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Veröffentlicht am 24.01.2026

Im Bann der Freibeuter

Im Bann der Freibeuter
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“Im Bann der Freibeuter” von Johann Christian Lotter, erschienen am 25. September letzten Jahres im emons Verlag, nimmt uns mit auf eine lange Reise ins späte 17. Jahrhundert. Der historische Abenteuerroman, ...

“Im Bann der Freibeuter” von Johann Christian Lotter, erschienen am 25. September letzten Jahres im emons Verlag, nimmt uns mit auf eine lange Reise ins späte 17. Jahrhundert. Der historische Abenteuerroman, angelehnt an reale Ereignisse, handelt von Träumen, dem Leben und was beide aus uns machen.
Unser Protagonist, Richard Kreutzner wächst in Freiberg als Sohn eines tyrannischen Vaters auf, der eine Silbermine besitzt, dessen Leitung er gerne an die nächste Generation weitergeben würde. Leider interessiert sich Richard überhaupt nicht für den Bergbau – er beschäftigt sich lieber mit Büchern. Diese sind es auch, die ihn eines Tages dazu bewegen, fortzulaufen, um Bibliothekar werden. Doch so weit wird es nie kommen, wie wir bereits zum Anfang der Geschichte erfahren, denn die Erzählung beginnt mit der kurz bevorstehenden Hinrichtung unserer Hauptfigur. Ein Dichter, Daniel Defoe, macht es sich zur Aufgabe, Teile seiner Lebensgeschichte niederzuschreiben. Dieser Name dürfte den meisten Lesern etwas sagen. Der Autor bedient sich hier einer wahren Persönlichkeit: Defoe veröffentlichte im 18. Jahrhundert sein berühmtestes Werk “Robinson Crusoe”.
Wir begleiten Richard auf seinen haarsträubenden Abenteuern und beobachten, wie er sich immer und immer weiter von seinem eigentlichen Ziel entfernt. Scheint London anfangs nur eine kurze Schiffsfahrt entfernt, soll er letztendlich wirklich dort ankommen – jedoch unter gänzlich anderen Umständen als ursprünglich geplant. Zuvor wird er jedoch viele verschiedene Orte bereisen und unterschiedliche Kulturen kennenlernen, die ihm nicht immer wohl gesonnen sind. Die meiste Zeit segelt er dabei unter dem Kommando des berüchtigten Freibeuters William Kidd und sieht sich auf diese Weise mit den rauen Umgangsformen der Mannschaft und ihrem Aberglauben konfrontiert. Auch Richard selbst bleibt nicht ganz unschuldig, selbst wenn er andere Pläne für seine Zukunft hatte. Anfangs noch entschlossen, eine Anstellung durch die Royal Society zu erhalten, begeht er Gotteslästerung, Mord und Folter schließlich ganz ohne Skrupel. Lotter gelingt es, diese Entwicklung des Protagonisten deutlich spürbar zu machen, ohne, dass diese dabei unrealistisch wirkt, und führt uns so vor Augen, wie aus einem ehrbaren Mann ein waschechter Halunke werden kann.


Die Handlung ist dicht und sehr atmosphärisch geschrieben, wirkt aber dennoch nicht wie eine bloße Aneinanderreihung von Szenen, sondern bildet eine spektakuläre Lebensgeschichte ab, die man gerne gespannt beobachtet. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass der Autor vor der typischen, rauen Ausdrucksweise der Seemänner nicht zurückschreckt und auch Begriffe verwendet, die heute bereits aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Vorgänge an Bord werden detailliert beschrieben, setzen jedoch etwas Vorwissen oder Recherche voraus, denn viele nautische Fachbegriffe werden nicht erklärt. Doch selbst wenn man nicht jedes unbekannte Wort nachschlägt, kann man der Geschichte trotzdem sehr gut folgen. Lediglich die Vielzahl der Charaktere, welche Richard in den meisten Fällen nur eine Zeit lang begleiten, birgt eine Schwierigkeit. Hier wäre ein Register durchaus hilfreich gewesen, um die Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren im Zweifelsfall noch einmal nachlesen zu können.

