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Veröffentlicht am 11.03.2026

Consomnio

Consomnio
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Mit “Consomnio – Im Bann von Essentis” veröffentlicht Rosa Baumann ihr erstes Buch und legt gleichzeitig den Grundstein für eine Romantasy-Serie, dessen zweiter Teil bereits in Planung ist. Gemeinsam mit ...

Mit “Consomnio – Im Bann von Essentis” veröffentlicht Rosa Baumann ihr erstes Buch und legt gleichzeitig den Grundstein für eine Romantasy-Serie, dessen zweiter Teil bereits in Planung ist. Gemeinsam mit der Protagonistin Elisa entdecken wir eine geheimnisvolle Welt, die die meisten Menschen nur unterbewusst bereisen können. Als sie ihren neuen Chef Cassian kennenlernt, eröffnet sich ihr aber die Möglichkeit das Traumreich Consomnio leibhaftig zu erleben. Damit setzt sie allerdings auch eine folgenschwere Kette von Ereignissen in Gang…

Wie im Bereich Romantasy üblich finden wir auch hier hinten im Buch eine Triggerwarnung und zusätzlich auf den ersten Seiten einen Hinweis auf diese Liste, sodass jeder selbst entscheiden kann, ob man potentielle Spoiler in Kauf nehmen möchte. Allerdings unterscheidet sich “Consomnio” selbst hier in einigen Details von anderen Titeln des Genres. Die Warnungen sind sehr eindeutig formuliert und es wird darüber hinaus auch darauf eingegangen, wie mit diesen problematischen Themen umgegangen wird. So weiß der Leser bereits vor Beginn der Lektüre, dass beispielsweise Gewalt nicht verherrlicht, sondern kritisch behandelt wird. Damit verrät die Triggerwarnung zwar bereits mehr zur Handlung, bietet aber auch genauere Anhaltspunkte und erleichtert so die Entscheidung, ob das Buch unangenehme Erinnerungen wecken könnte, oder nicht. Der Hinweis auf diese Disclaimer wird außerdem direkt von der Hauptfigur selbst ausgesprochen, was das Eintauchen in die Geschichte gleich zu Beginn erleichtert.
Zur besseren Lesbarkeit wurde außerdem ein Glossar hinzugefügt, welches neben wichtigen Begriffen auch die Namen und Rollen der meisten Figuren enthält, sodass es zu jeder Zeit möglich ist, noch einmal nachzuschlagen. Im gestalteten Vorsatz findet sich außerdem eine Karte von Consomnio, sodass man beim Lesen besser nachvollziehen kann, wo genau sich Elisa und Cassian im Augenblick befinden.
Optisch fallen auch die schwarzen Seiten mit weißer Schrift ins Auge, die zu Beginn eines jeden Kapitels auftauchen und das Buch noch hochwertiger wirken lassen. Im Ganzen wurde “Consomnio” eindeutig mit großer Hingabe gestaltet, was das Lesevergnügen noch verstärkt.  

Wir entdecken die Traumwelt an der Seite von Elisa, die von Cassian dazu auserwählt wird, einen Seelenbund einzugehen, um den schrecklichen Schattenkönig weiterhin in seiner dunklen Festung zu bannen. Dennoch erleben wir manche Szenen auch aus der Perspektive von Cassian, Elisa’s Freund Ryan oder dem Schattenkönig. Der Fokus liegt aber auf den beiden Protagonisten. Trotzdem bieten die zusätzlichen Sichtweisen eine wichtige Gelegenheit, auch die Motive und Wertvorstellungen der Gegenspieler kennenzulernen. Besonders die toxische Beziehung zwischen Ryan und Elisa konnte auf diese Weise sehr realistisch dargestellt werden, was das persönliche Wachstum der Hauptfigur im Laufe der Handlung erst erkennbar macht. Gleichzeitig führt es allerdings auch dazu, dass manche Ereignisse aus mehr als nur einer einzigen Perspektive erzählt werden und sich so doppeln.
Eine weitere Besonderheit von “Consomnio” besteht in seinem kontrastreichen Setting. Die Traumwelt selbst wirkt durch Festungen und Schlösser eher mittelalterlich, während Elisas uns Cassians professionelle Beziehung sich scheinbar in der modernen Welt abspielt, was sich auch durch den Einsatz moderner und teilweise vulgärer Jugendsprache bemerkbar macht. Einigen Lesern mag das urbane Setting zusagen und dabei helfen, sich besonders gut in Elisas Situation hineinzuversetzen, mir persönlich hat die Mischung zwischen realer und Traumwelt leider nicht so gut gefallen, da das Grundkonzept, dass ein “normales Mädchen” durch Zufall eine magische Welt entdeckt, in die sie dann ab und an abtauchen kann, im Fantasy-Genre doch recht verbreitet ist und Consomnio bisher nur wenige wirklich innovative Elemente mit sich bringt. Wir erfahren außerdem nicht mit Sicherheit, was genau unsere Protagonistin so besonders macht – es wäre allerdings möglich, dass sich die Autorin diese Offenbarung für den Folgeband aufsparen möchte.   

