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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2021

Große Liebe

Der große Sommer
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Frieder verbringt die Sommerferien bei seinen Großeltern, um für die Nachprüfungen zu lernen. Dies wird „Der große Sommer“ für ihn.
„Die Mittagessen, so viel war klar, würden in jedem Fall das Beste in ...

Frieder verbringt die Sommerferien bei seinen Großeltern, um für die Nachprüfungen zu lernen. Dies wird „Der große Sommer“ für ihn.
„Die Mittagessen, so viel war klar, würden in jedem Fall das Beste in den sechs Wochen gewesen sein. Plusquamperfekt im Essensbereich sozusagen.“ Darüber hinaus hat Frieder wegen des strengen Großvaters keine großen Erwartungen an seinen Aufenthalt. Doch da hat er die Rechnung ohne seine Freunde und das Mädchen aus dem Freibad gemacht.
Der Roman erzählt gleich mehrere Geschichten: die des etwa 15-jährigen Protagonisten, der neben Mathe und Latein, etwas über Verantwortung und Liebe lernt, die seiner Großeltern, die ihre eigene an ihn weitergeben und ein wenig auch die Deutschlands um das Jahr 1980.
Ich habe, in Anbetracht des jungen Alters der Hauptfiguren, nicht damit gerechnet, dass mich dieses Buch derart umhauen würde. Doch die bildhafte Sprache und die eindrucksvoll vermittelten Emotionen haben ihm den Weg auf die Liste meiner Lieblingsbücher geebnet.

Veröffentlicht am 18.01.2026

Mit sozialistischem Gruß

Deine Margot
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„Ich weiß, dass es eine Margot gab. Das war eine Person, die deinen Vater Erich nannte. Aber ich weiß nicht, wer das war. Und will es auch jetzt nicht wissen. Sei so gut, vernichte diese Briefe.“
Vilja ...

„Ich weiß, dass es eine Margot gab. Das war eine Person, die deinen Vater Erich nannte. Aber ich weiß nicht, wer das war. Und will es auch jetzt nicht wissen. Sei so gut, vernichte diese Briefe.“
Vilja hat „diese Briefe“ gefunden und beginnt, den Spuren jener Zeit nachzugehen, in der ihre finnische Familie in der DDR lebte. Sie will verstehen, welche Rolle sie in der Beziehung zwischen „Erich“ und „Margot“ spielte.
Die Puzzleteile fügen sich aus Episoden der Jahre zwischen 1983 und 2012 zusammen. Wie der Vater, der als Journalist tätig war, nimmt auch die Tochter die Recherche auf. Von Berlin aus sammelt und verknüpft sie die Aussagen ihrer Gesprächspartner, um der Wahrheit näherzukommen.
Es ist eine besondere Perspektive, die die Autorin mit ihren Figuren teilt: die von Ausländern aus einem westlichen Land, die sich bewusst auf ein Leben in der DDR einließen. Dadurch wirkt manches fremd oder verschoben, etwa wenn vom „Sandmännchen“ als „Abendmärchen“ die Rede ist, eine Bezeichnung, die wohl kaum jemand verwenden würde, der damit aufgewachsen ist.
Neben Einblicken in politische und gesellschaftliche Entwicklungen geht es um familiäre Strukturen, den Alltag mit Kinderkrankheiten und Haushalt - und darum, wie viel eine Familie aushält, wenn eine fremde Frau dazwischenkommt.
Mir hat es ausgesprochen gut gefallen, diese Reise in die Vergangenheit anzutreten. Es wurden Erinnerungen geweckt und zugleich um neue Aspekte ergänzt, etwa den wenig bekannten Blick auf Finnen in der DDR. Die Spurensuche ist spannend und authentisch erzählt, und genau darin liegt für mich der Reiz dieses Romans.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Frag doch!

50 Fragen, die das Leben leichter machen
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Karin Kuschik hat fünfzig Fragen zusammengestellt, die „das Leben leichter machen“ sollen. Das klingt vollmundig, fast zu schön, um wahr zu sein, und doch verlockend genug, um neugierig zu machen. Und ...