Alles in allem kann ich “Im Bann der Freibeuter” jedem empfehlen, der sich für Piraten interessiert und etwas tiefer in die Materie eintauchen will. Die Handlung überzeugt mit einigen bekannten historischen Persönlichkeiten, aber auch durch den Rhythmus, in dem der Autor Richards Geschichte schildert, sodass kein Abschnitt seines Lebens zu langwierig wird. Trotzdem gelingt es, sich in den Protagonisten hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, wie er sich menschlich so stark verändern konnte. Ein Beweis, dass doch niemand vorhersehen kann, wohin uns das Leben führt.


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Veröffentlicht am 03.01.2026

24 Dates to fall in love

24 Dates To Fall In Love
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Die Feiertagsromanze “24 Dates to fall in love” von Stefanie Diem, erschienen am 9. Oktober diesen Jahres im Cove-Verlag erzählt von einem Adventskalender der etwas anderen Art und wie er ein Paar unverhofft ...

Die Feiertagsromanze “24 Dates to fall in love” von Stefanie Diem, erschienen am 9. Oktober diesen Jahres im Cove-Verlag erzählt von einem Adventskalender der etwas anderen Art und wie er ein Paar unverhofft zusammenführt. Eine Geschichte für den Dezember, um die Adventszeit zu genießen und die Wartezeit zu verkürzen.
Wir befinden uns in St. Finan, einem kleinen, fiktiven Ort in den Alpen. Für die richtige Dezember-Atmosphäre sorgt das Berghotel, in dem sich ein Großteil der Handlung abspielt und der viele, viele Schnee. Unsere Protagonistin ist Rominina, kurz Romy, Wahlberg, eine sympathische junge Frau, bei der im Augenblick so gar nichts rund läuft. Das Geld ist sowieso schon knapp, da verlässt sie auch noch ihr Freund Ben, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Und dabei hat sie sich soviel Arbeit damit gemacht, einen Dating-Adventskalender zusammenzustellen, um ihrer Beziehung wieder etwas aufleben zu lassen. Kurzerhand wird eben dieser Adventskalender gegen ihren Willen beim Wichteln unter den Kollegen verschenkt – und landet ausgerechnet bei ihrem mysteriösen, aber unfreundlichen neuen Chef Oliver Behrend. Die Dates sind gebucht, einige sogar schon bezahlt und zu allem Überfluss machen die Arbeitskollegen sich auch noch einen Spaß daraus, zu wetten, dass die beiden nicht alle 24 Dates durchziehen werden. Das Geld im Pott kann Romy gut gebrauchen, jetzt, da sie die Miete der geliebten Wohnung allein stemmen muss. Und da sind ja auch noch die Tierarztkosten ihres Pferdes. Notgedrungen lassen sich die beiden darauf ein und absolvieren ein Date nach dem anderen. Das heißt ja noch lange nicht, dass sie sich verlieben müssen! Oder?

