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Veröffentlicht am 11.01.2026

Deftig, vegan, alltagstauglich – wenn es schnell gehen soll

Deftig vegan für jeden Tag
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"Deftig vegan für jeden Tag" von Anne-Katrin Weber (erschienen im Becker Joest Volk Verlag, Fotos von Wolfgang Schardt) ist ein 192 Seiten starkes Hardcover, das sich ganz der schnellen, pflanzenbasierten ...

"Deftig vegan für jeden Tag" von Anne-Katrin Weber (erschienen im Becker Joest Volk Verlag, Fotos von Wolfgang Schardt) ist ein 192 Seiten starkes Hardcover, das sich ganz der schnellen, pflanzenbasierten Küche verschreibt. In maximal 30 Minuten sollen hier Gerichte entstehen, die satt machen, gesund sind und vor allem schmecken.

Meine Meinung
Was mich an Anne-Katrin Webers Kochbüchern immer wieder überzeugt, ist ihr klares Motto: „Schmecken soll’s! Und gesund sein.“ Auch hier merkt man sofort, dass die Rezepte erprobt sind und aus einer Küche kommen, in der wirklich gekocht wird. Besonders positiv fand ich die vielen Hinweise zu Zubereitungszeit, Nährwerten pro Portion, Portionsgröße sowie Verträglichkeiten wie glutenfrei, sojafrei oder ohne raffinierten Zucker.

Die Foodfotografie ist ein echtes Highlight: stimmungsvoll, appetitanregend und genau das, was man braucht, wenn man nach einem langen Tag Inspiration sucht. Auch die persönliche Ansprache in der Du-Form macht das Buch angenehm nahbar.

Kritisch sehe ich das Layout: funktional, aber stellenweise etwas unruhig. Die Zubereitungsschritte sind im Fließtext gehalten, was das schnelle Erfassen erschwert, und die Zutatenlisten sind mir fast etwas zu klein gesetzt. Inhaltlich hätte ich mir stellenweise noch mehr „klassische“ Gerichte gewünscht, die bewusst veganisiert werden. Das ist aber eher eine Frage meiner Erwartungshaltung als ein echter Mangel.

Sehr gelungen fand ich wiederum die Basics wie vegane Mayonnaise & Co. und den Blick über den Tellerrand, etwa bei Gerichten wie Gemüse-Biryani oder Palak mit Tofu-Paneer. Meine persönlichen Favoriten waren u. a. das cremige Kartoffel-Kichererbsen-Curry, die Maiscremesuppe mit Tofu-Cashew-Topping und der Flammkuchen mit Pilzen und Weintrauben.

Fazit
"Deftig vegan für jeden Tag" ist ein verlässlicher Begleiter für alle, die unkompliziert, pflanzlich und mit Genuss kochen wollen. Kein perfektes Design-Kochbuch, aber eines mit ehrlicher Küche und viel Alltagstauglichkeit. Besonders geeignet für Neugierige, Umsteiger:innen und alle, die mehr Pflanzliches integrieren möchten. Weniger für Perfektionist:innen oder Fans klassischer Hausmannskost-„Veganisierungen“.

Danke an den Becker Joest Volk Verlag und an netgalley.de für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Spannung zwischen Dorfidylle und dunklen Familiengeheimnissen

Tannengrab - Karla Sommerfeld ermittelt
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"Tannengrab" ist der zweite Band der Reihe „Karla Sommerfeld ermittelt“ von Ines Buck, erschienen bei Saga Egmont. Gesprochen wird das Hörbuch von Claudia Schwartz, deren Stimme mich sofort in die Geschichte ...

"Tannengrab" ist der zweite Band der Reihe „Karla Sommerfeld ermittelt“ von Ines Buck, erschienen bei Saga Egmont. Gesprochen wird das Hörbuch von Claudia Schwartz, deren Stimme mich sofort in die Geschichte hineingezogen hat. Der Roman beginnt mit einem schaurigen Fund: Im Waldkindergarten entdeckt ein Kind einen menschlichen Knochen und plötzlich stehen Kommissarin Karla Sommerfeld und ihr Team vor einem alten, ungelösten Mordfall, dessen Spuren ins nahegelegene Dorf Aschersried führen.

