdóttir, kurz Marsi, die seit vielen Jahren verfolgt wird von Alpträumen, Schuldgefühlen, Scham und Ängsten aufgrund des ungelösten Verschwindens ihrer älteren Schwester Kristín Karvelsdóttir, auch Stina genannt, im Jahr 1967. Aus deren Perspektiven wird im Wechsel deren Schul- und Freizeitverhalten beleuchtet. Eine geheime Brieffreundschaft, ein Kunstkurs an der VHS, Parties mit viel Alkohol und Sexerfahrungen, Familienprobleme prägen die Pubertät beider Mädchen. Ein nach 10 Jahren erneut erhaltener, rätselhafter Brief und ein Zeitungsartikel motivieren Marsi, endlich die Wahrheit nicht nur im schwierigen familiären Rahmen aufzudecken. Das eigenartige Verhalten besonders der Mutter mit ihrem Schlafwandeln und ihrem Geheimnis rund um den verdrängtem Aufenthalt im ehemaligen Ärztehaus 1943 als schwangere 14-Jährige sorgen neben den Befragungen weiterer Isländer für mäßige Spannung, wenn auch historisch interessant. Der Charakter und die extremen Gefühlszustände von Marsi wie aggressives Schlafwandeln Haarbüschel ausreißen etc. aufgrund ihrer Schuldgefühle gegenüber ihrer vermissten Schwester ist schwer vorstellbar. Dagegen ist der offene, hilfsbereite, verantwortungsvolle Charakter der künstlerisch begabten Stina leichter zu erfassen. Das langsame Aufdecken von Lügen, Beweismaterial wie z.B. Fotos, gelbem Haarband oder Polizeiberichten ermöglichen ein langatmiges Miträtseln. Erst im letzten Drittel grenzen Marsis Ermittlungen das zu große Heer potentieller Verdächtiger ein.
Insgesamt zu viele psychologische Problematiken und Dysfunktionen. 2,5*

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Neustart in dörflicher Idylle zwischen Büchern – realistisch?

Mathilde und Marie
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Dieses Dorf Redu gibt es tatsächlich, in landschaftlicher Idylle im südlichen Belgien gelegen. Bekannt ist es als eines der Bücherdörfer in Europa mit mehr als 20 Antiquariaten und Buchhandlungen. In drei ...

Dieses Dorf Redu gibt es tatsächlich, in landschaftlicher Idylle im südlichen Belgien gelegen. Bekannt ist es als eines der Bücherdörfer in Europa mit mehr als 20 Antiquariaten und Buchhandlungen. In drei Teilen entpuppt sich der entschleunigte Ort ohne Internet und Fernsehen als Gegenpol zu einer Welt voller Lärm, Hektik und Oberflächlichkeit. Begrenzt auf wenige Dorfbewohner geht es bei der Isländerin Jónína, der jungen Pariserin Marie und bei Mathilde um ihr körperliches und seelisches Un-Gleichgewicht. Mit Hilfe einfühlsamer, hilfreicher Randfiguren und der Beschreibung aufblühender Natur entsteht eine zu heile Welt inmitten von Büchern – mit relativ wenig Dynamik und Twists. Die existentielle Sinnsuche der seelisch angeschlagenen Marie Ledoux, 26, durchzieht ruhig den Roman zwischen den älteren Charakteren von Jónína und Mathilde, deren Dialoge miteinander wenig Tiefe, eher viel Schweigen miteinander aufweisen. Der monatelange Reykjavík-Rückzug von Jónína zur dringendst empfohlenen Gesundung widerspricht sich eigentlich inhaltlich, da doch diese dörfliche Idylle in Redu als idealer, beschaulicher Rückzugsort bereits heilend wirken sollte.
Dass es manchmal nur einer Person, Idee oder Initiative bedarf, um nachhaltige gesellschaftliche Veränderungen herbei zu führen, mag als Botschaft hier stimmen.
Die kurz erwähnte Figur des Eremiten mit seinem verlorenen Schlüssel knüpft entfernt an die Satelliten-Bodenstation an, die zu ESTRACK, dem Netzwerk der Bodenstationen der Europäischen Weltraumorganisation gehört.
Insgesamt ein Zuviel an mitmenschlicher Harmonie und heilender Naturidylle zwischen geschätzter Bücherwelt. 2,5*

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Nicht ganz überzeugender Roman

Ruf der Leere
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Das Cover verrät aufgrund der Farbgebung – kein blutrot auf finsterem oder sogar schwarzem Grund – nicht direkt auffällig, dass es sich um einen Thriller handelt. Der Prolog springt sofort in die seltsame ...

Das Cover verrät aufgrund der Farbgebung – kein blutrot auf finsterem oder sogar schwarzem Grund – nicht direkt auffällig, dass es sich um einen Thriller handelt. Der Prolog springt sofort in die seltsame Szenerie: eine dramatisch verlaufende Party mit sieben problematischen Personen an einem Wochenende in einer Waldhütte ohne Handyempfang. Die Beziehung der drei Hauptfiguren zueinander - Felix, Ben und Laura – wird in unregelmäßig eingeschobenen Rückblicken beleuchtet. Der Text des Prologs mit Felix Riedhof um 20:34 Uhr wiederholt sich auf S. 180 unten. Inhaltlich geht es um DIE GOLDENE REGEL, diskutiert im Rahmen eines universitären Seminars zu Medizinethik. Die Grenzen zu dieser ältesten ethischen Grundregel des respektvollen Miteinanders werden von Felix eindeutig überschritten, lassen ihn zu einem Psychopathen mutieren. Sein Experiment während des Sommersemesters rund um Laura entgleitet ihm, schadet nicht nur ihr. Seine Überzeugung, dass Moral nur ein Privileg derer ist, die sonst keine Sorgen haben, wird betont durch das mysteriöse Auftreten des abgewrackten, alten Mannes, stellvertretend für den Tod. Dessen wenig glaubhafte Botschaft, dass nach Mitternacht nur einer überleben wird und diesen sieben jungen Leuten die Selektion überlassen ist, sorgt zwar für nicht so recht greifbare Spannung, verwirrt zum offenen Ende hin eher. Das Geschehen rund um den Vater, Prof. Thomas Riedhof, passt sich nicht harmonisch in das Hauptgeschehen ein, wirkt zu konstruiert. Auf das Gefühl des L‘appel du vide, der Leere der Seele wird auf S. 158 hingewiesen. Dieses tiefe Gefühl der Unerfülltheit, Einsamkeit, Sinnlosigkeit und Entfremdung, oft z.B. ausgelöst durch Verlust oder Überforderung oder dem Gefühl, nicht verbunden zu sein, trifft auf diese Protagonisten in verschiedener Weise zu. Ihr Weg zur Selbstfindung, wieder Sinn und Verbindung zu finden, endet abrupt. Die emotionale Distanz, das Gefühl der Abgeschnittenheit von sich selbst und anderen trifft besonders auf Felix zu. Seine mangelnden emotionalen Regungen verdrängt er durch leere sexuelle Beziehungen, diese verstärken hier eher sein Problem.
Die eingewobenen Rückblicke und der Hauptstrang der Hüttenparty ergänzen sich nicht harmonisch, wodurch der chronologische Vorgang leider nur erschwert zu packen ist. 2,5*

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Ein hartes Krankheits-Schicksal in Mutter-Tochter-Beziehung

Elf ist eine gerade Zahl
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Auf zwei Erzählebenen verlaufen zeitlich parallel im Wechsel sehr verschiedene Abläufe: Zunächst geht es um eine spezielle Mutter-Tochter-Beziehung in nicht alltäglicher Situation rund um eine erneute, ...

Auf zwei Erzählebenen verlaufen zeitlich parallel im Wechsel sehr verschiedene Abläufe: Zunächst geht es um eine spezielle Mutter-Tochter-Beziehung in nicht alltäglicher Situation rund um eine erneute, schwerwiegend belastende Krankheit mit erneuter OP. Im Verlauf des kritischen Krankenhausaufenthalts der Tochter setzt die Erzählung der Mutter Katja Altenberg ein, um ihre kranke, angstvolle Tochter Paula zu beruhigen. Diese fantasievolle Geschichte, betitelt Der Fuchs und das Mädchen, nimmt zu viel Raum ein. Besonders die körperlichen und seelischen Belastungen der überfürsorglichen Mutter werden betont. Auch der normalerweise schon schwierige Umgang mit Teenagern wie Paula im Alter um 14 Jahre wird gut beschrieben. Die Belastung im Finden der richtigen Worte bis zum Aushalten von Schweigen bei allen Beteiligten rund um den einschneidenden Lungeneingriff bei Paula ist zwar spürbar, erfasst jedoch im Schreibstil emotional nicht tiefgehend.

Ein wichtiges Thema, doch ist der Roman insgesamt keine stimmige Einheit. 2,5 *

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