Thematisch bewegen wir uns ebenfalls gewissermaßen zwischen den beiden Welten. Einerseits beschäftigt sich “Consomnio” mit komplexen Zuammenhängen wie toxischen Partnern, sexueller und häuslicher Gewalt, Selbstzweifeln sowie Existenzängsten. Andererseits legen Szenen in der Traumwelt den Fokus mehr auf Schwarz-Weiß-Denken, Diskriminierung und Magie. Diese bezieht sich in erster Linie auf die Übernahme von Gedanken und Einblicke in Seelen, die Hauptfigur Cassian verfügt darüber hinaus allerdings noch über zahlreiche, interessante Fähigkeiten, die sicherlich auch im zweiten Band eine wichtige Rolle spielen werden. Generell hat mich die Figur des Cassian mehr überzeugt als die der Elisa. Da er sowohl Schatten als auch Licht in sich trägt, vereint er die beiden Königreiche und dennoch wird nicht gleich ersichtlich, auf wessen Seite er wirklich steht. Im Laufe der Geschichte erfahren wir mehr über sein Leben und seine Ambitionen – etwas mehr Dunkelheit hätte ihm aber auch gut zu Gesicht gestanden und ihn noch ein Stück weit verführerischer wirken lassen.
Etwas unausgeglichen erschien mir das Verhältnis zwischen Romance- und Fantasy-Anteil. Gegen Beginn baut sich die Handlung auf, weshalb eher der Fantasy-Aspekt im Vordergrund steht, stellenweise gewinnt die Romanze zwischen den beiden Protagonisten jedoch an Stellenwert, weshalb das dritte Viertel des Buches für eingefleischte Fantasy-Fans etwas langatmig werden dürfte. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass die beiden Hauptfiguren nicht genügend Gelegenheit hatten, Spannung aufzubauen und sich auf einer tieferen Ebene kennenzulernen. Auch der finale Konflikt erscheint aus diesem Grund leider nicht so ergreifend, wie er hätte sein können.

Alles in allem ist Rosa Baumann mit “Im Bann von Essentis” ein solider Einstieg gelungen, der nicht zuletzt aufgrund seiner interessanten Erzählstruktur und vielschichtigen Charakteren Lust auf mehr macht. Lediglich die Romanze zwischen den beiden Charakteren konnte mich persönlich (noch) nicht vollständig überzeugen. Es bleibt abzuwarten, welche Überraschungen die Traumwelt Consomnio für uns im zweiten Teil bereithält.    

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Im Bann der Freibeuter

Im Bann der Freibeuter
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“Im Bann der Freibeuter” von Johann Christian Lotter, erschienen am 25. September letzten Jahres im emons Verlag, nimmt uns mit auf eine lange Reise ins späte 17. Jahrhundert. Der historische Abenteuerroman, ...

