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Veröffentlicht am 08.01.2026

Komplex, spannend, grausam

Dogma der Wahrheit
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Das Buch Dogma der Wahrheit beschreibt eine Dystopie, die unter die Haut geht. Die Menschen erleben die Wirklichkeit nur noch durch virtuelle Brillen. Nachwuchs wird nicht gezeugt, sondern künstlich erschaffen. ...

Das Buch Dogma der Wahrheit beschreibt eine Dystopie, die unter die Haut geht. Die Menschen erleben die Wirklichkeit nur noch durch virtuelle Brillen. Nachwuchs wird nicht gezeugt, sondern künstlich erschaffen. Menschen mit einem Bauchnabel sind eine Seltenheit und werden gejagt. Gewalttätige Übergriffe finden täglich statt und werden über Streams zur Schau gestellt. Mord und Grausamkeit wird damit zur Normalität. Die geschilderten Gewaltdarstellungen sind nicht einfach zu ertragen und betonen nochmals die Verrohung der Gesellschaft.

Der Schreibstil ist von Anfang an nicht einfach. Es ist ein Buch, das ich sehr konzentriert lesen musste, damit ich nicht den Faden verliere. Viele Handlungen finden in unterschiedlichen Zeitebenen statt, was man erst im Nachhinein erfährt. Manche Passagen waren für mich sehr schwer zu verstehen. Es wird mit der Realität gespielt. Oft ist nicht zu erkennen, ob eine Szene nun wirklich oder nur in der Vorstellung der Protagonisten stattfinden soll. Die Handlung ist gespickt von neuen Wortschöpfungen, die das Verständnis zumindest am Anfang wirklich erschweren. Ich hätte mir ein Glossar gewünscht, damit hätte ich sicherlich schneller in das Buch rein gefunden.

Die Protagonisten sind tiefgründig, doch bleiben sie distanziert. Eine wirkliche Beziehung brauche ich nicht zu Ihnen auf. Sie bleiben wir bis zum Schluss fremd.

Die vom Autor erschaffene Welt hat mich fasziniert und gleichzeitig abgestoßen. Diese Welt ist komplex und durchdacht aufgebaut und keine, in der ich leben möchte. Auch wenn die Schilderungen extrem sind, manche Parallelen zu unserer Wirklichkeit kann ich darin erkennen, was erschreckend ist.

Die Handlung ist sehr spannend und birgt einige Plottwist, die ich so nicht erwartet hätte. Der Höhepunkt kommt zum Ende und runden die ganzen Geschichte ab.

FAZIT: Eine nicht einfach zu lesende Dystopie, spannend und komplex. Gewalt wird sehr bildhaft dargestellt.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Mysteriös am Anfang, spannend zum Schluss

Purpurträume
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Ava spricht mit ihrer Katze und kleidet sich wie eine Figur aus dem 16. Jahrhundert. Sie hat ihr Gedächtnis verloren und wirkt auch sonst wie aus der Zeit gefallen. Von ihren Mitmenschen fühlt sie sich ...

Ava spricht mit ihrer Katze und kleidet sich wie eine Figur aus dem 16. Jahrhundert. Sie hat ihr Gedächtnis verloren und wirkt auch sonst wie aus der Zeit gefallen. Von ihren Mitmenschen fühlt sie sich beobachtete und missverstanden, ohne zu begreifen, dass ihre altertümliche Aufmachung dafür verantwortlich ist. Doch die Atmosphäre wird immer bedrohlicher, als sie nachts in ihrem Garten wirklich einen Mann mit einem purpurnen Schal entdeckt, der sie beobachtet.

Der Anfang des Buches hat mich gleich in seinen Bann gezogen. Die Erzählung startet mit einer düsteren und bedrohlichen Atmosphäre, die Handlung ist mysteriös und irgendwie surreal, als wäre die Protagonistin Ava aus einer anderen Zeit in die Gegenwart katapultiert worden. Doch sie kennt den Gebrauch eines Laptops und einer Waschmaschine, also stammt sie eher doch nicht aus der Zeit der Renaissance. Dieses widersprüchliche Verhalten wirft Fragen auf und lässt mich gleich von der ersten Seite an mit rätseln.
Auch die Beschreibung der Katakomben von Neapel ist sehr gelungen, ich habe sie richtiggehend vor mir gesehen, da muss ich unbedingt mal hin.

Der Schreibstil ist flüssig und einfach zu lesen. Die Unterteilung in relativ kurze Kapitel sorgt für eine gute Übersicht.

