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Veröffentlicht am 04.04.2026

Mr. Saitos reisendes Kino

Mr. Saitos reisendes Kino
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Erstmals auf Deutsch übersetzt, überrascht die dänische Autorin Annette Bjergfeldt mit ihrem neuen Roman “Mr. Saitos reisendes Kino”, erschienen im Oktober 2025 im Verlag HarperCollins. In 7 Wellen betrachten ...

Erstmals auf Deutsch übersetzt, überrascht die dänische Autorin Annette Bjergfeldt mit ihrem neuen Roman “Mr. Saitos reisendes Kino”, erschienen im Oktober 2025 im Verlag HarperCollins. In 7 Wellen betrachten wir Carmelitas halbes und Fabiolas gesamtes Leben. Eine berührende Geschichte über die Umwege des Schicksals und die kleinen Momente des Glücks.
Die Autorin konnte in ihrem Heimatsland Dnemark bereits einige Erfolge verbuchen, feiert nun aber in Deutschland ihr Debüt und landet auch hier gleich einen Treffer. Einfühlsam beschreibt sie die Wege, die die beiden Protagonistinnen beschreiten – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Fabiola wird bereits früh Mutter, sieht sich aufgrund von Korruption allerdings gezwungen ihre geliebte Heimat Buenos Aires mitsamt ihrer Tochter Carmelita zu verlassen. Geld ist selbstverständlich keines da, sodass die beiden blinden Passagiere weit vor ihrem eigentlichen Ziel, Paris, das Schiff verlassen müssen, auf welches sie sich heimlich geschlichen hatten. So führt sie ihre Reise auf eine kleine Insel vor Neufundland, die ihnen unverhoffterweise mehr bietet als nur eine vorrübergehenden Aufenthaltsort.
Der Roman teilt sich in 7 Wellen, die wiederum in Kapitel gegliedert sind. Das Abenteuer beginnt mit einer atmosphärischen Beschreibung der kleinen Gassen Buenos Aires, mit seinen spektakulären Tango-Clubs. Eine Gelegenheit, etwas über diese berühmte Tanzart zu lernen, denn die Autorin erwähnt neben beliebten Musikern auch bestimmte Schritte, die Liebhabern sicher bekannt sein werden. Dabei schreckt sie auch vor dem ein oder anderen Schimpfwort nicht zurück. Der namensgebende Charakter selbst taucht erst gegen Mitte der Erzählung auf, worunter die Geschichte jedoch keineswegs leidet. Im Gegenteil: die eher langsam getaktete Handlung erhält so die nötige Spannung, die bei cozy Reads mit den Tropes Found Family und Coming of Age sonst gerne mal auf der Strecke bleibt. Darüber hinaus bietet der Roman interkulturelle Kontakte mit japanischen, kanadischen und argentinischen Traditionen, welche allesamt sehr authentisch dargestellt und sicherlich ausführlich recherchiert wurden. Einige Worte, wie beispielsweise Teile von Songtiteln, werden dabei nicht aus dem Spanischen übersetzt, sodass Kenntnisse nicht zwangsläufig nötig sind, aber dennoch zusätzliche Einblicke bieten. Geschickt verbindet die Autorin geschichtliches Geschehen des Handlungszeitrahmens mit surrealen, fast magischen Elementen, die uns daran erinnern, dass wir die Welt stets durch die Augen der kleinen Lita erleben, die ihre kindliche Neugierde und Fantasie noch nicht verloren hat und in der kleinen Insel Upper Puffin soviel mehr Potenzial sieht als ihre Mutter Fabiola. Anschaulich führt ihre Erfahrung uns vor Augen, wie es der Magie des Films gelingt, Menschen all ihre Vorurteile und Sorgen einen Moment lang vergessen zu lassen. Dabei beschreibt die Autorin eindrücklich auch komplexe Themen wie Freiheit, Freundschaft und Familie. Dennoch ein Buch, das nicht zuletzt aufgrund von sexuellen Andeutungen, Erwähnung von Prostitution und Gewalt eher für ein erwachsenes Publikum geeignet ist. Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Charaktere und ihrer Verwandschaftsverhältnisse wäre außerdem ein entsprechendes Register von Vorteil gewesen.
Annette Bjergfeldt hat mit “Mr. Saitos reisendes Kino” eine Reihe liebenswerter und authentischer Figuren geschaffen, die man nicht zuletzt aufgrund ihrer Schwächen sofort ins Herz schließt. Mit viel Mut, Tiefe und etwas Witz lädt sie uns ein, auf den Spuren der Filmgeschichte zu wandeln und erinnert uns daran, dass das Leben trotz aller Schwierigkeiten kurz ist: “Uns bleibt keine Zeit für etwas anderes als die Liebe.” (S. 541).    

