Erschütternd, aber wichtig
Ich kämpfe für die WahrheitIn ihrem ersten Buch „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ erzählt Caroline Darian ihre Geschichte von dem Zeitpunkt an, als sie erfuhr, was Dominique Pelicot ihrer Mutter Gisèle angetan hatte, bis ...
In ihrem ersten Buch „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ erzählt Caroline Darian ihre Geschichte von dem Zeitpunkt an, als sie erfuhr, was Dominique Pelicot ihrer Mutter Gisèle angetan hatte, bis zum Start des Prozesses gegen ihn. Ihr zweites Buch – „Ich kämpfe für die Wahrheit“ – schildert nun in Tagebucheinträgen den erschütternden Prozess und seine unmittelbaren Folgen. Die deutsche Übersetzung stammt von Michaela Meßner und Grit Weirauch.
Am 19. Dezember 2024 wurde Dominique Pelicot zu 20 Jahren Haft verurteilt, doch für seine Familie wird ihr Leben trotzdem nie wieder sein, wie es vorher war. Wo schon ihr erstes Buch schwer zu ertragende Wahrheiten enthielt, kommen hier noch weitere ans Licht. Es gilt als erwiesen, dass Pelicot neben seiner Frau auch seine Tochter und Schwiegertöchter heimlich und gegen ihren Willen in kompromittierenden Posen fotografiert hat; auch seinen Enkel*innen soll er sich unsittlich genähert haben. Doch der Täter schweigt oder redet sich heraus und nimmt seiner Familie so die Chance, den Fall aufzuarbeiten und vielleicht irgendwann hinter sich lassen zu können. Umso perfider, dass er selbst ein Buch über sein Leben veröffentlichen will.
Caroline Darian lässt uns erneut an ihrer Verzweiflung teilhaben und zeigt, wie sich Menschen im Verlauf des Prozesses verhalten haben. Egal, ob es die Täter sind, die die vor dem Gerichtsgebäude versammelten Feministinnen beleidigen, ob es Anwälte sind, die Opfer verunglimpfen oder Journalisten, die Carolines Auftritt vor Gericht als „würdelos“ empfinden, weil sie Emotionen zeigt. Diesem Gefühl der Machtlosigkeit tritt sie nun mit anderen Frauen und ihrem Verein „#MendorsPas: Stop à la soumission chimique“ entgegen, indem sie sich dafür einsetzt, dass die so genannte chemische Unterwerfung bekämpft wird. Es muss sich endlich etwas ändern! Traurig war für mich zu lesen, wie Gisèle Pelicot selbst sich ihrer Familie gegenüber im Prozess verhalten hat – aber vermutlich fällt es aus einer unbeteiligten Position auch einfach leicht, zu urteilen.
Ein starkes Buch von einer Frau, die der Hölle, durch die sie gegangen ist, etwas Positives abringen will