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Veröffentlicht am 18.01.2026

Zwischen Schnee und Stille

Schneeengel
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Schneeengel hat mich mit seiner Winterstimmung sofort erwischt: dieses leise Knistern, wenn Schnee Geräusche dämpft und Gedanken plötzlich lauter werden. Esther Brand fängt genau diese Zwischenzeit gut ...

Schneeengel hat mich mit seiner Winterstimmung sofort erwischt: dieses leise Knistern, wenn Schnee Geräusche dämpft und Gedanken plötzlich lauter werden. Esther Brand fängt genau diese Zwischenzeit gut ein – die Tage, in denen man mehr erinnert als redet, und ein Spaziergang durch kalte Luft mehr klärt als eine lange Diskussion am Küchentisch. Ich mochte, wie viel über kleine Gesten erzählt wird: eine Tasse, die wortlos hingestellt wird; ein Blick, der ausreicht, um zu verstehen, dass heute nicht der Tag für große Pläne ist.

Die Hauptfigur habe ich schnell nah an mich herangelassen. Sie ist nicht makellos, sondern vorsichtig, manchmal störrisch, dann wieder zärtlich – und genau das hat mich mitgenommen. Besonders die leisen Szenen haben funktioniert: wenn der Schnee die Welt hell macht und man doch merkt, wie viel Schatten noch da ist. Auch sprachlich ist das fein: klare Sätze, schöne Bilder, ohne Überpuderung.

Trotzdem, und das sage ich mit Zuneigung: Manches war mir vorhersehbar. Zwei Wendungen sah ich schon weit im Voraus kommen, und an ein, zwei Stellen greift die Geschichte für meinen Geschmack ein wenig zu entschlossen in die Gefühlskiste. Ich hätte mir dort etwas mehr Reibung gewünscht, ein langsameren Weg hin zu Nähe und Vergebung. Einige Nebenfiguren bleiben skizzenhaft – genug, um Atmosphäre zu geben, aber zu wenig, um ihre Entscheidungen wirklich nachzuvollziehen.

Was bleibt, ist ein stimmiges Winterbuch über Verlust, Familie und den zähen Mut, es noch einmal zu versuchen. Wenn Schneeengel zart bleibt, ist es am stärksten: da, wo Entschuldigungen nicht ausgesprochen werden müssen, weil man sie tun kann; da, wo ein Schritt durch den frischen Schnee mehr bedeutet als viele Worte. Kein Buch der großen Überraschungen, aber eines, das behutsam begleitet – mit kalter Luft auf der Haut und einem ruhigen, warmen Nachklang.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Pfoten im Schnee

Schneeflöckchen, Weißpfötchen
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Schneeflöckchen, Weißpfötchen war für mich genau das Buch, zu dem ich mir eine heiße Schokolade mache, die Decke hochziehe und das Handy weit weglege. Petra Schier schafft es, diese sofortige Winterwärme ...

Schneeflöckchen, Weißpfötchen war für mich genau das Buch, zu dem ich mir eine heiße Schokolade mache, die Decke hochziehe und das Handy weit weglege. Petra Schier schafft es, diese sofortige Winterwärme zu erzeugen: Lichterketten, Plätzchenduft, leises Schneeknirschen – und mittendrin ein tierischer Begleiter, der Herzen öffnet und Menschen zusammenbringt. Ich habe mehr als einmal vor mich hingeschmunzelt, weil diese kleinen, unscheinbaren Momente so liebevoll eingefangen sind.

Besonders mochte ich die unaufgeregte Art, mit der Nähe entsteht: nicht durch große Gesten, sondern durch Alltagsdinge – ein kurzer Blick, eine Geste, ein „Komm gut an“. Das fühlt sich echt an und hat mich sanft mitziehen lassen. Der „Weihnachtszauber“ ist spürbar, ohne zu schwer zu werden, und die Kapitel fließen angenehm, sodass ich immer „nur noch eins“ lesen wollte.