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Malfoy - Die inoffizielle Historie

Malfoy
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Nach „Dumbledore – Die inoffizielle Biografie des berühmten Schulleiters von Hogwarts“ und „Snape - Die inoffizielle Biografie des gefürchteten Zaubertranklehrers von Hogwarts“ erschien in diesem Monat ...

Nach „Dumbledore – Die inoffizielle Biografie des berühmten Schulleiters von Hogwarts“ und „Snape - Die inoffizielle Biografie des gefürchteten Zaubertranklehrers von Hogwarts“ erschien in diesem Monat nun auch „Malfoy – Die inoffizielle Historie der durchtriebensten Familie in der Zaubererwelt“, ebenfalls im Riva-Verlag. Irvin Khaytman beschäftigt sich dieses Mal mit der Analyse der Charaktere Draco, Lucius und Narzissa Malfoy.

Der Titel ist, wie auch die übrigen oben genannten, nicht offiziell lizensiert, aber außergewöhnlich gut recherchiert. Die zahlreichen Quellen, darunter Online-Essays und Theorien diverser Fan-Websites, Interviews mit der Autorin und den Schauspielern und Podcasts zum Thema, werden in der Biographie sorgfältig aufgelistet und beschrieben. Diese dienen nicht nur der Nachprüfbarkeit der Aussagen des Autors, sondern bieten darüber hinaus weitere Inspiration für Leser, die von Harry Potter einfach nicht genug bekommen können. Dazu wurde eigens eine Webseite eingerichtet, die alle verwendeten Online-Ressourcen als klickbare Links enthält. Khaytmans eigene Veröffentlichungen werden stellenweise ebenfalls aufgegriffen, diese Hinweise beschränken sich jedoch auf Fußnoten, sodass es zum Verständnis nicht nötig ist, zuerst seine Dumbledore-Biografie gelesen zu haben.
Strukturell orientiert sich der Titel an den sieben Romanen der Harry-Potter-Reihe, von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ bis „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“. Schlüsselszenen der Figuren werden als Unterkapitel gesondert untersucht. Darüber hinaus gibt es drei Anhänge, die jeweils Aspekte beleuchten, die den Charakter Draco im Verlauf der Reihe betreffen.
Die Werke „Harry Potter und das verwunschene Kind“ und die Romane der „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“-Reihe werden nicht in die Analyse mit einbezogen. Ersteres hat in der Community einen eher negativen Ruf, unter anderem da das Drehbuch nicht von Joanne K. Rowling selbst geschrieben wurde, obwohl sie daran mitgearbeitet hat. Viele Fans stellen deshalb infrage, inwiefern die Ereignisse dieses Teils tatsächlich dem Harry-Potter-Kanon entsprechen. Dennoch kommt vor allem Draco hier eine besondere Rolle zu, sodass eine vorsichtige Betrachtung der inzwischen erwachsenen Figur sicherlich interessant gewesen wäre – besonders im Hinblick auf seine Einfühlsamkeit als Vater, im Vergleich zu den Tendenzen von Lucius Malfoy.
Generell fokussiert sich Khaytman auf die Figur Draco, das Verhalten seiner Eltern wird aber ebenfalls betrachtet, insbesondere um den Einfluss ihrer Erziehung darzustellen.

