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Veröffentlicht am 17.01.2026

Tragisch und wunderschön

Das Geschenk des Meeres
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Es ist Winter in Schottland des Jahres 1900, ein kleiner Junge wird an die Küste des kleinen Fischerdorfes Skerry gespült. Dorothy nimmt das Kind bei sich auf, das eine unheimliche Ähnlichkeit mit ihrem ...

Es ist Winter in Schottland des Jahres 1900, ein kleiner Junge wird an die Küste des kleinen Fischerdorfes Skerry gespült. Dorothy nimmt das Kind bei sich auf, das eine unheimliche Ähnlichkeit mit ihrem Sohn aufweist. Ihrem Sohn, der vor Jahren in einer stürmischen Nacht im Meer verschwand. Niemand weiß, was damals passiert ist, aber alle tuscheln hinter vorgehaltener Hand, besonders über Dorothy und Joseph, der so viel für sie empfand.

»Nachdem er gegangen ist, sinkt sie tiefer in ihren Sessel und legt die Hände fest um ihre Teetasse, um das Zittern zu unterdrücken, denn die Vergangenheit steht wieder vor der Tür, hämmert drängend gegen das Holz und versucht hereinzukommen.« (Seite 76)

Im Wechsel zwischen Jetzt und Damals erzählt Julia R. Kelly eine Geschichte, die schöner, tragischer und trauriger könnte nicht sein. Hierbei lässt sie anfangs vieles weg, das sie erst langsam verrät, dadurch wird das Buch spannender, als ich es erwartet hätte. Eine junge Frau kommt voller Hoffnung und Zuversicht ins Dorf, die Gemeinschaft empfängt sie, aber anders als erwartet. Es wird getuschelt, es gibt Tratsch und Klatsch, Gerüchte entstehen, auf Hoffnung folgt Streit. Liebe kommt auf leisen Sohlen, wird im Keim erstickt, es gibt Scham, Lügen und sowas wie ein Happy End, das schnell ins Gegenteil umschlägt, aber etwas bleibt. Es folgt ein Drama, das anhält, bis das Meer etwas gibt, das anders ist, als es scheint.

Dieses Buch ist der wunderbarste und berührendste Roman, den ich in der letzten Zeit lesen durfte. Ganz unschuldig fing er an, dann entfaltete er eine Wucht, der ich mich nicht entziehen konnte, ich legte ihn irgendwann einfach nicht mehr aus der Hand. Drama, Tragödie, eine Prise Krimi, eine Liebesgeschichte und ein Familienroman, all dies vereint in einer Story, die mich tief bewegt und berührt hat. Die Autorin überraschte mich immer wieder mit Wendungen und Enthüllungen, die ich nicht kommen sah. Ich bangte und fühlte, litt und weinte, lächelte und schmunzelte, war entsetzt und wütend, wünschte und hoffte - es war wirklich wunderbar. Ein Herzensbuch und ein Jahreshighlight!

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Vom Loslassen und Festhalten

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen versteckt sich in der Schublade einer Kommode vor russischen Soldaten. Die Malerin Wilma, die ihr dabei geholfen hat, nimmt das junge Waisenmädchen bei sich auf. ...

Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen versteckt sich in der Schublade einer Kommode vor russischen Soldaten. Die Malerin Wilma, die ihr dabei geholfen hat, nimmt das junge Waisenmädchen bei sich auf. In ihrem Versteck findet Marlen ein Porträt, das sie an sich nimmt. Jahrzehnte später, Berlin 2023: Hannah Borowski wird plötzlich und unerwartet von ihrem Vater kontaktiert, den sie nicht kennt. Angeblich haben Hannahs Mutter und Großmutter das so gewollt.

Nach »Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid« und »Bei euch ist es immer so unheimlich still« legt Alena Schröder mit dem vorliegenden Buch, das wieder einen ungewöhnlichen Titel trägt, den Abschluss ihrer Trilogie vor. Ich kenne das erste Buch nicht, bin in der Mitte eingestiegen und habe nun mit dem Ende weitergemacht. Wenn man sich die Klappentexte anschaut, könnte es egal sein, in welcher Reihenfolge man die Bücher liest, ich hatte jedenfalls beim Lesen des mittleren Teils nicht das Gefühl, dass mir Informationen fehlen, was hier ebenfalls nicht der Fall war. Ich kann nicht sagen, ob es ratsam gewesen wäre, vor dem Abschluss das erste Buch zu kennen, schließlich zieht sich die Geschichte des auch hier thematisierten Bildes durch alle drei Bände.

