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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.01.2026

Interessante, aber auch komplexe Reise durch die Welt der Gravitation

Die unwiderstehliche Anziehung der Schwerkraft
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Der Astrophysik-Professor Luciano Rezzolla, der unter anderem an der Erstellung des ersten „Fotos“ eines schwarzen Lochs beteiligt war, hat sich hier zum Ziel gesetzt, sein Fachgebiet auch Laien nahe zu ...

Der Astrophysik-Professor Luciano Rezzolla, der unter anderem an der Erstellung des ersten „Fotos“ eines schwarzen Lochs beteiligt war, hat sich hier zum Ziel gesetzt, sein Fachgebiet auch Laien nahe zu bringen.
Ausgehend von der Feststellung, dass die Gravitation wie kaum ein anderes physikalisches Phänomen unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht wie auch unsere Fantasie beflügelt, unternimmt er eine interessante Tour, sowohl durch die Geschichte der Physik - von Newton über Einstein bis hin zu den Durchbrüchen des 21. Jahrhunderts - als auch durch das Universum, vom Sonnensystem bis zu schwarzen Löchern, Gravasternen und Gravitationswellen.
Bei seinen Ausführungen geht er Schritt für Schritt vor, die Argumente bauen aufeinander auf und man kann gut mitverfolgen, wie etwa mathematische Berechnungen und astronomische Beobachtungen zusammenspielen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, die eine oder andere Formel einzuführen (wobei manche nur „verbal“ beschrieben werden) und ihre Bedeutung zu erklären.
Man merkt das Bemühen des Autors, seine Leser zu begeistern und ihnen die Materie auf verständliche Art nahe zu bringen. Dennoch ist eine gewisse Kondition nötig, um sämtlichen Erläuterungen einigermaßen folgen zu können. Ich kann nicht behaupten, wirklich Alles verstanden zu haben, obwohl ich bereits einige populärwissenschaftliche Veröffentlichungen zu diesen Themen gelesen habe.
Kompletten Neu-Einsteigern würde ich dieses Buch daher nicht empfehlen. Wer schon ein paar Vorkenntnisse besitzt und bereit ist, sich auch in kompliziertere Sachverhalte hineinzudenken, kann hier aber sicher noch etwas dazulernen und faszinierende Einsichten gewinnen.

Veröffentlicht am 07.01.2026

Wie der Krieg in die Welt kam und wer von ihm profitiert

Die Evolution der Gewalt
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Ein Evolutionsbiologe, ein Archäologe und ein Historiker gehen hier der Frage nach, wie der Krieg in die Welt gekommen ist. Sie widersprechen mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten der oft gehörten ...

Ein Evolutionsbiologe, ein Archäologe und ein Historiker gehen hier der Frage nach, wie der Krieg in die Welt gekommen ist. Sie widersprechen mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten der oft gehörten Behauptung, dass Krieg in der Natur des Menschen läge. (Dass es sich dabei im Gegenteil um eine historische Anomalie handelt, zeigt sich beispielsweise schon allein daran, dass sich auch nach Jahrtausenden der Kriegspropaganda immer noch Widerstand dagegen regt.)
So erklären sie, dass es zwar schon in der Altsteinzeit einzelne Akte von Gewalt gab, dass die Menschheit aber während 99% ihrer Evolution ohne Kriege ausgekommen ist.
Daraufhin arbeiten sie heraus, wie und warum das Phänomen organisierter Gewalttaten gegenüber Gruppen im Zuge der Sesshaftwerdung erstmals aufgetreten ist, wie die Gesellschaften auf dem Weg zu den ersten Zivilisationen und schließlich Staaten immer martialischer wurden und vor allem auch, wer die wahren Nutznießer der Kriege waren und sind.
Dabei verfolgen sie gewissermaßen einen interdisziplinären Ansatz, für den sie vor allem Erkenntnisse über die Evolution des Menschen und Befunde aus der Archäologie heranziehen, aber auch Beobachtungen an Kulturen von Jägern und Sammlern der letzten Jahrhunderte (wobei immer darauf hingewiesen wird, dass letztere nicht repräsentativ für die Verhältnisse in der Steinzeit sein müssen.)
Die Ausführungen kommen ohne großes Fachvokabular aus, sind leicht verständlich und in einem klaren und eingängigen Stil verfasst.
Die gezogenen Schlüsse sind in manchen Details vielleicht etwas zu spekulativ, wirken insgesamt aber doch plausibel und fundiert.
Einige Inhalte kannte ich schon aus früheren Werken der Autoren (bzw eines Teils von ihnen), beispielsweise was die verschiedenen Naturen des Menschen, die Verquickung von Religion und Krieg oder die Gründe für die zunehmende Unterdrückung der Frauen betrifft. Es werden aber auch neue Überlegungen und Aspekte eingebracht.
Insgesamt lies mich dieses Buch viele Entwicklungen und Ereignisse der Weltgeschichte und Weltpolitik sowie Lehrmeinungen der Soziologie mit anderen Augen sehen und es regt zum Nachdenken darüber an, was die Kriegsmaschinerie am Laufen gehalten hat und hält und wie wir sie vielleicht stoppen können. (Wobei die Autoren zugeben, dass sie diesbezüglich auch keine wirkliche Lösung zu bieten haben, dies aber ohnehin in der Zuständigkeit der Politiker liegt.)

