Profilbild von Naraya

Naraya

Lesejury Star
offline

Naraya ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Naraya über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.01.2026

Ein Muss für alle Fans!

Wes Anderson: Alle Filme, alle Fakten
0

Wes Anderson ist für mich einer der größten und vor allem der kreativsten Filmemacher aller Zeiten. Daher musste ich auch unbedingt „Wes Anderson. Alle Filme, alle Fakten“ in meinen Besitz bringen. Verfasst ...

Wes Anderson ist für mich einer der größten und vor allem der kreativsten Filmemacher aller Zeiten. Daher musste ich auch unbedingt „Wes Anderson. Alle Filme, alle Fakten“ in meinen Besitz bringen. Verfasst wurde es von dem Filmjournalisten Christophe Narbonne, die deutsche Übersetzung stammt von Anita Weinberger. Nach einem Vorwort von Thierry Frémaux, dem (u.a.) Direktor der Filmfestspiele von Cannes, und einer allgemeinen Einführung starten wir in die Besprechung der einzelnen Filme.

Das Buch umfasst alle Spielfilme von „Durchgeknallt“ (1996) bis „Asteroid City“ (2023) sowie alle Kurzfilme, somit fehlt nur sein 2025 erschienener Film „Der phönizische Meisterstreich“. Jedes Filmporträt beginnt mit dem Filmplakat und einem Datenblatt und enthält neben einer Kurzzusammenfassung des Inhalts immer auch Unterkapitel zu Entstehung, Rollenverteilung, Durchführung und Rezeption. Unterstützt wird all das durch zahlreiche Fotos, die vor oder hinter der Kamera entstanden und teilweise eine ganze oder sogar eine Doppelseite einnehmen.Zitate, Fun Facts und eine Rubrik namens „Standbild“, die immer eine bestimmte Szene des Films analysiert, runden alles wunderbar ab.

Zwischen die Texte über die einzelnen Werke sind immer so genannte Fokus-Kapitel eingeschoben. In diesen widmet der Autor sich allgemeinen Themen rund um Wes Anderson und seine Filme. Mal wird ein bestimmter Schauspieler vorgestellt, sich auf ein Motiv konzentriert oder ein konkreter filmischer Effekt näher beschrieben. So erfahren wir beispielsweise, wer die Vorbilder des Filmemachers sind, weshalb er eine symmetrische Bildkonstruktion bevorzugt oder von seiner Leidenschaft für das Schreiben und den Einsatz von Schrift.

Dieses Buch ist einfach ein Muss für alle Wes Anderson-Fans. Es lädt zum Schmökern ein und macht Lust, sich nach der Lektüre alle seine Filme noch einmal anzusehen und Neues zu entdecken!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.01.2026

Erschütternd, aber wichtig

Ich kämpfe für die Wahrheit
0

In ihrem ersten Buch „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ erzählt Caroline Darian ihre Geschichte von dem Zeitpunkt an, als sie erfuhr, was Dominique Pelicot ihrer Mutter Gisèle angetan hatte, bis ...

In ihrem ersten Buch „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ erzählt Caroline Darian ihre Geschichte von dem Zeitpunkt an, als sie erfuhr, was Dominique Pelicot ihrer Mutter Gisèle angetan hatte, bis zum Start des Prozesses gegen ihn. Ihr zweites Buch – „Ich kämpfe für die Wahrheit“ – schildert nun in Tagebucheinträgen den erschütternden Prozess und seine unmittelbaren Folgen. Die deutsche Übersetzung stammt von Michaela Meßner und Grit Weirauch.

Am 19. Dezember 2024 wurde Dominique Pelicot zu 20 Jahren Haft verurteilt, doch für seine Familie wird ihr Leben trotzdem nie wieder sein, wie es vorher war. Wo schon ihr erstes Buch schwer zu ertragende Wahrheiten enthielt, kommen hier noch weitere ans Licht. Es gilt als erwiesen, dass Pelicot neben seiner Frau auch seine Tochter und Schwiegertöchter heimlich und gegen ihren Willen in kompromittierenden Posen fotografiert hat; auch seinen Enkel*innen soll er sich unsittlich genähert haben. Doch der Täter schweigt oder redet sich heraus und nimmt seiner Familie so die Chance, den Fall aufzuarbeiten und vielleicht irgendwann hinter sich lassen zu können. Umso perfider, dass er selbst ein Buch über sein Leben veröffentlichen will.