Meine Meinung
Mich hat besonders das Setting gefallen: das kleine Dorf, der Waldkindergarten, die engen Dorfstrukturen: all das macht die Handlung greifbar und atmosphärisch dicht. Die Figuren sind überschaubar und gut voneinander zu unterscheiden, was das Hören angenehm macht. Sprecherin Claudia Schwartz verleiht Karla und allen Beteiligten lebendige Stimmen, sodass man als Hörerin direkt mittendrin ist.

Ein Kritikpunkt betrifft die zwischenmenschlichen Konflikte im Buch. Das Eifersuchtsthema wirkt stellenweise überbetont, konstruiert und beeinträchtig die Spannung. Statt den Fall klar in den Mittelpunkt zu stellen, dominieren stellenweise private Konflikte, was die Figuren (auch Karla) manchmal weniger sympathisch erscheinen lässt. Karla selbst wirkt stellenweise wenig selbstsicher, und die Darstellung familiärer Rollenbilder ist etwas altmodisch, was den Eindruck von Konflikten aus der Generationenperspektive erklärt, aber nicht unbedingt für die Handlung nötig ist. Sehr gestört hat mich auch, dass von Beziehungsdrama gesprochen wurde, als ein männlicher Verdächtige an 1. Stelle steht, der wie die Ermittler:innen an der Stelle vermutet haben, aus Eifersucht oder Angst um den eigenen Ruf vermeintlich gemordet hat. Das nennt man dann einen Femizid.

Inhaltlich bleibt der Kreis möglicher Täter:innen groß, sodass man beim Miträtseln eher hinterherhinkt. Dennoch gelingt Buck, die Ereignisse spannend und nachvollziehbar zu verbinden, insbesondere wenn sich die Handlung gegen Ende verdichtet. Das Hörbuch kann problemlos ohne Vorkenntnisse aus Band 1 gehört werden, obwohl Hintergrundwissen hilfreich sein könnte.

Fazit
"Tannengrab" ist ein solider Krimi, der mit Atmosphäre, klaren Figuren und einer guten Sprecherleistung punktet. Wer Fans der Pia Korittki-Reihe von Eva Almstädt mag, wird hier auf jeden Fall Freude haben. Trotz kleiner dramaturgischer Schwächen bleibt die Spannung erhalten, und das Hörbuch macht Lust auf weitere Bände.

Danke an @lovelybooks.de und @sagaegmont für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Ein Übergangsband mit Potenzial

Tote Seelen singen nicht
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„Was macht man mit einem Wunderkind, das kein Wunder mehr ist? “ (S. 510)
Mit "Tote Seelen singen nicht" kehrt das Sonderdezernat Q unter neuer Konstellation zurück. Der Roman wurde (erstmals) nicht allein ...

„Was macht man mit einem Wunderkind, das kein Wunder mehr ist? “ (S. 510)
Mit "Tote Seelen singen nicht" kehrt das Sonderdezernat Q unter neuer Konstellation zurück. Der Roman wurde (erstmals) nicht allein von Jussi Adler-Olsen geschrieben, sondern gemeinsam mit Stine Bolther und Line Holm. Übersetzt wurde er von Friederike Buchinger und ist im Oktober 2025 im Penguin Verlag erschienen. Im Mittelpunkt steht ein neuer Fall, der das Team in die Vergangenheit eines Sängerinternats führt, während Carl Mørck selbst nach seiner Haftzeit offiziell den Dienst quittiert hat und eine neue Ermittlerin im Keller des Dezernats auftaucht.

Schon nach wenigen Seiten war für mich klar: Das hier ist kein "klassischer" Q-Fall, sondern ein Band, der die Reihe neu sortiert. Und das merkt man. Der Fokus verschiebt sich, Carl tritt zurück, Helena Henry betritt die Bühne und Rose sowie Assad reagieren darauf gewohnt emotional und herrlich eigensinnig. Positiv überrascht hat mich der Schreibstil. Der ist nämlich... genau wie mans kennt! Trotz dreifacher Autor:innenschaft liest sich das Buch, als käme es aus einer Hand und der typische Q-Tonfall ist da: leicht ironisch, manchmal etwas derb und schnörkellos.

