Der Winter ist kalt - gerade in den Nordlanden
Die Chroniken von Wetherid II - Special EditionZwanzig Jahre sinder vergangen seit der Schlacht um Wetherid. Vrenli hat mittlerweile eine Familie gegründet und einen Sohn. Dennoch zögert er nicht, als seine alten Gefährten in seinem Dorf auftauchen ...
Zwanzig Jahre sinder vergangen seit der Schlacht um Wetherid. Vrenli hat mittlerweile eine Familie gegründet und einen Sohn. Dennoch zögert er nicht, als seine alten Gefährten in seinem Dorf auftauchen und ihm von einer neuen Gefahr erzählen. Der Magier Meister Drobal ruft die einstigen Gefährten wieder zusammen, damit sie sich auf eine gefährliche Reise begeben, denn Wetherid ist einmal mehr in Gefahr. Ein orkischer Schamane hat einen Dämon beschworen. Und betritt dieser Dämon ihre Welt, so wird er sie zerstören.
Vrenli und seine Gefährten ziehen einmal mehr aus, um die sieben Artefakte zu finden, die den Dämon aufhalten können. Und dieses Mal steht nicht nur Wetherid auf dem Spiel, sondern ihre gesamte Welt ...
Eines zu allererst: Vielen Dank an dieser Stelle an den Autoren und Verleger Christian Dölder, der mir das eBook zum ersten Teil des neuen Zyklusses zur Verfügung gestellt hat. Das war eine sehr große und freundliche Geste.
Zum Buch selbst:
Zwanzig Jahre sind nach den letzten Ereignissen bei Ib'Algir vergangen. Zwanzig Jahre, in denen die Gefährten sich nicht gesehen haben, sondern eigene Leben gelebt haben. Vrenli und Aarl haben mittlerweile Familien gegründet, Gorathdin ist verheiratet mit seiner Prinzessin, die ja am Ende des ersten Buches zur Königin gekrönt wurde, Borlix dient als Paladin seinem König und Werlis lebt weiterhin allein in seinem Haus in Abketh. Vrenli und er sind immer noch befreundet, und das ist so ziemlich alles, was wir über ihn erfahren.
Da ist ein kleiner Haken meinerseits. Ich hätte auch gern mehr über die unterschiedlichen Leben selbst erfahren. Aus der Handlung erfährt der Leser, dass Gorathdin wohl in die Staatsgeschäfte involviert ist, wenn auch nicht wie stark. Borlix ist der oberste Paladin, braucht sich aber nicht an deren Gesetze zu halten - warum? Aarl hat eine Familie gegründet, doch er berichtet so gut wie nie über sie. Ein bisschen mehr Details hätte die Leben deutlicher gefüllt und man hätte am Anfang nicht das Gefühl, sie seien alle außer Vrenli für zwanzig Jahre auf Eis gelegen. Aber das Mosern auf hohem Niveau.
Die Reise führt die Gefährten, außer Meister Drobal, in die Nordlande, wo auch der überwiegende Teil der Handlung spielt. Dölder hat sich hier von den tatsächlichen Nordmännern (oder Wikingern) inspirieren lassen, das spürt man deutlich. Und das ist auch nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Ich fand es erfrischend, diese Zivilisation zu betrachten und über sie zu lesen. Die Beschreibungen der Eiswüsten des Nordlands waren dazu sehr gut. Wäre es nicht gerade ohnehin unter Null, wo ich lebe, ich glaube, an der einen oder anderen Stelle hätte ich allein der Beschreibungen wegen fleißig mit gezittert.
Was Dölder, wie bereits in Teil 2 erwähnt, dieses Mal anders macht ist die Bescheibung dessen, was auf der Gegnerseite passiert. Der Leser ist dabei, wenn die unheilige Allianz geschmiedet wird, man sieht, wie der Dämon beginnt, die Anführer der Völker zu manipulieren, was immer von Erfolg gekrönt wird, zumindest bei den Teilen, die hier erwähnt werden in diesem Band. Ich persönlich finde diesen Blick auf die Seite des "Bösen" als sehr interessant und eine zusätzliche Würze des Romans. Als Leser weiß man stellenweise mehr als die Protagonisten, ob gut oder böse, was einen mehr einbindet in die Handlung. Sehr gute Lösung!
Der Mord an Georathdins Frau ... Ich verstehe jetzt den Hintergrund mehr als im zweiten Roman der Reihe, empfinde ihn aber weiterhin als sinnlos. Sicher, dadurch wird eine Kette von Ereignissen möglich, die ohne ihn nicht passiert wären - oder wären sie nicht? Es wird erwähnt, dass sie nicht den sicheren Stand als Königin hatte, den sie erhoffte. Sie wird von einem ihrer Fürsten massiv unter Druck gesetzt vor ihrem Tod. Nach dem Mord kräht kein Hahn mehr wegen des Embargo, was mich doch verwundert hat. Statt dessen streitet sich der Kronrat wegen der Nachfolge, was soweit geht, dass Beweise gefälscht werden. Uff, da geht's wirklich zur Sache.
In den Nordlanden treffen die Gefährten derweil auf Thorgar, der sich ihnen anschließt. Ich beginne zu begreifen, was sie Zahl sieben für eine Rolle spielt in dieser Queste.
Was mir sehr gut gefiel war die Tatsache, dass nicht mehr alles auf Anhieb klappte wie im ersten Band der Chroniken. Die Gefährten müssen sich in Rätseln versuchen, die nicht einfach sind (okay, beim zweiten wäre ich tatsächlich selbst nicht auf die Lösung gekommen), sie müssen Türen und Tore knacken, was auch nicht immer gelingt. Das war gut gelöst und sehr viel glaubhafter als in Band 1 der Chroniken.
Was mir auch sehr gut gefiel war die Freundschaft zwischen Aarl und Borlix. Sie necken sich immer wieder gern, aber am Ende bleiben sie gute Freunde, das war eine schöne Sicht auf diese Chraktere. Wollen wir hoffen, dass sie dieses Mal auch in Kontakt bleiben, denn gemeinsam haben die beiden wirklich gute Chemie, was zu einem hohen Schmunzelfaktor beim Lesen führt, lässt man sie los. Auch gut gefallen hat mir Werlis, der, vermutlich unbewusst, noch immer mit dem Verlust seines Armes hadert, gleichzeitig aber auch ein wertvolles Mitglied der Gruppe ist. Dass er angeschubst werden muss, um seinen eigenen Wert zu erkennen, fand ich sehr gut.
Alles in allem bleibt ein sehr unterhaltsamer Roman, der Lust auf mehr macht. Besser durchgereift als die ersten Chroniken, und, wie wir ja bereits wissen, mit einem würdigen Nachfolger sind die "Hüter der sieben Artefakte" wirklich ein High Fantasy Ereignis, dass es mehr als nur verdient, eine breite Leserschaft zu finden.