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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.01.2026

Tolles Debüt!

Niemands Töchter
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Mit Niemands Töchter legt Judith Hoersch ein leises, zugleich eindringliches Debüt vor, das sich mit familiären Verstrickungen, weiblichen Lebensentwürfen und den Spuren beschäftigt, die Herkunft und Verlust ...

Mit Niemands Töchter legt Judith Hoersch ein leises, zugleich eindringliches Debüt vor, das sich mit familiären Verstrickungen, weiblichen Lebensentwürfen und den Spuren beschäftigt, die Herkunft und Verlust in einem Menschen hinterlassen.
Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen von vier Frauen, deren Leben auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind. In den 1980er-Jahren wächst Alma in der Eifel auf – als Kind in einer Familie, in der vieles unausgesprochen bleibt. Früh spürt sie, dass sie nicht wirklich dazugehört, doch über ihre Herkunft wird geschwiegen. Jahrzehnte später lebt Isabell in Berlin. Der frühe Tod ihrer Mutter hat eine Leerstelle hinterlassen, die ihr Denken, Fühlen und auch ihr eigenes Familienleben prägt. Als sich die Wege von Alma und Isabell kreuzen, beginnt sich eine Vergangenheit zu öffnen, die lange verborgen war.
Judith Hoersch wählt eine fragmentarische Erzählweise mit häufigen Perspektiv- und Zeitwechseln. Diese Struktur fordert Aufmerksamkeit und kann zu Beginn orientierungslos wirken, doch sie ist zugleich Teil der erzählerischen Idee: Die Geschichte erschließt sich nicht linear, sondern tastend – ähnlich wie die Figuren selbst ihre Biografien zusammensetzen müssen. Nach und nach fügen sich Erinnerungen, Andeutungen und einzelne Szenen zu einem Gesamtbild.
Im Mittelpunkt stehen weniger äußere Handlungen als innere Prozesse. Der Roman kreist um Mutterschaft, Verlust, Schuld, Zugehörigkeit und die Weitergabe von Verletzungen über Generationen hinweg. Dabei bleibt vieles unausgesprochen oder nur angedeutet. Gerade das Ungesagte verleiht dem Text seine besondere Kraft. Hoersch urteilt nicht über ihre Figuren, sondern beobachtet sie mit großer Genauigkeit und Empathie.
Der Stil ist klar, ruhig und zurückhaltend. Ohne Pathos entsteht eine dichte, teils melancholische Atmosphäre, die lange nachwirkt. Die Frauenfiguren gewinnen mit fortschreitender Lektüre an Tiefe und Kontur, ihre inneren Konflikte werden zunehmend nachvollziehbar.
Niemands Töchter ist kein Roman für das beiläufige Lesen. Er verlangt Konzentration und Bereitschaft, sich auf komplexe familiäre Zusammenhänge einzulassen. Wer sich darauf einlässt, findet jedoch eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der Frage, wie sehr unser Leben von frühen Erfahrungen geprägt wird – und wie schwierig, aber auch möglich es ist, sich davon zu lösen.
Ein anspruchsvolles, nachdenklich stimmendes Debüt, das lange im Gedächtnis bleibt.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Sehr gelungener Coming-of-Age Roman

Himmel ohne Ende
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Die Geschichte ist ein wunderbarer Coming-of-Age-Roman.
Wir begleiten die 15 jährige Charlie, die mit ihrer Mutter zusammenlebt, der Vater hat die Familie verlassen und vor allem bei Charlie ...

Die Geschichte ist ein wunderbarer Coming-of-Age-Roman.
Wir begleiten die 15 jährige Charlie, die mit ihrer Mutter zusammenlebt, der Vater hat die Familie verlassen und vor allem bei Charlie eine große Lücke hinterlassen.
Charlie zweifelt viel, sucht ihren Platz im Leben und will eigentlich nur dazu gehören, ohne sich komplett zu verbiegen.

Ich empfinde die Geschichte erstmal inhaltlich als relativ normales Leben einer introvertierteren Teenagerin, es gibt keine riesengroßen, künstlich aufgebauschten Probleme, die unlösbar erscheinen und auch keinen echten Prinzen auf dem weißen Ross, der Charlie rettet...
Dafür tritt unverhofft und zum richtigen Zeitpunkt Pommes (alias Kornelius) in Charlies leben, der ein echter Freund wird. Charlie und Pommes verstehen sich gut, zwar ohne gleiche Ziele und ohne sich gegenseitig ändern zu wollen...

Klingt alles nicht so gut? Ist es aber!
Julia Engelmann beschreibt Charlie und alle um sie herum passgenau und pointiert, jedes Wort sitzt, keines ist zuviel.
Sie beschreibt Gefühle nicht, sie lässt den Leser fühlen!
Charlies Wut, Verzweiflung und Hoffnung nehmen die Leserschaft mit zwischen die Seiten, genau in Charlies Welt.
Ein Stück weit werden wir hier wieder zum Teenager!