Aber so solide die Sprache, so durchwachsen war für mich dann die Handlung. Die Story hat für mich einige Längen, gut hundert Seiten weniger hätten dem Roman meiner Meinung nach gutgetan. Der Fall selbst ist zwar atmosphärisch, aber über weite Strecken vorhersehbar. Bereits im ersten Drittel hatte ich eine recht genaue Ahnung, wohin sich die Ermittlungen entwickeln würden. Die Spannung war daher nicht sooo da. Und dennoch: Es gibt diese starken Momente, in denen Adler-Olsen & Co. zeigen, dass sie weiterhin genau wissen, was menschliche Verletzungen anrichten können, was an dem Zitat klar wird:

"Hast du eine Vorstellung davon, was es mit einem Kind macht, wenn es erkennt, dass das Paradies, das es betreten hatte, in Wahrheit eine Schlangengrube ist? Hast du eine Vorstellung davon, wie es ist, zehn Jahre alt zu sein und das Einzige zu verlieren, was einem etwas bede-tet? Zu erleben, wie alle um einen herum, Erwachsene wie Kinder, sich gegen einen verschwören?" (S. 504)
Parallelstränge deuten außerdem auf kommende Bände hin, für mich waren es zwei (?) offene Fäden (könnte aber auch einer werden), während der Hauptfall wie immer in dem Band selbst aufgeklärt wurde.

Fazit

"Tote Seelen singen nicht" ist für mich ein solider Übergangsband, der Figuren neu verortet und erzählerisch die Weichen stellt. Kein Pageturner, kein Spitzentitel der Reihe, aber ein Buch für alle Q-Universum- Liebhaber:innen. Daher auch empfehlenswert für alle, die dem Team seit Jahren folgen und bereit sind für die "zweite Staffel", aus meiner Sicht weniger geeignet für Neueinsteiger:innen oder Leser:innen, die hohe Spannung erwarten.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Ein Sommer, der alles verändert

Schöne Scham
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In „Schöne Scham“ erzählt Bianca Nawrath – Schauspielerin und Autorin mit polnischen Wurzeln – von einem Wochenende, das harmlos beginnt und mit einem Knall endet. Zwei Paare, eine Singlefreundin, ein ...

In „Schöne Scham“ erzählt Bianca Nawrath – Schauspielerin und Autorin mit polnischen Wurzeln – von einem Wochenende, das harmlos beginnt und mit einem Knall endet. Zwei Paare, eine Singlefreundin, ein Sommerhaus an der Ostsee: Grillabende, Gespräche, Nähe, Streit. Doch unter der scheinbaren Leichtigkeit brodelt es. Das Buch ist am 28.08.2025 bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen.

Meine Meinung

Nawrath schreibt mit einem klaren, unaufgeregten Ton, der gerade dadurch unter die Haut geht. Ihre Figuren sind keine Klischees, sondern vielschichtige Menschen voller Widersprüche. Besonders die Figur Amalia, gefangen in einer Beziehung mit dem kontrollierenden Christian, ist eindrucksvoll gezeichnet: „Für die Scham hat Christian mit seinem Verhalten gesorgt, für die Schuld meine stumme Akzeptanz.“ (S. 148).

Was mich beeindruckt hat, ist, wie fein Nawrath die Dynamik zwischen den Figuren beobachtet. Wie aus kleinen Kommentaren, Schweigen und Gesten Macht entsteht. Wie Scham zum Werkzeug wird, besonders für Frauen. Gleichzeitig ist da Ola, die Feministin und Freundin, die mit Humor, Mut und einem gesunden Maß an Widerspruch auftritt. Sie bringt Licht und Reibung zugleich und stellt unbequeme Fragen: „Ich möchte am liebsten einwerfen, dass es einen Unterschied gibt, ob man zu jemandem gehört oder jemandem gehört.“ (S. 152)

Der Roman ist leicht zu lesen, sprachlich zugänglich, und doch voller kluger Gedanken über Geschlechterrollen, Herkunft und Selbstermächtigung. Manchmal hätte ich mir noch mehr Tiefe oder Perspektivwechsel gewünscht, aber die psychologische Spannung, die Dialoge und die Ehrlichkeit machen das mehr als wett.

