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Veröffentlicht am 28.02.2026

Ein magisches Hotel voller Geheimnisse und verlorener Zeit

Das White Octopus Hotel
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In „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell begleitet man Eve Shaw, eine Kunstgutachterin in London, deren Leben aus den Fugen gerät, als ein geheimnisvoller alter Mann in ihrem Büro auftaucht. Er ...

In „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell begleitet man Eve Shaw, eine Kunstgutachterin in London, deren Leben aus den Fugen gerät, als ein geheimnisvoller alter Mann in ihrem Büro auftaucht. Er trägt den Namen ihres längst verstorbenen Lieblingsmusikers und scheint mehr über sie zu wissen, als möglich sein dürfte. Kurz nach dem Besuch stirbt er, doch seine rätselhaften Hinweise auf das „White Octopus Hotel“ lassen Eve nicht mehr los. Ihre Nachforschungen führen sie in die Schweizer Alpen zur Ruine eines verlassenen Hotels – und von dort plötzlich ins Jahr 1935, als das Hotel noch in voller Blüte steht.
Während einer geheimnisvollen Schnitzeljagd erkennt Eve, dass der Preis weit mehr sein könnte als ein Spielgewinn: vielleicht die Chance, ihre eigene Vergangenheit zu verändern und ihre Schwester zu retten.
Doch je tiefer sie eintaucht, desto mehr verborgene Wahrheiten kommen ans Licht.

Ich bin richtig gut in dieses Buch gestartet und war überraschend schnell durch, obwohl die Geschichte alles andere als leicht oder geradlinig ist.
Der Schreibstil hat mich von Anfang an abgeholt: sehr einfühlsam, atmosphärisch dicht und voller starker Bilder. Besonders die Beschreibungen des White Octopus Hotels sind der Autorin unglaublich gelungen. Ich hatte beim Lesen eine so klare Vorstellung von diesem magischen, geheimnisvollen und zugleich prunkvollen Ort, dass ich ihn am liebsten selbst einmal besuchen würde. Gerade diese Mischung aus Eleganz, Rätselhaftigkeit und unterschwelliger Bedrohung macht einen großen Reiz des Romans aus.

Eve als Hauptfigur konnte mich emotional schnell erreichen. Ihr Schicksalsschlag ist wirklich traurig, und ich habe stark mit ihr mitgefühlt. Vor allem, weil spürbar wird, wie sehr sie die Vergangenheit auch nach so vielen Jahren noch verfolgt. Ihr innerer Zwiespalt, insbesondere zwischen ihrer wachsenden Zuneigung zu Max und dem verzweifelten Wunsch, ihre Schwester zu retten, war für mich sehr nachvollziehbar und hat viel Spannung erzeugt.
Max selbst mochte ich ebenfalls gern, auch wenn er anfangs etwas mürrisch und abweisend wirkt. Seine traumatischen Kriegserfahrungen erklären dieses Verhalten jedoch schlüssig, und ich fand, dass seine Figur mit der Zeit deutlich an Tiefe gewinnt.

Atmosphärisch bewegt sich das Buch konstant zwischen melancholisch, tragisch, mystisch und stellenweise fast schon surreal.
Die Handlung wirkt teilweise ziemlich bizarr und abgefahren, was aber durchaus zum Konzept passt. Ich hatte oft das Gefühl, dass sich hier auch Eves Psyche widerspiegelt.
Lange wusste ich nicht, wohin die Reise genau geht, hatte irgendwann eine leise Ahnung und wurde am Ende trotzdem noch einmal überrascht.

Allerdings muss ich auch sagen: Die Geschichte verlangt viel Aufmerksamkeit. Durch die häufigen Perspektivwechsel und das Hin und Her in der Zeit entsteht zwar Dynamik und Abwechslung, aber man muss wirklich konzentriert bleiben, um alles nachzuvollziehen.
An manchen Stellen hatte das Buch für mich auch kleinere Längen, die den Lesefluss kurz gebremst haben – insgesamt hielt sich das aber noch im Rahmen.

Zeitreisegeschichten finde ich grundsätzlich toll, aber auch immer anspruchsvoll. Hier mochte ich besonders, wie sich viele kleine Hinweise und Szenen am Ende zu einem größeren Ganzen zusammenfügen. Dieses Puzzlehafte hat mir gut gefallen und sorgt definitiv dafür, dass man beim Lesen ständig mitdenkt.