 
Auch wenn die Grundstimmung des Romans eher cozy ist, finden wir am Anfang des Buches dennoch den Hinweis auf einige Content Notes. Diese befinden sich auf den letzten Seiten, sodass der Leser selbst entscheiden kann, ob er eventuelle Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder nicht. Allerdings ist die Liste im Vergleich zu beispielsweise Dark-Romance-Titeln kurz. Die Schrift ist ungewöhnlich klein, aber dennoch gut lesbar. Außerdem finden wir bei Kapitelbeginn eine hübsche Glockenillustration zur Zierde. Die Kapitel selbst sind unterschiedlich lang – einige kürzer als 10 Seiten, andere länger als 40. Insgesamt gibt es 25 Stück, passend zum Konzept des Adventskalenders: 24 Dates und ein Vorwort. Allerdings besteht nicht jedes Kapitel strikt aus einem Date, sondern es werden auch Szenen zwischen den Figuren gezählt, die die einzelnen Aktivitäten miteinander verbinden und Einblick in die Gefühlswelten der Charaktere geben. Allerdings wird ausschließlich aus der Perspektive der weiblichen Protagonistin erzählt. Positiv aufgefallen sind mir beim Lesen auch die vielen Pop-Culture-Referenzen, die eine bessere Immersion in die Geschichte zulassen. So werden zum Beispiel Filme wie “The Summer I turned pretty” genutzt, um das Aussehen von Figuren zu beschreiben, Sendungen wie “Aktenzeichen XY Ungelöst” und weihnachtliche Lieder wie “All I want for Christmas” erwähnt. Auch Anglizismen und Dialekte werden genutzt, um den Figuren mehr Tiefe und Persönlichkeit zu verleihen.
Typisch für eine Feiertagsromanze wirken manche Teile der Geschichte etwas kitschig und vorhersehbar – beispielsweise, dass sich Ben just in dem Moment von Romy trennt, als Oliver in die Stadt kommt, aber bei einem guten Dezember-Read braucht es meiner Meinung nach auch keine großen Überraschungen, sondern einfach eine herzerwärmende Geschichte, in der die Funken nur so sprühen, und ein Happy End. All das hat mir “24 Dates” definitiv gegeben und vielleicht sogar noche in kleines bisschen mehr – denn das Buch wartet mit einem ehrlich überraschenden Plottwist auf, der hier aber nicht verraten wird. Ich persönlich hätte mir trotzdem noch eine etwas stärkere Protagonistin gewünscht, die sich nicht so sehr von den Männern in ihrem Leben abhängig macht - trotzdem ist Romy’s Entwicklung spürbar und sie wirkt am Ende der Geschichte deutlich selbstbewusster.

Alles in allem ist “24 Dates to fall in love” eine gelungene Feiertagsromanze und ein empfehlenswerter Dezember-Read für alle, die um Weihnachten herum gerne etwas Romantischeres lesen wollen, aber kein Fan des typischen Handlungsstrangs Eine Frau kehrt in ihre Heimatstadt zurück und verliebt sich sind. Stefanie Diem verbindet in ihrem Roman klassische Elemente wie das Happy End und ein atmosphärisches Setting mit ungewöhnlicheren Aspekten wie einer Adventskalender-Struktur und dem Enemies-to-lovers-trope, um ihrer Geschichte die nötige Würze zu geben.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Gwin und das Herz des Drachen

Gwin und das Herz des Drachen (Band 1)
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„Gwin und das Herz des Drachen“ bildet den Auftakt der märchenhaften Fantasy-Reihe von Verena Maier, erschienen am 12. Juni dieses Jahres im Loewe-Verlag. Auf 350 Seiten lädt die Autorin nicht nur jüngere ...

„Gwin und das Herz des Drachen“ bildet den Auftakt der märchenhaften Fantasy-Reihe von Verena Maier, erschienen am 12. Juni dieses Jahres im Loewe-Verlag. Auf 350 Seiten lädt die Autorin nicht nur jüngere Leser zum Träumen ein und eröffnet ihnen eine ganz neue, geheime Welt, die direkt vor ihren Augen verborgen liegt.
Wir begleiten unsere 10-jährigen Protagonistin Gwin Erlstein, die von zuhause wegläuft, als ihre Eltern sie wieder einmal zurücklassen, um in den Urlaub zu fahren. Ihre Tochter wollen sie auf keinen Fall dabeihaben – soll doch die scheußliche Tante Edith sich um sie kümmern! Aber ohne Gwin. Kurzerhand verschwindet sie, nur um kurz darauf zu bemerken, dass es sich ohne Geld auf der Straße nicht gut leben lässt. Zum Glück taucht der sprechende Kater Nerowitz auf und spricht eine außergewöhnliche Einladung aus: Gwin kann fürs Erste in Madame Manous geheimem Zauberladen unterkommen. Hier gibt es alles, was sich ein ausgehungertes, unglückliches Mädchen wünscht und noch einiges mehr! Dass Madame Manous Kundschaft fast ausschließlich aus magischen Wesen besteht, erkennt sie schnell. Doch im Keller des Ladens versteckt sich noch eine ganz andere Kreatur, die schon seit Jahrhunderten darauf wartet, aus ihrem papiernen Gefängnis befreit zu werden. Wer konnte schon ahnen, was Gwin damit losgetreten hatte…

