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Veröffentlicht am 29.03.2026

Saudade

Die Tote von Nazaré
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Die Kölner Hauptkommissarin Maren Berger gerät bei einem Banküberfall unverschuldet in die Schusslinie der Täter und sucht nach einem Krankenhausaufenthalt Ruhe und Erholung im portugiesischen Nazaré, ...

Die Kölner Hauptkommissarin Maren Berger gerät bei einem Banküberfall unverschuldet in die Schusslinie der Täter und sucht nach einem Krankenhausaufenthalt Ruhe und Erholung im portugiesischen Nazaré, ganz nach dem dortigen Lebensmotto Saudade (etwa melancholische Sehnsucht). Der Aufenthalt entwickelt sich allerdings in eine ganz andere Richtung als erwartet, denn schon bald nach ihrer Ankunft entdeckt Maren eine Frauenleiche.

Der Krimiauftakt mit zwei sympathischen Hauptfiguren spielt im zauberhaften Küstenort Nazaré, bekannt für seine hohen Wellen. Silvas Beschreibungen rufen sofort Erinnerungen an meinen Portugalurlaub hervor, Bilder der eindrücklichen Landschaft und der Duft des Meersalzes in der Luft stehlen sich in meine Gedanken. Eine traumatisierte Polizistin als Aufhänger für die Krimihandlung scheint mir gut gewählt, bleiben doch vielfältige Möglichkeiten für systematische Überlegungen oder wilde Spekulationen, der Phantasie wären da keine Grenzen gesetzt. Im Laufe der Kapitel finden sich jedoch etliche Wiederholungen (unter anderem der ständige Milchkaffee, Galão, oder die „typischen“ Eigenschaften der Deutschen), welche die Spannung immer wieder einbremsen, auch die Dialoge muten zuweilen unecht und gekünstelt an. Dass am Ende noch der Zufall kräftig mithelfen muss, ist ebenfalls ein Wermutstropfen in der ganzen Geschichte. Gut passen hingegen der lockere Schreibstil und die kurzen Kapitel, was dem Ganzen eine gewisse Dynamik verleiht und die Idee, einen deutschen Fall mit Portugal zu verknüpfen. Nicht zuletzt möchte ich natürlich wissen, wie die persönliche Entwicklung von Maren und dem portugiesischen Ermittler João weitergeht.

Ein interessanter Serienstart, durchaus mit Verbesserungspotential, meine Neugierde auf eine weitere Reise nach Nazaré ist aber auf alle Fälle geweckt.

Veröffentlicht am 20.02.2026

35 Jahre retour

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Nach 35 Jahren hat sich die Liebe zwischen Adam und Jules schon abgenützt, Kleinigkeiten lösen Reibereien aus, der Alltagstrott wird zum zermürbenden Hamsterrad. Als Jules endlich den Schuppen ausmistet ...

Nach 35 Jahren hat sich die Liebe zwischen Adam und Jules schon abgenützt, Kleinigkeiten lösen Reibereien aus, der Alltagstrott wird zum zermürbenden Hamsterrad. Als Jules endlich den Schuppen ausmistet und alte Musikkassetten zum Sperrmüll bringen möchte, entdeckt Adam zahlreiche selbst bespielte Tapes mit ihrer Lieblingsmusik und persönlichen Botschaften. Durch das neuerliche Abspielen und Anhören begeben sich Adam und Jules auf eine Zeitreise zurück zum Beginn ihrer Liebe im Jahre 1989.

Abwechselnd erzählt das Autorenduo aus Adams und Jules Sicht den Stand der Dinge. Jules erwacht aus einem Traum, der mit ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert, so lebendig und bildhaft geht es hier zu. Nach einer Bestandsaufnahme über die nunmehr 35jährige Beziehung kommen auch schon die eingangs erwähnten Mixtapes zur Sprache und wir reisen mehrfach in der Zeit zurück, um zu erfahren, wie Jules und Adam einander kennengelernt haben und auf welche Weise sich ihre Persönlichkeiten entwickelt haben. Was, wenn nicht alles so gekommen wäre, sondern das Leben andere Abzweigungen genommen hätte? Hätte man einen Schicksalsschlag abwenden können, eine andere berufliche Laufbahn einschlagen oder besser auf seine Gesundheit achten können? Was, wenn man im Nachhinein noch das ein oder andere Rädchen verstellen und der Geschichte einen positiveren Verlauf geben könnte? Die Handlung springt also munter zwischen den Figuren und verschiedensten Zeitpunkten hin und her und bietet allerlei Möglichkeiten, den Plan des gelebten Lebens neu zu denken. Was dabei herauskommt und wie die beiden Hauptfiguren damit umgehen, das erzählt dieser Roman, dessen Idee mir gut gefällt. Leider ist aber der Funke nicht wie erwartet übergesprungen, weder das Ehepaar selbst noch die weiteren Personen haben mich emotional berührt und die doch oft recht phantasiehaften Szenen lesen sich nicht unbedingt glaubwürdig und überzeugend. Die Erkenntnisse am Ende wiederum passen gut als Anregung zum Nachdenken und Nachahmen. Ebenso sind die flüssige Schreibweise und die umfangreiche Playlist positiv hervorzuheben.