“Im Bann der Freibeuter” von Johann Christian Lotter, erschienen am 25. September letzten Jahres im emons Verlag, nimmt uns mit auf eine lange Reise ins späte 17. Jahrhundert. Der historische Abenteuerroman, angelehnt an reale Ereignisse, handelt von Träumen, dem Leben und was beide aus uns machen.
Unser Protagonist, Richard Kreutzner wächst in Freiberg als Sohn eines tyrannischen Vaters auf, der eine Silbermine besitzt, dessen Leitung er gerne an die nächste Generation weitergeben würde. Leider interessiert sich Richard überhaupt nicht für den Bergbau – er beschäftigt sich lieber mit Büchern. Diese sind es auch, die ihn eines Tages dazu bewegen, fortzulaufen, um Bibliothekar werden. Doch so weit wird es nie kommen, wie wir bereits zum Anfang der Geschichte erfahren, denn die Erzählung beginnt mit der kurz bevorstehenden Hinrichtung unserer Hauptfigur. Ein Dichter, Daniel Defoe, macht es sich zur Aufgabe, Teile seiner Lebensgeschichte niederzuschreiben. Dieser Name dürfte den meisten Lesern etwas sagen. Der Autor bedient sich hier einer wahren Persönlichkeit: Defoe veröffentlichte im 18. Jahrhundert sein berühmtestes Werk “Robinson Crusoe”.
Wir begleiten Richard auf seinen haarsträubenden Abenteuern und beobachten, wie er sich immer und immer weiter von seinem eigentlichen Ziel entfernt. Scheint London anfangs nur eine kurze Schiffsfahrt entfernt, soll er letztendlich wirklich dort ankommen – jedoch unter gänzlich anderen Umständen als ursprünglich geplant. Zuvor wird er jedoch viele verschiedene Orte bereisen und unterschiedliche Kulturen kennenlernen, die ihm nicht immer wohl gesonnen sind. Die meiste Zeit segelt er dabei unter dem Kommando des berüchtigten Freibeuters William Kidd und sieht sich auf diese Weise mit den rauen Umgangsformen der Mannschaft und ihrem Aberglauben konfrontiert. Auch Richard selbst bleibt nicht ganz unschuldig, selbst wenn er andere Pläne für seine Zukunft hatte. Anfangs noch entschlossen, eine Anstellung durch die Royal Society zu erhalten, begeht er Gotteslästerung, Mord und Folter schließlich ganz ohne Skrupel. Lotter gelingt es, diese Entwicklung des Protagonisten deutlich spürbar zu machen, ohne, dass diese dabei unrealistisch wirkt, und führt uns so vor Augen, wie aus einem ehrbaren Mann ein waschechter Halunke werden kann.


Die Handlung ist dicht und sehr atmosphärisch geschrieben, wirkt aber dennoch nicht wie eine bloße Aneinanderreihung von Szenen, sondern bildet eine spektakuläre Lebensgeschichte ab, die man gerne gespannt beobachtet. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass der Autor vor der typischen, rauen Ausdrucksweise der Seemänner nicht zurückschreckt und auch Begriffe verwendet, die heute bereits aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Vorgänge an Bord werden detailliert beschrieben, setzen jedoch etwas Vorwissen oder Recherche voraus, denn viele nautische Fachbegriffe werden nicht erklärt. Doch selbst wenn man nicht jedes unbekannte Wort nachschlägt, kann man der Geschichte trotzdem sehr gut folgen. Lediglich die Vielzahl der Charaktere, welche Richard in den meisten Fällen nur eine Zeit lang begleiten, birgt eine Schwierigkeit. Hier wäre ein Register durchaus hilfreich gewesen, um die Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren im Zweifelsfall noch einmal nachlesen zu können.

Alles in allem kann ich “Im Bann der Freibeuter” jedem empfehlen, der sich für Piraten interessiert und etwas tiefer in die Materie eintauchen will. Die Handlung überzeugt mit einigen bekannten historischen Persönlichkeiten, aber auch durch den Rhythmus, in dem der Autor Richards Geschichte schildert, sodass kein Abschnitt seines Lebens zu langwierig wird. Trotzdem gelingt es, sich in den Protagonisten hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, wie er sich menschlich so stark verändern konnte. Ein Beweis, dass doch niemand vorhersehen kann, wohin uns das Leben führt.


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Veröffentlicht am 03.01.2026

24 Dates to fall in love

24 Dates To Fall In Love
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Die Feiertagsromanze “24 Dates to fall in love” von Stefanie Diem, erschienen am 9. Oktober diesen Jahres im Cove-Verlag erzählt von einem Adventskalender der etwas anderen Art und wie er ein Paar unverhofft ...