Zentrale Themen sind in erster Linie die Analyse der Darstellung der Familie Malfoy in den Romanen Joanne K. Rowlings, mögliche Erklärungen für Verhaltensweisen, Ambitionen, Wertvorstellungen und Entwicklung der Charaktere sowie die Schuldfrage. Viele Leser würden Draco und seine Eltern wohl in erster Linie als Bösewichte oder Gegenspieler ansehen, die letzten beiden Teile der Reihe werfen allerdings auch die Frage nach einer möglichen Läuterung Dracos auf. Mit dieser beschäftigt sich der Autor eingehend. Dieser „deep-dive“ eröffnet neue Interpretationsmöglichkeiten, richtet die Aufmerksamkeit auf kleine Details, die gerne überlesen werden und macht so Lust, die Reihe noch einmal zu erleben – vielleicht diesmal mit besonderer Betrachtung der Familie Malfoy. Wertschätzend setzt sich Khaytman darüber hinaus auch mit zahlreichen Fan-Theorien und Essays auseinander, um diese kritisch einordnen zu können. Meiner Meinung nach ein Muss für alle, die von den Malfoys fasziniert sind oder einfach Lust haben, diese bemerkenswerten Charaktere besser zu verstehen.


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Veröffentlicht am 11.03.2026

Consomnio

Consomnio
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Mit “Consomnio – Im Bann von Essentis” veröffentlicht Rosa Baumann ihr erstes Buch und legt gleichzeitig den Grundstein für eine Romantasy-Serie, dessen zweiter Teil bereits in Planung ist. Gemeinsam mit ...

Mit “Consomnio – Im Bann von Essentis” veröffentlicht Rosa Baumann ihr erstes Buch und legt gleichzeitig den Grundstein für eine Romantasy-Serie, dessen zweiter Teil bereits in Planung ist. Gemeinsam mit der Protagonistin Elisa entdecken wir eine geheimnisvolle Welt, die die meisten Menschen nur unterbewusst bereisen können. Als sie ihren neuen Chef Cassian kennenlernt, eröffnet sich ihr aber die Möglichkeit das Traumreich Consomnio leibhaftig zu erleben. Damit setzt sie allerdings auch eine folgenschwere Kette von Ereignissen in Gang…

Wie im Bereich Romantasy üblich finden wir auch hier hinten im Buch eine Triggerwarnung und zusätzlich auf den ersten Seiten einen Hinweis auf diese Liste, sodass jeder selbst entscheiden kann, ob man potentielle Spoiler in Kauf nehmen möchte. Allerdings unterscheidet sich “Consomnio” selbst hier in einigen Details von anderen Titeln des Genres. Die Warnungen sind sehr eindeutig formuliert und es wird darüber hinaus auch darauf eingegangen, wie mit diesen problematischen Themen umgegangen wird. So weiß der Leser bereits vor Beginn der Lektüre, dass beispielsweise Gewalt nicht verherrlicht, sondern kritisch behandelt wird. Damit verrät die Triggerwarnung zwar bereits mehr zur Handlung, bietet aber auch genauere Anhaltspunkte und erleichtert so die Entscheidung, ob das Buch unangenehme Erinnerungen wecken könnte, oder nicht. Der Hinweis auf diese Disclaimer wird außerdem direkt von der Hauptfigur selbst ausgesprochen, was das Eintauchen in die Geschichte gleich zu Beginn erleichtert.
Zur besseren Lesbarkeit wurde außerdem ein Glossar hinzugefügt, welches neben wichtigen Begriffen auch die Namen und Rollen der meisten Figuren enthält, sodass es zu jeder Zeit möglich ist, noch einmal nachzuschlagen. Im gestalteten Vorsatz findet sich außerdem eine Karte von Consomnio, sodass man beim Lesen besser nachvollziehen kann, wo genau sich Elisa und Cassian im Augenblick befinden.
Optisch fallen auch die schwarzen Seiten mit weißer Schrift ins Auge, die zu Beginn eines jeden Kapitels auftauchen und das Buch noch hochwertiger wirken lassen. Im Ganzen wurde “Consomnio” eindeutig mit großer Hingabe gestaltet, was das Lesevergnügen noch verstärkt.  

