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Veröffentlicht am 24.12.2024

Hast du Angst vor deinem eigenen Schatten?

Whispers of Shadow and Silk (Band 1) – Die Prophezeiung
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„Doch die Zeiten, in denen Noreý geglaubt hatte, dass hell gleichbedeutend war mit gut und dunkel mit schlecht, waren längst Vergangenheit.“ (S. 455)

Whispers of Shadow and Silk ist der erste Band einer ...

„Doch die Zeiten, in denen Noreý geglaubt hatte, dass hell gleichbedeutend war mit gut und dunkel mit schlecht, waren längst Vergangenheit.“ (S. 455)

Whispers of Shadow and Silk ist der erste Band einer düstern High-Fantasy Dilogie aus der Feder von Rebekka Pax.

Ein Buch Rand voll neuer und origineller Ideen, überladen mit Emotionen, Magie und Intrigen, mit einer spannenden Grundprämisse: Schatten als tödliche Bedrohung, die kontrolliert werden müssen.

Die Hauptprotagonistin Noréy lebt in einer Welt, in der Schatten mehr sind als bloße Begleiter, sie sind Feinde die das Leben bedrohen, nachdem die Menschen von den Göttern verflucht wurden. Als Noreý einen schrecklichen Anschlag auf dem Markt überlebt, muss sie vor der Garde fliehen und gerät an den Schattenjäger Torik, welcher sie an eine geheime Schule für Schattenmagie bringt.

Noreý gefiel mir als Hauptfigur richtig gut, ihre Verletzlichkeit und innere Zerrissenheit wird glaubhaft rübergebracht. Ihre Entwicklung ist spannend zu verfolgen. Maigar mochte ich zu Beginn, aber er entpuppt sich nach und nach als Mitläufer, auch wenn seine Handlung gut zur Geschichte passt, bleibt er mir persönlich zu blass und durch seine „schwache“ Persönlichkeit mochte ich ihn im Nachhinein nicht mehr besonders. Seine Abschnitte wollte ich auch nicht so gerne lesen. Jahor war mein Lieblingscharakter und seine Backgroundstory erklärt sein zurückgezogenes Verhalten. Ich finde auch seine innere Zerrissenheit wird gut dargestellt und hat mich emotional sehr abgeholt. Torik der alte Schattenjäger war auch ein spannender Charakter und hatte für Noreý etwas wie ein Ersatzvaterrolle. Insgesamt bekommen die Nebencharaktere viel Raum und wurden detailliert und gut beschrieben. Ach und ich mochte Noreýs eigensinniges Pferd Aleo, ich musste teilweise über sein „pferdisches“ Verhalten echt schmunzeln.

Der Schreibstil gefiel mir durch seine bildliche Darstellung richtig gut und ermöglichte ein tiefes Eintauchen in diese düster gezeichnete Welt. Ich fand einige Beschreibungen sogar richtig gehend „niedlich“. „Noreý blinzelte zweimal schnell hintereinander und erinnerte ihn dabei ein wenig an eine Katze. Eine überrumpelte Katze.“ (S. 322)

Gut fand ich auch die vielen Wendungen, dennoch hatte das Buch schnelle und langsame Szenen. Die Actionszenen wurden gut und spannend beschrieben. Außerdem fand ich die zarte Liebesgeschichte sehr süß erzählt und nicht zu aufdringlich (mit einer mini Prise spice).
Das Ende war nochmal ziemlich heftig, aber hat mich nicht wirklich überrascht.

„Ohne ihn hatte sie sich nicht nur verloren, sondern unvollständig gefühlt.“ (S. 465)

Insgesamt gebe ich dem Buch gute 4,5 Sterne, da es mich gut unterhalten hat und echt fesseln konnte. War man einmal in der Geschichte angekommen, entwickelt sie eine unheimliche Sogwirkung. Düster und gespickt mit wirklich guten und neuen Ideen und einer sehr dunklen Grundstimmung.

„Der Wilde Rand ist nicht böse. Das kann er gar nicht sein, denn er hat keinen Willen. Diejenigen aber, die ihn erschaffen haben…“ (S. 157)

Den halben Stern ziehe ich ab, da mich Kleinigkeiten gestört haben. Manche Handlungsstränge wirkten sehr zusammenhangslos und scheinen aus dem Nichts zu kommen. Sowie widersprüchliches Verhalten bei Nebenfiguren. Außerdem bekam die Zeit an der Schule zu wenig Raum und die Beziehungen der Figuren untereinander wurden für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt und wirkten dadurch teilweise sehr unausgereift.
Darüber hinaus war die längere Reise für mich ein wenig unnötig (nicht so spannend erzählt…).