Die Charaktere der Protagonisten sind anfangs alle undurchsichtig und mysteriös, ihre Motive fraglich, was sich aber im Laufe der Geschichte aufklärt und auch für einige Plot-Twists sorgt. Vor allem der Charakter von Ava ändert sich im Laufe der Handlung von einer verwirrt und hilflos wirkenden Person zu einer überlegt und mutig handelnden, starken Frauengestalt.

Leider sind vor allem zum Schluss hin ein paar sehr langatmige Abschnitte eingebaut.

FAZIT: Spannend und mysteriöses Lesevergnügen mit ein paar Längen.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Spionagethriller mit und ohne Zoë Boehm

Down Cemetery Road
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„Down Cemetery Road“ ist das erste Buch einer vierteiligen Krimireihe des britischen Autors Mick Herron, die bereits zwischen 2003 und 2009 herausgegeben wurde. Die deutsche Übersetzung erscheint nun anlässlich ...

„Down Cemetery Road“ ist das erste Buch einer vierteiligen Krimireihe des britischen Autors Mick Herron, die bereits zwischen 2003 und 2009 herausgegeben wurde. Die deutsche Übersetzung erscheint nun anlässlich der von Apple TV+ 2025 veröffentlichten Verfilmung.

Das Cover ist typisch für den Diogenes Verlag: Die blasse Fotografie über Oxford passt zum Ort der Handlung, ist aber nicht unbedingt spektakulär.

Das Vorwort von Emma Thompson, die in der Serie die Figur Zoë Boehm verkörpert, schraubt die Erwartungen hoch. Wurden diese Erwartungen erfüllt? Zum größten Teil.

Sarah Tucker ist eine gelangweilte Hausfrau. Bei einer Explosion eines Wohnhauses in der Nachbarschaft überlebt nur die 4jährige Dinah, die aber spurlos verschwindet. Sarah setzt alles daran, das Mädchen zu finden und engagiert dafür sogar den Privatermittler Joe. Mit ihren Nachforschungen zieht sie allerdings die Aufmerksamkeit des Geheimdienstes auf sich, der sehr daran interessiert ist, die Spuren einer verdeckten Operation zu verwischen. Schon bald gerät Sarahs heile Welt aus den Fugen.

Der Schreibstil gefällt mir von Anfang an sehr gut. Vor allem die amüsanten Dialoge und der schwarze Humor sind hier hervorzuheben und machen das Buch von der ersten Seite an zu einem Lesevergnügen.

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und tiefgründig. Sarahs fast zwanghafter Fokus auf ein Mädchen, das sie eigentlich gar nicht persönlich kennt, ist zunächst schwer nachzuvollziehen, doch im Laufe der Geschichte wird dies in Rückblicken schon eher verständlich.

Die Spannung nimmt kontinuierlich zu. In der Mitte des Romans kommt es dann zu einem Plot Twist, den ich so nicht erwartet hätte. Ab da überschlagen sich die Ereignisse und ich habe das Buch kaum noch aus den Händen legen können.

Der einzige Kritikpunkt ist der Untertitel des Buches, der für mich irreführend ist (Zoë Boehm ermittelt in Oxford). Es wird suggeriert, dass Zoë Boehm der Hauptcharakter der Handlung sei. Eventuell ist sie das auch in den folgenden restlichen Büchern der Reihe und in der Verfilmung, die ich bewusst noch nicht gesehen habe. Doch hier taucht sie bis zu Seite 450 nur zwei Mal kurz auf. In den letzten 100 Seiten ist sie präsenter, aber trotzdem ist der Fokus mehr auf Sarah als auf Zoë.

FAZIT: Ein lesenswert spannender Spionagethriller mit schwarzem Humor, in dem Zoë Boehm eher in den Hintergrund rückt.

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Der Preis des Glücks

All Better Now
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Die Menschheit kämpft mit einer neuen Variation des Corona Virus genannt Crown Royale. 96 Prozent überleben die Erkrankung mit einer geänderten Sicht auf die Welt. Die Genesenen sind empathisch, positiv ...

Die Menschheit kämpft mit einer neuen Variation des Corona Virus genannt Crown Royale. 96 Prozent überleben die Erkrankung mit einer geänderten Sicht auf die Welt. Die Genesenen sind empathisch, positiv eingestellt und hilfsbereit. Eigentlich eine gute Entwicklung, könnte man meinen, doch wirtschaftlich gesehen ist diese Entwicklung eine Katastrophe. Wirtschaftsbosse und Regierungen versuchen an der alten Weltordnung festzuhalten und sehen die Genesenen als Bedrohung.