Wir entdecken die Traumwelt an der Seite von Elisa, die von Cassian dazu auserwählt wird, einen Seelenbund einzugehen, um den schrecklichen Schattenkönig weiterhin in seiner dunklen Festung zu bannen. Dennoch erleben wir manche Szenen auch aus der Perspektive von Cassian, Elisa’s Freund Ryan oder dem Schattenkönig. Der Fokus liegt aber auf den beiden Protagonisten. Trotzdem bieten die zusätzlichen Sichtweisen eine wichtige Gelegenheit, auch die Motive und Wertvorstellungen der Gegenspieler kennenzulernen. Besonders die toxische Beziehung zwischen Ryan und Elisa konnte auf diese Weise sehr realistisch dargestellt werden, was das persönliche Wachstum der Hauptfigur im Laufe der Handlung erst erkennbar macht. Gleichzeitig führt es allerdings auch dazu, dass manche Ereignisse aus mehr als nur einer einzigen Perspektive erzählt werden und sich so doppeln.
Eine weitere Besonderheit von “Consomnio” besteht in seinem kontrastreichen Setting. Die Traumwelt selbst wirkt durch Festungen und Schlösser eher mittelalterlich, während Elisas uns Cassians professionelle Beziehung sich scheinbar in der modernen Welt abspielt, was sich auch durch den Einsatz moderner und teilweise vulgärer Jugendsprache bemerkbar macht. Einigen Lesern mag das urbane Setting zusagen und dabei helfen, sich besonders gut in Elisas Situation hineinzuversetzen, mir persönlich hat die Mischung zwischen realer und Traumwelt leider nicht so gut gefallen, da das Grundkonzept, dass ein “normales Mädchen” durch Zufall eine magische Welt entdeckt, in die sie dann ab und an abtauchen kann, im Fantasy-Genre doch recht verbreitet ist und Consomnio bisher nur wenige wirklich innovative Elemente mit sich bringt. Wir erfahren außerdem nicht mit Sicherheit, was genau unsere Protagonistin so besonders macht – es wäre allerdings möglich, dass sich die Autorin diese Offenbarung für den Folgeband aufsparen möchte.   

Thematisch bewegen wir uns ebenfalls gewissermaßen zwischen den beiden Welten. Einerseits beschäftigt sich “Consomnio” mit komplexen Zuammenhängen wie toxischen Partnern, sexueller und häuslicher Gewalt, Selbstzweifeln sowie Existenzängsten. Andererseits legen Szenen in der Traumwelt den Fokus mehr auf Schwarz-Weiß-Denken, Diskriminierung und Magie. Diese bezieht sich in erster Linie auf die Übernahme von Gedanken und Einblicke in Seelen, die Hauptfigur Cassian verfügt darüber hinaus allerdings noch über zahlreiche, interessante Fähigkeiten, die sicherlich auch im zweiten Band eine wichtige Rolle spielen werden. Generell hat mich die Figur des Cassian mehr überzeugt als die der Elisa. Da er sowohl Schatten als auch Licht in sich trägt, vereint er die beiden Königreiche und dennoch wird nicht gleich ersichtlich, auf wessen Seite er wirklich steht. Im Laufe der Geschichte erfahren wir mehr über sein Leben und seine Ambitionen – etwas mehr Dunkelheit hätte ihm aber auch gut zu Gesicht gestanden und ihn noch ein Stück weit verführerischer wirken lassen.
Etwas unausgeglichen erschien mir das Verhältnis zwischen Romance- und Fantasy-Anteil. Gegen Beginn baut sich die Handlung auf, weshalb eher der Fantasy-Aspekt im Vordergrund steht, stellenweise gewinnt die Romanze zwischen den beiden Protagonisten jedoch an Stellenwert, weshalb das dritte Viertel des Buches für eingefleischte Fantasy-Fans etwas langatmig werden dürfte. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass die beiden Hauptfiguren nicht genügend Gelegenheit hatten, Spannung aufzubauen und sich auf einer tieferen Ebene kennenzulernen. Auch der finale Konflikt erscheint aus diesem Grund leider nicht so ergreifend, wie er hätte sein können.