Caroline Darian lässt uns erneut an ihrer Verzweiflung teilhaben und zeigt, wie sich Menschen im Verlauf des Prozesses verhalten haben. Egal, ob es die Täter sind, die die vor dem Gerichtsgebäude versammelten Feministinnen beleidigen, ob es Anwälte sind, die Opfer verunglimpfen oder Journalisten, die Carolines Auftritt vor Gericht als „würdelos“ empfinden, weil sie Emotionen zeigt. Diesem Gefühl der Machtlosigkeit tritt sie nun mit anderen Frauen und ihrem Verein „#MendorsPas: Stop à la soumission chimique“ entgegen, indem sie sich dafür einsetzt, dass die so genannte chemische Unterwerfung bekämpft wird. Es muss sich endlich etwas ändern! Traurig war für mich zu lesen, wie Gisèle Pelicot selbst sich ihrer Familie gegenüber im Prozess verhalten hat – aber vermutlich fällt es aus einer unbeteiligten Position auch einfach leicht, zu urteilen.

Ein starkes Buch von einer Frau, die der Hölle, durch die sie gegangen ist, etwas Positives abringen will

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.12.2025

Was für ein Buch!

Kunst, kommentiert
0

Dass der DK Verlag wunderschöne Sachbücher herausgibt, das war mir schon lange bewusst. Mit dem vorliegenden Band „Kunst, kommentiert“ ist aber etwas ganz Besonderes entstanden. Auf über 500 Seiten werden ...

Dass der DK Verlag wunderschöne Sachbücher herausgibt, das war mir schon lange bewusst. Mit dem vorliegenden Band „Kunst, kommentiert“ ist aber etwas ganz Besonderes entstanden. Auf über 500 Seiten werden hier berühmte und weniger bekannte Kunstwerke gezeigt und für den Betrachter eingeordnet und erklärt – und das zeitlich gesehen von den Anfängen der Kunst 28.000 v. Chr. bis 1400 auf der einen Seite und von 1945 bis zur Gegenwart auf der anderen Seite. Dazwischen angesiedelt sind Kapitel zu Illusion und Beobachtung (1400-1600), Drama und Detail (1600-1800), Farbe und Innovation (1800-1900) und schließlich Auf dem Weg zur Abstraktion (1900-1945). Als Mitwirkende werden über 30 Personen angegeben.

Das Buch ist chronologisch aufgebaut und zeigt auf je einer oder einer Doppelseite ein Kunstwerk. Es sind hauptsächlich Gemälde, Drucke und Skulpturen aus den unterschiedlichsten Kulturen und verschiedenster Kontinente. Jedes Exemplar ist dabei mit einer großen Abbildung dargestellt und wird durch Texte ergänzt, die das Verstehen erleichtern sollen. Es gibt eine kurze Einführung zu Thema, Idee und Inspiration sowie eine historische Einordnung. Kleinere Textblöcke sind direkt mit Bildausschnitten verknüpft und erklären Details zu Stil und Technik oder bestimmte Elemente des Kunstwerks. Überall im Buch finden sich zudem Sonderseiten, in denen Wissen zu bestimmten Themengebieten wie Porträts, Landschaftsmalerei oder Tierdarstellungen vermittelt wird.

„Kunst, kommentiert“ ist ein wunderbares Buch für Kunstinteressierte oder solche, die es noch werden wollen. Mir hat besonders gut die breite Mischung von Gemälden und Skulpturen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern gefallen. Die ergänzenden Texte halten sich kurz, enthalten aber dennoch alle wichtigen Informationen und picken spannende Details heraus. So weiß ich nun z.B., dass Edward Hoppers „Nachtschwärmer“ vielleicht von van Gogh inspiriert wurde und starke Diagonalen enthält. Oder dass Artemisia Gentileschis „Judith und Holofernes“ durch eine Vertikale in zwei Hälften geteilt wird und sie Caravaggio bewunderte. Was für ein Buch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2025

Vielversprechender Debütroman

Morgens im Laksa Café
0

Jeden Morgen bereitet Ah Hock in seinem traditionellen Laden, einem Kopitiam (= ein günstiges lokales Kaffeehaus, in dem Getränke und Speisen serviert werden) den Tag vor. Alle seine Gerichte basieren ...

Jeden Morgen bereitet Ah Hock in seinem traditionellen Laden, einem Kopitiam (= ein günstiges lokales Kaffeehaus, in dem Getränke und Speisen serviert werden) den Tag vor. Alle seine Gerichte basieren dabei auf dem Familienschatz, einer über Generationen weitergereichten Brühe. Mit ihr zaubert Ah Hock das beste Laksa (=eine würzige, cremige Nudelsuppe) der Stadt Kuching zu. Doch in letzter Zeit will ihm der Geschmack nicht recht gelingen. Liegt es an seinem Alter oder daran, dass ihm der Streit mit seinem Sohn Wei Ming auf der Seele lastet? Der ging schon vor vielen Jahren nach Japan, um seinen eigenen Träumen als Koch zu folgen. Doch dann bringt eine Bedrohung für den Laden Vater und Sohn wieder zusammen.