Veröffentlicht am 07.01.2026

Vier Kurz-Krimis mit Weihnachtsstimmung

Christbaum, Mord und Engelshaar
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Manfred Baumann hat für diesen Band vier Krimis verfasst, die sich rund um das Thema Weihnachten (bzw Silvester) drehen.
Zunächst muss das bereits aus anderen Werken des Autors bekannte Team um Kommissar ...

Manfred Baumann hat für diesen Band vier Krimis verfasst, die sich rund um das Thema Weihnachten (bzw Silvester) drehen.
Zunächst muss das bereits aus anderen Werken des Autors bekannte Team um Kommissar Martin Merana in einem Todesfall im Umfeld der spektakulären Fernseh-Show „The Golden Christmas Tree“ ermitteln. Anschließend ist der Mord an einer streitbaren Journalistin aufzuklären, die sich unter anderem gegen „machoide“ Weihnachtsmänner ausgesprochen hat, bevor im Londoner Sherry Club ein seltsames Wichtelgeschenk einige Fragen aufwirft. Zuletzt gibt es ein klassisches „Whodunit“, das in einem wegen eines Lawinenabgangs von der Außenwelt abgeschnittenen Ferienhaus spielt.

Angesichts der Kürze der einzelnen Episoden darf man hier keinen großen Spannungsbogen erwarten. Die Geschichten sind aber gut konstruiert und regen zum Miträtseln an, wobei der Täter meist erratbar, jedoch auch nicht zu offensichtlich ist.
Außerdem treten so manche interessanten oder skurrilen Personen auf, die für einigen Unterhaltungswert sorgen, und die immer wieder in die Handlung eingewobenen Informationen rund um Weihnachten, beispielsweise zu diversen Bräuchen, tragen zur richtigen Stimmung bei.
Insgesamt ist dies also eine passende Lektüre zur (Vor)weihnachtszeit.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Wie sich Informationsnetzwerke auf die Gesellschaft auswirken

NEXUS
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Der Historiker Yuval Noah Harari befasst sich in seinem neuen Werk mit Informationsnetzwerken und damit, wie diese sich durch das Aufkommen künstlicher Intelligenz verändern.
Er beginnt mit einem Überblick ...

