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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.01.2026

Sehr detaillierte und authentisch wirkende Aufarbeitung gewalttätiger familiärer Vergangenheit

Die Nacht der Bärin
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Das schockierende Thema häuslicher Gewalt, hier über drei Frauengenerationen und auch mit deren Kindern, durchzieht diesen Roman. Durch den Todesfall der Großmutter kommt viel emotionale Bewegung in die ...

Das schockierende Thema häuslicher Gewalt, hier über drei Frauengenerationen und auch mit deren Kindern, durchzieht diesen Roman. Durch den Todesfall der Großmutter kommt viel emotionale Bewegung in die Bewältigung lange strikt verschwiegener Familienereignisse wie seelische und körperliche Gewalt in Partnerschaft bzw. in der Ehe und Missbrauch an eigenen Kindern. Das traumatische Geschehen wird sukzessive über die 26 – jährige Tochter Jule langsam aufgedeckt bei ihrer Suche nach Antworten auch außerhalb der Familie. Das ohnmächtige Ausgeliefertsein der Kinder Anna und Maja an ihren Vater wirkt sehr bedrückend. Auch die Hilflosigkeit und die Sorge ihrer Mutter werden im klaren Schreibstil hart herausgestellt. Durch friedliche, fantasievolle Szenen der zwei Mädchen im angrenzenden Wald und am See mit Feen, Wilderdbeeren und einer Bärin werden diese doch sehr traurigen Tatsachen mit abnehmender Häufigkeit eingeflochten und mögen entspannend wirken durch ihre kindliche Leichtigkeit.

Dieser schwierige Stoff ist geschickt komponiert und berührt durch ihren intensiven Schreibstil.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.12.2025

Eine reiche, vielschichtige bis zuletzt spannende Geschichte

Savannah – Hoffnung auf eine neue Freiheit
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Das Cover versprüht das sommerliche Ambiente von einladender, üppiger Natur rund um den Savannah-River mit Blaureiher und blühenden Ranken. Sehr interessante Charaktere agieren in diesem Band, verflochten ...

Das Cover versprüht das sommerliche Ambiente von einladender, üppiger Natur rund um den Savannah-River mit Blaureiher und blühenden Ranken. Sehr interessante Charaktere agieren in diesem Band, verflochten mit ihren juristischen und historischen Bezügen. Paulines Sohn Leland z.B., Yamacraw und Two-Spirit, der die soziale Rolle von Frauen eingenommen hat, gekleidet in traditionelle Kleidung und Haartracht nicht Gender-spezifisch, mit besonderen Beziehungen zur Welt des Übernatürlichen, kennt sich aus mit heilenden Kräften und hält eine besondere Stellung in seiner indianischen Gesellschaft zumindest im 18. Jahrhundert. Interessant ist auch die Figur der Tallulah Woodpecker, Witwe des Farmers, der das Erbe der Plantage als kinderlose Witwe verwehrt bleibt nach damaliger Rechtsprechung in der Kolonie Geogia. Als Nellies üble Gegenspielerin sorgt sie für viel Spannung, Dramatik und Gewalt, deutet aber auch deren Vereinsamung und Härte im Kampf ums Überleben an. Neben dem Drang um verbessertes Erbrecht für Frauen geht es aber auch um verstärkte Spannungen zwischen der weißen und schwarzen Bevölkerung. Mit dem fatalen Schicksal von Noble Ireland, Freeman (Freier), Sohn des ehemaligen Sklaven Grover, seiner Verbindung zum Sklavenaufstand und zu Karoline werden die widrigen, beängstigenden Lebensumstände ohne Möglichkeit auf rechtlichen Schutz klar dargestellt. Georgia wurde ja letztendlich ein Sklavenstaat wie alle anderen, ohne die Gleichheit unter den Menschen herauf beschwören zu können. Dass auch die Kolonisten – meist Handwerker - sich als Bürger mit Rechten sahen, zeigt die Gründung der Gewerkschaft Union Boys.
Diese Romanreihe bewahrt die „herrschenden Gedanken einer Epoche“, aber auch die Gedanken der herrschenden Klasse.

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Veröffentlicht am 22.11.2025

Ein moralischer, krimineller Plot um das Artensterben und viel mehr.

Der Gemeine Lumpfisch
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In 16 Kapiteln und 2 Epilogen geht es im Kern um das radikale Artensterben und den Handel mit Zertifikaten für Unternehmen zur Bekämpfung des Artensterbens – vielleicht gedacht als Anspielung auf die handelsüblichen ...

