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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2026

Magisch warm und voller leiser Wunder

The Faraway Inn
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Diese Geschichte hat mich von Anfang an mit ihrer ruhigen warmen und gleichzeitig geheimnisvollen Atmosphäre abgeholt. Es ist eines dieser Bücher bei denen man sich einfach wohl fühlt und trotzdem immer ...

Diese Geschichte hat mich von Anfang an mit ihrer ruhigen warmen und gleichzeitig geheimnisvollen Atmosphäre abgeholt. Es ist eines dieser Bücher bei denen man sich einfach wohl fühlt und trotzdem immer wieder merkt dass unter der Oberfläche noch so viel mehr steckt. Die Handlung entwickelt sich zunächst eher sanft und gemütlich was ich als sehr angenehm empfunden habe. Mit der Zeit nimmt die Spannung aber leicht zu und genau dieser Wechsel fühlt sich sehr stimmig an ohne dass die Grundstimmung verloren geht.

Die Charaktere sind für mich das Herz der Geschichte. Calisa ist mir besonders ans Herz gewachsen weil sie einfach unglaublich lieb wirkt und eigentlich nur helfen möchte auch wenn sie selbst nicht ganz ohne eigene Motive ist. Gerade ihre Art sich vieles schön zu reden macht sie sehr menschlich und nahbar. Jack wirkt oft so als würde er mehr wissen als er sagt was ihn geheimnisvoll macht aber gleichzeitig sind die Gespräche zwischen ihm und Calisa total ungezwungen. Es fühlt sich wirklich so an als würden sich zwei Menschen ganz natürlich kennenlernen und langsam Vertrauen aufbauen.

Auch die Nebenfiguren bleiben im Gedächtnis. Tante Zee ist sehr stur und man merkt sofort dass sie ihre ganz eigene Art hat mit Dingen umzugehen. Mulligan wirkt durch seine Art und die kleinen Gesten unglaublich sympathisch und fast schon ein bisschen niedlich. Melidor finde ich besonders spannend da sie eine ganz eigene Verbindung zur Welt um sich herum zu haben scheint auch wenn man noch nicht alles sofort versteht. Genau das macht sie aber umso interessanter.

Die Beziehungen zwischen den Figuren sind sehr schön ausgearbeitet. Besonders die Entwicklung zwischen Calisa und Jack fühlt sich natürlich und ruhig an. Es gibt keine überstürzten Momente sondern einen sanften Übergang der perfekt zur Atmosphäre des Buches passt. Auch die familiären Verbindungen spielen eine wichtige Rolle und sorgen für emotionale Tiefe.

Das World Building ist für mich eines der absoluten Highlights. Die Welt steckt voller kleiner Details die einen immer wieder zum Lächeln bringen. Dinge die sich wie von selbst bewegen unerwartete magische Momente und Orte die mehr sind als sie auf den ersten Blick scheinen schaffen eine ganz besondere Stimmung. Man hat das Gefühl dass hinter jeder Ecke noch ein Geheimnis wartet. Gleichzeitig bleibt vieles bewusst offen was die Neugier steigert und die Welt noch faszinierender macht.

Der Schreibstil ist sehr bildlich und angenehm zu lesen. Er schafft es eine warme fast märchenhafte Atmosphäre zu erzeugen ohne dabei kitschig zu wirken. Die ruhigen Momente bekommen genug Raum und die emotionalen Szenen treffen genau den richtigen Ton.

Insgesamt ist es ein wunderschönes Buch das durch seine liebevollen Details seine besonderen Figuren und seine stimmungsvolle Welt überzeugt. Es ist gemütlich und gleichzeitig spannend und hinterlässt einfach ein gutes Gefühl beim Lesen.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.02.2026

Vertrauenssache

Dire Bound
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Erste Eindrücke und Erwartungshaltung



Schon früh hatte ich das Gefühl dass dieses Buch anders funktioniert als erwartet. Bestimmte Entwicklungen kommen deutlich früher als man es vielleicht aus ähnlichen ...