Wie bereits der zweite Teil, lässt auch dieser Roman mich nach dem Lesen restlos begeistert zurück. Auf zwei Zeitebenen und mittels verschiedener Perspektiven führt die Autorin durch die Geschichte und lässt mich durch kleine Hinweise Dinge wissen, die ihren Figuren verschlossen bleiben. Dies führt zu einer gewissen Intimität, die mich berührt und manches mal ein Taschentuch brauchen lässt. Die komplexe Geschichte und der feine Humor ergänzen sich wunderbar und hinterlassen fast ein Gefühl der Leere, als das Buch ausgelesen ist. Großartig!

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Höllisch gut!

The Puppet Master
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Der Selbstmord eines Mannes gibt DCI Cara Elliot Rätsel auf, die Umstände scheinen mehr als verdächtig. Als ein weiterer Selbstmord hinzukommt, werden sie und ihre Mitarbeiter stutzig, die ersten Ergebnisse ...

Der Selbstmord eines Mannes gibt DCI Cara Elliot Rätsel auf, die Umstände scheinen mehr als verdächtig. Als ein weiterer Selbstmord hinzukommt, werden sie und ihre Mitarbeiter stutzig, die ersten Ergebnisse der Ermittlungen geben ihnen recht. Das Team der Major Crimes Unit arbeitet fieberhaft, kann den nächsten Todesfall aber nicht verhindern. Anscheinend ist ein Serienmörder am Werk und er ist noch lange nicht fertig.

»Als Mordermittler bekommt man im Leben vielleicht einen Serienmörder - und sie hat jetzt schon zwei. Drei, wenn man die Geschehnisse vom letzten Jahr dazuzählt, wobei sie die Ermittlungen nicht geleitet hat.« (Seite 131)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Major Crimes Unit-Reihe, die bedauerlicherweise bisher nicht vollständig übersetzt worden ist. Der erste Band »The Echo Man« erscheint hierzulande im Herbst 2026, worüber ich mich nun leider nur mäßig freuen kann, denn im vorliegenden Buch wurden nicht nur Einzelheiten der Ermittlung gespoilert, sondern auch verraten, wer die Täterperson war. Auch die Lösung des zweiten Falles wird thematisiert, allerdings in einem Nebensatz, sodass dies leicht übersehen werden kann. Wer auf unfassbar spannende, einfalls- und wendungsreiche, brutale Thriller mit interessanten Beteiligten steht, greift hier zu, fängt allerdings am besten direkt von vorne an, um sich nicht um das Vergnügen zu bringen, mitraten und mitfiebern zu können. Diese Buchreihe ist übrigens so phänomenal gut, dass ich die Neuerscheinung im Herbst lesen werde, obwohl ich weiß, wer die Täterperson gewesen ist.

War ich beim ersten Band begeistert, bin ich es hier nicht weniger. Der Thriller hat das perfekte Maß an Brutalität, die Todesfälle sind ungewöhnlich und die Ermittlung spannend. Die privaten Beziehungen der beteiligten Personen ergänzen das Gesamtbild, auch hier hat die Autorin es perfekt umgesetzt, nicht zu übertreiben, was persönliche Dinge angeht. Das hohe Level an Spannung konnte bis zur letzten Seite gehalten werden und eine kleine Anmerkung in der Danksagung lässt mein Herz höher schlagen, wenn ich an die Fortsetzung denke, die dringend auf die Übersetzung wartet und Großes verspricht. Ich freue mich drauf!

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Chronik eines Verrats

Die Verlorene
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Als Lauras Großmutter Änne nach einem Sturz bewusstlos im Krankenhaus liegt, fällt ihr auf, dass sie so gut wie nichts über Änne weiß, obwohl diese oft von ihrer Kindheit während der Kriegsjahre in Schlesien ...

Als Lauras Großmutter Änne nach einem Sturz bewusstlos im Krankenhaus liegt, fällt ihr auf, dass sie so gut wie nichts über Änne weiß, obwohl diese oft von ihrer Kindheit während der Kriegsjahre in Schlesien erzählt hat. Trotz Einwände ihrer Mutter fährt Laura nach Polen, um den ehemaligen Gutshof der Familie zu suchen und mehr über die Vergangenheit zu erfahren. Dabei findet sie Unglaubliches heraus.