Das Buch richtet sich in erster Linie an jüngere Leser, worauf einerseits das Alter der Protagonistin hindeutet, andererseits allerdings auch die relativ große Schrift, die bei Kinderromanen üblich ist. Dennoch hat die Geschichte durchaus Potenzial, auch Jugendliche oder sogar Erwachsene zu begeistern, denn es gibt reichlich Magie zu entdecken. Besonders Fantasy-Fans, die sich eine Geschichte ohne romantische Beziehungen und ohne Spice wünschen, werden hier fündig. Die Autorin überrascht außerdem mit einigen Handlungsfäden, die erst am Ende der Geschichte zusammenlaufen, sodass ein für dieses Genre ungewöhnlicher Spannungsbogen entsteht. Erst am Ende des Abenteuers setzen sich die Puzzleteile endgültig zusammen, und alle Zusammenhänge ergeben ein großes Bild der Zauberwelt, der Madame Manous Laden angehört. Gerade dieser Umstand macht das Buch auch attraktiv für ältere Leser, die Lust haben, tief in eine fantastische Welt einzutauchen und Stück für Stück zu entdecken, aus welchen Elementen sich diese zusammensetzt.
Auf einigen Seiten finden sich auch aufwendig gestaltete Illustrationen in Schwarz-Weiß, die mit dem Zeichenstil des Covers übereinstimmen und den Lesespaß noch verstärken.
Darüber hinaus werden sowohl ältere als auch jüngere Leser gleichermaßen angesichts einiger humorvoller Szenen schmunzeln, wenn wieder einmal Flüche wie „Du Sparflamme!“ oder „Dummschuppe!“ ausgesprochen werden.

Junge Leser werden sich mit Gwin identifizieren können, da diese sich, ähnlich wie viele Kinder in diesem Alter, von ihren Eltern missverstanden fühlt und sich eine Welt wünscht, in der sie alles tun und lassen kann, wie es ihr gefällt. Auf der Suche nach einem Ort, der sie nicht einschränkt, wächst sie über sich hinaus und lernt die Bedeutung echter Freundschaft zum ersten Mal kennen. Dabei gelingt ihr nicht alles beim ersten Versuch – aber ihr eiserner Wille und Mut zahlen sich letztendlich aus.
Ab und an werden lautmalerische Elemente verwendet (Glocke: Dong! Dong! Dong!) und das ein oder andere Klischee bedient – so ist der Kellner in Madame Manous Laden natürlich ein Vogel, wenn auch ein Storch und kein Pinguin. Auch das Motiv des Bösewichts ist kindgerecht: er handelt, wie die meisten Schurken, aus Hass und Neid heraus.

„Gwin und das Herz des Drachen“ ist eine Geschichte, die für alle Altersklassen geeignet ist. Sie erzählt von Freundschaften, die stärker sind als alle Vorteile und die jedes Risiko wert sind. Außerdem zeigt sie uns eindrücklich auf, dass man seine Familie auch finden kann, genau wie Gwin es im Auftakt dieser Fantasyreihe getan hat. Mit viel Witz und Spannung zieht die Autorin uns in ihren Bann und lädt uns ein, den Alltag für ein paar schöne Lesestunden zu vergessen, um mit Gwin auf Reisen zu gehen. Eine klare Empfehlung für alle, die sich ein kurzweiliges, herzerwärmendes Abenteuer mit innovativen Fantasyelementen wünschen, das von Beginn an seine Magie entfaltet.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Odins Ruf

Odins Ruf - Verblasste Erinnerung
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Du kannst ihr alles nehmen, aber nicht den Instinkt, zu wissen was sie ist.
„Odins Ruf – Verblasste Erinnerung“ von Juliana Alt, erschienen am 17. Februar diesen Jahres im Dunkelstern-Verlag, besticht ...