Erste Eindrücke und Erwartungshaltung



Schon früh hatte ich das Gefühl dass dieses Buch anders funktioniert als erwartet. Bestimmte Entwicklungen kommen deutlich früher als man es vielleicht aus ähnlichen Geschichten kennt und genau das hat mich überrascht. Ich hatte mit anderen Schwerpunkten gerechnet mit mehr Vorbereitung und einem langsameren Aufbau. Stattdessen wird man relativ schnell mitten ins Geschehen geworfen was zunächst irritierend war mich dann aber neugierig gemacht hat.



Besonders angenehm fand ich dass ich den Klappentext nicht mehr präsent hatte. Dadurch bin ich komplett unvoreingenommen an viele Wendungen herangegangen und konnte mich stärker auf meine eigenen Eindrücke verlassen statt auf Erwartungen.







Charaktere



Die Figuren sind für mich ganz klar das Herz des Buches.

Die Hauptfigur ist eine Kämpferin im wahrsten Sinne des Wortes und nicht nur körperlich. Sie ist intelligent aufmerksam und handelt oft taktisch. Gleichzeitig hatte ich immer wieder Momente in denen ich mich gefragt habe wie lange bestimmte Strategien wirklich funktionieren können. Gerade das wiederholte Unterschätzen durch andere wirkte stellenweise etwas zu reibungslos. Trotzdem mochte ich sehr dass sie ihr Wissen weitergibt und andere stärkt statt allein zu glänzen.



Emotional fand ich sie sehr greifbar. Sie ist keine einfache Person sie verschließt sich schnell trifft Entscheidungen allein und trägt vieles mit sich selbst aus. Genau das sorgt aber auch für Konflikte die sich glaubwürdig anfühlen.



Besonders positiv hervorheben möchte ich eine der zentralen Nebenfiguren die ich von Anfang an als extrem sympathisch empfunden habe. Seine Handlungen wirken aufrichtig warm und von echter Zuneigung getragen. Gerade kleine Gesten sagen hier sehr viel aus und haben mich emotional stark berührt. Gleichzeitig blieb bei ihm immer ein Rest Unsicherheit zurück den ich sehr spannend fand.



Andere Figuren haben bei mir bewusst Misstrauen ausgelöst und das nicht auf eine platte Art. Vielmehr hatte ich konstant das Gefühl dass nicht alles offen ausgesprochen wird und dass manche Motive im Verborgenen liegen. Dieses Unbehagen hat sich durch das ganze Buch gezogen.







Beziehungen und Dynamiken



Was mir besonders gefallen hat ist dass die Geschichte nicht auf klassische Gegnerschaft setzt. Stattdessen stehen Nähe Vertrauen und Geheimnisse im Mittelpunkt. Beziehungen sind nicht einfach oder eindeutig sondern kompliziert emotional und manchmal schmerzhaft.



Konflikte entstehen weniger durch offene Feindschaft sondern durch Verschweigen fehlende Kommunikation und gut gemeinte Entscheidungen die andere ausschließen. Gerade das hat mich oft frustriert aber auf eine Weise die zeigt dass es gut geschrieben ist. Ich konnte den Ärger der Figuren verstehen auch wenn ich mir als Leserin andere Entscheidungen gewünscht hätte.



Besonders eindrücklich fand ich wie verletzend es sein kann wenn man ausgeschlossen wird selbst wenn es aus Schutz geschieht. Diese emotionalen Konsequenzen werden nicht klein geredet sondern ernst genommen.







World Building



Die Welt entfaltet sich eher leise als spektakulär. Vieles wird angedeutet statt erklärt was dazu führt dass man ständig über Hintergründe nachdenkt. Familienlinien alte Geschichten und unausgesprochene Regeln spielen eine große Rolle und lassen vermuten dass mehr dahintersteckt als zunächst sichtbar ist.



Gerade bestimmte Symbole und Gegenstände wirkten für mich von Anfang an bedeutungsvoll auch wenn ihre Tragweite erst nach und nach klar wird. Ich hatte permanent das Gefühl dass Vergangenheit und Herkunft eine viel größere Rolle spielen als die Figuren selbst vielleicht ahnen.







Handlung und Spannung



Die Handlung lebt stark von Atmosphäre und unterschwelliger Bedrohung. Es gibt immer wieder Momente in denen man sich fragt wem man trauen kann und ob das was gesagt wird wirklich die ganze Wahrheit ist. Dieses Gefühl hat mich konstant begleitet.



