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Veröffentlicht am 02.01.2026

Walzerblut – gut recherchiert und fesselnd geschrieben

Die Welt in Meran - Walzerblut
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Im Frühling 1872 reisen wir in Gesellschaft von drei feinen Damen aus England nach Meran, einen angesagten Kurort im Südtirol. Während Helen von Burt, eine passionierte Reiterin, sich auf die Ausritte ...

Im Frühling 1872 reisen wir in Gesellschaft von drei feinen Damen aus England nach Meran, einen angesagten Kurort im Südtirol. Während Helen von Burt, eine passionierte Reiterin, sich auf die Ausritte und die mögliche Teilnahme an einer Parforcejagd freut, hoffen ihre Tante Lady Greville und Mrs. David, eine Schutzbefohlene der Queen Victoria II, auf Erholung, Kuranwendungen und Linderung ihrer Leiden.
Für Helen von Burt hat ihre Tante auch ein anderes Reiseziel vor Augen: Helen muss endlich einen passenden Ehemann finden, denn als Witwe eines Earls kann sie behaupten:
„Nichts gibt uns Frauen mehr Sicherheit als Vermögen und Titel.“ (20)
An geeigneten Heiratskandidaten dürfte es in der gerade beginnenden Faschingszeit unter den adligen Gästen in Meran nicht fehlen. Denn bald erscheinen hier unter anderen auch der Erbgraf Maximilian von Montalban und der Vicomte Jean de Benedetti aus Korsika. Bald sind beide Männer von Helen sehr angetan.

Ausführlich schreibt die Autorin über die Aktivitäten der feinen und illustren Gesellschaft im Kurort Meran in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Umfassend und präzise berichtet sie über die Probleme im Gesundheitssystem des Kurortes; schildet genau die Probleme mit denen die Kurärzte tagtäglich konfrontiert sind, erwähnt die Krankheiten, die damals - noch nicht erforscht - auf dem Vormarsch waren.
Angela Marina Reinhardt lässt uns auch durch die Gassen des Armenstadtviertels wandern, die schäbigen Unterkünfte der armen Bevölkerung, Zimmermädchen und der Arbeiterinnen einer Spinnerei betreten. Es sind bewegende Bilder, welche die enormen Unterschiede zwischen den Gesellschaftsklassen des damaligen Merans verdeutlichen.
Der Roman hat mich auf vielen Stellen tief berührt; etwa die Beschreibungen der Arbeit in einer Spinnerei, wo nur Frauen und Kinder die schwere, oft gefährliche Arbeit verrichten mussten oder das Schicksal eines Kostkinds, das verschiedenen Gefahren ausgesetzt wurde.
Die Autorin liefert hier interessante Bilder des damaligen Kurortes Meran. Den gut recherchierten Roman hat sie mit der Karte der Stadt Meran um 1875, einem Glossar und der Auflistung der weiterführenden Literatur ergänzt. Ebenso behilflich bei der Lektüre war für mich das genaue Personenverzeichnis.
„Walzerblut“ ist das erste Buch aus der Reihe „Die Welt in Meran“. Auf die bereits von der Autorin angekündigte Fortsetzung freue ich mich sehr.
Der fesselnde Roman bekommt meine wärmste Empfehlung.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Venedigs schaurige Geschichten

Schatten der Gondeln
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Sechs Monaten nach der Hochzeit, im Winter 1899 reisen der Schriftsteller Evelyn Dolman und Laura Rensselaer nach Venedig. Ihre verspäteten Flitterwochen wollte Laura unbedingt in Venedig verbringen.
Der ...

Sechs Monaten nach der Hochzeit, im Winter 1899 reisen der Schriftsteller Evelyn Dolman und Laura Rensselaer nach Venedig. Ihre verspäteten Flitterwochen wollte Laura unbedingt in Venedig verbringen.
Der Aufenthalt in der Lagunenstadt endet jedoch für Evelyn Dolman fatal. Laura, nachdem er sie sexuell missbraucht hat, verschwindet am nächsten Tag spurlos. Danach kommt es zu mehreren unerklärten Vorfällen, Dolman selbst beginnt an seinem Verstand zu zweifeln und letztendlich muss er die Stadt verlassen.

Zurück in England erzählt Evelyn selbst über den Aufenthalt in der winterlich kalten, düsteren Stadt. Ausführlich berichtet er über einige unheimliche Ereignisse, die bereits bei der Ankunft in dem Palazzo Dioscuri am Canal Grande ihren Anfang hatten.
Die schaurigen Geschichten über den kalten, geräumigen Palazzo, die sein dubiöser Besitzer seinen Gästen gleich am ersten Abend servierte, die unheimlichen Gestalten welche in den sonst leeren Räumen des Gebäudes plötzlich erschienen und die kalte, von Nebel umhüllte Stadt, machten dem verwirrten Schriftsteller zu schaffen. Er fühlte sich verfolgt und zweifelte an seinem Verstand. Doch all diese unheimlichen Vorfälle hinderten ihn nicht nach heimlichen Abenteuern in den Gaststätten der verhassten Stadt zu suchen.