Alles in allem ist Rosa Baumann mit “Im Bann von Essentis” ein solider Einstieg gelungen, der nicht zuletzt aufgrund seiner interessanten Erzählstruktur und vielschichtigen Charakteren Lust auf mehr macht. Lediglich die Romanze zwischen den beiden Charakteren konnte mich persönlich (noch) nicht vollständig überzeugen. Es bleibt abzuwarten, welche Überraschungen die Traumwelt Consomnio für uns im zweiten Teil bereithält.    

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Im Bann der Freibeuter

Im Bann der Freibeuter
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“Im Bann der Freibeuter” von Johann Christian Lotter, erschienen am 25. September letzten Jahres im emons Verlag, nimmt uns mit auf eine lange Reise ins späte 17. Jahrhundert. Der historische Abenteuerroman, ...

“Im Bann der Freibeuter” von Johann Christian Lotter, erschienen am 25. September letzten Jahres im emons Verlag, nimmt uns mit auf eine lange Reise ins späte 17. Jahrhundert. Der historische Abenteuerroman, angelehnt an reale Ereignisse, handelt von Träumen, dem Leben und was beide aus uns machen.
Unser Protagonist, Richard Kreutzner wächst in Freiberg als Sohn eines tyrannischen Vaters auf, der eine Silbermine besitzt, dessen Leitung er gerne an die nächste Generation weitergeben würde. Leider interessiert sich Richard überhaupt nicht für den Bergbau – er beschäftigt sich lieber mit Büchern. Diese sind es auch, die ihn eines Tages dazu bewegen, fortzulaufen, um Bibliothekar werden. Doch so weit wird es nie kommen, wie wir bereits zum Anfang der Geschichte erfahren, denn die Erzählung beginnt mit der kurz bevorstehenden Hinrichtung unserer Hauptfigur. Ein Dichter, Daniel Defoe, macht es sich zur Aufgabe, Teile seiner Lebensgeschichte niederzuschreiben. Dieser Name dürfte den meisten Lesern etwas sagen. Der Autor bedient sich hier einer wahren Persönlichkeit: Defoe veröffentlichte im 18. Jahrhundert sein berühmtestes Werk “Robinson Crusoe”.
Wir begleiten Richard auf seinen haarsträubenden Abenteuern und beobachten, wie er sich immer und immer weiter von seinem eigentlichen Ziel entfernt. Scheint London anfangs nur eine kurze Schiffsfahrt entfernt, soll er letztendlich wirklich dort ankommen – jedoch unter gänzlich anderen Umständen als ursprünglich geplant. Zuvor wird er jedoch viele verschiedene Orte bereisen und unterschiedliche Kulturen kennenlernen, die ihm nicht immer wohl gesonnen sind. Die meiste Zeit segelt er dabei unter dem Kommando des berüchtigten Freibeuters William Kidd und sieht sich auf diese Weise mit den rauen Umgangsformen der Mannschaft und ihrem Aberglauben konfrontiert. Auch Richard selbst bleibt nicht ganz unschuldig, selbst wenn er andere Pläne für seine Zukunft hatte. Anfangs noch entschlossen, eine Anstellung durch die Royal Society zu erhalten, begeht er Gotteslästerung, Mord und Folter schließlich ganz ohne Skrupel. Lotter gelingt es, diese Entwicklung des Protagonisten deutlich spürbar zu machen, ohne, dass diese dabei unrealistisch wirkt, und führt uns so vor Augen, wie aus einem ehrbaren Mann ein waschechter Halunke werden kann.