Im letzten Teil verdichten sich viele dieser Fragen und ich hatte das Gefühl dass plötzlich sehr viel Sinn ergibt und gleichzeitig neue Unsicherheiten entstehen. Besonders einige Enthüllungen haben meinen Blick auf vorherige Ereignisse stark verändert ohne sich wie ein billiger Twist anzufühlen.



Das Ende war emotional hart für mich. Nicht weil es übertrieben dramatisch war sondern weil es Konsequenzen zeigt und nicht davor zurückschreckt Dinge geschehen zu lassen die weh tun.







Schreibstil und Perspektive



Der Schreibstil ist ruhig emotional und stellenweise sehr intensiv. Er lässt viel Raum für Gedanken Gefühle und innere Konflikte. Die Perspektive sorgt dafür dass man oft genauso wenig weiß wie die Hauptfigur was Nähe schafft aber auch Frust auslösen kann.



Gerade dieses Nichtwissen ist jedoch Teil der Erfahrung. Man zweifelt mit den Figuren leidet mit ihnen und stellt ständig neue Theorien auf.







Fazit



Dire Bound ist ein Buch das viele Fragen aufwirft und nicht sofort Antworten liefert. Es lebt von seinen Figuren ihren Beziehungen und der permanenten Unsicherheit. Nicht alles hat mich restlos überzeugt und manches hat mich bewusst geärgert aber genau das zeigt wie sehr mich die Geschichte gepackt hat.



Ich habe mitgefiebert gezweifelt gehofft und mich immer wieder gefragt wem man wirklich trauen kann. Für mich ein intensives Leseerlebnis das lange nachwirkt und definitiv im Kopf bleibt.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Wer lügt?

Heir of Illusion
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Kurzmeinung: Diese Buch hat mich mehr überrascht als erwartet, wer denkt er hat die Handlung nach 100 Seiten durchschaut, der irrt sich
We lügt ?
Handlung

Hair of Illusion ist eine düstere Fantasygeschichte, ...

Kurzmeinung: Diese Buch hat mich mehr überrascht als erwartet, wer denkt er hat die Handlung nach 100 Seiten durchschaut, der irrt sich
We lügt ?
Handlung

Hair of Illusion ist eine düstere Fantasygeschichte, die sich um Macht, Kontrolle, Identität und Freiheit dreht. Im Mittelpunkt steht eine Protagonistin, die in einem System gefangen ist, das sie benutzt und formt, während sie gleichzeitig versucht, ihre Menschlichkeit zu bewahren. Die Handlung startet vergleichsweise direkt, baut schnell Spannung auf und hält diese auch über längere Strecken. Es gibt viele Geheimnisse, Andeutungen und unausgesprochene Wahrheiten, die sich nach und nach zusammensetzen.

Manches wirkt zunächst vorhersehbar, doch genau darin liegt eine gewisse Sicherheit für die Lesenden. Diese Sicherheit wird später bewusst untergraben, wodurch Wendungen umso stärker wirken. Die Geschichte spielt viel mit Erwartungshaltungen und führt sie teilweise gezielt in die Irre.



Charaktere

Die große Stärke des Buches liegt ganz klar in seinen Figuren. Kaum jemand ist eindeutig gut oder böse, vieles bewegt sich in moralischen Grauzonen.



Ivy

Ivy ist eine sehr emotionale, tiefgründige Hauptfigur. Sie ist nicht so hart und abgebrüht, wie sie nach außen wirkt. Sie hat Gewissen, Schuldgefühle und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Besonders berührend ist, dass es ihr leid tut, Menschen zu töten, selbst wenn sie glaubt, keine andere Wahl zu haben. Sie versucht immer wieder, kleine Schlupflöcher zu nutzen, um anderen zumindest ein Stück Würde oder Gnade zu lassen.

Ihre innere Zerrissenheit, ihre Abhängigkeit von Machtstrukturen und ihr Wunsch nach Freiheit machen sie extrem greifbar. Ivy ist keine klassische Heldin, sondern eine Überlebende.