In 16 Kapiteln und 2 Epilogen geht es im Kern um das radikale Artensterben und den Handel mit Zertifikaten für Unternehmen zur Bekämpfung des Artensterbens – vielleicht gedacht als Anspielung auf die handelsüblichen CO₂-Zertifikate in derzeitiger Weltwirtschaft. Die Tierschützerin und Intelligenzgutachterin Karin Resaint ist auf der schwierigen Mission, die intelligenteste Spezies unter den Fischen - nämlich den Gemeinen Lumpfisch - vor dem Aussterben zu bewahren. An ihre Seite gesellt sich der konträr motivierte Umweltverträglichkeitskoordinator Mark Halyard, ein Vertreter der Extinktionsindustrie, der sich beim Leerverkauf von Lumpfisch-Zertifikaten verspekuliert, da unerwartet ein Hackerangriff auf die Biobanken sämtliche genetische Daten gefährdeter Tierarten vernichtet. Mit unterschiedlicher Motivation jedoch mit dem gemeinsamen Ziel des Erhalts dieser Fischart erleben beide teils absurde Vorgänge nicht nur entlang der Ostsee, durchsetzt von satirischen Feststellungen zu Klimawandel, kapitalistischem Wachstumsstreben neben KI und Überwachungsstrategien. Der in Dialogen anklingend lässige Plauderton entkräftet durch humorvolle Wortwahl den doch tiefgreifenden Sarkasmus und die Absurdität rund um die Extinktionsindustrie.

Voller Fantasie und ungewöhnlicher Öko-Thriller-Elemente.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Überzeugende, authentisch wirkende Akteure in Deutschland ab 1931

Lebensbande
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Auf zwei Erzählebenen erfährt man viel über das Schicksal von Magdalene, kurz Lene de Jong, geb. Gertens und Nora Neuer geb. Losen, inspiriert von wahren Ereignissen und historischen Fakten ab 1931. Während ...

Auf zwei Erzählebenen erfährt man viel über das Schicksal von Magdalene, kurz Lene de Jong, geb. Gertens und Nora Neuer geb. Losen, inspiriert von wahren Ereignissen und historischen Fakten ab 1931. Während sich Nora als Rentnerin ab 1991 in Kühlenborn an der Ostsee rückbesinnt auf ihr mit Schuldgefühlen und Lügen beladenes Leben als gelernte Krankenschwester, starten Lenas Beiträge mit ihrem 17. Lebensjahr zusammen mit dem ebenso verliebten Holländer Joop de Jong in der Nähe von Kranenburg am Niederrhein. Sie sind Cousinen, die sich vereint um Lenes behinderten Sohn Leo als Reichsausschusskind lt. Sprachgebrauch der NSDAP bemühen. Hier wiederholen sich leider teilweise Passagen aus der jeweiligen Sicht beider Frauen im Ablauf von Leos Rettung vor der sicheren Vernichtung als unwertes Leben. An Nora ab Danzig gekoppelt findet sich das Schicksal von Lieselotte Plass, kurz Lotte. Viele zeitgeschichtliche Spannungsmomente wie z.B. Kriegsgefangenschaft in Russland oder auch heimliche Grenzgänge rund um den 2. Weltkrieg spielen hier eine gewichtige, auch tragische Rolle. Die Feldpost und der Suchdienst des Roten Kreuzes lassen Hoffnungen wie Erschütterungen lebendig werden. Die Beschreibung des mitmenschlichen, oft lebensgefährlichen Einsatzes der hier Beteiligten überzeugt durch einfühlsamen Schreibstil. In treffender Wortwahl wird deutsche Zeitgeschichte um den 2. Weltkrieg an dem Schicksal dreier Frauen mit belastenden Nachwirkungen bis ins Jahr 1993 dokumentiert.

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Interessante Figuren in einfühlsam beschriebenem Ambiente.

Zwei Leben
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Das Cover mit ländlichen Impressionen kommt so unscheinbar und friedlich daher, wo es doch im Roman um viele lebensentscheidende Problemsituationen besonders für zwei Frauen daher kommt. Emotionen von ...

Das Cover mit ländlichen Impressionen kommt so unscheinbar und friedlich daher, wo es doch im Roman um viele lebensentscheidende Problemsituationen besonders für zwei Frauen daher kommt. Emotionen von tiefster, langanhaltender Trauer über stille, lange verborgene Sehnsüchte bis zu innig empfundenen Glücksgefühlen der Liebe, auch der Jahrzehnte langen Treue – in diesem breiten Spektrum werden berührende Szenen in teils poetischem und bildhaften Schreibstil beschrieben. Umrahmt von bäuerlichem Alltagsleben im jahreszeitlichen Arbeitsrhythmus mit dörflichen und kirchlichen Traditionen Süddeutschlands um 1971 bewegen sich sympathische Charakteren in ihrer Besonderheit um tiefgehende Lebenssituationen. Gebettet in idyllische Naturbeschreibungen und Agrarwissen gestaltet sich die Erfüllung von Sehnsüchten nach einem anderen Leben für einige Figuren in ruhigem Erzähltempo. Sowohl die 20-jährige Bauerstochter Roberta Strasser als auch die 40-jährige Gertrud, Frau des Pfarrers, ersehnen ein Leben, weg von dörflicher Enge und familiären Zwängen. Beerdigung und Taufe verweilen wie Unglück und Glück nahe beieinander, Thematisiert werden z.B. auch Abtreibung, Freundschaft seit Kindheitstagen, Handweberei, Kriegsgefangenschaft in den USA. Bei diesem letztgenannten Thema erzählt der sehr einfühlsame Großvater von seinen zwei Leben, Seine Botschaft nicht nur an Roberta lautet: ….dass nichts wichtiger ist, als richtig zu leben. Nicht halb oder versteckt oder einfach falsch.
Einfühlsam beschriebene, zwischenmenschliche Konstellationen mit Tiefgang.

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