Die Feiertagsromanze “24 Dates to fall in love” von Stefanie Diem, erschienen am 9. Oktober diesen Jahres im Cove-Verlag erzählt von einem Adventskalender der etwas anderen Art und wie er ein Paar unverhofft zusammenführt. Eine Geschichte für den Dezember, um die Adventszeit zu genießen und die Wartezeit zu verkürzen.
Wir befinden uns in St. Finan, einem kleinen, fiktiven Ort in den Alpen. Für die richtige Dezember-Atmosphäre sorgt das Berghotel, in dem sich ein Großteil der Handlung abspielt und der viele, viele Schnee. Unsere Protagonistin ist Rominina, kurz Romy, Wahlberg, eine sympathische junge Frau, bei der im Augenblick so gar nichts rund läuft. Das Geld ist sowieso schon knapp, da verlässt sie auch noch ihr Freund Ben, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Und dabei hat sie sich soviel Arbeit damit gemacht, einen Dating-Adventskalender zusammenzustellen, um ihrer Beziehung wieder etwas aufleben zu lassen. Kurzerhand wird eben dieser Adventskalender gegen ihren Willen beim Wichteln unter den Kollegen verschenkt – und landet ausgerechnet bei ihrem mysteriösen, aber unfreundlichen neuen Chef Oliver Behrend. Die Dates sind gebucht, einige sogar schon bezahlt und zu allem Überfluss machen die Arbeitskollegen sich auch noch einen Spaß daraus, zu wetten, dass die beiden nicht alle 24 Dates durchziehen werden. Das Geld im Pott kann Romy gut gebrauchen, jetzt, da sie die Miete der geliebten Wohnung allein stemmen muss. Und da sind ja auch noch die Tierarztkosten ihres Pferdes. Notgedrungen lassen sich die beiden darauf ein und absolvieren ein Date nach dem anderen. Das heißt ja noch lange nicht, dass sie sich verlieben müssen! Oder?

 
Auch wenn die Grundstimmung des Romans eher cozy ist, finden wir am Anfang des Buches dennoch den Hinweis auf einige Content Notes. Diese befinden sich auf den letzten Seiten, sodass der Leser selbst entscheiden kann, ob er eventuelle Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder nicht. Allerdings ist die Liste im Vergleich zu beispielsweise Dark-Romance-Titeln kurz. Die Schrift ist ungewöhnlich klein, aber dennoch gut lesbar. Außerdem finden wir bei Kapitelbeginn eine hübsche Glockenillustration zur Zierde. Die Kapitel selbst sind unterschiedlich lang – einige kürzer als 10 Seiten, andere länger als 40. Insgesamt gibt es 25 Stück, passend zum Konzept des Adventskalenders: 24 Dates und ein Vorwort. Allerdings besteht nicht jedes Kapitel strikt aus einem Date, sondern es werden auch Szenen zwischen den Figuren gezählt, die die einzelnen Aktivitäten miteinander verbinden und Einblick in die Gefühlswelten der Charaktere geben. Allerdings wird ausschließlich aus der Perspektive der weiblichen Protagonistin erzählt. Positiv aufgefallen sind mir beim Lesen auch die vielen Pop-Culture-Referenzen, die eine bessere Immersion in die Geschichte zulassen. So werden zum Beispiel Filme wie “The Summer I turned pretty” genutzt, um das Aussehen von Figuren zu beschreiben, Sendungen wie “Aktenzeichen XY Ungelöst” und weihnachtliche Lieder wie “All I want for Christmas” erwähnt. Auch Anglizismen und Dialekte werden genutzt, um den Figuren mehr Tiefe und Persönlichkeit zu verleihen.
Typisch für eine Feiertagsromanze wirken manche Teile der Geschichte etwas kitschig und vorhersehbar – beispielsweise, dass sich Ben just in dem Moment von Romy trennt, als Oliver in die Stadt kommt, aber bei einem guten Dezember-Read braucht es meiner Meinung nach auch keine großen Überraschungen, sondern einfach eine herzerwärmende Geschichte, in der die Funken nur so sprühen, und ein Happy End. All das hat mir “24 Dates” definitiv gegeben und vielleicht sogar noche in kleines bisschen mehr – denn das Buch wartet mit einem ehrlich überraschenden Plottwist auf, der hier aber nicht verraten wird. Ich persönlich hätte mir trotzdem noch eine etwas stärkere Protagonistin gewünscht, die sich nicht so sehr von den Männern in ihrem Leben abhängig macht - trotzdem ist Romy’s Entwicklung spürbar und sie wirkt am Ende der Geschichte deutlich selbstbewusster.