Das Ende selbst hat mich allerdings nicht komplett überzeugt. Ich fand es stellenweise etwas verwirrend und nicht ganz logisch nachvollziehbar; anfangs musste ich wirklich überlegen, ob ich alles richtig verstanden habe. Trotzdem hat es mich zum Nachdenken gebracht – und genau das ist letztlich auch eine Stärke des Buches.

Was mir während des Lesens zudem immer wieder durch den Kopf ging, war eine starke Parallele zu Alice im Wunderland. Diese leicht wirre, traumartige, stellenweise bewusst verwirrende Erzählweise, kombiniert mit der allgegenwärtigen Magie und den merkwürdigen Ereignissen, hat bei mir genau diese Assoziation ausgelöst und sie blieb tatsächlich bis zum Schluss bestehen.

Fazit

Unterm Strich ist „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell für mich ein sehr außergewöhnlicher, atmosphisch dichter Roman, der sicher nicht jedem gefallen wird, aber definitiv im Kopf bleibt. Wer geheimnisvolle, melancholische und etwas abgedrehte Geschichten mit Zeitsprüngen und psychologischer Tiefe mag, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

psychologischer Nervenkitzel bis zum Morgengrauen

Five Survive
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Sechs Freunde sind mit einem Wohnmobil unterwegs zum Spring Break. Eigentlich soll es ein unbeschwerter Roadtrip werden, ein letzter gemeinsamer Ausbruch vor dem Ernst des Lebens. Doch irgendwo im Nirgendwo ...

Sechs Freunde sind mit einem Wohnmobil unterwegs zum Spring Break. Eigentlich soll es ein unbeschwerter Roadtrip werden, ein letzter gemeinsamer Ausbruch vor dem Ernst des Lebens. Doch irgendwo im Nirgendwo verfahren sie sich. Mitten in der Nacht fallen plötzlich Schüsse. Die Reifen sind zerstört, der Tank ist beschädigt – sie sitzen fest. Ein Unbekannter lauert draußen im Dunkeln und macht klar: Niemand verlässt das Wohnmobil. Und er wird erst aufhören, wenn die eine Person unter ihnen ein tief verborgenes Geheimnis preisgibt.
Was folgt, ist eine einzige Nacht voller Angst, Misstrauen und eskalierender Konflikte. Die Zeit drängt, denn mit dem Sonnenaufgang läuft auch ihr vermeintlicher Schutz ab.
Und während draußen jemand mit einem Gewehr wartet, beginnt drinnen ein psychologisches Kammerspiel: Wer lügt? Wer weiß mehr, als er zugibt? Und gibt es überhaupt einen anderen Ausweg?

Ganz im typischen Stil von Holly Jackson war ich von der ersten Seite an völlig in „Five Survive“ versunken. Spätestens in dem Moment, als die ersten Schüsse fallen und klar wird, dass sie in der Falle sitzen, hatte mich die Geschichte restlos gepackt. Diese Sogwirkung war enorm. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, weil ich einfach wissen musste, wie das Ganze ausgeht.

Was für mich dabei besonders gut funktioniert hat, war das Setting. Der Großteil der Handlung spielt in diesem beengten Wohnmobil, und das über nur eine einzige Nacht hinweg. Diese räumliche Enge kombiniert mit der extrem knappen Zeitspanne hat eine konstante, unterschwellige Panik erzeugt. Es war von Anfang an klar: Wenn sie das hier überleben wollen, muss vor Sonnenaufgang das Geheimnis gelüftet werden.

Holly Jacksons Schreibstil verstärkt genau diese Atmosphäre. Sie schreibt schnell, direkt, sehr nah an den Figuren. Die Dialoge wirken oft hektisch, überlappend, emotional, genau passend zur Situation. Gleichzeitig schafft sie es, dieses Misstrauen untereinander Stück für Stück aufzubauen. Man hinterfragt beim Lesen wirklich jede Person. Jede Reaktion. Jede kleine Andeutung.

Die Handlung selbst fand ich insgesamt stark. Vor allem die Plot-Twists am Ende waren wieder einmal genial konstruiert. Genau das, was ich mittlerweile von Holly Jackson erwarte: unerwartet, durchdacht und im Nachhinein logisch. Sie legt Spuren, ohne dass man sie beim ersten Lesen richtig erkennt. Als sich am Ende alles auflöst, war ich ehrlich beeindruckt. Gleichzeitig bleiben ein paar Fragen offen, gerade was die Zukunft der Charaktere betrifft. Das fand ich einerseits spannend, weil man sich selbst Gedanken machen kann bzw. muss. Andererseits hätte ich mir stellenweise noch etwas konkretere Einblicke gewünscht.

