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Veröffentlicht am 25.01.2026

Böse Vorahnungen

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Anna Schneider erwähnt es in ihrem Nachwort und ihr Buch hat mich auch die ganze Zeit daran erinnert: die Flut an der Ahr im Juli 2021, bei der weit mehr als 100 Menschen ihr Leben verloren. Nun hat sie ...

Anna Schneider erwähnt es in ihrem Nachwort und ihr Buch hat mich auch die ganze Zeit daran erinnert: die Flut an der Ahr im Juli 2021, bei der weit mehr als 100 Menschen ihr Leben verloren. Nun hat sie eine solche Katastrophe in den bayerischen Alpen im Tal der Ammer angesiedelt und auch dort fällt innerhalb von wenigen Stunden so viel Regen wie sonst in einem ganzen Monat.

Alexa Jahn und Florian Huber von der Kripo Weilheim befinden sich mitten im Geschehen. Lange ist in Weilheim die Zentrale für die eingehenden Anrufe der besorgten und betroffenen Bürger eingerichtet, bis auch dort geräumt werden muss und die Zentrale an höhere Stelle verlegt wird.

Alexa hat bereits unzählige Vermisstenmeldungen notiert. Ein Anruf von einem Bauernhof ist ihr besonders in Erinnerung geblieben und sie versucht, der Vermisstenmeldung nachzugehen. Ein alter Bauer ist mit dem Traktor losgefahren und seitdem nicht mehr gesehen worden. Seine Frau und seine Tochter vermissen ihn zuhause. In der gleichen Gegend sind zwei Wanderer, ein Mann und eine Frau unterwegs. Der Mann hat der Polizei gemeldet, dass seine Freundin sich den Fuß verknackst habe und er wird von Florian Huber zu genau diesem Bauernhof in der Nähe geschickt. Die beiden kommen jedoch dort nicht an, zumal wir Leser schon in kursiven Einschüben erfahren, dass der Mann nie plante, seiner Freundin zu Hilfe zu kommen.

Die sehr geschickt eingeflochtenen Briefe und Gedanken erzeugen eine unterschwellige Spannung, als Leser ist man den polizeilichen Ermittlern schon um einiges voraus, kann das Geschehen aber noch nicht einordnen. Erst ganz zum Schluss erschließt sich uns das ganze Ausmaß der Tragödie, die vielleicht ohne die Flutkatastrophe nie aufgedeckt worden wäre.

Über der Grenze in Innsbruck sind derweil 6 Jugendliche verschwunden. Sie waren zu einer Hütte aufgebrochen, haben sich aber seitdem nicht mehr bei ihren Eltern gemeldet. Auch in Österreich tobt ein Sturm und jede Mobilfunkverbindung ist abgebrochen.

Es sind die drei genannten Handlungsstränge, die in diesem Buch verknüpft werden und die Polizei sowohl in Weilheim als auch in Innsbruck beschäftigen. Verbindendes Element ist dabei das Wanderer-Paar, das aus Österreich in den bayerischen Alpen wandern will. Und so ermittelt auch Krammer wieder zusammen mit seiner Tochter. Alexa kann in der Einsatzzentrale nicht stillsitzen und Telefonate führen, sie macht sich getrieben von böser Vorahnung auf den Weg, um auf dem Schorn-Hof nach dem Rechten zu sehen.

Anna Schneider hat den nicht enden wollenden Regen, das Steigen der Pegelstände und das sich immer mehr mit Wasser und Schlammmassen füllende Ammertal ausgesprochen anschaulich beschrieben, man hätte glauben können, sie habe eine solche Flut bereits selbst einmal erlebt. Die Koordination der unterschiedlichen Katastrophendienste ist Aufgabe der Polizei, dort läuft alles zusammen. Anna Schneider beschreibt das Gefühl von Ausnahmezustand, von Kontrollverlust, Überarbeitung, Müdigkeit und gleichzeitiger Pflicht sehr lebensnah, die Verzweiflung der Retter, wenn sie jemanden nicht rechtzeitig erreichen konnten, war greifbar.

Jeder der Grenzfall-Krimis war bisher in sich abgeschlossen, man konnte also auch folgen, wenn man die Vorgängerbände nicht kannte. Für mich war „Ihr Grab in den Fluten“ einer der besten Krimis in der Reihe.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Grauners letzter Fall?