Thorne

Thorne ist lange Zeit schwer zu durchschauen. Er wirkt kühl, distanziert und geheimnisvoll, zeigt aber immer wieder Momente von echter Sorge und Mitgefühl. Seine Beziehung zu Ivy ist komplex, unausgesprochen und voller Spannungen. Er beschützt sie, hält gleichzeitig Abstand und bleibt emotional widersprüchlich. Genau diese Ambivalenz macht ihn so interessant.



Der König

Der König ist eine zutiefst unangenehme Figur. Seine Macht basiert auf Kontrolle, Manipulation und emotionaler Abhängigkeit. Besonders verstörend ist die Dynamik zwischen ihm und Ivy, die rückblickend immer mehr Fragen aufwirft und ein sehr beklemmendes Gefühl hinterlässt. Er verkörpert perfekt das Thema Machtmissbrauch.



Della

Della ist eine Figur, die viel Einfluss im Hintergrund ausübt. Ihre Loyalitäten sind nicht immer eindeutig und sie wirkt berechnend, aber nicht eindimensional. Ihre Verbindung zu anderen Figuren sorgt zeitweise für Verwirrung, was jedoch eher der Komplexität der Welt geschuldet ist als schlechtem Schreiben.



Leona

Leona ist eine Figur, die eher indirekt präsent ist, aber dennoch Bedeutung hat. Ihre Beziehung zu anderen Charakteren trägt zur politischen und familiären Verstrickung der Geschichte bei.



Remy

Remy wirkt zunächst wie eine Vertrauensperson. Seine Rolle ist ruhig, unterstützend und bodenständig. Gerade im Kontrast zu den vielen Machtspielen stellt er eine Art Stabilität dar.



Calum

Calum bringt eine überraschend warme, fast süße Note in die Geschichte. Seine Handlung zeigt, wie groß Ivys Herz wirklich ist und dass sie nicht nur um ihr eigenes Überleben kämpft, sondern sich auch um andere sorgt.



Lynal

Lynal ist eindeutig unsympathisch und moralisch fragwürdig. Auch wenn man früh merkt, dass er kein guter Mensch ist, bleibt zunächst offen, wie schwer seine Taten wirklich wiegen.



Griffin

Griffin ist ein spannender Nebencharakter, dessen Verbindung zu Thorne neugierig macht. Er wirkt kompetent, geheimnisvoll und trägt zur Tiefe der mythologischen Ebene bei.



Darrow

Darrow fungiert als Wissensquelle und öffnet den Blick auf alte Legenden, Mythen und Wahrheiten. Seine Aussagen geben der Geschichte zusätzliche Bedeutung und regen stark zum Theoretisieren an.



Worldbuilding

Das Worldbuilding ist düster, atmosphärisch und sehr bildhaft. Besonders unterirdische Orte, alte Tunnel, Gewölbe und vergessene Strukturen sind eindrucksvoll beschrieben. Magie wirkt nicht alltäglich, sondern gefährlich, verlockend und geheimnisvoll.

Mythologie, Götter und Artefakte sind tief in die Welt eingebettet und fühlen sich nicht wie bloße Hintergrunddekoration an. Viele Details erschließen sich erst nach und nach, was zwar gelegentlich verwirrend sein kann, aber auch den Reiz der Welt ausmacht.



Schreibstil

Der Schreibstil ist flüssig, emotional und sehr bildhaft. Beschreibungen sind detailliert, ohne zu überladen zu wirken. Besonders Gefühle, innere Konflikte und Spannungen zwischen Figuren werden gut transportiert. Dialoge wirken natürlich und tragen viel zur Charakterentwicklung bei.



Spannungsaufbau

Die Spannung baut sich kontinuierlich auf. Selbst ruhigere Passagen fühlen sich nie belanglos an, weil immer etwas Unausgesprochenes in der Luft liegt. Enthüllungen kommen in gut gesetzten Abständen und halten die Neugier konstant hoch.



Cover

Das Cover passt hervorragend zur Geschichte. Es wirkt mystisch, dunkel und bedeutungsvoll und spiegelt die Atmosphäre des Buches sehr gut wider.



Fazit

Hair of Illusion ist ein Fantasyroman, der mit Emotionen, moralischen Konflikten und Machtstrukturen spielt. Auch wenn manches zunächst vorhersehbar scheint, überrascht die Geschichte letztlich doch. Besonders die Charaktere tragen das Buch und machen es schwer, sich emotional zu distanzieren.

Ein spannender, atmosphärischer Auftakt, der viele Fragen aufwirft und definitiv Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 04.12.2025

Hinter Gittern

To Cage a Wild Bird
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To Cage a Bird liefert genau das, was man sich von einem düsteren, bedrückenden Sci-Fi-Setting erhofft: eine Welt, in der Menschlichkeit ein Luxus ist und in der die Dunkelheit nicht nur die Straßen, sondern ...

To Cage a Bird liefert genau das, was man sich von einem düsteren, bedrückenden Sci-Fi-Setting erhofft: eine Welt, in der Menschlichkeit ein Luxus ist und in der die Dunkelheit nicht nur die Straßen, sondern auch die Entscheidungen der Figuren überzieht. Die Atmosphäre ist kompromisslos schmutzig, grau und hoffnungslos überfüllt und genau dadurch unglaublich greifbar.

Eine Welt, die unter die Haut geht

Schon früh wird deutlich, wie grausam die sozialen Schichten aufgebaut sind und mit welchem Kalkül das System seine schwächsten Mitglieder kontrolliert. Besonders das Gefängnis-/Arenasetting, das später eine zentrale Rolle spielt, ist verstörend detailliert beschrieben. Es fühlt sich weniger wie eine Strafanstalt an und mehr wie ein menschlicher Zoo – ein Gedanke, der lange nachhallt.

Raven: eine Heldin im moralischen Zwiespalt

Raven ist eine beeindruckend vielschichtige Protagonistin.

Ihre Loyalität zu ihrem Bruder, die Last der Vergangenheit und ihr innerer Konflikt zwischen Pflicht und Schuld machen sie unglaublich greifbar. Sie ist verletzlich, aber hart. Fehlerhaft, aber zielstrebig. Was sie besonders authentisch macht: Sie trifft nicht immer die vernünftige Entscheidung aber immer eine menschliche.

Jet und das komplizierte Band zwischen Geschwistern

Ihr Bruder Jet bildet dazu einen starken Gegenpol: rebellisch, impulsiv, ideologisch und doch mit einem guten Herzen. Die Entwicklung ihrer Beziehung ist eines der stärksten emotionalen Elemente der Geschichte. Man spürt, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander ringen und wie beide auf ihre Weise versuchen, richtig zu handeln.

Vale die Figur, die alles komplizierter macht

Kaum eine Figur sorgt so für Spannung wie Vale.

Er bewegt sich konsequent auf der Grenze zwischen Vertrauen und Gefahr, und seine Loyalität ist nie eindeutig zu greifen. Sein Verhalten gegenüber Raven, seine widersprüchliche Herkunft und die zunehmende emotionale Spannung zwischen beide sorgen dafür, dass man jede gemeinsame Szene verschlingt. Besonders gelungen ist, wie der Roman ihre Anziehung andeutet, ohne sie sofort auszuspielen ein beständiges Knistern, begleitet von einer realen Gefahr, entdeckt zu werden.

Endlock: bedrückend, brutal und faszinierend

Der Mittelteil des Buches spielt in einem Setting, das man so schnell nicht vergisst.

Die Jagden, die Mechanismen der Überwachung und die beklemmende Struktur des Ortes sind erschreckend glaubwürdig. Immer wieder werden neue grausame „Features“ eingeführt, die den Druck erhöhen und zeigen, wie sehr Unterhaltung und Menschenverachtung ineinandergreifen.

Trotz aller Brutalität verliert das Buch nie die Charaktere aus den Augen. Freundschaften, Misstrauen, Zweckbündnisse und Verrat knüpfen sich innerhalb dieser Hölle und jede neue Dynamik trägt zum Sog der Geschichte bei.

Spannung, Wendungen und ein stetig wachsender Kloß im Hals

Der Roman steigert die Intensität stetig.

Allianzen entstehen und werden wieder erschüttert. Geheimnisse kommen ans Licht, die nicht nur persönliche Beziehungen, sondern ganze Pläne ins Wanken bringen. Besonders im letzten Drittel überschlagen sich Entwicklungen, die man zwar teilweise erahnt, die aber trotzdem treffen.