Du kannst ihr alles nehmen, aber nicht den Instinkt, zu wissen was sie ist.
„Odins Ruf – Verblasste Erinnerung“ von Juliana Alt, erschienen am 17. Februar diesen Jahres im Dunkelstern-Verlag, besticht mit einer großzügigen Anzahl an Illustrationen, inspiriert durch die nordische Mythologie und einer keineswegs vorhersehbaren Erzählung darüber, was geschehen kann, wenn man vergisst, was – nicht wer - man schon immer gewesen ist.
Das Buch ist liebevoll gestaltet und weist bei jedem neuen Beginn eines Kapitels eine schöne Rabendarstellung und eine entsprechende Feder in den Seitenecken auf. Außerdem befinden sich im unteren Teil durchgehend schwarze Polarsterne, die das Gesamtbild noch zusätzlich aufwerten. Vorne im Buch finden wir einen Hinweis auf eine Contentwarnung, die sich auf den letzten Seiten befindet – so kann jeder für sich entscheiden, ob er oder sie im Vorhinein einen Einblick erhalten oder lieber blind in die Geschichte einsteigen möchte. Darüber hinaus wurde auch exklusiv für das Buch eine Playlist erstellt, was für zusätzliche Immersion zu erlauben. Auf 243 Seiten erzählt die Autorin die Geschichte von Hester, lässt aber ab und an auch die Perspektive einiger Nebencharaktere zu. Die Kapitel sind mit zwischen einer und 29 Seiten unterschiedlich lang, jedoch in der Regel eher kurz.

Hester Lind erfährt auf ungewöhnlichem Wege vom Tod ihres Bruders, zu dem der Kontakt allerdings schon vor Jahren abgebrochen ist. Dennoch macht sie sich auf den Weg in die Stadt, in der er zuletzt gelebt hat, um sich ihm nahe zu fühlen und zu trauern. Sie trifft auf Skadi, seine Freundin, die felsenfest davon überzeugt ist, dass Malviks Tod kein Unfall gewesen sein kann. Hester sieht sich das Zimmer an, das er gemietet hatte und wird vom sympathischen Eigentümer Erik gleich eingeladen, für die Dauer ihres Aufenthaltes dort zu bleiben. Erleichtert nimmt sie das Angebot an und beginnt mit der Recherche. Allerdings dauert es nicht lange, bis die ersten sonderbaren Beweise auftauchen und unsere Protagonistin realisiert, dass etwas mit ihrem Gedächtnis nicht stimmt… Wir befinden uns im modernen Schweden, aber viele Menschen glauben noch immer an die Sagen der nordischen Mythologie und verehren dessen Götter. Hester ist skeptisch – für sie sind das alles bloß Geschichten, auch wenn sie eventuell ein Körnchen Wahrheit enthalten. Bald schon sieht sich Hester allerdings mit verschiedenen mystischen Wesen konfrontiert und muss einsehen, dass die Geschichten vielleicht nicht ganz so erfunden sind, wie sie gedacht hatte. Gleichzeitig kommt sie auch Erik immer näher, obwohl sie den Eindruck nicht abschütteln kann, ihn schon länger zu kennen.


Die Beziehung zwischen Hester und Erik entwickelt sich in einem guten Tempo und zwischen den beiden sprühen reichlich Funken. Es gibt keine typische „Closed Door“-Situation, allerdings auch keine explizite Beschreibung, weshalb ich den Spice-Level mit einer bis 1,5 Chilischoten bewerten würde.
Der eigentliche Plot entwickelt sich dagegen etwas langsam. Erst gegen Ende beginnen die Puzzleteile, sich zusammenzusetzen und die Rätsel klären sich ab einem bestimmten Buch sehr schnell auf. Trotzdem fehlt es „Odins Ruf“ keineswegs an Spannung und an unvorhersehbaren Wendungen, die der Geschichte ihre düstere Atmosphäre verleihen. Schließlich finden sich auch einige dramatische Elemente, die den Ausklang auf epische Art und Weise abrunden.
Den Charakteren fehlt es dagegen etwas an Tiefe. Trotz der langen Suche, auf die wir Hester begleiten, gelingt es nicht wirklich, sich in sie hineinzuversetzen, obwohl ihr Verhalten logisch und ihre Gefühle nachvollziehbar sind. Die Nebencharaktere konnten leider auch nicht besonders überzeugen. Beim Lesen kamen keine starken Empfindungen auf, stattdessen folgt man einfach dem Lauf des Buches, ohne aber wirklich daran teilzuhaben. Da die Geschichte sich aber mit der Frage nach Malviks Trod beschäftigt, hätten zusätzliche Slice of Life Momente den Plot nur noch zusätzlich in die Länge gezogen.
Es handelt sich um einen in sich abgeschlossenen Einzelband. Die Fragen, die im Laufe der Geschichte aufgeworfen wurden, werden beantwortet, sodass keine Fortsetzung zu erwarten ist. Auch der Verlag hat in diese Richtungen keine Andeutungen gemacht.  