Am Hang des Todes
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Nach seiner Weltreise wollte Commissario Grauner es eigentlich ruhig angehen lassen, auf der Ofenbank liegen, mit seiner Frau Alba Urlaubsfotos anschauen und seinen Kühen im Stall Mahler vorspielen. Doch ...

Nach seiner Weltreise wollte Commissario Grauner es eigentlich ruhig angehen lassen, auf der Ofenbank liegen, mit seiner Frau Alba Urlaubsfotos anschauen und seinen Kühen im Stall Mahler vorspielen. Doch es kommt anders. Ihn erreicht ein Anruf seines Mitarbeiters Ispettore Saltapepe. Während eines Weltcup Rennens in Gröden wurde einer der Favoriten, ein junger Mann und Nachwuchstalent aus dem Tal, erschossen.

Der Vater des Mordopfers, Franz Ungerer, nennt den Ermittlern schon gleich zu Anfang zwei Motive für diesen Mord und verdächtigt seinen alten Rivalen Waldsteiner. Natürlich gehen die Ermittler diesen Anschuldigungen nach und bringen Licht in die uralten Streitigkeiten der beiden Familien. Manches stellt sich allerdings ein wenig anders dar, als vom Vater des Mordopfers dargestellt. Während diese alte Auseinandersetzung noch während der Ermittlungen weiter eskaliert, lässt sich daraus jedoch nicht der Mord an Philip Ungerer ableiten und nachweisen. Und so führt erst langwierige und zeitaufwendige Polizeiarbeit Grauner auf die richtige Fährte.

Dem Autor Lenz Koppelstätter ist es meiner Meinung nach in diesem Band gut gelungen, eine Stimmung zu transportieren. Über dem ganzen Geschehen hängt ein Nebel, ein Wehmutsschleier und der betrifft nicht nur die Trauer über den jungen Südtiroler, der während des Weltcups zu Tode kam. Viele Grödener bedauern, ihr Tal dem Skispektakel geöffnet zu haben, Grauner würde sich viel lieber bei seinen Kühen aufhalten und bedauert, dass ihm seine Tochter seine Almhütte in eine Calm Alm umgewandelt hat. Außerdem hat er zeitweise seinen Spaß an der Arbeit verloren und gibt immer mehr seiner Aufgaben an Silvia und Claudio ab.

Die Karten am Anfang des Buches sind sehr hilfreich für die Orientierung. Südtirol hat so viele Täler und durch die Krimis rund um Commissario Grauner habe ich schon einige davon kennengelernt. Die tief verschneite Bergwelt auf dem Cover passt sehr gut zur Handlung, selbst hier hängen Nebel über den Hängen und verhüllen die klare Sicht.

Mir hat dieser Krimi gut gefallen, zumal er vielschichtig und an manchen Stellen auch durchaus spannend war.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Gestörter Vorweihnachtsfrieden

SYLTKRIMI Wintergrab
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Es ist Winter auf Sylt und die Bürgermeisterin eröffnet gerade den Weihnachtsmarkt, als ein Auto ohne zu bremsen in die Absperrpoller fährt. Aus dem Wagen wird eine Frau im sexy Weihnachtskostüm gerettet, ...

Es ist Winter auf Sylt und die Bürgermeisterin eröffnet gerade den Weihnachtsmarkt, als ein Auto ohne zu bremsen in die Absperrpoller fährt. Aus dem Wagen wird eine Frau im sexy Weihnachtskostüm gerettet, die dann später im Krankenhaus den erstaunten Beamten eröffnet, dass sie ihren Gatten in Notwehr getötet hat. Tatsächlich finden sich Hämatome an Armen und Beinen, Würgemale am Hals, also alles Hinweise, dass sie die Wahrheit sagt.

Ziemlich gleichzeitig melden Spaziergänger mehrere erfrorene Jogger und in einem Van einen verunglückten Fahrer. Den Kommissaren sind das zu viele Zufälle, die alle zeitgleich passieren und sie vermuten einen Zusammenhang. Allerdings sind an den Toten keine Spuren von Gewalteinwirkung festzustellen, die Gerichtsmedizin findet nichts, was auf einen Mord hindeuten würde.