»Sie war stur, manchmal so mürrisch, dass man nicht mehr mit ihr reden konnte, meistens aber auf ruhige Art fröhlich, sie lachte nie laut, sondern gluckste immer nur leise vor sich hin. Sie war gutmütig und freundlich, eine Großmutter wie alle Großmütter. Laura hatte ihr Früher nicht wahrgenommen.« (Seite 185)

Meine Großmutter lebte in Schlesien, weder als Kind, noch später als Erwachsene war mir klar, was das bedeutet. Auch verstand ich nicht, warum in ihrem Haus eine alte Frau wohnte, die von allen nur verächtlich »Niemka«, was auf Polnisch deutsche Frau heißt, geschimpft wurde und über die allerhand gruselige Geschichten erzählt wurden, die selbstverständlich alle erfunden waren, wie mir meine Oma dann irgendwann verriet. Daran erinnerte ich mich beim Lesen sowie insbesondere an ein schwarzweißes Foto, das meine Oma wie einen Schatz gehütet hat, auf dem ein junger Mann zu sehen war in einer Uniform. Es war nicht mein Großvater auf dem Bild und obwohl meine Oma mir nie verraten hat, was es mit dieser Fotografie auf sich hat, wusste ich trotzdem schon damals mit Bestimmtheit, dass sie ihn geliebt hat, diesen unbekannten Mann auf dem Bild. Auch im vorliegenden Buch fängt alles mit einem Foto an, das zu Spekulationen und Fragen führt sowie dazu, dass Laura sich auf den Weg macht, um mehr über die Geschichte ihrer Familie herauszufinden.

Mit diesem Buch habe ich mein erstes Jahreshighlight für dieses Jahr gefunden. Dieses Buch ist Drama, Tragödie, Bericht über Kriegstraumata, Familiengeschichte und eine Prise Krimi in einem. Auch wenn es zu Beginn wegen der Zeitsprünge sowie der vorgestellten Personen für mich ein bisschen verwirrend war, entfaltete es bald einen Sog, dem ich mich bis zuletzt nicht entziehen konnte. In kleinen Schritten verriet die Autorin, was damals geschehen ist, sie füllte die Seiten mit Fiktion, die so nah an der seinerzeitigen Realität lag, dass es wehtat, manche Stellen zu lesen. Auf oberflächliche Effekthascherei wurde genauso verzichtet wie auf unnötige Beschreibungen von Gräueltaten, allerdings machte die Andeutung dieser das Grauen der damaligen Zeit nicht minder klein. Früh hatte ich einen Verdacht, den die Autorin aber kurz darauf zerstreuen konnte, wobei sich dieser letztendlich als zutreffend erwies, was dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch tat. Sogar auf den letzten Seiten konnte mich Miriam Georg mit Enthüllungen überraschen, ich klebte an den Seiten, wie eine Motte am Licht. Das sehr emotionale Finale ließ erneut die ein oder andere Träne fließen, und das Nachwort enthielt Informationen, die das Gelesene abgerundet haben. Große Leseempfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Sprachliche Eleganz

Kein Geld Kein Glück Kein Sprit
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»Er hatte so sehr gehofft, dass er irgendwie durchkommt, einfach sein Leben zu Ende leben darf. Wo er doch so gut wie keine Ansprüche stellt: Kein Sex, kein Fun, kein Geld, kein Alk. Nur rauchen und naschen ...

»Er hatte so sehr gehofft, dass er irgendwie durchkommt, einfach sein Leben zu Ende leben darf. Wo er doch so gut wie keine Ansprüche stellt: Kein Sex, kein Fun, kein Geld, kein Alk. Nur rauchen und naschen und Mezzomix. Und selbst das wird ihm jetzt gestrichen.« (Seite 73)

In dem vorliegenden Buch sind Kurzgeschichten versammelt, es sind welche dabei, wie das Leben sie schreibt, aber auch solche, die man sich nur ausdenken kann, wenn man eine sehr, sehr lebhafte Fantasie hat. Manche sind so kurz, gerade angefangen sind sie schon zu Ende, andere wiederum schaffen es, dass ich das Gefühl habe, ein halbes Leben sei vorbei, obwohl nur wenige Seiten hinter mir liegen. Gemeinsam haben alle einen großen Unterhaltungswert sowie den Umstand, dass ich anerkennen muss, wie gut Heinz Strunk mit der Sprache umgehen kann.

Heinz Strunk gibt den unterschiedlichsten Menschen eine Stimme, besonders den Verletzten, den Versehrten, den Kaputten und den Verzweifelten. Niemand wird verschont, er kennt keine Gnade. Virtuos jongliert er mit Wörtern und Sätzen, er verbindet, benennt und ordnet, dass es eine Freude ist. Für mich als Fan von Kurzgeschichten ist dieser Band ein Glücksgriff, aber auch bei einem Roman des Autors wäre ich ab sofort gerne dabei. Wer Ungewöhnliches mag, wird die Sammlung lieben. Lesenswert!

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