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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.01.2026

sehr berührende Geschichte

Maya und Samuel
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„Maya und Samuel“ von Franziska Fischer ist mein zweites Buch dieser Autorin und ich liebe ihren zarten und emotionalen Schreibstil, der aber nie aufgesetzt oder dramatisch wirkt.
In einer flüssigen und ...

„Maya und Samuel“ von Franziska Fischer ist mein zweites Buch dieser Autorin und ich liebe ihren zarten und emotionalen Schreibstil, der aber nie aufgesetzt oder dramatisch wirkt.
In einer flüssigen und auch leichten Art erzählt sie von einem Paar das sich schon seit seiner Kindheit kennt, bei denen Freundschaft zu Liebe wurde, Vertrauen zu tiefer Verbundenheit und das nun durch einen schweren Verlust die Verbindung zueinander verloren hat.Jeder trauert für sich, auf seine Art, die für den anderen manchmal unverständlich ist und sie dadurch noch mehr voneinander entfernt. Jeder für sich fühlt sich unverstanden und glaubt in seiner Trauer allein zu sein. Erst langsam, in kleinen Schritten kämpft sich jeder wieder ins Leben.

In Rückblicken erfährt der Leser, wie Maya und Samuel sich kennengelernt haben, sie zusammengewachsen sind trotz ihrer Unterschiedlichkeit.
Ihre langsame Wandlung von Freundschaft zu Liebe, einer
Liebe, die durch den schweren Verlust auf die Probe gestellt wird und sogar zu zerbrechen droht.

Franziska Fischer beherrscht den Schreibstil der feinen, leisen Töne. Manche Sätze sind so wunderbar formuliert, dass man sie immer wieder lesen möchte und sie ermöglichen dem Leser,sich das Innenleben ihrer Protagonisten zu erschließen.Man hat das Gefühl dabei zu sein, das Gleiche zu empfinden, ist den Figuren so nahe, dass es das Herz berührt.
Man leidet mit, hofft und bangt, dass das Paar sich wiederfindet.
Eine Geschichte, die sicherlich kein Einzelfall ist, die die Fragilität des Lebens beschreibt und einfach nur berührt.

Dicke Leseempfehlung!!!

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Veröffentlicht am 12.01.2026

verdient auf der Longlist des Deutschen Buchpreises

Schwebende Lasten
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Schon lange habe ich mir vorgenommen dieses Buch von Annett Gröschner zu lesen und endlich hat’s geklappt und es war ein mehr als lohnendes Leseerlebnis.Gleich ein Highlight zu Jahresbeginn.

Beim Lesen ...

Schon lange habe ich mir vorgenommen dieses Buch von Annett Gröschner zu lesen und endlich hat’s geklappt und es war ein mehr als lohnendes Leseerlebnis.Gleich ein Highlight zu Jahresbeginn.

Beim Lesen dieses Buches habe ich oft gedacht, ja, wir Frauen sind wirklich das stärkere Geschlecht. Welch ein Leben zieht am Leser vorbei, wenn er die Geschichte von Hanna Krause liest. Für mich war es eine Hommage an eine starke Frau, die sich nie hat unterkriegen lassen, immer wieder flexibel auf Herausforderungen reagiert hat und sich nie vom Leben hat brechen lassen, egal was es ihr abverlangt hat und das war viel.

Hanna Krause wurde im Kaiserreich geboren, hat zwei Weltkriege und zwei Diktaturen miterlebt und liebte Blumen und deshalb ist es eine sehr schöne Idee fast alle Kapitel mit einer Blume und deren Herkunft und Pflege zu beginnen.

