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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2026

Nanning

Amrum
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Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. ...

Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. In seiner kindlichen Unwissenheit erzählt er seiner Mutter etwas, dass die Bäuerin betrifft. Er weiß, dass seine Mutter Nationalsozialistin ist, ebenso wie sein Vater, der eine Position in Hamburg bekleidet. Allerdings hätte er nicht gedacht, dass seine Mutter die Bäuerin denunzieren würde. Wo soll er denn jetzt, die Nahrungsmittel herbekommen, die seine Mutter braucht, die hochschwanger ist. Da muss sich Nanning wohl etwas einfallen lassen.

Der Film „Amrum“ von Fatih Akin ist möglicherweise bekannt. Hier hat der Schauspieler und Regisseur Hark Bohm seine Kindheitserinnerungen mit Hilfe seines Freundes Fatih Akin in bewegte Bilder gefasst. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit Philipp Winkler. Obwohl Nanning in einer Nazi-Familie lebt, wundert man sich, dass der im System durchaus höhergestellte Vater nicht für die Versorgung seiner Familie sorgt. Die Familie seiner Mutter stammt von Amrum, nur deshalb können sie dort leben und sind von den Auswirkungen des Krieges relativ sicher. Seine Tante Ena immerhin versucht leider vergeblich, seine Mutter zur Vernunft zu bringen. Nanning selbst durchblickt noch nicht, was Nationalsozialismus bedeutet. Ein Glück vielleicht für sein späteres Leben.

Allem Anschein nach sind Buch und Film ziemlich ähnlich. Möglicherweise bekommt man noch einen besseren Einblick, wenn man beide Herangehensweisen kennt. Allerdings hat man beim Buch durchaus den Vorteil, dass man die Lesegeschwindigkeit selbst wählt. Gerade zu Beginn wirken die Beschreibungen der Insel etwas sehr ruhig. Hat man die Strömungen zwischen den Menschen auf der Insel erstmal durchschaut, zieht einen das Buch doch in seinen Bann. Natürlich bleibt die Sicht eines Kindes, das noch nicht wie ein Erwachsener reflektieren kann. Das ist vielleicht nicht so schlecht, dann muss man diese Aufgabe selbst übernehmen und sich sein Teil denken. Wie haben es die eigenen Vorfahren gehalten? Man muss sich wohl einer Wahrscheinlichkeit stellen, dass es nicht so viele wie die Bäuerin Tessa oder Tante Ena gegeben hat. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und in Erinnerung bleibt.

Veröffentlicht am 17.01.2026

Prüfungen

The Ordeals
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Sophia de Winter ist häufig für ihren Onkel Unterweg, um andere zu binden. Dabei gerät sie schon mal in gefährliche Situationen. Sie selbst ist durch ein Armband an ihn gebunden und das will sie endlich ...

Sophia de Winter ist häufig für ihren Onkel Unterweg, um andere zu binden. Dabei gerät sie schon mal in gefährliche Situationen. Sie selbst ist durch ein Armband an ihn gebunden und das will sie endlich ändern. Die einzige Möglichkeit dies zu schaffen, ist die Teilnahme an den Aufnahmeprüfungen der magischen Akademie Killmarth. Ihre eigenen magischen Begabungen kann sie nicht einschätzen, aber sie ist begabt, das weiß sie. Sophia ahnt nicht, was alles auf sie zukommt. Denn es geht nicht nur um die schwierigen Aufgaben, für die Sophia garnicht die geforderte Vorbildung hat. Nein, sie muss auch mit ihren Mitbewerbern klarkommen.

Bei diesem Roman handelt es sich um den Start einer Reihe, die auf mindestens zwei Bände angelegt ist. Auch wenn Sophia nicht auf die richtigen Schulen gegangen ist, findet sie sich an der Akademie besser zurecht als erwartet. Zwar hält sie ihre eigenen Fähigkeiten nicht für so stark, aber immerhin hält sie mit und sie trainiert in jeder freien Minute. Sie lernt ihre Mitstudenten kennen und knüpft Freundschaften. Damit hatte sie nicht gerechnet. Doch natürlich gibt es auch harte Konkurrenzkämpfe, denn es sind nur zwanzig Studienplätze an die Besten zu vergeben. Zudem muss Sophia aufpassen, dass sie sich von Gefühlen nicht allzu sehr ablenken lässt.