Fazit
Ein Buch, das zeigt, wie komplex Beziehungen sind – und wie unbewusst Gewalt geschehen kann. Für alle, die sich für feministische Themen, Machtstrukturen und psychologische Spannung interessieren. Kein Wohlfühlroman, aber ein wichtiges Buch. Danke an Frankfurter Verlagsanstalt und netgalley.de für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Offline ist keine Erlösung – Elina Penner zerlegt unsere digitale Doppelmoral

Die Unbußfertigen
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Elina Penner legt mit „Die Unbußfertigen“ (Aufbau Verlag) einen weiteren Roman vor, der sich liest wie ein dystopischer Kommentarspalten-Albtraum. Zehn Menschen – Influencer:innen, Kommentatoren, Männer ...

Elina Penner legt mit „Die Unbußfertigen“ (Aufbau Verlag) einen weiteren Roman vor, der sich liest wie ein dystopischer Kommentarspalten-Albtraum. Zehn Menschen – Influencer:innen, Kommentatoren, Männer mit Podcasts und Frauen mit Filterblasen – werden in ein abgelegenes Herrenhaus eingeladen. Kein Empfang. Kein WLAN. Nur sie selbst. Und jemand, der zusieht.

Was wie ein Thriller klingt, entfaltet sich als gnadenlose Gesellschaftsstudie: Das Netz als Beichtstuhl und Pranger, Likes als moralische Währung. Penner schreibt mit einer Mischung aus Zynismus, Empathie und kalter Beobachtungsgabe, die weh tut, gerade weil sie so nah dran ist.

Schon auf den ersten Seiten stellt sie klar: Hier wird kein Charakter geschont. Da ist Anny, die Mutterbloggerin, die ihre Kinder zu Content macht: „Jeder Aspekt in Annys Familienleben ist monetarisiert.“ (S. 91). Da ist Yannik, der in rechten Onlineblasen versinkt: „Heute kann er nicht mehr sagen, ob er die politischen Inhalte fand oder sie ihn.“ (S. 78). Da ist Basti, der „vollkommen unironisch Taylor Swift“ hört (S. 34), aber trotzdem nicht versteht, wie tief Misogynie sitzt.Und dann ist da Natasch – die Influencerin mit „dem berühmtesten Arsch des Landes“ –, die das System durchschaut und trotzdem darin gefangen ist: „Ich melke das System, das mich gleichzeitig in einen beschissenen Käfig steckt.“ (S. 128) Ein Satz, der hängen bleibt, weil er nicht nur über Natasch, sondern viel mehr über uns alle, die wir mitspielen, etwas aussagt.

Penner schafft es, das digitale Rauschen in Literatur zu verwandeln. Ihr Stil ist scharf, pointiert, voll trockenem Humor und klugen Beobachtungen. Gleichzeitig schwingt eine spürbare Wut mit, auf die Frauenfeindlichkeit, die Heuchelei und das Wegsehen im Netz. „Die Unbußfertigen“ ist definitiv kein Wohlfühlroman. Es ist ein unbequemes Buch, das brennt, kratzt, zum Schweigen zwingt und genau deshalb gelesen werden muss.

Fazit
Für alle, die sich fragen, wie das Internet unsere Moral, unsere Beziehungen und unsere Empathie verändert. Für Fans von satirischer Gesellschaftsliteratur. Aber nichts für zarte Nerven oder Menschen, die ungern in den Spiegel schauen.

Danke an den Aufbau Verlag und an Netgalley.de für das Rezensionsexemplar und an die Autorin für diesen wütenden, brillanten Reality-Check.

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