Alles in allem ist “24 Dates to fall in love” eine gelungene Feiertagsromanze und ein empfehlenswerter Dezember-Read für alle, die um Weihnachten herum gerne etwas Romantischeres lesen wollen, aber kein Fan des typischen Handlungsstrangs Eine Frau kehrt in ihre Heimatstadt zurück und verliebt sich sind. Stefanie Diem verbindet in ihrem Roman klassische Elemente wie das Happy End und ein atmosphärisches Setting mit ungewöhnlicheren Aspekten wie einer Adventskalender-Struktur und dem Enemies-to-lovers-trope, um ihrer Geschichte die nötige Würze zu geben.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Gwin und das Herz des Drachen

Gwin und das Herz des Drachen (Band 1)
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„Gwin und das Herz des Drachen“ bildet den Auftakt der märchenhaften Fantasy-Reihe von Verena Maier, erschienen am 12. Juni dieses Jahres im Loewe-Verlag. Auf 350 Seiten lädt die Autorin nicht nur jüngere ...

„Gwin und das Herz des Drachen“ bildet den Auftakt der märchenhaften Fantasy-Reihe von Verena Maier, erschienen am 12. Juni dieses Jahres im Loewe-Verlag. Auf 350 Seiten lädt die Autorin nicht nur jüngere Leser zum Träumen ein und eröffnet ihnen eine ganz neue, geheime Welt, die direkt vor ihren Augen verborgen liegt.
Wir begleiten unsere 10-jährigen Protagonistin Gwin Erlstein, die von zuhause wegläuft, als ihre Eltern sie wieder einmal zurücklassen, um in den Urlaub zu fahren. Ihre Tochter wollen sie auf keinen Fall dabeihaben – soll doch die scheußliche Tante Edith sich um sie kümmern! Aber ohne Gwin. Kurzerhand verschwindet sie, nur um kurz darauf zu bemerken, dass es sich ohne Geld auf der Straße nicht gut leben lässt. Zum Glück taucht der sprechende Kater Nerowitz auf und spricht eine außergewöhnliche Einladung aus: Gwin kann fürs Erste in Madame Manous geheimem Zauberladen unterkommen. Hier gibt es alles, was sich ein ausgehungertes, unglückliches Mädchen wünscht und noch einiges mehr! Dass Madame Manous Kundschaft fast ausschließlich aus magischen Wesen besteht, erkennt sie schnell. Doch im Keller des Ladens versteckt sich noch eine ganz andere Kreatur, die schon seit Jahrhunderten darauf wartet, aus ihrem papiernen Gefängnis befreit zu werden. Wer konnte schon ahnen, was Gwin damit losgetreten hatte…

Das Buch richtet sich in erster Linie an jüngere Leser, worauf einerseits das Alter der Protagonistin hindeutet, andererseits allerdings auch die relativ große Schrift, die bei Kinderromanen üblich ist. Dennoch hat die Geschichte durchaus Potenzial, auch Jugendliche oder sogar Erwachsene zu begeistern, denn es gibt reichlich Magie zu entdecken. Besonders Fantasy-Fans, die sich eine Geschichte ohne romantische Beziehungen und ohne Spice wünschen, werden hier fündig. Die Autorin überrascht außerdem mit einigen Handlungsfäden, die erst am Ende der Geschichte zusammenlaufen, sodass ein für dieses Genre ungewöhnlicher Spannungsbogen entsteht. Erst am Ende des Abenteuers setzen sich die Puzzleteile endgültig zusammen, und alle Zusammenhänge ergeben ein großes Bild der Zauberwelt, der Madame Manous Laden angehört. Gerade dieser Umstand macht das Buch auch attraktiv für ältere Leser, die Lust haben, tief in eine fantastische Welt einzutauchen und Stück für Stück zu entdecken, aus welchen Elementen sich diese zusammensetzt.
Auf einigen Seiten finden sich auch aufwendig gestaltete Illustrationen in Schwarz-Weiß, die mit dem Zeichenstil des Covers übereinstimmen und den Lesespaß noch verstärken.
Darüber hinaus werden sowohl ältere als auch jüngere Leser gleichermaßen angesichts einiger humorvoller Szenen schmunzeln, wenn wieder einmal Flüche wie „Du Sparflamme!“ oder „Dummschuppe!“ ausgesprochen werden.