Im Zentrum des Geschehens stehen drei Hauptcharaktere: Rón, der als Sohn eines Milliardärs durch die Krankheit von seiner Depression geheilt wurde, die obdachlose Mariel, deren Mutter an Crown Royale gestorben ist und die sich gerne anstecken möchte. Ihnen gegenüber steht die hochintelligente aber wenig empathische Morgan, Erbin eines Vermögens, die den Auftrag erhalten hat, die Pandemie um jeden Preis aufzuhalten.

In einem leicht zu lesenden Schreibstil und in kurzen Kapiteln wird die Handlung aus unterschiedlichsten Perspektiven erzählt. Dadurch erhält der Leser einen guten Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge und Motive. Anfangs ist es ein Kampf zwischen Gut und Böse, die Charaktere entsprechen den dazugehörigen Klischees. Doch im Laufe der Geschichtete wird die Sichtweise immer tiefgründiger, an manchen Stellen auch philosophisch, die Seiten von Gut und Böse sind nicht mehr so eindeutig.

"All better now" ist ein Buch, das mich fasziniert und zum Nachdenken anregt. Die zahlreichen Charaktere sind sehr unterschiedlich und bleiben distanziert, da durch die kurzen Abschnitte die Aufmerksamkeit immer wieder schnell zu einem andere Handlungsstrang springen muss. Doch das stört beim Lesen nicht, denn ich kann trotzdem die Motive der einzelnen Personen nachvollziehen. Jeder Charakter hat seinen Part im Buch, so dass man nicht nur mit einer Person mitleidet. Meiner Meinung nach ist das auch so gewollt.

Als Kritikpunkt sehe ich, dass mir manche Stellen etwas zu langatmig erscheinen, wodurch die Spannung gemindert wird.

FAZIT: Ein lesenswertes Buch mit gesellschaftskritischen Anklängen, dass an manchen Stellen spannender sein könnte.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Krimi mit philosophischen Ansätzen

Ein stilles Mädchen
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Der Kriminalroman "Ein stilles Mädchen" von Karin Fossum beschreibt die 7tägige Suche nach der 6jährigen Kandis, die spurlos aus ihrem Elternhaus verschwunden ist. Der alleinerziehende Vater hat schon ...

Der Kriminalroman "Ein stilles Mädchen" von Karin Fossum beschreibt die 7tägige Suche nach der 6jährigen Kandis, die spurlos aus ihrem Elternhaus verschwunden ist. Der alleinerziehende Vater hat schon viele Schicksalsschläge verkraften müssen und macht den Eindruck, als könne er nicht mehr viel ertragen. Kommissar Eddie Feber und seine Kollegin übernehmen den Fall und stoßen schnell auf Ungereimtheiten.

Der Schreibstil ist von Anfang an ungewöhnlich. Die Handlung entwickelt sich langsam und still, passend zum Titel. Damit hebt sich dieses Buch von anderen Krimis ab. Die Atmosphäre ist düster, deprimierend und beängstigend. Geschrieben wird aus mehreren Perspektiven, unter anderem auch aus der Perspektive von Kandis. Auf diese Weise weiß der Leser mehr als die ermittelnden Beamten.

Als sehr ungewöhnlich empfand ich die Dialoge, vor allem auch die Dialoge zwischen Kandis und ihrem Entführer, die sehr tiefgründig und philosophisch sind. In der Situation erscheinen mir diese jedoch unpassend, obwohl mit die tiefsinnigen Gedanken durchaus gefallen. Dadurch werden viele Passagen aber auch sehr langatmig.

So tiefgründig die Dialoge auch sind, so wenig kann ich mich leider mit den Charakteren identifizieren, sie bleiben mir irgendwie distanziert, oberflächlich und fremd.

Die Auflösung des Falls ist nicht voraussehbar und lässt mich sprachlos und betroffen zurück. Dieser Krimi zeigt die Abgründe der menschlichen Seele und hat mich nachhaltig beeindruckt.

FAZIT: "Ein stilles Mädchen" ist ein Krimi mit einer sehr ruhigen und langsam entwickelnden Handlung. Durchaus lesenswert. Wer allerdings Spannung wie in einem Thriller erwartet, wird hier enttäuscht werden.

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