Als dann aber in dem Van ein teures Gemälde von Gerhard Richter gefunden wird, scheint das Misstrauen der Beamten doch gerechtfertigt zu sein.

Krinke Rehberg hat einen sehr schnellen Krimi geschrieben, man muss schon sehr genau lesen, um nichts zu übersehen. Die Handlung ist spannend und gut durchdacht, so dass mir nicht bereits in der Mitte klar war, wer hier Täter und wer Opfer war. Die Protagonisten, insbesondere Bente, sind zwar manchmal kompliziert im Umgang, aber sie machen ihre Arbeit gut und der Humor kommt auch nicht zu kurz.

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Veröffentlicht am 06.01.2026

Kind Nr. 104, geb. XX. XX. 1942

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Auf dieses Buch hatte ich lange gewartet und mich darauf gefreut und ich wurde auch nicht enttäuscht. Der erste Band von Susanne Abel „Stay away from Gretchen“ war mein absolutes Lesehighlight des Jahres ...

Auf dieses Buch hatte ich lange gewartet und mich darauf gefreut und ich wurde auch nicht enttäuscht. Der erste Band von Susanne Abel „Stay away from Gretchen“ war mein absolutes Lesehighlight des Jahres 2021 und auch, wenn ich das Lesehighlight für dieses Jahr Anfang Januar noch nicht benennen kann, so ist dieses Buch auf jeden Fall ein Werk, das in Erinnerung bleibt.

1945 wird im Sauerland ein kleiner Junge in einem Kinderheim abgeliefert, der nicht weiß, woher er kommt. Er weiß nicht wie alt er ist und kennt seinen Namen nicht. Man gibt ihm zwar den Namen Hartmut, meistens aber wird er als Nr. 104 bezeichnet und er wächst in einem katholischen Kinderheim auf. Weil er nicht spricht, glaubt man, dass er behindert sei, damals nannte man das noch schwachsinnig. Eine fünf Jahre ältere Waise, Margret, die ebenfalls in diesem Heim aufwächst, kümmert sich um ihn und die beiden werden zu einer Stütze füreinander.

Die zweite Zeitebene spielt im Hier und Jetzt. Emily, die Urenkelin von Margret und Hardy, wird nach einem nächtlichen Ausreißen der Fünfjährigen bei ihren Urgroßeltern in Obhut gegeben. Sie sollen das Sorgerecht übernehmen, so wie sie es schon bei ihrer Enkelin vorher getan haben. Mutter und Großmutter sind eher unstet, befinden sich in wechselnden Partnerschaften und sind für die Erziehung zu unzuverlässig. Hier spielt das Jugendamt eine positive Rolle und nimmt seine Verantwortung ernst.

Hardy erlebt in seinen Heimjahren alle nur denkbaren Grausamkeiten: Essensentzug, Einsperren in dunkle Keller, Schläge und später nach einem ihm zugeschriebenen Unfall auch noch Verlegung in ein anderes Heim und Medikamentenversuche an ihm. Sein Mutismus ist keine böse Absicht, sondern durch seine Angst begründet. Er könnte sprechen, tut es aber nur, wenn er mit Margret allein ist. Nur sie hat Zugang zu ihm, bei ihr kann er sich öffnen. Allerdings führt dieses Nicht-Sprechen auch dazu, dass man ihm jede Schulbildung verweigert, er lernt nie Lesen und Schreiben.

Auch Margret scheint zunächst Glück zu haben und findet Verwandte, die sie aufnehmen, wenig später schon wird sie missbraucht und flüchtet, nachdem man ihr keinen Glauben schenkt. Erst Jahre später findet sie Hardy wieder und von da an bleiben die beiden zusammen. Beide sind durch diese Kindheit für ihr Leben geprägt und geben das Trauma, das sie erlebt haben, unbewusst an die Tochter weiter. Allerdings sprechen sie nie darüber, was sie in den Nachkriegsjahren erlebt haben.