Als Blumenliebhaberin eröffnet Hanna einen Blumenladen, den sie aber aufgeben muss, weil die Leute sich keine Blumen mehr leisten können.Der Mann den sie kennenlernt, heiratet und mit ihm 6 Kinder bekommt, von denen zwei sterben, die sie nie beerdigen kann, wird zum Invaliden und so liegt es an ihr, die Familie nicht nur zusammenzuhalten, sondern auch zum großen Teil zu versorgen. Trotz ausgeprägter Höhenangst zeigt sie ihren männlichen Kollegen, dass auch Frauen den Beruf der Kranführerin verantwortungsbewusst ausüben können. Sie steht „ihre Frau“, bringt ihre Familie durch Krieg und Nachkriegszeit, durchlebt die Entbehrungen und Schikanen des DDR Regimes, ist immer für ihre Kinder und Enkel der Anker, den die Familie braucht und stirbt dann doch ganz leise und unauffällig.

Ich möchte nicht wissen, wie viele Frauenleben so oder ähnlich verlaufen sind. Hanna steht nur stellvertretend für eine Frauengeneration vor der ich großen Respekt empfinde.

Annett Gröschner hat es fantastisch verstanden dieser Generation mit diesem Buch ein Denkmal zu setzen und daran zu erinnern, dass wir Frauen guten Grund haben auf unsere Mütter und Großmütter stolz zu sein.

Große Leseempfehlung und mit Recht ein Buch das auf der Longlist des deutschen Buchpreises 2025 stand.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

ein sehr intensives Leseelebnis

Halbe Leben
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Puh, das war auch wieder ein intensives Leseerlebnis, was mich nachhaltig beeindruckt hat.

„Halbe Leben“von der Schriftstellerin Susanne Gregor, die selbst aus der ehemaligen Tschechoslowakei kommt, hat ...

Puh, das war auch wieder ein intensives Leseerlebnis, was mich nachhaltig beeindruckt hat.

„Halbe Leben“von der Schriftstellerin Susanne Gregor, die selbst aus der ehemaligen Tschechoslowakei kommt, hat ein Buch geschrieben, was sich mit der Situation von Pflegekräften aus den osteuropäischen Ländern beschäftigt.

Paulína ist so eine Pflegekraft. Sie kommt aus der Slowakei, hat zwei Söhne , die noch relativ jung sind, 12 und 8 Jahre alt und ist von ihrem Mann getrennt. Sie entscheidet sich als ausgebildete Krankenschwester den Schritt zu wagen in einer österreichischen Familie als Pflegekraft zu arbeiten. 14 Tage lebt sie bei der Familie, danach ist sie 14 Tage bei ihren Söhnen,die in ihrer Abwesenheit bei ihrer Schwiegermutter leben.
Die Familie in Österreich, bei der sie eine Schlaganfallpatientin betreut, ist Paulina sehr zugetan. Bisher hat Irene alle Pflegerinnen abgelehnt, nur Paulina hat einen Zugang zu ihr gefunden. Klara, Irenes Tochter und ihr Mann, leben in finanziell sehr guten Verhältnissen, Klara hat sich ganz auf ihre Karriere konzentriert. Ihr Tochter ist von ihrer Mutter betreut worden und so sehen sie sich jetzt mit der Pflege der Mutter in der Verantwortung und da man genug Geld hat, hat man Pfleger engagiert, die diese schwere Arbeit leisten. Paulina macht sich unentbehrlich, nicht nur weil Irene sie akzeptiert, sondern weil Paulina nebenher noch anstandslos den ganzen Haushalt schmeißt. Irenes Familie genießt weiterhin ihr unbeschwertes Lesen, bürdet Paulina immer mehr Arbeit auf und Paulina verpasst den Zeitpunkt Grenzen zu setzen. Sie wird immer wieder mit Extrazahlungen belohnt, doch sie merkt selbst, dass das Leben was sie da führt, weder ihr , noch ihren Söhnen gut tut. Sie verliert immer mehr den Draht zu ihren Kindern, ist in entscheidenden Momenten nicht bei ihnen, was die Beziehung immer mehr belastet.
Als es dann zu einer entscheidenden Situation kommt, die Paulina zeigt, dass sie, obwohl man ihr immer weiß machen will, dass sie ein Familienmitglied ist, sie doch nur die ausländische Arbeitskraft ist, zeigen sich bei Paulina körperliche und psychische Anzeichen der Überforderung, die in einem Unglück münden. Dieses Buch ist ein Buch das tief ins Herz trifft. Wie unbedacht gehen wir mit Menschen hier mit Pflegekräften um, die sich um unsere Liebsten kümmern und dabei Schwerstarbeit leisten.Die Geschichte dieses Buches zeigt, wie wenig die Menschen gewertschätzt werden.
Ich habe teilweise große Wut beim Lesen dieses Buches in mir gespürt. Wie kann man so unsensibel und egoistisch sein, seine eigenen Bedürfnisse ständig über die anderer Menschen zu stellen, nur weil man meint mit Geld alles ausgleichen zu können.
Wie kann man Menschen, die Familie haben die Heimreise verweigern, nur weil man selbst für sich eine Auszeit beansprucht.
Ich glaube, viele Menschen machen sich keine Vorstellungen davon, was es heißt, regelmäßig von der Familie getrennt zu sein, im Ausland arbeiten zu müssen, um sich ein wenig Luxus leisten zu können.
Der Schriftstellerin gelingt es gut diesen Zwiespalt darzustellen und aufzuzeigen, was diese Pflegekräfte leisten psychisch und auch physisch. Dabei schreibt sie so eingängig, dass ich das Buch nicht zu Seite legen konnte und ich lange brauchte, um mit der Thematik abzuschließen und zu einem neuen Buch zu greifen.