Spoilerwarnung ab hier…

Randnotiz: Ich fand den eigenen Charakter der Schatten total süß und mochte Noreýs Greif und Jahors grauen Drachen total gerne (man muss sie einfach ins Herz schließen).

4,5⭐️

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.09.2024

Lang lebe die Schurkin?

Long Live Evil
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„Als wir noch klein waren, haben wir einander Geschichten erzählt. Dann wurde ich krank und hatte Angst einzuschlafen, weil ich befürchtete nicht mehr aufzuwachen. Ich konnte nur schlafen, wenn ich mir ...

„Als wir noch klein waren, haben wir einander Geschichten erzählt. Dann wurde ich krank und hatte Angst einzuschlafen, weil ich befürchtete nicht mehr aufzuwachen. Ich konnte nur schlafen, wenn ich mir sagte, dass sie ihren Kindern im Fall meines Todes von mir erzählen würde. Dann wäre ich zwar nicht mehr als eine Geschichte, aber das war besser als nichts. Niemand lebte ewig, aber eine Geschichte kann überdauern. Nur dank der Geschichten habe ich überlebt. Wenn ich ums Weiterleben kämpfe, sage ich mir immer: Das wird eine tolle Geschichte, die ich meiner Schwester erzählen kann. Bestimmt wird es ihre Lieblingsgeschichte. Die beste Geschichte, die sie je gehört hat.“ (S. 258-259)

Wow. Bei diesem Buch weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Es gibt soviel zu sagen, was den Umfang dieser Rezension allerdings sprengen würde, deshalb versuche ich meine Gedanken zu sortieren und die wichtigsten Punkte hervorzuheben ohne dabei genauer auf die Handlung einzugehen.

Die todkranke Rae bekommt die Möglichkeit in ihr Lieblingsfantasybuch zu reisen. Welcher begeisterte Leser hat solche Gedanken nicht schon einmal gehegt? Eintauchen in die Buchwelt, den Lieblingscharakteren begegnen, die einem so vertraut sind und seinen Buchschwarm leibhaftig gegenüberstehen? Für Rae wird dies alles Realität, als ihr eine seltsame Frau im Krankenhaus begegnet, welche ihr einen Pakt anbietet, sie wird leben, wenn sie die Blume von Leben und Tod rechtzeitig pflückt, sobald diese einmalig blüht.

Die Figuren sind ein absolutes Highlight der Geschichte, liebevoll ausgearbeitete Charaktere in einem epischem Fantasysetting. Mein persönlicher Favorit war der mörderische Palastwächter Key, dann gibt es unter anderem noch die verrückte Zofe Emer, die liebliche Lia, die Geschichtenliebende goldene Kobra, den selbstverliebten König und den kalten wortkargen Marius Valerius.
Eine spannende Mischung aus Schurken, zweifelhaften Helden und bissigen Dialogen macht das Buch zu etwas ganz Außergewöhnlichem. Besonders gefallen hat mir die originelle Idee, eine Mischung aus Metafiktion und Fantasy, verwobenen in einem besonders schönen, gehaltvollen und sehr gehobenen Schreibstil, der wohl angemerkt nicht für jeden etwas ist.

Als Leser ist es spannend zu sehen, wie sich das Gefüge der Buchwelt durch Raes Entscheidungen verändert. Die Figuren die eigentlich wie Marionetten reagieren sollten, entwickeln plötzlich ein Eigenleben und die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.
Ein besonderer Reiz beim Lesen entsteht durch die Prämisse, das Rae in die Rolle der Schurkin schlüpft und durch egoistisches Verhalten ihr eigenes Überleben sichern will.

Das Buch erhält aufgrund kleinerer Schwächen von mir einen halben Stern Abzug, da die Autorin sich zu sehr in den Nebenschauplätzen verliert, dadurch weist die Geschichte einige unnötige Längen auf und schafft mehr Verwirrung als Klarheit. (Teilweise wurde daraus eine Abschweifung von den Abschweifungen…XD)

Insgesamt gefiel mir das Buch aber richtig gut. Ich mochte den eloquenten Schreibstil, sowie die Schwärmerei und den Fokus auf die Charaktere und das forcieren der moralischen Grauzonen.