Alles in allem ist „Odins Ruf – Verblasste Erinnerung“ ein gelungenes Abenteuer, für allem für Kenner der nordischen Mythologie, die mit den erwähnten Sagen und mystischen Kreaturen bereits vertraut sind. Diese werden aber allesamt vorgestellt, sodass Vorwissen in diesem Bereich nicht nötig ist, um der Geschichte folgen zu können. Auch wenn die Charaktere nicht vollständig überzeugen konnten, steht hier auch nicht die Beziehung zwischen den Figuren im Fokus, sondern die nordische Mythologie als sagenumwobene Inspirationsquelle. Somit empfehle ich das Buch für alle, die Lust auf ein etwas anderes Fantasyabenteuer haben und in die mysteriöse Welt der nordischen Mythologie eintauchen möchten.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Blossoms of Fire

Blossoms of Fire
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Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen ...

Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen einzigen, sondern gleich einen ganzen Drachenclan zu bieten hat. An der Seite von Kräuterhexe Briar kommen wir ihrem einzigartigen Geheimnis auf die Spur.

Das Buch erschien am 25. April 2025 im Loomlight Verlag und umfasst 396 Seiten.

Formal fällt zunächst die Triggerwarnung ins Auge, auf die gleich zu Beginn hingewiesen wird. Die potentiell aufwühlenden Elemente werden auf der letzten Seite des Buches aufgelistet, sodass der Leser selbst frei entscheiden kann, ob er Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder lieber gleich mit der Lektüre beginnt.

Jedes Kapitel trägt den Namen eines Heilkrautes oder einer Pflanze, welches im Laufe des Abschnitts eine Rolle spielt. So lernt man ganz beiläufig einige ihrer Anwendungsbereiche kennen. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass das Verkaufen von Waldmeister Kopfschmerzen lindern kann? Hieraus ergibt sich eine völlig neue, informative Komponente der Geschichte, die mich besonders fasziniert hat. Die Länge der Kapitel ist dabei ideal für eine kurze Kaffee- oder Teepause: im Schnitt enthalten die Abschnitte zwischen 7 und 15 Seiten.

Die Orte, die in der Geschichte benannt werden, existieren tatsächlich, was sicherlich dem ein oder anderen Anreiz für einen Kurztrip bietet. Die Erzählung beginnt zunächst im traumhaften Edinburgh und führt uns später auf eine raue Insel westlich von Schottland.

Was das Genre betrifft, mischt die Autorin romantische und fantastische Elemente, um diese kunstvoll miteinander zu verstricken. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf die Existenz von Drachen, sondern trifft auch Zwerge und selbstverständlich Hexen an. Jedoch würde ich das Buch auf der Skala etwas weiter Richtung Roman verorten, da das Element der fantastischen Wesen zwischenzeitlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Unsere Protagonistin, Briar Delga, dürfte den meisten Lesern sympathisch sein: Ein starker, weiblicher Charakter, der sich nicht den Mund verbieten lässt. Im Umgang mit anderen Charakteren zeigt sie sich extrovertiert und selbstbewusst. Am Rande wird außerdem beschrieben, dass sie keine Modelmaße hat, ihren Körper aber schön findet, so wie er ist. Das immer noch aktuelle Thema Body Positivity wird somit im Roman aufgegriffen. Darüber hinaus tritt im Verlauf der Geschichte auch ein lesbischer Nebencharakter auf, was die Erzählung inklusiv und LGBTQIA+-freundlich macht. Trotzdem benennt Briar auch einige ihrer Schwächen, was ihr wiederum Menschlichkeit verleiht und sie als Figur greifbar macht: Im Rahmen eines Festes gibt sie zu, dass die bevorstehende soziale Interaktion ihr Angst macht und sie „planen muss, damit [sie sich] entspannen kann“ (vgl. S. 198).