Der Historiker Yuval Noah Harari befasst sich in seinem neuen Werk mit Informationsnetzwerken und damit, wie diese sich durch das Aufkommen künstlicher Intelligenz verändern.
Er beginnt mit einem Überblick über die Geschichte der Informationsverarbeitung, beschreibt die Folgen von bisherigen Weiterentwicklungen in diesem Bereich (zum Beispiel Erfindung der Schrift oder des Buchdrucks) und überlegt vor allem, was diese für die jeweilige Gesellschaft bedeuteten. Schon dabei wird klar, dass die meisten Entwicklungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen hatten. So konnte der Buchdruck zur Verbreitung von Wissen dienen, trug aber auch zu den Hexenjagden zu Beginn der Neuzeit bei, und moderne Kommunikationssysteme und Massenmedien machten sowohl Massendemokratien als auch Totalitarismus erst möglich.
Anschließend lotet er aus, was sich durch die neuen „anorganischen Netzwerke“ ändern könnte und wird. Er erklärt, weshalb die KI-Revolution sich grundlegend von bisherigen Revolutionen in der Informationstechnologie unterscheidet und wie unser aller Leben davon beeinflusst werden wird, dass immer mehr KIs als zusätzliche Akteure in Netzwerken in Erscheinung treten, die bisher Menschen vorbehalten waren. Er konzentriert sich dabei vor allem auf negative Aspekte der KI: Seine Beispiele erstrecken sich von ihrer Fehlerhaftigkeit bzw unerwünschten Konsequenzen von schlecht formulierten Zielvorgaben über die Existenz eines niemals müde werdenden Netzwerks als ultimatives Überwachungsinstrument oder von Sozialkreditsystemen, die zum Ende der Privatsphäre führen, bis hin zu der Gefahr, dass Computer eines Tages ihre eigenen Mythologien erfinden oder dass die Welt durch einen „Silicon Curtain“ in unvereinbare Sphären unterteilt wird.
Der Autor ist von seinem Background her nicht unbedingt ein Experte für Informatik. Aus dieser Ecke kommende Veröffentlichungen zum Thema KI gibt es aber ohnehin schon genug. Hier wird dafür ein neuer Blick auf die Materie geworfen, der hilft, Zusammenhänge zu verstehen und die verschiedenen Innovationen und „Erfolge“, über die in den Medien immer wieder mal berichtet wird, zu einem größeren Bild zusammenzufügen. Gerade der Vergleich mit historischen Entwicklungen ist dabei besonders aufschlussreich. Auch dürfte der Inhalt gründlich recherchiert sein, wie die zahlreichen Anmerkungen belegen.
Der einzige Kritikpunkt könnte eventuell darin bestehen, dass der Autor die KI zu negativ darstellt. Mögliche positive Auswirkungen werden höchstens gelegentlich in einem Nebensatz erwähnt. Auch hierzu ist aber zu sagen, dass es genügend andere Veröffentlichungen gibt, in welchen die KI geradezu gefeiert und als Lösung für diverse Probleme verkauft wird.
Insgesamt ist dies daher eine interessante Lektüre, die wohl jedem neue Einsichten bieten kann, unabhängig davon, ob und wie intensiv man sich zuvor schon mit dem Thema KI beschäftigt hat.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Fundierter Überblick zur Quantenphysik

Warum wir nicht durch Wände gehen
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Die Quantenphysik ist in aller Munde: Sowohl in (populär)wissenschaftlicher Literatur verschiedener Qualität als auch unter Esoterikern aller Arten. Mit kaum einer wissenschaftlichen Theorie wird so viel ...

Die Quantenphysik ist in aller Munde: Sowohl in (populär)wissenschaftlicher Literatur verschiedener Qualität als auch unter Esoterikern aller Arten. Mit kaum einer wissenschaftlichen Theorie wird so viel Schindluder getrieben, was auch daran liegt, dass die Verhältnisse in der Welt der allerkleinsten Teilchen selbst in an sich seriösen Veröffentlichungen bisweilen als übertrieben mysteriös dargestellt werden.
Es ist daher gut, dass der Physiker und Publizist Florian Aigner hier einige Dinge zurechtrückt – und das auf allgemein zugängliche Weise. Er geht von der Feststellung aus, dass man nicht krampfhaft versuchen sollte, die Quantenphysik mit Begriffen und Konzepten aus der Alltagserfahrung zu beschreiben. Daraufhin erklärt er, was mit Schlagworten wie Doppelspaltexperiment, Verschränkung oder „Schrödingers Katze“ gemeint ist und dass dabei vieles längst nicht so rätselhaft ist, wie immer wieder behauptet wird (obwohl dennoch genug Rätsel bleiben) Außerdem überlegt er unter anderem, wie man die Quantentheorie philosophisch interpretieren kann und inwiefern der Wunsch nach derartigen Interpretationen überhaupt sinnvoll ist.
Dies alles geschieht in einem flotten Ton, der manchmal auch mit ein bisschen Humor gewürzt ist. Die Ausführungen sind klar gegliedert und anschaulich. Auch Einsteiger werden sich hier gut zurechtfinden. Zusätzlich gibt es eigens markierte Abschnitte mit weiterführenden Informationen, die aber ebenfalls nicht übermäßig kompliziert sind.
Ich kann dieses Buch daher allen empfehlen, die sich für Quanten interessieren und das eine oder andere Thema in diesem Zusammenhang vertiefen oder aus einem neuen Blickwinkel betrachten wollen.