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Not Quite Dead YetUm dieses Buch von Holly Jackson kreise ich schon einige Zeit. Als ich es bei meinem letzten Büchereibesuch gesehen habe, habe ich es dann mitgenommen.
Warum ich gezögert habe? Weil ich bisher ziemlich ...
Um dieses Buch von Holly Jackson kreise ich schon einige Zeit. Als ich es bei meinem letzten Büchereibesuch gesehen habe, habe ich es dann mitgenommen.
Warum ich gezögert habe? Weil ich bisher ziemlich einstimmig gehört habe, dass Holly Jackson zwar einen Erwachsenen Thriller schreiben wollte, sie jedoch den jugendlich Grundton beibehalten hat. Und dem kann ich absolut zustimmen, denn obwohl unsere Hauptprotagonistin Jet bereits 27 Jahre alt ist, verhält sie sich eher wie ein älterer Teenager. Da ich aber auch gerne Jugendthriller lese, wollte ich es wagen...
Jet lebt in Woodstock, Vermont, und ihre Familie gehört zu den Reichsten in der Stadt. Bisher hat die 27-jährige ihr Leben noch nicht wirklich im Griff und verschiebt vieles auf morgen. Ihr Buder Luke hingegen ist verheiratet und möchte sobald wie möglich die Firma übernehmen. Der Vater ist jedoch noch nicht so weit und vertröstet, sowohl Luke, als auch Jet, immer wieder von neuem.
In der Halloweennacht wird Jet von einem unbekannten Täter in ihrem Zuhause attackiert. Sie überlebt nur knapp, doch als sie im Krankenhaus aufwacht, haben die Ärzte keine gute Diagnose für sie. Jet hat nur mehr sieben Tage zu leben, denn durch einen inoperablen Knochensplitter im Gehirn wird sich bei ihr ein Aneurysma bilden. Jets Leben steht völlig auf dem Kopf und sie entschließt sich endlich einmal eine Sache durchzuziehen: Sie möchte ihren eigenen Mord aufklären und den Täter finden. Gemeinsam mit Billy, ihrem Freund aus Kindertagen, beginnt sie nachzuforschen...
Die Grundidee ist genial: ein Überfall, ein Opfer, welches nur mehr einige Tage zu leben hat und den Mordversuch an sich selbst aufklären möchte, ein verschwundener Exfreund, ein Bauunternehmen und viele Verdächtige. Eine tolle Idee!
Anfangs wurde ich jedoch nicht so ganz warm mit der 27-jährigen Jet. Man erkennt in ihr die verzogene Tochter aus reichem Haus, die sich nicht wirklich anstrengen muss. Doch bald entdeckte ich bei ihr nicht nur Trotz, sondern auch eine Trauer und Leere, die durch die Vergangenheit der Familie zu begründen ist. Mit der schlimmen Diagnose will sich Jet nicht abfinden und übernimmt erstmals Verantwortung. Sie erkennt, wie dumm es war, alles auf später zu verschieben. Außerdem erkennt sie viel zu spät, was wirklich wichtig ist. Dadurch hat sie bald meine Sympathie doch noch bekommen.
Für mich war es das erste Buch von Holly Jackson. Der sehr leichte Schreibstil lässt einem durch die Geschichte rauschen, die mir gut gefallen hat. Das Thema, welches die Autorin gewählt hat, ist außerdem reizvoll und einmal etwas ganz Neues. Obwohl ich die Handlung nicht wirklich als Thriller empfand, habe ich gerne in der Geschichte gelesen und wollte wissen, was hier wohl dahinterstecken mag. Einige Vorgänge waren für mich schnell ersichtlich, andere wiederum nicht. Die Autorin hat versucht viele Wendungen einzubauen, um die Leser auf falsche Fährten zu führen. Ganz gelungen ist ihr das - für mich als langjährige Thrillerleserin - nicht, aber für das jugendliche Zielpublikum, welches diesmal eigentlich gar nicht gemeint war, passt es gut. Gefallen hat mir auch das Kleinstadt-Setting und die herbstliche Atmosphäre in Vermont.
Trotz des eigentlichen traurigen Themas, kommt immer wieder der Humor durch. Besonders zum Ende hin zieht der Spannungsbogen rasant an. Auch die vielen Figuren, die mehr oder weniger präsent sind, werden sehr lebendig und facettenreich gezeichnet. Die kleine Liebesgeschichte fand eher im Hintergrund statt, was für mich die richtige Dosis war.
Kritik gibt es bezüglich doch einiger etwas unrealistischen Szenen, bei denen man ein Auge zudrücken muss. Trotzdem habe ich diese außergewöhnliche Geschichte gerne gelesen.
Fazit:
Holly Jackson hat es mit "Not quite dead yet" nicht geschafft vom Jugendthriller zum Erwachsenenthriller zu wechseln. Sowohl die Sprache, als auch die Hauptprotagonistin wirken zu jugendlich. Trotzdem las ich gerne in diesem Buch, das eine richtig tolle Grundidee hat. Außerdem möchte uns die Autorin sagen, dass wir unser Leben nicht auf später verschieben, sondern im Jetzt leben sollen. Da kann ich ihr nur zustimmen!