„Morgens im Laksa Café“ ist der, wie ich finde, vielversprechende Debütroman der aus Malaysia stammenden Schriftstellerin Janet Tay; die Übersetzung aus dem englischen Original verfasste Susann Rehlein. Die Geschichte wird sowohl aus der Perspektive des Vaters, als auch der des Sohnes erzählt, so dass wir als Leser beide Seiten des Konflikts nachvollziehen können und spielt in den 90er Jahren. Hin und wieder gibt es auch kleine Ausflüge in die Vergangenheit, zum Beispiel in Ah Hocks Kindheit, in der er mit dem Vater aus China fliehen musste.

Was zunächst wie „eine dieser vielen Laden-Geschichten“ klingt, entwickelt im Lauf der Handlung eine für das Genre ungewöhnliche Tiefe. Denn neben den altgedienten kleinen Geschäften, die gegen modernere Konkurrenz kämpfen müssen, steht vor allem die komplizierte Beziehung zwischen Vater und Sohn im Mittelpunkt. Ah Hock liebt seinen Sohn, kann aber die eigene Erziehung und die Fluchterfahrung nicht hinter sich lassen und stößt Wei Ming mit seinen altmodischen Erwartungen immer wieder von sich. Der hingegen wünscht sich einfach nur die Freiheit, seinen eigenen Weg gehen und Dinge ausprobieren zu dürfen. Beide haben ihren eigenen Kopf und doch verbindet sie die Liebe zum Kochen und zu guten Zutaten. Gut gefallen hat mir auch Wei Mings Beziehung zu seinem Sushimeister Inamura, dessen Unterstützung ihn stark geprägt hat.

Absolute Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2025

Einer der besten Bände bisher

Die Spatzenmorde von Onikobe
0

Sommer, 1955. Eigentlich will Privatdetektiv Kosuke Kindaichi nur einige ruhige Tage auf dem Land verbringen, wozu er sich bewusst ein kleines Dorf mit einem Onsen, dem Schildkrötenbad, ausgesucht hat. ...

Sommer, 1955. Eigentlich will Privatdetektiv Kosuke Kindaichi nur einige ruhige Tage auf dem Land verbringen, wozu er sich bewusst ein kleines Dorf mit einem Onsen, dem Schildkrötenbad, ausgesucht hat. Doch schon bald geschehen dort furchtbare Dinge: der Dorfvorsteher verschwindet spurlos, eine Totgeglaubte wird mehrfach im Dorf gesehen und schließlich passiert der erste Mord. Kommissar Isokawa, ein alter Freund Kindaichis, vermutet sofort einen Zusammenhang zu einem über 20 Jahre alten, ungelösten Mordfall.

„Die Spatzenmorde von Onikobe“ ist bereits der fünfte, im Deutschen erschienene Band aus der Feder von Seishi Yokomizo. Die Übersetzung des ursprünglich 1957 im Original veröffentlichten Romans stammt von Ursula Gräfe. Die Handlung wird erneut von einem uns unbekannten, fiktiven auktorialen Erzähler geschildert und gibt sich so den Anschein, als würde ein guter Bekannter uns von den Vorfällen erzählen. Die Morde nehmen starken Bezug auf ein japanisches Volkslied über drei Spatzen (= drei Frauen), die getötet werden und dementsprechend ist auch der Roman gegliedert.

Im Zentrum der Vorfälle stehen drei Familien: Die Familie Yura, von Beruf Böttcher, die Nires, eine Waagenbauerfamilie und die Familie Bessho, von Beruf Schlosser. Sie stehen zueinander in Konkurrenz und wetteifern stets um den höchsten Status in Onikobe. Seit Chieko Bessho unter dem Namen Yukari Ozora eine bekannte Sängerin geworden ist und ihre Familie nun mit teuren Dingen beschenken kann, hat sich dies nur verstärkt. Etwas im Abseits bleibt dabei die Familie Aoike, die das Schildkrötenbad betreibt und deren Tochter sich vor den Blicken der Außenwelt verbirgt.

Für mich war dieser Fall Kosuke Kindaichis einer seiner besten. Der Detektiv ermittelt gewohnt zurückhaltend mit einer Kombination aus Recherchen und Gesprächen und präsentiert am Ende überraschend den Mörder. „Die Spatzenmorde von Onikobe“ sind dabei besonders spannend und bieten eine gelungene Mischung aus Folklore, Ermittlungsarbeit und komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen. Zudem gewährt die Reihe einen tollen Einblick ins Japan der 50er Jahre.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere