Eine Reise ins Unbekannte
UnendlichkeitMit Unendlichkeit entwirft Alastair Reynolds ein Science-Fiction-Epos, das sich bewusst nicht darum bemüht, dem Leser jede Unklarheit sofort zu erklären. Stattdessen wirft der Roman einen direkt in ein ...
Mit Unendlichkeit entwirft Alastair Reynolds ein Science-Fiction-Epos, das sich bewusst nicht darum bemüht, dem Leser jede Unklarheit sofort zu erklären. Stattdessen wirft der Roman einen direkt in ein komplexes Universum voller fremder Ideen, unbekannter Zusammenhänge und großer Rätsel – und genau das macht seinen Reiz aus. Man muss bereit sein, Unsicherheit auszuhalten, sich treiben zu lassen und Puzzleteile nach und nach selbst zusammenzusetzen.
Im Zentrum steht eine archäologische Entdeckung: Überreste einer untergegangenen Zivilisation, die offenbar ausgelöscht wurde, bevor sie den Sprung zur Raumfahrt schaffen konnte. Die Suche nach der Wahrheit wird schnell politisch, gefährlich und von mächtigen Interessen behindert. Der Archäologe Sylveste wird dabei zur Schlüsselfigur, die nicht bereit ist, die Warnzeichen zu ignorieren – auch wenn viele das Ganze als Verschwörungstheorie abtun. Über mehrere Handlungsstränge hinweg entfaltet sich ein Szenario, in dem Wissenschaft, Macht, Angst und kosmische Bedrohung miteinander verwoben sind.
Reynolds erzählt groß, komplex und detailreich. Die Weltbeschreibungen sind intensiv, die Figuren vielschichtig und die Story inhaltlich anspruchsvoll. Gleichzeitig ist genau das auch eine Schwäche: Der Roman nimmt sich enorm viel Zeit. Viele Passagen wirken sehr ausführlich, stellenweise sogar zäh, und nicht jede Beschreibung trägt spürbar zur Spannung bei. Der Spannungsbogen ist eher ruhig als dynamisch – man liest weniger atemlos, sondern eher nachdenklich und konzentriert. Wer schnelle Action erwartet, wird hier eher nicht fündig.
Trotzdem besitzt das Buch eine starke Sogwirkung. Die Ideen sind faszinierend, die Themen groß gedacht, und die Mischung aus Science Fiction, Mystery, politischen Konflikten und fast schon detektivischen Elementen verleiht der Geschichte Tiefe. Die Handlung bleibt komplex, aber nie völlig unverständlich – am Ende fügen sich die Linien zu einem stimmigen Gesamtbild.