Beide gehen ganz unterschiedlich mit diesem Trauma um. Margret überbehütet ihre Kinder und provoziert damit den Freiheitsdrang von Tochter und Enkelin. Die Kontrolle, die sie früh übernahm, gibt sie ein Leben lang nicht mehr ab. Hardy glaubt auch als Urgroßvater immer noch daran, minderbemittelt zu sein. Auch im Erwachsenenalter nimmt er es nicht auf sich, noch lesen und schreiben zu lernen. Er arbeitet als Hilfsarbeiter und ist für die schweren körperlichen Arbeiten zuständig. 40 Jahre schleppt er Mehlsäcke in der Aurora-Mühle. Dabei ist er ein ausgesprochen lebenskluger Mann. Erst Emily, die Urenkelin, ist zwar auch davon genervt, überall überwacht zu werden, aber sie ist die erste, die nach dem „Warum“ fragt und die die Geschichte aufarbeitet.

Das vorliegende Buch hat im Aufbau durchaus Ähnlichkeiten zu den beiden Vorgängern. Und so hatte ich den packenden, versöhnenden und emotionalen Abschluss schon erwartet und tatsächlich traf er auch ein. Witzig fand ich, dass selbst Tom Monderath mit seiner Fernsehshow noch einen kleinen Auftritt hat, egal ob man das Stilmittel nun Easter Egg oder Cross-Over nennen will. Es gab auf jeden Fall dem Ganzen noch mehr fiktive Glaubwürdigkeit und war ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Susanne Abel hat vorzüglich recherchiert und es ist fair von ihr, zu erwähnen, dass einige der genannten Einrichtungen, wie das Franz Sales Haus in Essen, ihre Vergangenheit aufgearbeitet haben und von sich aus auf ehemalige Heiminsassen zugegangen sind, um sich zu entschuldigen. Andere versuchen bis heute, die Vorkommnisse zu leugnen.

Ich empfehle das Buch sehr gerne mit voller Punktzahl weiter. Möge es viele begeisterte Leser finden.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Schwierige Ermittlungen in Concarneau

Bretonische Versuchungen
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Bei Kommissar Dupins 14. Fall stehen eindeutig Morde im Vordergrund. Hatte ich mich bei den letzten Büchern schon fast daran gewöhnt, immer wieder eine neue Seite der Bretagne kennenzulernen, so haben ...

Bei Kommissar Dupins 14. Fall stehen eindeutig Morde im Vordergrund. Hatte ich mich bei den letzten Büchern schon fast daran gewöhnt, immer wieder eine neue Seite der Bretagne kennenzulernen, so haben wir es dieses Mal tatsächlich mit langwierigen und schwierigen Mordermittlungen zu tun.

Eine Frau ist ertrunken, allerdings nicht im Meer, sondern in einem Bottich aus Schokolade. Die Frau ist eine der Eigentümerinnen der in der Bretagne berühmten Firma Zerua, ihr Name ist Adeline Mazago. Zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Schwester im Baskenland führt sie das weitverzweigte Unternehmen, das sich in Concarneau auf Schokolade konzentriert hat. Es gibt allerdings auch noch weitere Geschäftsfelder, die aber im Roman keine Rolle spielen.

Ihr Tod entpuppt sich als kaltblütiger Mord. Wer hatte es auf die allseits beliebte und anerkannte Unternehmerin abgesehen?

Dupin nimmt sich zunächst einmal die Familie und die engsten Mitarbeiter vor. Ihm und Nolwenn, die sich in diesem Fall eng an ihn anschließt und nicht nur aus dem Büro heraus unterstützt kommt es so vor, dass die Familie mauert. Sie sind zwar freundlich und hilfsbereit, geben sich aber am liebsten den Anschein einer perfekten Familie. Es dauert lange und bedarf des besonderen Riechers Dupins, endlich Licht in das Dickicht aus Lügen und Wahrheit, aus Gesagtem und Ungesagtem zu bringen.

Wie bereits zu Anfang erwähnt, gefiel es mir, endlich mal wieder einen richtigen Krimi von Jean-Luc Bannalec zu lesen. Ich habe zwar eine ganze Menge über Schokolade, ihre Produktion und ihre glücksbringenden Eigenschaften gelernt, aber es diente immer der Lösung des Falles.

Andererseits weiß ich natürlich auch, dass Jörg Bong mittlerweile Sonderbotschafter der Bretagne geworden ist und dieser Teil Frankreichs steht auch ganz oben auf meiner Wunschliste für eine längere Tour durch unser Nachbarland. Von daher haben auch die Vorgängerbände ihren Zweck erfüllt und mein Fernweh geweckt.


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