Dieser Roman bietet viel, Fantasy, Romance, Magie und vieles mehr. Trotzdem wirkt er nicht überladen. Vielleicht fragt man sich am Anfang, wo soll das hinführen. Den Beginn einer Antwort bekommt man relativ schnell. Die Kombinationen aus verschiedenen Handlungssträngen ist sehr interessant. Gespannt entdeckt man mehr über Sophias Hintergrund. Man verfolgt, wie sich zwischen ihr und einigen anderen Studenten Freundschaften bilden, dass es eben nicht nur um Konkurrenz geht, sondern dass auch Zusammenarbeit wichtig ist. Tja, und dann ist da noch Alden Locke. Ob man jede Schilderung von brutalen Kämpfen haben muss, nun ja. Entschädigt wird man aber, für die packende Geschichte, bei der etliche Geheimnisse geklärt werden, aber noch genug Rätsel für zumindest den bereits angekündigten nächsten Band übrig bleiben.

Dabei ist die Print-Ausgabe des Romans sehr schön und aufwendig gestaltet, ein Schmuckstück für das Bücherregal.

Veröffentlicht am 14.01.2026

Das Mutter-Tochter-Ding

Halbinsel
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Eines Tages erhält Annett einen Anruf aus Berlin, ihre Tochter Linn ist während eines Vortrags, den sie gehalten hat, einfach umgekippt. Sofort macht sich Annett auf den Weg, um nach ihrer Tochter zu sehen. ...

Eines Tages erhält Annett einen Anruf aus Berlin, ihre Tochter Linn ist während eines Vortrags, den sie gehalten hat, einfach umgekippt. Sofort macht sich Annett auf den Weg, um nach ihrer Tochter zu sehen. Linn kann schon bald entlassen werden und Annett nimmt sie erstmal mit auf die Halbinsel in der Nordsee, wo sie das Familienhaus schon seit langem bewohnt. Natürlich ist es schön, Linn daheim zu haben. Aber der Aufenthalt der Tochter, die nach dem Studium einen tollen Job gefunden hatte, dehnt sich doch viel länger aus als erwartet. Annett versucht, die Hintergründe zu entschlüsseln und gleichzeitig werden Erinnerungen an ihren vor langen Jahren verstorbenen Mann wieder wach.

Wie ist es, wenn die Tochter, die eigentlich aus dem Haus war, auf einmal wieder da ist? Hauptsächlich aus Sicht Annetts kann man erfahren, dass das nicht nur eitel Freude ist. Annett muss feststellen, dass sie manchmal genervt ist, weil Linn allem Anschein nach nach den Ereignissen während des Vortrags nicht so richtig wieder in die Gänge kommt. Das kann doch irgendwie nicht sein, es lief doch alles. Annett versucht herauszufinden, was bei dem Vortrag wirklich geschehen ist. Da gibt es tatsächlich ein paar Ungereimtheiten, die zu klären sind.

Dieses Hörbuch wird sehr angenehm vorgetragen von Isabelle Redfern. Sie versteht es sehr gut, eine ruhige Küstenstimmung entstehen zu lassen.

Man meint ja immer, es ist das höchste für die Eltern, wenn die Kinder zu Hause sind. Wie erfrischen ist es, hier zu lesen, dass auch die Eltern, hier eben die Mutter, sich daran gewöhnen, wenn die Nachkommen nicht mehr daheim wohnen, dass sie sich ihren eigenen Rhythmus geschaffen haben. Dann ist es nicht so einfach, wenn die Tochter plötzlich da ist und nicht mal nur zu Besuch. Das ist schon eine Umgewöhnung. Es geht nicht so nach der Nase der Mutter, aber natürlich kümmert sie sich. Und sie möchte, dass es ihrer Tochter wieder besser geht. Wenn das Buch nicht einfach so mitten in der Bewegung aufhören würde, wäre es beinahe perfekt. Es ist klasse, mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen und dabei von einer spannenden Geschichte zu erfahren.

Für gewisse Dinge haben die Töchter nach Abschluss der Ausbildung im Übrigen selbst Sorge zu tragen.

Veröffentlicht am 13.01.2026

Tommie, der Zauberer

Wenn die Sonne untergeht
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Der Schriftsteller Thomas Mann weilt gerade im Ausland als die politische Lage in Deutschland immer brisanter wird. Seine Kinder Erika und Klaus können ihren Vater überzeugen, dass es besser ist, nicht ...

Der Schriftsteller Thomas Mann weilt gerade im Ausland als die politische Lage in Deutschland immer brisanter wird. Seine Kinder Erika und Klaus können ihren Vater überzeugen, dass es besser ist, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Die Manns landen als erste Station ihres langjährigen Exils in Sanary am französischen Mittelmeer. Auch Heinrich Mann hat es so gerade noch auch Deutschland heraus geschafft. Mit dem Gedanken, seine Heimat verlassen zu müssen, tut sich Thomas Mann schwer. Eigentlich möchte er lieber zurückkehren. Doch je mehr vom Eigentum der Familie beschlagnahmt wird, je mehr ihre Rechte eingeschränkt werden, desto mehr muss auch der Autor einsehen, dass ein Aufenthalt in einem anderen Land vorzuziehen ist.