Die Handlung ist dicht und sehr atmosphärisch geschrieben, wirkt aber dennoch nicht wie eine bloße Aneinanderreihung von Szenen, sondern bildet eine spektakuläre Lebensgeschichte ab, die man gerne gespannt beobachtet. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass der Autor vor der typischen, rauen Ausdrucksweise der Seemänner nicht zurückschreckt und auch Begriffe verwendet, die heute bereits aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Vorgänge an Bord werden detailliert beschrieben, setzen jedoch etwas Vorwissen oder Recherche voraus, denn viele nautische Fachbegriffe werden nicht erklärt. Doch selbst wenn man nicht jedes unbekannte Wort nachschlägt, kann man der Geschichte trotzdem sehr gut folgen. Lediglich die Vielzahl der Charaktere, welche Richard in den meisten Fällen nur eine Zeit lang begleiten, birgt eine Schwierigkeit. Hier wäre ein Register durchaus hilfreich gewesen, um die Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren im Zweifelsfall noch einmal nachlesen zu können.

Alles in allem kann ich “Im Bann der Freibeuter” jedem empfehlen, der sich für Piraten interessiert und etwas tiefer in die Materie eintauchen will. Die Handlung überzeugt mit einigen bekannten historischen Persönlichkeiten, aber auch durch den Rhythmus, in dem der Autor Richards Geschichte schildert, sodass kein Abschnitt seines Lebens zu langwierig wird. Trotzdem gelingt es, sich in den Protagonisten hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, wie er sich menschlich so stark verändern konnte. Ein Beweis, dass doch niemand vorhersehen kann, wohin uns das Leben führt.


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Veröffentlicht am 03.01.2026

24 Dates to fall in love

24 Dates To Fall In Love
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Die Feiertagsromanze “24 Dates to fall in love” von Stefanie Diem, erschienen am 9. Oktober diesen Jahres im Cove-Verlag erzählt von einem Adventskalender der etwas anderen Art und wie er ein Paar unverhofft ...

Die Feiertagsromanze “24 Dates to fall in love” von Stefanie Diem, erschienen am 9. Oktober diesen Jahres im Cove-Verlag erzählt von einem Adventskalender der etwas anderen Art und wie er ein Paar unverhofft zusammenführt. Eine Geschichte für den Dezember, um die Adventszeit zu genießen und die Wartezeit zu verkürzen.
Wir befinden uns in St. Finan, einem kleinen, fiktiven Ort in den Alpen. Für die richtige Dezember-Atmosphäre sorgt das Berghotel, in dem sich ein Großteil der Handlung abspielt und der viele, viele Schnee. Unsere Protagonistin ist Rominina, kurz Romy, Wahlberg, eine sympathische junge Frau, bei der im Augenblick so gar nichts rund läuft. Das Geld ist sowieso schon knapp, da verlässt sie auch noch ihr Freund Ben, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Und dabei hat sie sich soviel Arbeit damit gemacht, einen Dating-Adventskalender zusammenzustellen, um ihrer Beziehung wieder etwas aufleben zu lassen. Kurzerhand wird eben dieser Adventskalender gegen ihren Willen beim Wichteln unter den Kollegen verschenkt – und landet ausgerechnet bei ihrem mysteriösen, aber unfreundlichen neuen Chef Oliver Behrend. Die Dates sind gebucht, einige sogar schon bezahlt und zu allem Überfluss machen die Arbeitskollegen sich auch noch einen Spaß daraus, zu wetten, dass die beiden nicht alle 24 Dates durchziehen werden. Das Geld im Pott kann Romy gut gebrauchen, jetzt, da sie die Miete der geliebten Wohnung allein stemmen muss. Und da sind ja auch noch die Tierarztkosten ihres Pferdes. Notgedrungen lassen sich die beiden darauf ein und absolvieren ein Date nach dem anderen. Das heißt ja noch lange nicht, dass sie sich verlieben müssen! Oder?