Karin Kuschik hat fünfzig Fragen zusammengestellt, die „das Leben leichter machen“ sollen. Das klingt vollmundig, fast zu schön, um wahr zu sein, und doch verlockend genug, um neugierig zu machen. Und tatsächlich sind sie beim Hören ihres Hörbuchs plötzlich da, die Erkenntnisse, wie sich festgefahrene Konstellationen entschärfen oder ganz neue Lösungswege für ein Problem finden lassen. Vieles wirkt dabei überraschend einfach.
Anhand eigener Erfahrungen und Coaching-Beispiele zeigt Kuschik, wie oft eine präzise, schlagfertige Frage der entscheidende Impuls ist, um klarer zu sehen. „Das Wunderbare ist: Die Qualität einer Frage bestimmt die Qualitat der Antwort. Schon mit unserer Formulierung nehmen wir also Einfluss aufs Geschehen“.
„War das ein Vorwurf oder Interesse?“, „Wie könntest du das Problem verschlimmern?“ oder „Wäre heute ein guter Tag, um zu sterben?“ - das ist keine Raketenwissenschaft, und doch wird in den geschilderten Situationen deutlich, wie sehr solche Perspektivwechsel einen Unterschied machen können - im Umgang mit anderen ebenso wie mit sich selbst.
Kuschik begegnet uns verständnisvoll und menschlich und versprüht dabei eine Energie, die ansteckend ist. Bleibt zu hoffen, dass sich die richtigen Fragen im entscheidenden Moment auch spontan abrufen lassen.

Veröffentlicht am 07.12.2025

Heiter bis wolkig

Wie fühlst du dich?
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In Anbetracht von Pandemien, Klimawandel oder Krieg fällt es manchmal schwer, nicht den Kopf zu verlieren, „… denn es gibt kein Gefühl auf der Welt, das der Mensch schlechter erträgt als Ohnmacht, den ...

In Anbetracht von Pandemien, Klimawandel oder Krieg fällt es manchmal schwer, nicht den Kopf zu verlieren, „… denn es gibt kein Gefühl auf der Welt, das der Mensch schlechter erträgt als Ohnmacht, den Verlust von Kontrolle“. Also stellen wir uns gemeinsam mit Axel Hacke die Frage, wie es uns damit geht, jetzt in dieser Welt zu leben.
Daraus entwickelt der Autor ein ganzes Buch, schließlich wollen die unterschiedlichen Aspekte der Dilemmata und mögliche Bewältigungsstrategien sorgfältig beleuchtet werden. Entstanden ist eine Mischung aus Fakten und Empfindungen, aus fremden und eigenen Episoden, die ebenso gut kurzweilig unterhalten wie als Denkanstoß nachwirken können.
Mir gefällt die Vielfalt der Beispiele, von literarischen Anlehnungen bis zu politischen Anspielungen, in die ganz persönliche Erfahrungen einfließen. Dieses Menschliche macht schließlich alles ein bisschen leichter, denn du bist nicht allein mit deinen Sorgen! Und auch das Büchlein bleibt kein Einzelgänger, passt es doch wunderbar zum gelben Band über die Heiterkeit.

Veröffentlicht am 24.10.2025

Auf der Suche

Sunny
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Da ist Jon, der von der Schule verwiesen wurde und nun nach einer neuen Perspektive sucht. Und da ist Benno, der aus der DDR ausgebürgert wurde und nun in seine Heimat zurückkehrt. „Er ist ein Ausreißer, ...

Da ist Jon, der von der Schule verwiesen wurde und nun nach einer neuen Perspektive sucht. Und da ist Benno, der aus der DDR ausgebürgert wurde und nun in seine Heimat zurückkehrt. „Er ist ein Ausreißer, und ich bin ein Ausgereister.“ Sie haben scheinbar wenig und dann doch ganz viel gemeinsam, als sie sich über den Weg laufen.
Die titelgebende ‚Sunny‘ ist nur eine Nebenfigur, aber symbolisch für den Roman: die nicht erreichbare Angebetete, die Seelenverwandte, die doch nah bleibt. Und eine solche Figur gibt es als Parallele in beiden Handlungssträngen.
Die Geschichte hat etwas Magisches, aus der Zeit Gerissenes, da die Treffen am verwilderten Standort einer Jugendhochschule der DDR längst verblasste Erinnerungen zu Tage bringen. „So richtig real hörte sich das alles nicht an, dennoch glaubte er jedes Wort und wollte noch mehr hören, über dieses Hogwarts der DDR, »das es leider nun nicht mehr gab.“
Karin Kalisa trifft einen besonderen Ton, der die Empfindsamkeit ihrer Figuren unterstreicht. Diese entsprechen keinen Klischees, sondern hadern mit ihrem Schicksal und schaffen es doch, sich einander zu öffnen. Sie sind liebenswert, weil sie ihrem moralischen Kompass folgen und über alle Krisen hinweg an ihren Werten und an ihrer Liebe festhalten. Mir gefällt, wie die Geschichten, ganz ohne Kitsch, miteinander verbunden werden.