Die Familie Mann hat Nazi-Deutschland schon relativ früh verlassen. Als die Situation brenzlig wird, sind sie glücklicherweise gerade unterwegs. Doch die Eltern und Schwiegereltern und auch einige ihrer sechs Kinder sind noch daheim. Die Manns müssen damit leben, dass Teile ihres Eigentums plötzlich beschlagnahmt werden. Und doch ermöglichen sie es auf Umwegen einige Unterlagen und Dokumente aus dem Land zu schaffen. Nach und nach versammelt sich auch der Familienreis in Frankreich. Auch gibt es Unstimmigkeiten mit dem Verleger, der wegen der Veröffentlichung des nächsten Werkes meint, man müsse sich dem Regime anbiedern.

Dieses Hörbuch wird vorgetragen von Stephan Schad, der es versteht, die Beklemmung fühlbar werden zu lassen, die man ob der politischen Lage in Deutschland im Jahr 1933 empfindet. Dieses Hörbuch ist in einer gekürzten Version verfügbar in der ARD-Audiothek. Allerdings wurde ein wenig zu viel gekürzt, was schon etwas schade ist.

Florian Illies nähert ist der Familie Mann während ihres Aufenthalts in Sanary im Sommer 1933 auf interessante Weise an. Zum einen erzählt er von den Ereignissen, zum anderen werden auch Äußerungen, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen zitiert. Das verleiht der Erzählung viel Authentizität. Man spürt die Beklemmung, das Abwägen, die Entscheidungen. Man fiebert mit, ob in erster Linie Menschen, aber auch die erwünschten Sachen, aus Deutschland heraus gelangen. Man fragt sich, wie eine sogenannte Regierung herausragende Persönlichkeiten ihres Landes so behandeln kann. Wie werden sie dann erst mit den normalen Menschen verfahren? Die Geschichte hat es gezeigt. Vielleicht ist es überhaupt mal wieder an der Zeit, sich mit Thomas Mann zu beschäftigten, der in diesem Jahr seinen hundertfünfzigsten Geburtstag gefeiert hätte.

Veröffentlicht am 12.01.2026

Aus heiterem Himmel

Season Sisters – Winterhoffnung
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Schon seit Jahren arbeitet Winter Season als erfolgreiche Anwältin in New York. Ihr Verlobter ist in derselben Kanzlei wie sie. Mehr als überrascht ist Winter über die Nachricht, dass sie in England ein ...

Schon seit Jahren arbeitet Winter Season als erfolgreiche Anwältin in New York. Ihr Verlobter ist in derselben Kanzlei wie sie. Mehr als überrascht ist Winter über die Nachricht, dass sie in England ein Herrenhaus geerbt hat. Wie kommt sie dazu? Ihre Großeltern väterlicherseits hat sie nie gekannt. Die Eltern haben überhaupt nie über die Vergangenheit gesprochen. Und nun soll ausgerechnet Winter die Erbin sein? Neugierig reist Winter nach England, um sich das Erbe anzusehen. Sie stellt fest, dass das Haus zwar Charme ausstrahlt, aber auch einige Dinge nicht so einfach zu erklären sind.

Dies ist der vierte Teil über die Season Sisters. So langsam haben die Schwestern alle Geheimnisse um die Vergangenheit aufgedeckt. Nun geht es um Whiteball Hall und seine Geschichte. Warum hat ihr Vater nie etwas darüber erzählt, dass er ein Baronet ist und ih diesem Herrenaus groß wurde. Bei ihren Besichtigungen des Hauses kommt Winter einer Sache auf die Spur, die das Verhalten ihres Vaters erklären könnten. Den hochfliegenden Plänen ihres Verlobten kommt dies jedoch nicht entgegen.

Dieses Hörbuch wird sehr lebendig vorgetragen von Simone Terbrack. Wie nach der Lektüre der anderen Romane der Reihe ist die Handlung auf zwei Zeitebenen angesiedelt. In der Gegenwart erhält Winter aus heiterem Himmel die Nachricht von diesem Erbe. Aus den Berichten der Vergangenheit ist etwas über Whiteball Hall und seine Geheimnisse zu erfahren. Diesmal entspinnt sich eine interessante Geschichte, über die man leider nicht allzu viel sagen kann, denn das würde ja die Überraschung verderben. Es sind dramatische Ereignisse, die sich zutragen und die Familie bis in die Gegenwart beeinflussen. Winters persönliche Entwicklung ist dagegen etwas vorhersehbar. Aber natürlich gönnt man ihr ihr eigenes Glück. Wie immer bleibt es Geschmacksache, doch dieser Titel der Reihe ist durchaus fesselnd.