 
Auch wenn die Grundstimmung des Romans eher cozy ist, finden wir am Anfang des Buches dennoch den Hinweis auf einige Content Notes. Diese befinden sich auf den letzten Seiten, sodass der Leser selbst entscheiden kann, ob er eventuelle Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder nicht. Allerdings ist die Liste im Vergleich zu beispielsweise Dark-Romance-Titeln kurz. Die Schrift ist ungewöhnlich klein, aber dennoch gut lesbar. Außerdem finden wir bei Kapitelbeginn eine hübsche Glockenillustration zur Zierde. Die Kapitel selbst sind unterschiedlich lang – einige kürzer als 10 Seiten, andere länger als 40. Insgesamt gibt es 25 Stück, passend zum Konzept des Adventskalenders: 24 Dates und ein Vorwort. Allerdings besteht nicht jedes Kapitel strikt aus einem Date, sondern es werden auch Szenen zwischen den Figuren gezählt, die die einzelnen Aktivitäten miteinander verbinden und Einblick in die Gefühlswelten der Charaktere geben. Allerdings wird ausschließlich aus der Perspektive der weiblichen Protagonistin erzählt. Positiv aufgefallen sind mir beim Lesen auch die vielen Pop-Culture-Referenzen, die eine bessere Immersion in die Geschichte zulassen. So werden zum Beispiel Filme wie “The Summer I turned pretty” genutzt, um das Aussehen von Figuren zu beschreiben, Sendungen wie “Aktenzeichen XY Ungelöst” und weihnachtliche Lieder wie “All I want for Christmas” erwähnt. Auch Anglizismen und Dialekte werden genutzt, um den Figuren mehr Tiefe und Persönlichkeit zu verleihen.
Typisch für eine Feiertagsromanze wirken manche Teile der Geschichte etwas kitschig und vorhersehbar – beispielsweise, dass sich Ben just in dem Moment von Romy trennt, als Oliver in die Stadt kommt, aber bei einem guten Dezember-Read braucht es meiner Meinung nach auch keine großen Überraschungen, sondern einfach eine herzerwärmende Geschichte, in der die Funken nur so sprühen, und ein Happy End. All das hat mir “24 Dates” definitiv gegeben und vielleicht sogar noche in kleines bisschen mehr – denn das Buch wartet mit einem ehrlich überraschenden Plottwist auf, der hier aber nicht verraten wird. Ich persönlich hätte mir trotzdem noch eine etwas stärkere Protagonistin gewünscht, die sich nicht so sehr von den Männern in ihrem Leben abhängig macht - trotzdem ist Romy’s Entwicklung spürbar und sie wirkt am Ende der Geschichte deutlich selbstbewusster.

Alles in allem ist “24 Dates to fall in love” eine gelungene Feiertagsromanze und ein empfehlenswerter Dezember-Read für alle, die um Weihnachten herum gerne etwas Romantischeres lesen wollen, aber kein Fan des typischen Handlungsstrangs Eine Frau kehrt in ihre Heimatstadt zurück und verliebt sich sind. Stefanie Diem verbindet in ihrem Roman klassische Elemente wie das Happy End und ein atmosphärisches Setting mit ungewöhnlicheren Aspekten wie einer Adventskalender-Struktur und dem Enemies-to-lovers-trope, um ihrer Geschichte die nötige Würze zu geben.

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