Zwischendrin hatte ich allerdings auch Phasen, in denen sich die Handlung leicht gezogen hat. Einfach deshalb, weil die Freunde gefühlt nicht wirklich vorankamen. Sie diskutieren, verdächtigen sich, streiten, aber es passiert äußerlich nicht viel Neues. Das war für mich aber noch im Rahmen und hat die Gesamtspannung nicht zerstört.

Mit den Charakteren hatte ich jedoch gemischte Gefühle.
Oliver hat mich, ehrlich gesagt, wahnsinnig gemacht. Ich musste beim Lesen so oft die Augen verdrehen. Seine Art, wie er spricht, wie er Entscheidungen trifft, wie selbstverständlich er die Führung übernimmt – das war für mich einfach unglaublich nervig. Ich habe nicht verstanden, warum die anderen ihm so bereitwillig folgen. Vielleicht, weil er der Älteste ist. Vielleicht, weil sie eingeschüchtert sind. Aber ich habe mich permanent über ihn geärgert. Und genau das spricht eigentlich wieder für die Autorin, denn er hat definitiv eine starke Reaktion in mir ausgelöst.
Red hingegen tat mir unglaublich leid. Emotional hat mich ihre Situation sehr getroffen, vor allem gegen Ende. Gleichzeitig empfand ich sie teilweise als etwas zu naiv. Ihre Gedanken waren oft sehr wirr und sprunghaft. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass hier möglicherweise eine Tendenz Richtung Neurodivergenz angedeutet wird, gerade mit ihrer Vergesslichkeit und der Art, wie sie denkt. Das fand ich grundsätzlich spannend und wichtig. Aber insgesamt wirkte sie auf mich stellenweise jünger als 18, einfach sehr naiv und unsicher. Das hat es mir manchmal schwer gemacht, sie vollkommen ernst zu nehmen, obwohl ich emotional sehr mit ihr mitgefühlt habe.

Was ich Holly Jackson aber wirklich hoch anrechne, ist diese konstante Spannung. Selbst in ruhigeren Momenten war da immer diese unterschwellige Angst. Dieses Wissen: Da draußen wartet jemand. Und er meint es ernst. Diese permanente Bedrohung hat mich beim Lesen nicht losgelassen. Ich hatte wirklich dieses beklemmende Gefühl im Bauch und das bis zur letzten Seite.
Das Ende war emotional, intensiv und in gewisser Weise auch bitter. Es löst vieles auf, aber nicht alles. Und genau das bleibt hängen.

Fazit

Für mich war „Five Survive“ nicht perfekt – vor allem wegen einzelner Charaktere und kleiner Längen –, aber es war extrem spannend, atmosphärisch dicht und mit großartigen Twists versehen. Ein typischer Holly-Jackson-Thriller: psychologisch, nervenaufreibend und mit einem Finale, das einen nochmal komplett überrascht.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

herzzereißend

Write Me for You
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„Write Me for You“ von Tillie Cole erzählt die Geschichte von June Scott, die davon träumt, Autorin zu werden. Doch ihr Leben nimmt eine dramatische Wendung, als sie mit einer schweren Krankheit konfrontiert ...

„Write Me for You“ von Tillie Cole erzählt die Geschichte von June Scott, die davon träumt, Autorin zu werden. Doch ihr Leben nimmt eine dramatische Wendung, als sie mit einer schweren Krankheit konfrontiert wird und plötzlich weniger Zeit hat, als sie je gedacht hätte. In dieser schwierigen Phase lernt sie Jesse Taylor kennen, der sie besser versteht als kaum ein anderer. Zwischen den beiden entwickelt sich eine intensive Verbindung, die Junes Perspektive auf Liebe, Verlust und Hoffnung komplett verändert.

„Write Me for You“ war mein erstes Buch der Autorin. Allerdings wusste ich schon vor dem Lesen, dass Tillie Cole dafür bekannt ist, besonders gefühlvolle und herzzerreißende Romane zu schreiben, die oft um Krankheit, junge Liebe und Verlust kreisen. Dieser Roman bildet dabei keine Ausnahme.