Gleichzeitig war es für mich stellenweise einen Tick zu süß. Einige Entwicklungen sah ich früh kommen, und manche Konflikte lösen sich sehr schnell – fast so, als ob die Geschichte niemandem wehtun möchte. Das kann gemütlich sein (genau dafür greife ich ja zu solchen Büchern), aber ich hätte mir an zwei, drei Stellen etwas mehr Tiefe oder Reibung gewünscht. Auch ein paar Dialoge wirkten für meinen Geschmack einen Hauch zu kitschig.

Der tierische Faden ist dafür ein echtes Highlight: warm, witzig, manchmal frech – genau die Art von Perspektive, die dem Ganzen Leichtigkeit gibt, ohne ins Alberne zu kippen. Nebenfiguren sorgen für Atmosphäre und Dorffeeling; nicht jede bleibt lange im Gedächtnis, aber zusammen ergibt das ein stimmiges, weihnachtliches Gesamtbild.

Unterm Strich: Ein sanftes, herzwarmes Winterbuch, das nach Zimt und Hoffnung schmeckt. Perfekt, wenn ich einfach ankommen, durchatmen und mich ein bisschen verzaubern lassen möchte – mit viel Gefühl, einem Augenzwinkern und ganz viel Schneeglitzern.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Bücher, Charme, Gefühl

Die büchersüchtige Braut des Earls
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Die büchersüchtige Braut des Earls hat mich mit dem Titel sofort neugierig gemacht. Eine Protagonistin, die Bücher liebt, klang für mich nach einer Figur, mit der ich mich schnell identifizieren könnte ...

Die büchersüchtige Braut des Earls hat mich mit dem Titel sofort neugierig gemacht. Eine Protagonistin, die Bücher liebt, klang für mich nach einer Figur, mit der ich mich schnell identifizieren könnte – und genau das ist auch passiert. Die Hauptfigur ist sympathisch, neugierig, ein bisschen eigensinnig und bringt eine schöne Portion Witz mit. Besonders ihre Leidenschaft für Bücher zieht sich charmant durch die Geschichte und verleiht dem Roman eine angenehm verspielte Note.

Der Schreibstil ist leicht, flüssig und gut lesbar. Die Autorin versteht es, die Atmosphäre der Zeit glaubhaft zu zeichnen, ohne sich in zu vielen Details zu verlieren. Auch die Kulisse und das Setting – zwischen gesellschaftlichen Zwängen, alten Herrenhäusern und leisen Rebellionen – haben mir gut gefallen.

Was mich allerdings etwas gestört hat: Einige Entwicklungen in der Handlung waren sehr vorhersehbar. Es fehlte mir stellenweise an Tiefe – sowohl bei den Konflikten als auch bei den Nebenfiguren. Auch die Beziehung zum Earl hätte für meinen Geschmack mehr Spannung vertragen. Vieles verlief etwas zu glatt, zu idealisiert, ohne echte Reibungspunkte. Das war zwar angenehm zu lesen, aber eben auch wenig überraschend.

Dennoch hat das Buch seinen Reiz. Es bietet charmante Unterhaltung für Zwischendurch, mit einer liebenswerten Hauptfigur und einer Prise Romantik, die nicht überladen wirkt. Wer historische Liebesgeschichten mag, die leicht und humorvoll erzählt sind, wird hier sicher ein paar schöne Lesestunden verbringen.

Die büchersüchtige Braut des Earls ist kein Highlight, aber ein unterhaltsamer Roman mit Herz, der vor allem durch seine Hauptfigur überzeugt – und natürlich durch die Liebe zu Büchern.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Magie und Mythen

Die Erzählungen von Nemeton: Belenas
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Die Erzählungen von Nemeton: Belenas war für mich eine spannende Reise in eine Welt voller keltischer Mythologie, alter Magie und tief verwurzelter Naturverbundenheit. Man spürt auf jeder Seite, dass hier ...