Es gibt emotionale Momente, bittere Verluste, schmerzhafte Entscheidungen und ein paar Szenen, bei denen man wütend das Buch drücken möchte. Und dennoch fühlt sich keine Wendung unfair an der Roman bleibt seinem düsteren Realismus treu.

Das Ende: nervenaufreibend, chaotisch, schmerzhaft und sehr passend

Ohne etwas zu verraten:

Der finale Abschnitt ist eine Achterbahnfahrt. Der Ausbruch, die letzten Hindernisse, der Wettlauf gegen die Zeit all das ist so spannend geschrieben, dass man kaum atmen kann. Und obwohl nicht alles glattgeht, ergibt das Ende vollkommen Sinn innerhalb der Logik des Buches. Man legt die letzte Seite mit pochendem Herzen und einer Mischung aus Trauer, Hoffnung und Verzweiflung beiseite.

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Grandioses Finale

Shifter Island - Der Geist des Magiers
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Ich muss sagen, auch wenn ich beim zweiten Band ein bisschen Angst hatte, dass Rage keine so große Rolle mehr spielen würde – gerade weil er Nai nicht zu den Hochmagiern begleiten durfte –, wurde ich positiv ...

Ich muss sagen, auch wenn ich beim zweiten Band ein bisschen Angst hatte, dass Rage keine so große Rolle mehr spielen würde – gerade weil er Nai nicht zu den Hochmagiern begleiten durfte –, wurde ich positiv überrascht. Er spielt weiterhin eine sehr relevante Rolle, insbesondere durch die vollendete Gedankenübertragung zwischen ihm und Nai (ohne zu viel vorwegzunehmen).



Alles, was mit den Hochmagiern zu tun hatte, war unglaublich interessant. Vor allem hat es noch einmal eine ganz neue Perspektive auf diese Welt und ihr gesamtes magisches Konstrukt eröffnet. Man hat sich vom Fokus auf kleine, einzelne Elemente hin zu einer riesigen Spannbreite an mächtigen magischen Kräften bewegt – es fühlte sich fast so an, als würde man ein ganz neues Buch lesen oder eine völlig neue Welt betreten.



Nais Entwicklung, insbesondere die ihrer Magie, war spektakulär. Diese gewaltige Macht, die sie in sich trägt, und wie sie lernt, damit umzugehen, war einfach schön mitzuverfolgen. Die Beziehung zu ihren Vorfahren – besonders zu ihrer Mutter – war herzzerreißend. Auch das Verhältnis zu ihrem Großvater war sehr berührend. Zunächst dachte Nai, ihre Familie sei klein, doch durch ihr Geisterelement, das ihr viel ermöglicht hat sie sich nicht nur emotional vergrößert. Zusammen mit ihrem Vater, den Harvest-Mädels sowie den Jungs ist ein schönes, großes Gefüge entstanden.



Auch Reyna war eine echte Bereicherung – sowohl als Schild als auch als Freundin. Ein starker, neuer Charakter, genauso wie ihre Tante und ihr Cousin, die ebenfalls frischen Wind in die Geschichte gebracht haben.



Die Sexszene hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht – zumindest nicht an dieser Stelle. Dadurch, dass sie offenbar “passieren musste”, wirkte sie eher hektisch und wenig gefühlvoll. An einer anderen Stelle hätte sie besser gepasst, denke ich.



Honor ist einer meiner liebsten Wölfe geworden. Auch wenn er nur in dieser Gestalt existieren kann, ist er loyal und aufrichtig – ein wahrer Freund und Beschützer. Sein Ende hat mich besonders berührt.



Dass neue Figuren, insbesondere die Blutmagier, dazukamen, fand ich sehr spannend. Sie haben der Geschichte noch einmal eine neue Ebene und zusätzliche Spannung verliehen. Gerade als man dachte, Nai müsse sich nur mit Kian und den Hochmagiern herumschlagen, tauchen diese Wesen auf und machen ihr das Leben zur Hölle.



Das Ende war wirklich stark – ein gelungener Plot und ein schöner Ausblick in die Zukunft. Ein runder, kraftvoller Abschluss dieser Geschichte.

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