Fast hätte ich Mitleid mit dem in einer fremden, unheimlichen Stadt verlassenen Ehemann, der sich laut über sein ungerechtes Schicksal beschwerte. Aber kann ich der Erzählung des gekränkten, geschwätzigen Ehemannes und gleichzeitig eines enttäuschten Mitgiftjägers Glauben schenken?

Evelyn Dolman ist kein sympathischer Protagonist des Romans. Mit Zweifel und Misstrauen habe ich seine unglaubliche Geschichte verfolgt, in der er vor allem als selbstgefälliger Snob glänzt.

Der Roman ist hochspannend. Nicht nur die merkwürdigen Geschehnisse in der Stadt der Gondeln lassen viel Raum für Spekulationen, auch der unzuverlässige Erzähler Evelyn trägt mit seiner Erzählung erheblich dazu bei. Für viel Spannung sorgen einige interessante Wendungen und das spektakuläre Ende, für welches der Autor einige Überraschungen parat hält.

Nicht nur die interessante Handlung hat mich für diesen Roman begeistert. Vor allem die fesselnde Sprache des Autors, mit der er meisterhaft die schaurige Atmosphäre vermittelt und das düstere Bild der Stadt Venedig gekonnt zeichnet, haben mich fasziniert.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Leckere vegane Gerichte nicht nur für die Weihnachtszeit

Weihnachtlich vegan
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Eine wunderschöne Sammlung von Rezepten für die Weihnachtszeit bietet Anja Sagon in ihrem neuesten Kochbuch.
Das Besondere an dem Buch: alle Rezepte sind vegan. Typische Weihnachtsgerichte werden auf die ...

Eine wunderschöne Sammlung von Rezepten für die Weihnachtszeit bietet Anja Sagon in ihrem neuesten Kochbuch.
Das Besondere an dem Buch: alle Rezepte sind vegan. Typische Weihnachtsgerichte werden auf die vegane Art zubereitet. Auch in der Weihnachtsbäckerei wird auf tierische Produkte verzichtet.

Auf den festlichen Tisch kommen trotzdem viele für Advents- und Weihnachtszeit typische Gerichte. Fünf verschiedene Menüvorschläge stellt Anja Sagon in dem Buch zusammen; ob es Maronencremesuppe, Nussbraten, Bratapfel mit Marzipan und Vanillesauce oder Cremige Steinpilzsuppe, Piroggen mit Pilzfüllung – hier findet jeder sein Lieblingsrezept. Auch viele Rezepte für Plätzchen und Gebäck findet man im Buch.

Ich habe nur einige der leckeren Gerichte aus dem Buch zitiert; insgesamt 60 festliche Rezepte findet man in dem weihnachtlichen Kochbuch. Die Rezepte sind sorgfältig geschrieben, mit der Liste der benötigten Zutaten und den einzelnen Arbeitsschritten. Ein Farbfoto des Gerichts ziert jedes Rezept; bei dem Anblick will man sofort das Gericht nachkochen um es genießen zu können.

Anja Sagan hat viele praktische Tipps für alle, die Rezepte aus dem Buch nachkochen wollen. So beschreibt sie die Zutaten und die einfache Ausstattung, die man nicht nur in der veganen Küche benötigt. Sie verrät, wie man die veganen Gerichte zubereiten kann, damit Weihnachten ein Fest für alle wird.
Wärmstens zu empfehlen!!!

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Spannender zweiter Teil der Krimireihe mit Lanza und Zeitler

Salute - Die letzte Fahrt
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Der zweite Band der Salute-Krimireihe lädt uns erneut nach Bardolino am Gardasee ein, wo Paul Zeitler sich inzwischen als Barista in seinem Café sehr wohl fühlt. Doch als Ex-Kommissar kann er nicht aus ...

Der zweite Band der Salute-Krimireihe lädt uns erneut nach Bardolino am Gardasee ein, wo Paul Zeitler sich inzwischen als Barista in seinem Café sehr wohl fühlt. Doch als Ex-Kommissar kann er nicht aus seiner Haut und mischt sich gerne in die laufenden Ermittlungen der hiesigen Polizei ein.
Bei einem Spaziergang am See wurde er zum Zeuge eines vermeintlichen Schwimmunfalls. Für den im Seewasser treibenden Körper kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Noch bevor die Polizei eintrifft, entdeckt Zeitler einige Hinweise dafür, dass es sich hier nicht um einen Unfall handelt. Auch Commissario Lanza vermutet, dass der Ertrunkene das Opfer eines Verbrechens geworden ist.