Junge Leser werden sich mit Gwin identifizieren können, da diese sich, ähnlich wie viele Kinder in diesem Alter, von ihren Eltern missverstanden fühlt und sich eine Welt wünscht, in der sie alles tun und lassen kann, wie es ihr gefällt. Auf der Suche nach einem Ort, der sie nicht einschränkt, wächst sie über sich hinaus und lernt die Bedeutung echter Freundschaft zum ersten Mal kennen. Dabei gelingt ihr nicht alles beim ersten Versuch – aber ihr eiserner Wille und Mut zahlen sich letztendlich aus.
Ab und an werden lautmalerische Elemente verwendet (Glocke: Dong! Dong! Dong!) und das ein oder andere Klischee bedient – so ist der Kellner in Madame Manous Laden natürlich ein Vogel, wenn auch ein Storch und kein Pinguin. Auch das Motiv des Bösewichts ist kindgerecht: er handelt, wie die meisten Schurken, aus Hass und Neid heraus.

„Gwin und das Herz des Drachen“ ist eine Geschichte, die für alle Altersklassen geeignet ist. Sie erzählt von Freundschaften, die stärker sind als alle Vorteile und die jedes Risiko wert sind. Außerdem zeigt sie uns eindrücklich auf, dass man seine Familie auch finden kann, genau wie Gwin es im Auftakt dieser Fantasyreihe getan hat. Mit viel Witz und Spannung zieht die Autorin uns in ihren Bann und lädt uns ein, den Alltag für ein paar schöne Lesestunden zu vergessen, um mit Gwin auf Reisen zu gehen. Eine klare Empfehlung für alle, die sich ein kurzweiliges, herzerwärmendes Abenteuer mit innovativen Fantasyelementen wünschen, das von Beginn an seine Magie entfaltet.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Odins Ruf

Odins Ruf - Verblasste Erinnerung
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Du kannst ihr alles nehmen, aber nicht den Instinkt, zu wissen was sie ist.
„Odins Ruf – Verblasste Erinnerung“ von Juliana Alt, erschienen am 17. Februar diesen Jahres im Dunkelstern-Verlag, besticht ...

Du kannst ihr alles nehmen, aber nicht den Instinkt, zu wissen was sie ist.
„Odins Ruf – Verblasste Erinnerung“ von Juliana Alt, erschienen am 17. Februar diesen Jahres im Dunkelstern-Verlag, besticht mit einer großzügigen Anzahl an Illustrationen, inspiriert durch die nordische Mythologie und einer keineswegs vorhersehbaren Erzählung darüber, was geschehen kann, wenn man vergisst, was – nicht wer - man schon immer gewesen ist.
Das Buch ist liebevoll gestaltet und weist bei jedem neuen Beginn eines Kapitels eine schöne Rabendarstellung und eine entsprechende Feder in den Seitenecken auf. Außerdem befinden sich im unteren Teil durchgehend schwarze Polarsterne, die das Gesamtbild noch zusätzlich aufwerten. Vorne im Buch finden wir einen Hinweis auf eine Contentwarnung, die sich auf den letzten Seiten befindet – so kann jeder für sich entscheiden, ob er oder sie im Vorhinein einen Einblick erhalten oder lieber blind in die Geschichte einsteigen möchte. Darüber hinaus wurde auch exklusiv für das Buch eine Playlist erstellt, was für zusätzliche Immersion zu erlauben. Auf 243 Seiten erzählt die Autorin die Geschichte von Hester, lässt aber ab und an auch die Perspektive einiger Nebencharaktere zu. Die Kapitel sind mit zwischen einer und 29 Seiten unterschiedlich lang, jedoch in der Regel eher kurz.