Die Erzählungen von Nemeton: Belenas war für mich eine spannende Reise in eine Welt voller keltischer Mythologie, alter Magie und tief verwurzelter Naturverbundenheit. Man spürt auf jeder Seite, dass hier mit viel Liebe zum Detail und großem Hintergrundwissen erzählt wird – sowohl was die spirituelle Ebene betrifft, als auch die historischen Bezüge.

Die Geschichte entfaltet sich ruhig, aber intensiv. Es geht nicht nur um äußere Ereignisse, sondern auch um innere Entwicklung – um Selbstfindung, Verantwortung und den Umgang mit Kräften, die größer sind als man selbst. Belenas als Figur hat mich schnell für sich eingenommen: Er wirkt nachdenklich, authentisch und ist auf eine unaufgeregte Art mutig. Kein typischer Held, aber gerade das hat mir gefallen.

Helmut Fritz schreibt in einer Sprache, die stellenweise fast poetisch wirkt – bildhaft, aber nicht überladen. Manchmal musste ich beim Lesen ein bisschen innehalten, um die Gedanken wirken zu lassen. Es ist definitiv kein Buch zum schnellen Weglesen, sondern eins, das sich Zeit nimmt – und dem man selbst auch Zeit geben sollte.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Verbindung von Fantasy und Spiritualität, ohne dass es esoterisch oder abgehoben wirkt. Die Natur spielt eine zentrale Rolle, ebenso wie das Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten. Das fühlt sich alles sehr stimmig an.

Kleinere Längen gab es zwischendurch, aber insgesamt hat mich die Geschichte überzeugt. Belenas ist ein stilles, kraftvolles Buch, das nicht auf Effekte setzt, sondern auf Tiefe – und genau das macht seinen Reiz aus. Wer sich für Mythen, Naturspiritualität und innere Reisen interessiert, wird hier fündig.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Leise Tiefe

Das Gefühl von Unendlichkeit
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Das Gefühl von Unendlichkeit hat mich mit seinem poetischen Titel und dem ruhigen Erzählton sofort neugierig gemacht. Die Geschichte nimmt sich Zeit, entwickelt sich in leisen Tönen und setzt weniger auf ...

Das Gefühl von Unendlichkeit hat mich mit seinem poetischen Titel und dem ruhigen Erzählton sofort neugierig gemacht. Die Geschichte nimmt sich Zeit, entwickelt sich in leisen Tönen und setzt weniger auf große Dramen als auf innere Prozesse. Genau das mochte ich – zumindest anfangs. Die Sprache ist gefühlvoll, oft fast schon melancholisch, und schafft eine nachdenkliche Stimmung, in der man sich gut verlieren kann.

Die Figuren wirken authentisch, wenn auch stellenweise etwas distanziert. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht ganz nah an sie herankomme – was wahrscheinlich beabsichtigt ist, aber mir gelegentlich das Mitfühlen etwas schwer gemacht hat. Trotzdem sind ihre Gedanken und Entscheidungen nachvollziehbar, besonders, wenn es um die Themen Identität, Verlust und Neuanfang geht.

Was für mich nicht ganz rund war: Manche Passagen zogen sich etwas, gerade im Mittelteil. Es gab Momente, in denen ich gedanklich abgeschweift bin, obwohl ich eigentlich dranbleiben wollte. Auch inhaltlich blieb mir einiges zu vage – ich hätte mir an ein paar Stellen mehr Tiefe oder Klarheit gewünscht.

Trotzdem: Der Roman hat schöne Momente und starke Bilder. Besonders das Thema “Unendlichkeit im Kleinen”, also in Begegnungen, Erinnerungen oder Blicken, fand ich sehr gelungen. Für Leser:innen, die ruhige, nachdenkliche Bücher mögen und sich gern zwischen den Zeilen verlieren, ist Das Gefühl von Unendlichkeit auf jeden Fall einen Blick wert – auch wenn es nicht ganz in mir nachgeklungen hat, wie ich es mir erhofft hatte.

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