Was mir beim Lesen sofort positiv aufgefallen ist, war der Schreibstil: sehr einfühlsam, manchmal fast schon poetisch, aber nicht übermäßig kompliziert, sodass das Buch sich flüssig lesen lässt. Man spürt, wie sehr sich die Autorin in die Gefühlswelt ihrer Figuren hineinversetzt hat. Das hat mir oft geholfen, wirklich in die Geschichte einzutreten und mit June und Jesse mitzuleiden.
Trotzdem hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass an manchen Stellen einfach zu viel Emotion in zu kurzer Zeit komprimiert wird – so sehr, dass es für mich vor allem am Anfang etwas unrealistisch wirkte, statt wirklich tief zu berühren.

Ein Aspekt, den ich diesbezüglich besonders zwiespältig gesehen habe, ist die Beziehung zwischen June und Jesse. Ja, ich habe ihre Dynamik gemocht, und es gibt wirklich schöne, zarte Momente im Buch. Aber dieses Gefühl von „Liebe auf den ersten Blick“ hat mir nicht so gefallen, da es für mich einfach unrealistisch wirkt. Es hat sich ein bisschen anfühlt, als würde die Geschichte Liebe erzwingen, anstatt sie natürlich wachsen zu lassen.

Was mich dagegen wirklich überzeugt hat, war der zusätzliche erzählerische Layer mit Junes eigener, alternativer Geschichte. Anfangs war ich tatsächlich ein wenig verwirrt, weil der Übergang zwischen „realer“ Handlung und Junes Fiktion nicht immer sofort klar ist. Aber je weiter ich gelesen habe, desto mehr habe ich diesen Gedankenraum geschätzt. Er ist eine Art emotionaler Schutzraum, der die raue Realität der Hauptgeschichte ergänzt und sogar etwas von dem auffängt, was im echten Verlauf verloren geht.

Die Atmosphäre des Buches ist durchgehend sehr emotional und oft trauriger, als ich erwartet hatte. Es gibt Momente, die mich wirklich tief getroffen haben, und Stellen, bei denen ich mehrmals innehalten musste, weil sie so deutlich gemacht haben, wie schwer und ungerecht das Leben manchmal sein kann.

Ein weiterer Pluspunkt war für mich die Authentizität, mit der Tillie Cole Themen wie Freundschaft, Hoffnung und Verlust behandelt. Es ist nicht immer angenehm zu lesen – im Gegenteil, es ist oft schwer –, aber genau diese Ambivalenz zwischen Schönheit und Schmerz macht das Buch aus.

Fazit

Alles in allem ist „Write Me for You“ von Tillie Cole kein leichtes Buch, sondern eines, das emotional sehr tief geht. Es hat Stellen, die mich haben stutzen lassen, und Momente, in denen ich mir mehr Tiefe gewünscht hätte. Aber gerade durch diese Mischung aus intensiver Emotionalität, einem ungewöhnlichen erzählerischen Ansatz und einer Geschichte, die wirklich ans Herz geht, auch wenn sie dabei weh tut, bleibt es mir im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

süße Young-Adult-Romance

Rival Darling
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Nachdem Violet von ihrem Freund hintergangen wird, will sie vor allem eines: nach außen stark wirken und einen klaren Schlussstrich ziehen. Eine spontane Entscheidung führt dazu, dass sie sich auf eine ...

Nachdem Violet von ihrem Freund hintergangen wird, will sie vor allem eines: nach außen stark wirken und einen klaren Schlussstrich ziehen. Eine spontane Entscheidung führt dazu, dass sie sich auf eine vorgetäuschte Beziehung mit Reed Darling einlässt – ausgerechnet dem Kapitän des rivalisierenden Eishockey-Teams. Was zunächst nur als Zweckgemeinschaft gedacht ist, entwickelt schnell eine eigene Dynamik, denn hinter Reeds Ruf verbirgt sich deutlich mehr, als Violet erwartet hat.

Ich bin ziemlich schnell in „Rival Darling“ hineingekommen. Der Schreibstil von Alexandra Moody ist leicht, flüssig und sehr zugänglich, sodass sich die Seiten fast von selbst umblättern. Genau das ist auch der Grund, warum ich das Buch in kurzer Zeit durchgelesen habe. Die Geschichte liest sich angenehm weg, ohne große Längen, und die Dialoge wirken überwiegend natürlich und lebendig.