Ein sehr empfehlenswertes Buch zu diesem wichtigen Thema.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

wieder ein starkes Buch das nachhallt

Lebensbande
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Mechtild Borrmann ist eine von mir sehr geschätzte Autorin deren Bücher „Grenzgänger“, „Feldpost“ und „Trümmerkinder“ mich nachhaltig beeindruckt haben.Für mich ist diese Autorin eine laute Stimme zur ...

Mechtild Borrmann ist eine von mir sehr geschätzte Autorin deren Bücher „Grenzgänger“, „Feldpost“ und „Trümmerkinder“ mich nachhaltig beeindruckt haben.Für mich ist diese Autorin eine laute Stimme zur Aufrechterhaltung unserer Geschichte und des Unrechts des Nationalsozialismus, die heute um so wichtiger ist.

In ihrem neuen Buch „ Lebensbande“ erzählt sie die Geschichte einer Freundschaft zwischen drei Frauen Lene,Nora und Lieselotte.
Das Buch spannt einen weiten Bogen von 1931 bis 1993 und handelt von den Erlebnissen dieser Frauen während des Nationalsozialismus, des Krieges, der Nachkriegszeit bis hin zur Zeit der Wende.

Lotte , die in Kühlungsborn lebt,erhält einen Brief aus dem Westen, der sie aufwühlt und gut gehütete Geheimnisse aus der Vergangenheit wieder hochkommen lässt. Der Leser erfährt die Geschichten der drei Freundinnen, die eng miteinander verwoben sind und über Verlust, Schuld, aber auch über starkes persönliches Engagement handeln.
Wir erleben, wie die Frauen sich kennen lernen, ihr Leben meistern, den Krieg durchleben, teilweise verschleppt werden in einen russischen Gulag und doch nie ihren Mut und ihre Hoffnung verlieren.
Wir lesen,wie Menschen ihr Leben riskieren, um den Schwächsten der Gesellschaft zu helfen, um dafür ihr restliches Leben in Angst und Schrecken zu verbringen.

Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt eindringlich, wodurch die Schwere der Themen nachwirken. Die Bilder, die vor den Augen der Leser entstehen erzeugen große emotionale Nähe zu den Protagonisten, die noch dadurch verstärkt wird, dass man weiß, dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht.Trotzdem gelingt es der Autorin auch Raum für Hoffnung , Mitgefühl und Zuversicht zu schaffen.