Ich würde dieses Buch älteren Lesern empfehlen, die eine originelle Idee schätzen, sowie komplexe Charaktere, unerwartete Wendungen und einem anspruchsvollen Schreibstil gegenüber nicht abgeneigt sind.

4,5⭐️

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  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2024

Humuhumunukunukuapua’a

Broken Heart Summer – Sunset Days
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„Entspann dich […] Sieh, was du siehst, hör zu, spür, wie sich der Ort anfühlt. Was riechst du? Was schmeckst du? Wenn du dir darüber bewusst wirst, was deine Sinne wahrnehmen, bist du ganz hier.“ (Seite ...

„Entspann dich […] Sieh, was du siehst, hör zu, spür, wie sich der Ort anfühlt. Was riechst du? Was schmeckst du? Wenn du dir darüber bewusst wirst, was deine Sinne wahrnehmen, bist du ganz hier.“ (Seite 84)

Ein sommerlicher, tiefberührender und zarter Roman vor der atemberaubenden Kulisse von Hawaii.

Tonia Krüger nimmt uns mit auf eine Reise nach Hawaii, wo wir auf die zwei ungleichen Freundinnen Rea und Maya treffen, welche dort ihren Sommer verbringen.
Die Reise hat ein Ziel. Maya möchte das „Ende ihres Regenbogens“ finden, welches sie in ihrem unbekannten Vater vermutet. Rea begleitet ihre Freundin auf dieser abenteuerlichen Reise, um ihr dieses Kennlernen zu ermöglichen, obwohl sie lieber für ihr Medizinstudium lernen würde, macht sie sich mit ihr auf die Suche.
Noch auf dem Hinflug von San Francisco nach Hawaii trifft Rea auf den charmanten und gutaussehenden Surferboy Cam. Die beiden nähern sich auf Hawaii an und zum ersten Mal fühlt sich Rea richtig frei, nicht nur in ihrem Kopf gefangen und von Ängsten geplagt.
Doch Maya hat ein Geheimnis was alles zerstören könnte.

Rea mochte ich als Charakter sehr. Sie war bodenständig, realistisch und ängstlich aber wächst im Laufe der Geschichte über sich hinaus. Cam ist mir auch sofort ans Herz gewachsen mit seiner rücksichtvollen, sanften und schon beinahe altklugen Art. Er ist ehrlich und loyal und irgendwie schon fast zu perfekt. Maya empfand ich als sehr anstrengend, sie war der klare Kontrast zu Rea. Jedoch hat mich besonders ihr toxisches Verhalten genervt und es passte meiner Meinung nach nicht so gut in die Geschichte – deshalb ziehe ich einen halben Stern ab.

Die Suche nach Mayas Vater ging meiner Meinung nach zu schnell, weil alles andere im Buch eher langsam ablief. Jedoch mochte ich das beschriebene Setting Hawaii total gerne. Ich hatte das Gefühl ich wäre selber dort und würde an den atemberaubenden Stränden meine Füße ins Wasser tauchen. Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen und sehr detailverliebt, die Autorin schafft es innere Bilder vor den Augen zu erzeugen und einen in die Geschichte zu ziehen.

Besonders schön fand ich die kleinen Anekdoten und Geschichten über Hawaii. (Die halben Blumen… seufz…). Insgesamt hat mir dieses sommerliche Buch sehr gefallen, mein kleiner persönlicher Urlaub in Hawaii. Das Buch hat mich sehr berührt und auch nachdenklich gestimmt. Ich mochte die Liebesgeschichte und das ganze Setting.

Klare Leseempfehlung für Leser die auf Slowburn Romance und zarte Liebesgeschichten mit Tiefgründigkeit stehen.

4,5⭐️

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Veröffentlicht am 11.05.2024

Ein bisschen schwächer als Band 1 •dark •spannend •heiß

Possessed
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4.5⭐️

Ich mochte diesen zweiten Teil auch sehr. Auch wenn er für mich persönlich nicht an den ersten heranreicht.
Es passiert ziemlich viel.
Natürlich auch ein paar spannende Wendungen, welche man aber ...

