Wunderbar böse
Der Rache GlanzWenn ich von einer souveränen Leserin und um Objektivität bemühten Rezensentin zur sensationslüsternen, nach Gossip gierenden Hyäne werde – dann liegt das an Maud Venturas großartigem Roman „Der Rache ...
Wenn ich von einer souveränen Leserin und um Objektivität bemühten Rezensentin zur sensationslüsternen, nach Gossip gierenden Hyäne werde – dann liegt das an Maud Venturas großartigem Roman „Der Rache Glanz“.
Die Story ist rasch zusammengefasst: Von Kindesbeinen an verfolgt Cléo nur ein einziges Ziel: berühmt zu werden. Und sie ist nicht nur bereit, alles dafür zu tun – sie tut es auch. Egal, um welchen Preis. Egal, wer dabei auf der Strecke bleibt. Und der Erfolg gibt ihr fatalerweise recht – und das ist, wie die Ich-Erzählerin Cléo freimütig einräumt, „das Beste und das Schlimmste, was einer Narzisstin passieren kann“.
Und damit sind wir auch schon beim Kern der Genialität dieses Romans: Mit Cléo hat die Autorin eine hinreißend unsympathische Protagonistin geschaffen, die aus ihrem Egoismus, ihrer Eitelkeit und ihrem erbarmungslosen Aufstiegswillen keinen Hehl macht. Dass ihre Persönlichkeit sich dabei zusehends aufspaltet in ein Öffentlichkeits- und ein privates Ich, dass sie diejenigen vor sich respektiert und jene hinter sich ignoriert, dass selbst der größte Erfolg nie genug ist und sie nach immer mehr verlangt – nun ja, so ist das halt auf dem Olymp, nicht wahr?
Und da alle Ereignisse aus Cléos ganz persönlicher Sicht geschildert werden, konnte ich gar nicht anders, als mich von Zeile zu Zeile immer mehr auf die Seite dieses moralisch verkommenen, egozentrischen Biests zu schlagen – ein erzählerisch grandioser Kniff, der bei mir voll aufging … vom verblüffenden Ende ganz zu schweigen.
Fazit: Ein wunderbar böser Roman, der den ausufernden Starkult mit skalpellscharfer Klinge seziert. Für mich ein Highlight!