Darragh bildet als angeblicher Draufgänger zuerst einmal das genaue Gegenstück. Muskulös gebaut und mit nautisch anmutenden Tattoos auf dem Oberkörper füllt er sicher das Klischee eines Schotten, den so leicht nichts aus der Bahn werfen kann, zur Gänze aus. Umso bedeutungsvoller erscheint dadurch die Offenbarung, dass auch ihn Ängste und der ein oder anderen unausgefochtene Zwist mit seinem Bruder Basil plagen. Die Vergangenheit der beiden erklärt die Motive hinter ihren Handlungen und gibt beiden Charakteren die nötige Tiefe.

Darüber hinaus kann natürlich keine Hexe, die etwas auf sich hält, ohne tierischen Begleiter auskommen. Um was, beziehungsweise um wen genau es sich handelt wird hier noch nicht verraten, es sei aber gesagt, dass es sich um eine eher unkonventionelle Verbündete handelt, die der Handlung einerseits viel Witz und andererseits eine mystische Nuance verleiht.

Positiv aufgefallen sind mir die durchweg ungewöhnlichen Namen der Charaktere, welche ihre Persönlichkeiten jedoch gut widerspiegeln. Gleichzeitig handelt es sich, soweit ich das beurteilen kann, um altenglische Namen, die das Setting des Romans respektieren.

Die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten ist ebenfalls bemerkenswert: Besonders scheinbar nebensächliche Momente, die die Gewohnheiten und Traditionen im Drachenclan näher beschreiben, überzeugen mit ihrer Immersionskraft. Trotzdem ist anzumerken, dass das Buch sich definitiv nicht für ein jüngeres Publikum eignet – wie die Triggerwarnung bereits vorbringt gibt es einige sehr explizite Szenen.

Stellenweise wirkt die Entwicklung der romantischen Beziehung und auch die Handlung selbst leider etwas gehetzt: wichtige Momente wie der erste Kuss finden im Roman relativ früh statt. So steigen wir auch nach wenigen Seiten sofort mit einem großen Ereignis in den eigentlichen Plot ein. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dies allerdings dem Umstand geschuldet, dass die Autorin ein in sich geschlossenes Leseerlebnis bieten wollte und eine ausführlichere Beschreibung einen Anschlussband verlangt hätte.

Dennoch kommt die Spannung in den letzten Zügen der Geschichte nicht zu kurz, da nach Abschluss der Haupthandlung noch ein letztes Rätsel auf unsere Kräuterhexe wartet, das sie um jeden Preis lösen muss. Allerdings sollte man hier nicht aus ein komplexes Gespinst aus Intrigen und ineinander verworrenen Lügen hoffen: Der Fokus der Erzählung liegt bis zum Schluss auf der Beziehung zwischen den Hauptfiguren und nicht darauf, den Leser in die Irre zu führen, wie es in so manchem Kriminalroman sicherlich der Fall gewesen wäre. Für meinen Geschmack fiel die finale Auflösung deshalb leider ein wenig antiklimaktisch aus.

Alles in allem hat sich „Blossoms of Fire“ als Romantasy-Erzählung, die den Mut hat, vieles anders zu machen als es im Genre üblich ist, definitiv einen Platz auf meinem Bücherregal erkämpft. Die Handlung spricht eine Vielzahl von Interessenkreisen an – sei es Hexen oder Magie im Generellen, Drachen oder auch Kräuterkunde. Trotzdem kommt die Erzählung ohne einen zweiten oder dritten Band aus, was heutzutage eher die Ausnahme bildet. Auch wenn die Konflikte, die die Geschichte bietet, etwas zu schnell aufgelöst werden, kommt dennoch etwas Spannung auf.

Wer ein Buch mit Charakteren sucht, die einem schnell ans Herz wachsen und eine Handlung, die eine gewisse Gemütlichkeit ausstrahlt, aber dennoch nicht auf fantastische Wesen verzichtet, der ist hier genau richtig. Für Romanleser, die ins Romantasy-Genre hineinschnuppern wollen, ist „Blossoms of Fire“ ebenfalls eine echte Empfehlung.

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