Dieses Buch wird in meinem Gedächtnis bleiben und ich hoffe, dass es viele Leute lesen, gerade in heutigen Zeiten.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

starker dritter Teil

Rostiges Grab
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„Rostiges Grab“ ist der dritte Teil der Reihe um besondere Fälle mit Leonore Askers als ermittelnde Kommissarin. „Stille Falle“ der erste Fall und auch „Eisiges Glas“ sind in den vergangenen Jahren erschienen. ...

„Rostiges Grab“ ist der dritte Teil der Reihe um besondere Fälle mit Leonore Askers als ermittelnde Kommissarin. „Stille Falle“ der erste Fall und auch „Eisiges Glas“ sind in den vergangenen Jahren erschienen. Diese Vorgängerbände sind auf jeden Fall lesenswert, da sie sehr spannend sind, „Rostiges Grab“ kann aber auch unabhängig von diesen Büchern gelesen werden, da es sich um abgeschlossene Fälle handelt. Die privaten Zusammenhänge unter den agierenden Personen sind zwar von Interesse, erklären sich aber im Laufe des Falles und sind nicht ausschlaggebend für das große Ganze.

Auch bei diesem Fall komme ich nicht umhin Parallelen zur Adler Olsen Reihe festzustellen.Auch hier arbeitet das Team an hoffnungslosen Fällen und auch hier sind die Ermittler etwas skurril, haben so ihre Eigenarten und arbeiten in der Etage - 1.

Der Fall als solches ist superspannend, sehr atmosphärisch und mystisch von der Thematik her.

In einer alten Torffabrik wurde vor zehn Jahren die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ihr Mörder, ihr Ehemann ,ist nicht gefunden worden.Die Leiche selbst zeigt große Ähnlichkeit auf zu einer vor Jahrzehnten gefundenen Moorleiche dem „ Graumädchen“, der neben anderen Verletzungen auch ein Finger fehlte. Auch Elena, der aufgefundenen Leiche, fehlt ein Finger. Genau dieser Finger taucht in der alten Torffabrik wieder auf, in die zwei Urbexer eindringen, die zuvor Informationen und den Schlüssel zu dem ansonsten verschlossenen Gebäude erhalten. Dort treffen sie auf eine verwirrte Frau, die genau diesen vermissten Finger bei sich hat.
Asker wird dieser Fall zugetragen, der eigentlich in die Abteilung „Cold cases „ gehört. Ihr ehemaliger Liebhaber und Kollege Hellmann hofft dadurch eine anstehende Beförderung Askers zu verhindern, in dem sie bei diesem Fall in eine Falle tappt. Was er anscheinend nicht weiß ist, dass mehr hinter dem Fall steckt als nur der Mord an Elena.

Wieder bin ich atemlos durch das Buch gehetzt, konnte es nicht zu Seite legen, weil der Fall so spannend und komplex war.Das Team um Asker ist in der Recherchearbeit und auch sonst grandios,auch ihr Freund Hill, ein Urbexer, das sind Menschen, die verlassene oder schwer zugängliche Orte erkunden,meist fotografieren und dann ins Netz stellen, spielt wieder eine große Rolle.
Der Fall entwickelt sich im Laufe der Zeit immer spannender und geheimnisvoller und es kommt zu einigen spannenden Verfolgungsjagden.Auch die Komplexität des Falles war klasse.

Die einzelnen Figuren sind einfach gut beschrieben, agieren realistisch, was den Fall dadurch auch sehr authentisch wirken lässt.

Anders de la Motte braucht sich mit seinen Büchern nicht vor denen von Jussi Adler Olsen verstecken. Das Setting ist zwar immer ein anderes als in seinen Büchern, aber die Spannung ist in den Büchern von Anders de la Motte gleichbleibend hoch, sodass man von Anfang an ein absolutes Krimivergnügen genießen kann.

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