Hester Lind erfährt auf ungewöhnlichem Wege vom Tod ihres Bruders, zu dem der Kontakt allerdings schon vor Jahren abgebrochen ist. Dennoch macht sie sich auf den Weg in die Stadt, in der er zuletzt gelebt hat, um sich ihm nahe zu fühlen und zu trauern. Sie trifft auf Skadi, seine Freundin, die felsenfest davon überzeugt ist, dass Malviks Tod kein Unfall gewesen sein kann. Hester sieht sich das Zimmer an, das er gemietet hatte und wird vom sympathischen Eigentümer Erik gleich eingeladen, für die Dauer ihres Aufenthaltes dort zu bleiben. Erleichtert nimmt sie das Angebot an und beginnt mit der Recherche. Allerdings dauert es nicht lange, bis die ersten sonderbaren Beweise auftauchen und unsere Protagonistin realisiert, dass etwas mit ihrem Gedächtnis nicht stimmt… Wir befinden uns im modernen Schweden, aber viele Menschen glauben noch immer an die Sagen der nordischen Mythologie und verehren dessen Götter. Hester ist skeptisch – für sie sind das alles bloß Geschichten, auch wenn sie eventuell ein Körnchen Wahrheit enthalten. Bald schon sieht sich Hester allerdings mit verschiedenen mystischen Wesen konfrontiert und muss einsehen, dass die Geschichten vielleicht nicht ganz so erfunden sind, wie sie gedacht hatte. Gleichzeitig kommt sie auch Erik immer näher, obwohl sie den Eindruck nicht abschütteln kann, ihn schon länger zu kennen.


Die Beziehung zwischen Hester und Erik entwickelt sich in einem guten Tempo und zwischen den beiden sprühen reichlich Funken. Es gibt keine typische „Closed Door“-Situation, allerdings auch keine explizite Beschreibung, weshalb ich den Spice-Level mit einer bis 1,5 Chilischoten bewerten würde.
Der eigentliche Plot entwickelt sich dagegen etwas langsam. Erst gegen Ende beginnen die Puzzleteile, sich zusammenzusetzen und die Rätsel klären sich ab einem bestimmten Buch sehr schnell auf. Trotzdem fehlt es „Odins Ruf“ keineswegs an Spannung und an unvorhersehbaren Wendungen, die der Geschichte ihre düstere Atmosphäre verleihen. Schließlich finden sich auch einige dramatische Elemente, die den Ausklang auf epische Art und Weise abrunden.
Den Charakteren fehlt es dagegen etwas an Tiefe. Trotz der langen Suche, auf die wir Hester begleiten, gelingt es nicht wirklich, sich in sie hineinzuversetzen, obwohl ihr Verhalten logisch und ihre Gefühle nachvollziehbar sind. Die Nebencharaktere konnten leider auch nicht besonders überzeugen. Beim Lesen kamen keine starken Empfindungen auf, stattdessen folgt man einfach dem Lauf des Buches, ohne aber wirklich daran teilzuhaben. Da die Geschichte sich aber mit der Frage nach Malviks Trod beschäftigt, hätten zusätzliche Slice of Life Momente den Plot nur noch zusätzlich in die Länge gezogen.
Es handelt sich um einen in sich abgeschlossenen Einzelband. Die Fragen, die im Laufe der Geschichte aufgeworfen wurden, werden beantwortet, sodass keine Fortsetzung zu erwarten ist. Auch der Verlag hat in diese Richtungen keine Andeutungen gemacht.  


Alles in allem ist „Odins Ruf – Verblasste Erinnerung“ ein gelungenes Abenteuer, für allem für Kenner der nordischen Mythologie, die mit den erwähnten Sagen und mystischen Kreaturen bereits vertraut sind. Diese werden aber allesamt vorgestellt, sodass Vorwissen in diesem Bereich nicht nötig ist, um der Geschichte folgen zu können. Auch wenn die Charaktere nicht vollständig überzeugen konnten, steht hier auch nicht die Beziehung zwischen den Figuren im Fokus, sondern die nordische Mythologie als sagenumwobene Inspirationsquelle. Somit empfehle ich das Buch für alle, die Lust auf ein etwas anderes Fantasyabenteuer haben und in die mysteriöse Welt der nordischen Mythologie eintauchen möchten.

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