Die Atmosphäre ist klar im Young-Adult-Bereich verortet: viel Emotionalität, starke Gefühle, schnelle Entscheidungen und dieses typische „Alles oder nichts“-Denken, das man aus Teenromanzen kennt. Die ProtagonistInnen sind erst 17 Jahre und das merkt man beim Lesen meiner Meinung nach auch sehr stark, und zwar nicht unbedingt nur positiv. Die Figuren handeln oft impulsiv, wenig reflektiert und teilweise erstaunlich naiv. Man merkt einfach, dass sie noch nicht erwachsen sind.

Genau das war für mich gleichzeitig der größte Kritikpunkt. Manche Verhaltensweisen wirkten auf mich unrealistisch und kindisch. Die Protagonistin trennt sich von ihrem Freund und ist eine Woche später mit dem Nächsten zusammen und niemand scheint sich ernsthaft daran zu stören, außer wegen der Person, mit der sie jetzt zusammen ist. Dass die extrem kurze Zeitspanne selbst problematisch sein könnte, wird kaum hinterfragt. Auch dass sich die beiden neuen Partner praktisch sofort ineinander verlieben, ging mir ehrlich gesagt zu schnell. Vor allem Reed ist emotional sehr rasch voll dabei, und dass Violet nach kürzester Zeit schon seine Familie kennenlernt, nach dem Motto „du gehörst ja jetzt dazu“, hat mich mehr als einmal die Augen verdrehen lassen. An solchen Stellen dachte ich wirklich: „Echt jetzt?“ Das fühlte sich für mich einfach nicht besonders lebensnah an.
Auch generell wirkte das Verhalten der Figuren nicht immer reif. Viele Konflikte entstehen aus Missverständnissen oder überstürzten Reaktionen, die man vielleicht mit 17 nachvollziehen kann, die mich als Leserin aber manchmal etwas genervt haben.

Trotzdem muss ich sagen, dass die Story an sich ganz nett ist. Die Grundidee funktioniert, die Dynamik zwischen den Hauptfiguren hat ihre Momente, und emotional packend ist das Buch stellenweise durchaus. Gerade für die Zielgruppe bietet die Geschichte viel: Romantik, Drama, Loyalitätskonflikte und dieses intensive Gefühlschaos, das man aus Teenagerjahren kennt oder zumindest aus Büchern darüber.

Fazit

Insgesamt ist „Rival Darling“ von Alexandra Moody für mich ein solides Young-Adult-Buch, das genau das liefert, was es verspricht. Ich glaube allerdings, dass ich persönlich für diese Art von Teenromanzen mittlerweile einfach etwas zu alt bin. Viele Dinge konnte ich nicht mehr ganz ernst nehmen oder nur noch mit kritischer Distanz betrachten. Wer aber gerne emotionale, leicht zu lesende Liebesgeschichten mit jungen ProtagonistInnen mag, wird hier wahrscheinlich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Zwischen Olympia und Gefühlen

One Date to Gold
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Amie hätte niemals damit gerechnet, dass eine einzige Begegnung ihr Leben so durcheinanderbringen würde. Eigentlich ist es nur ein spontanes Aufeinandertreffen, doch der Mann, der sie anrempelt, ist ausgerechnet ...

Amie hätte niemals damit gerechnet, dass eine einzige Begegnung ihr Leben so durcheinanderbringen würde. Eigentlich ist es nur ein spontanes Aufeinandertreffen, doch der Mann, der sie anrempelt, ist ausgerechnet Hunter, ein erfolgreicher Profisportler, der nicht nur körperlich, sondern auch mental unter enormem Druck steht. Während Hunter gewohnt ist, auf Höchstleistung zu funktionieren und in der Öffentlichkeit zu stehen, versucht Amie, mit ihren eigenen inneren Belastungen und Unsicherheiten zurechtzukommen. Was als einmaliges Treffen gedacht war, entwickelt sich zu einer wiederkehrenden Begegnung, bei der beide feststellen, dass Gefühle sich nicht einfach planen oder kontrollieren lassen. Zwischen Trainingseinheiten, sportlichen Ambitionen und privaten Rückzugsorten stellt sich zunehmend die Frage, ob mehr entstehen kann oder ob die persönlichen Grenzen und inneren Konflikte zu groß sind.