Die Ermittlungen verlaufen äußerst spannend.
Commissario Lanza entdeckt einige drastischen Ereignisse aus dem Leben des Opfers. Sowohl sein Privatleben, wie auch sein Bootsbauerunternehmen stecken in Schwierigkeiten.

Auch Paul Zeitler stellt Nachforschungen, welche die Auflösung des Falles wirksam beschleunigen. Der unerschrockene Ex-Kommissar scheut keine Mittel und Wege, um der Wahrheit näherzukommen. Und riskiert dabei sehr viel.
Beide Ermittler kommen verborgenen Machenschaften auf die Spur, entdecken Wahrheiten, die bis in die Vergangenheit reichen. Hochspannend ist das dramatische Finale.

Für den gemütlichen Teil des Romans sorgen die unterhaltsamen Szenen im Café Monaco.

Der spannende Krimi überzeugt mit seiner temporeichen Handlung und dem hochspannenden Finale. Authentisch wirkende Charaktere und die gekonnt dargestellten Schauplätze sorgen für gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Ein besonderes Leseerlebnis

Rom sehen und nicht sterben
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„Rom sehen und nicht sterben“: bewusst wählt Peter Wawerzinek diesen Titel für seinen neuesten Roman, in dem er über den bewegenden Teil seiner Lebensgeschichte erzählt. Die Geschichte fängt in Rom an, ...

„Rom sehen und nicht sterben“: bewusst wählt Peter Wawerzinek diesen Titel für seinen neuesten Roman, in dem er über den bewegenden Teil seiner Lebensgeschichte erzählt. Die Geschichte fängt in Rom an, wo der Autor als Stipendiat in der berühmten Villa Massimo zehn Monate verbringen darf. Er will dort einen neuen Roman schreiben; die Eindrücke dafür sammelt er während der langen Spaziergänge durch die Ewige Stadt.

Doch die Corona-Pandemie durchkreuzt diese Pläne; ab sofort herrscht die Ausgangssperre und durch eine technische Panne geht seine bisherige Arbeit an dem neuen Roman verloren. Doch der Autor gibt nicht auf, nach dem Aufenthalt in der Villa zieht er nach Trastevere um, und beginnt von neuem zu schreiben.

Bereits bei der Ankunft in Rom gab es die ersten Anzeichen des drohenden Unheils. Roms Stadtteil Trastevere, wo die Krankheit endgültig ausbricht, bekommt vom Autor den Namen „Trostwerdemir“. Sein guter Arzt in Berlin stellt die verheerende Diagnose fest: Es ist Krebs.

Für Peter Wawerzinek beginnt ein langer Leidensweg: unzählige Untersuchungen, Chemotherapie und eine riskante OP. Er berichtet darüber ausführlich, detailreich. Spricht offen über seine Gefühle und Ängste, verrät seine „einfache“ Methode mit der Krankheit umzugehen:
„Es ist Krebs und nichts weiter als ein Wort. Du musst dem Schlimmen nur einen neuen Namen verpassen, schon nimmst du ihm den Schrecken.“ (58)

Und er ist entschlossen gegen den Feind in seinem Körper zu kämpfen:
„Verbanne das Wort aus meinem Leben. Tilge es aus meinem Sprachgebrauch. Setze den unerwünschten Begriff vor die Tür. Spreche ihm seine Allmacht ab.“ (59)

Die Geschichte definiert er als einen Brief an eine ihm nahestehende Person, deren Identität er nicht preisgibt. Dafür erwähnt er liebevoll seine Großmutter, deren kluge Sprüche und einfache Weisheiten er oft zitiert.

Der Roman ist in einer eigenständigen, ungewöhnlichen Sprache gehalten: Kurze temporeiche Sätze, in denen oft Personalpronomen fehlen, Wortwitze und Wortspielereien, emotionale Gedanken und anschauliche Beschreibungen verleihen seiner Erzählung eine sehr persönliche Note. Er schreibt mit viel Optimismus und voller Hoffnung, er will nicht sterben, er will die Ewige Stadt nochmal sehen. Er kämpft gegen den Krebs und schreibt darüber. Das Schreiben gibt ihm die Kraft um zu kämpfen und überleben. Genauso wie die neue Liebe, der er zufällig begegnet.

Peter Wawerzinek hat den Kampf gegen den Krebs gewonnen. Und ein Buch geschrieben, das Mut und Trost spenden kann. Er hat uns eine Geschichte erzählt, die bewegt und nachdenklich stimmt.
Für mich war der Roman ein besonderes Leseerlebnis.

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