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Veröffentlicht am 19.09.2024

Cozy Crime

Mord in der Charing Cross Road
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Fans von Cosy Crime und Buchliebhaber kommen mit diesem Buch voll auf ihre Kosten:

In der antiquarischen Buchhandlung in der Charing Cross Road ist es vorbei mit der Gemütlichkeit. Als ein unfreundlicher ...

Fans von Cosy Crime und Buchliebhaber kommen mit diesem Buch voll auf ihre Kosten:

In der antiquarischen Buchhandlung in der Charing Cross Road ist es vorbei mit der Gemütlichkeit. Als ein unfreundlicher Angestellter der Buchhandlung tot aufgefunden wird, werden die Buchhändlerin Sally und der Junior-Chef zu Detektiven...

Henrietta Hamilton schreibt hier einen wunderbaren Krimi, anzusiedeln im Genre Cozy Crime. Häufig habe ich mich beim lesen gefühlt, als wäre ich in einem Krimi von Agatha Christie unterwegs. Der Autorin gelingt es großartig, für ihre Leserschaft eine atmosphärische Stimmung zu schaffen. Ich konnte den Staub des Antiquariats riechen und das Kopfsteinpflaster unter den Füßen spüren.
Das Buch ist perfekt für kuschelige, gemütliche Lesestunden im Herbst.
Da es ein Reihenauftakt ist, freue ich mich sehr auf weitere Geschichten!
Das Cover passt gut zum Buch und auch hier erinnert es mich an alte Krimi - Klassiker!

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Veröffentlicht am 15.09.2024

Außergewöhnlich

Meine Männer
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Mit "Meine Männer" hat Vicoria Kielland ein außergewöhnliches Debüt auf den Markt gebracht. Vorneweg: der Schreibstil ist nüchtern und wirkte auf mich oft hölzern, dadurch musste ich mich zunächst ...

Mit "Meine Männer" hat Vicoria Kielland ein außergewöhnliches Debüt auf den Markt gebracht. Vorneweg: der Schreibstil ist nüchtern und wirkte auf mich oft hölzern, dadurch musste ich mich zunächst sehr in die Geschichte einfinden und das war nicht ganz leicht.
Dieser ungewöhnliche, zuweilen unbequeme Schreibstil hat mich aber auch Brynhilds Zorn fühlen lassen.
Ja, sie ist eine Serienmörderin, zunächst war sie aber auch Opfer. Was ihr als junges Mädchen wiederfahren ist hat sie innerlich absterben lassen, es scheint außer der Wut gar keinen Anrieb für Brynhild zu geben.

In einer anderen Rezension von @emmasbuecherecke heißt es: "Teilweise verstörend, teilweise verwirrend und unverständlich, aber alles in allem irgendwie gut."
Das gibt meine Gedanken während und nach dem Lesen sehr gut wieder. Das Buch hat eine sehr eigene Faszination und Tiefe.
Spannend ist auch, dass die Geschichte tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht.
Die Autorin hat grausame Taten in einen Sprachstil verwandelt und wieder gegeben, der den schrecklichen Geschehnissen und Gedanken gerecht wird. Es ist kein einfaches Buch für zwischendurch.

Eine Empfehlung gibt es für Leser ungewöhnlicher Sprachstile.

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Veröffentlicht am 18.05.2024

Außergewöhnlicher Sommer-Roman für Teenager

Emmas Herzdilemma
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Das Buch rund um "Emmas Herzdilemma" ist außergewöhnlich!
Statt in einem Erzählstrang haben wir zwei parallel zueinander verlaufende Geschichten.
Durch eine Kleinigkeit am Beginn der Geschichte kommen ...

Das Buch rund um "Emmas Herzdilemma" ist außergewöhnlich!
Statt in einem Erzählstrang haben wir zwei parallel zueinander verlaufende Geschichten.
Durch eine Kleinigkeit am Beginn der Geschichte kommen die Leser*innen in den Genuss von gleich zwei Geschichten rund um Emma ...
Zunächst hatte ich Sorge, beide Geschichten sind gut ausgearbeitet und lassen sich gut auseinander halten!
Im italienischen Teil der Geschichte muss Emma mit ihrer Tante nach Rom. Sie soll ihr dort in ihrer kleinen Pension helfen und (endlich! so die Erwachsenen) Verantwortung lernen. Entgegen aller Erwartungen gefällt es Emma in Rom richtig gut! Sie lernt viel und lebt trotzdem "la Dolce Vita".
Im Kölner Erzählteil ist es hingegen erstmal gar nicht so cool, wie Emma erwartet hat... Der Junge ihrer Träume ist gar nicht so toll wie sie dachte... Dafür baut sie eine ganz wunderbare, tiefe Beziehung zu ihrem Opa auf♥️

Der Autorin ist ein außergewöhnlicher Sommer-Roman gelungen, der ganz viel Leichtigkeit bietet, dabei aber auch zum Nachdenken anregt. Die erste liebe spielt natürlich eine große Rolle, aber auch die Frage: wer bin ich und wer will ich sein? Wer tut mir gut und wer ist meine Gesellschaft gar nicht wert.
Ganz wunderbares Buch!

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