Für mich war "One Date to Gold" der erste Roman der Autorin. Allerdings habe ich schon viel von ihr und ihren Büchern gehört, weswegen ich sehr gespannt auf das Buch war und ich wurde am Ende auch nicht enttäuscht.

Der Schreibstil von Ivy Leagh ist flüssig, modern und sehr dialoglastig, was die Geschichte insgesamt leicht zugänglich und angenehm zu lesen macht. Besonders gut gefallen hat mir, dass Gefühle und Gedanken der Figuren klar und nachvollziehbar vermittelt werden, ohne dabei ständig ins Erklärende abzurutschen. Dadurch entsteht schnell Nähe zu den Charakteren.

Die Atmosphäre des Romans ist für mich einer der größten Pluspunkte. Das Setting ist ein absoluter Traum: Der sportliche Hintergrund – Trainingsalltag, Teamdynamik, Leistungsdruck und Öffentlichkeit – ist meiner Meinung nach sehr gut ausgearbeitet und wirkt durchweg glaubwürdig. Man merkt, dass hier nicht nur eine Liebesgeschichte erzählt wird, sondern dass der Sport ein zentraler Bestandteil von Hunters und Amies Identität ist und realistische Auswirkungen auf ihre Privatleben hat.

Die Hauptcharaktere, Hunter und Amie, mochte ich beide sehr. Sie sind sympathisch, aber eben nicht glatt oder perfekt. Beide bringen ihre ganz eigenen Schwächen, Unsicherheiten und inneren Probleme mit, die sie sichtbar belasten. Gerade das hat sie für mich authentisch und realistisch gemacht. Ihre Beziehung empfand ich als glaubwürdig aufgebaut, und auch die Entwicklung zwischen ihnen wirkte stimmig: nicht überhastet emotional, sondern nachvollziehbar wachsend, trotz der starken Anziehung von Beginn an.

Ein Punkt, der mich allerdings gestört hat, waren die Sexszenen und sexuellen Anspielungen. Sie waren mir persönlich zu derb, zu präsent und vor allem zu früh. Die beiden Charaktere begegnen sich gerade zum zweiten Mal und haben direkt sehr explizite Fantasien mit ziemlich drastischen Ausdrücken. Das war einfach nicht mein Geschmack. Auch später im Verlauf des Buches waren mir die Sexszenen insgesamt zu viel. Das hat meinen Lesefluss stellenweise gebremst, auch wenn ich weiß, dass das für andere Leser*innen durchaus ein Pluspunkt sein kann.

Sehr positiv hervorheben möchte ich jedoch die Nebencharaktere. Hunters Mannschaftskollegen sowie Evie – seine Schwester und gleichzeitig eine gute Freundin von Amie – waren durchweg sympathisch und haben die Handlung deutlich lebendiger gemacht. Sie sorgen für Dynamik, Humor und Erdung und verhindern, dass sich alles nur um das Paar dreht. Dadurch wirkt die Geschichte insgesamt realistischer und sozial eingebettet.

Besonders gefallen hat mir außerdem, dass am Ende kein unnötig aufgebauschtes, künstliches Drama konstruiert wird. Ja, es gibt Konflikte, aber sie werden gemeinsam angegangen. Niemand läuft kopflos davon, niemand schweigt wochenlang ohne Grund. Die Figuren kommunizieren, ringen miteinander und wachsen daran. Das empfand ich als sehr wohltuend und reif.

Mein persönliches Highlight war jedoch der Epilog. Die psychischen Probleme und Belastungen werden darin erstaunlich realistisch dargestellt. Es wird klar: Nur weil man jemanden liebt oder geliebt wird, ist nicht plötzlich alles perfekt. Heilung braucht Zeit, Geduld und bringt auch Rückschläge mit sich. Genau diese Ehrlichkeit hat mich sehr berührt. Es ist eben nicht Friede-Freude-Eierkuchen, sondern ein realistischer Weg der Heilung und das fand ich wirklich stark.

Fazit

Insgesamt hat mir "One Date to Gold" von Ivy Leagh trotz meiner Kritikpunkte gut gefallen. Wer über explizite Szenen hinwegsehen kann oder diese sogar schätzt, bekommt eine emotionale, authentische Liebesgeschichte mit tollem Setting, glaubwürdigen Figuren und einer erfreulich bodenständigen Auflösung.

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