4.5⭐️

Ich mochte diesen zweiten Teil auch sehr. Auch wenn er für mich persönlich nicht an den ersten heranreicht.
Es passiert ziemlich viel.
Natürlich auch ein paar spannende Wendungen, welche man aber teilweise erwartet hat.
Penny fand ich teilweise diesmal ein wenig anstrengend.
Aber der Fokus lag auf Keaton und Olivia.
Ein harter Typ mit einem weichen Kern. Iwie süß wie er sich um Olivias Sohn kümmert, dabei aber trz dieser Psycho ist🤣
Naja aber es wäre sonst kein Keaton Rush🔥 und in diesem Buch fand ich diese dunkle Persönlichkeit schon sehr spannend und aufregend.
Gut gemachte Dark Romance, die nicht nur den Fokus auf den spicy Szenen legt🔥🌶
Hat mir gut gefallen.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Wo die Stille Tiefe hat: Eine Begegnung mit den „Biomen der Meere“

Biome der Meere
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Biome der Meere ist ein Sachbuch, das man nicht einfach liest, man betritt es und lässt sich in eine noch sehr unerforschte Welt entführen. Es spricht zuerst die Augen an, verführt über das Visuelle und ...

Biome der Meere ist ein Sachbuch, das man nicht einfach liest, man betritt es und lässt sich in eine noch sehr unerforschte Welt entführen. Es spricht zuerst die Augen an, verführt über das Visuelle und erreicht dann leise den Verstand. Die Illustrationen sind das Herz dieses Buches, machen es ganz klar aus: farbgewaltig, träumerisch und wunderschön. Sie tragen eine spürbare künstlerische Freiheit in sich und verzichten bewusst auf strenge naturgetreue Abbildung. Dadurch geht zwar ein Teil der zoologischen Exaktheit verloren, doch es entsteht etwas anderes, eine eigene, bildmächtige Sicht auf die Welt der Meere.
Diese Bilder laden zum Träumen ein. Sie öffnen Türen zu einer Welt, die vielen verborgen bleibt und entfalten eine gewisse Neugierde und Entdeckerlust. Man blättert, man verweilt, man liest nicht hastig, sondern konsumiert die kleinen Häppchen Fakten, die sich zwischen Farben und Formen entfalten.
Ein Kritikpunkt habe ich jedoch, weshalb ich nur auf 4 Sterne komme. Die Schrift ist stellenweise auf sehr hellem Hintergrund gesetzt und dadurch schlecht lesbar. Sie verblasst fast in der Farbenpracht der Seiten und geht verloren, wo sie eigentlich tragen sollte. Ein Sachbuch darf schön sein, aber es muss auch lesbar bleiben. Ich verstehe den gestalterischen Wunsch, keine harten Kästen oder dominanten Schriften einzusetzen. Dennoch darf Ästhetik nicht auf Kosten der Zugänglichkeit erzwungen werden.
Inhaltlich trifft das Buch genau in mein Biologinnen-Herz. Es sind die ökologischen Zusammenhänge, die feinen Anpassungen der Meeresbewohner an Druck, Dunkelheit und Strömung, die hier fast zärtlich seziert werden. Biome der Meere richtet sich zwar an junge Leser, bleibt aber auch für Erwachsene spannend. Es ist kein trockenes Rezipieren von Fakten, sondern ein ruhiges, neugieriges Entdecken (pädagogisch wertvoll würde wohl so mancher Lehrer flüstern).
Man liest dieses Buch nicht, um Wissen zu besitzen, sondern um die Mechanik des Lebens unter dem Wellenschlag zu bewundern. Die ökologischen Zusammenhänge werden nicht einfach aufgelistet, sondern in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit spürbar gemacht. Hier werden die extremen Nischen sichtbar, die das Leben erzwingt, wie Strömungen Schicksale bestimmen und wie fragil die Architektur der Unterwasserwelt eigentlich ist.
Das Glossar erachte ich als besonders wertvoll, viele biologische Fachbegriffe werden hier kurz und klar erklärt. Letztendlich ist es eine überzeugende Auswahl von Fakten, die klug gesetzt wurden. Auch Kenner können hier noch Momente zum Staunen entdecken.
Biome der Meere ist ein Sachbuch, das Wissen vermittelt, ohne es aufzuzwingen, eher leise, ästhetisch und nachhaltig. Ein Buch, zu dem man gern immer wieder zurückkehrt.


⭐️⭐️⭐️⭐️

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