Dieser teilweise sciencefictionähnliche Roman beleuchtet die ganz alltäglichen Schwierigkeiten einer langjährigen Ehe und bietet unterhaltsame Auswegmöglichkeiten aus dem Routinegeschehen. Der Humor trifft zwar nicht ganz meinen Geschmack, wird aber bestimmt eine größere Leserschar ansprechen.


Veröffentlicht am 22.01.2026

Geisterhafte Weihnachten

Good Spirits
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Nolan ist seit seinem Tod vor etwa hundert Jahren gefangen in der Welt der Geister. Alljährlich kommt er im Dezember auf die Erde zurück, um schlechte Menschen heimzusuchen und auf den rechten Weg zu bringen. ...

Nolan ist seit seinem Tod vor etwa hundert Jahren gefangen in der Welt der Geister. Alljährlich kommt er im Dezember auf die Erde zurück, um schlechte Menschen heimzusuchen und auf den rechten Weg zu bringen. Dieses Jahr wird er zu Harriet gesandt, aber die junge Frau ist doch ein durch und durch guter Mensch? Gemeinsam tauchen die beiden wie ein Wirbelwind in ihre Vergangenheit ein, um diese Mission zu verstehen.

Abwechselnd blicken wir aus Harriets und Nolans Sicht auf die ziemlich surreale Handlung, welche aufdecken soll, warum ausgerechnet diese zwei hier aufeinandertreffen. Harrietts vollgestopfter Antiquitätenladen und die stürmischen Zeitreisen bieten dafür einen gelungenen Rahmen, auch den Bezug zu Weihnachten betreffend. Die Botschaft hinter der Geschichte gefällt mir ebenfalls gut, sowohl Harriet als auch Nolan lernen wesentliche Dinge über sich selbst und dürfen sich weiterentwickeln. Man merkt schon, jetzt kommt ein „aber“: die beiden Figuren konnten mich im Laufe der Kapitel nicht wirklich fesseln in ihrem Tun oder besondere Gefühle in mir auslösen. Die Szenen – besonders im Mittelteil – wirken auf mich wie aufgefädelte Perlen, wiederholen sich, und liefern nicht ganz die humorvolle Unterhaltung, welche ich mir aufgrund anderer Leserstimmen auf der Buchrückseite erwartet habe. Die heißen Liebesmomente hingegen haben mich überrascht, das Ende wiederum gefällt mir ausgesprochen gut.

Ein ungewöhnlicher Weihnachtsroman mit einer süßen Katze, die verbindet.


Veröffentlicht am 18.01.2026

Die Schornsteinfegerin

Schwarze Schuld
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Nach dem Tod ihres Vorgängers wird Lena Becker Bezirksschornsteinfegerin von Jork im Alten Land. Dass Hans Moll, der bisherige Rauchfangkehrer, aber tatsächlich so unglücklich vom Dach gestürzt und sofort ...

Nach dem Tod ihres Vorgängers wird Lena Becker Bezirksschornsteinfegerin von Jork im Alten Land. Dass Hans Moll, der bisherige Rauchfangkehrer, aber tatsächlich so unglücklich vom Dach gestürzt und sofort tot gewesen sein soll, kann sie kaum glauben. Zudem ist der Besitzer desselben Hauses auf seiner Kellertreppe zu Fall gekommen und ebenfalls nicht mehr zu retten gewesen. Ein bisschen viel Zufall, findet Lena Becker und geht der Sache nach.

Ein idyllisches Städtchen, weitreichende Obstplantagen und überspitzt gezeichnete Charaktere – so der erste Eindruck zu diesem Buch. Polizeiobermeister Timmermann wird immer schon als dümmlich eingeschätzt, sein Name Kevin ist Programm. Zwar gibt es zwei Tote, aber er denkt nicht gleich an Mord, erst Lena, die neue Bezirksschornsteinfegerin, wittert Geheimnisse und Intrigen. So kommt es, dass Becker und Timmermann Ermittlungen anstellen und allerhand Neues ans Tageslicht zerren. Leider stehen Dorftratsch und kuriose Figuren eher im Mittelpunkt als aufregende Krimielemente, die am Titelbild des ebooks angekündigte „Top-Spannung“ will sich zu keiner Zeit recht einstellen. Während die ersten Kapitel eher träge dahinplätschern, tut sich später dann doch ein bisschen mehr, chaotische und unglaubwürdige Szenen mindern das Lesevergnügen aber auch hier so weit, dass die schlüssig zusammenlaufenden Fäden am Ende bei mir kaum Lust auf eine Fortsetzung aufkommen lassen.

Wer eher einen Wohlfühlkrimi mit ungewöhnlichen Hauptdarstellern sucht als klassische Spannung, der wird mit diesem Buch jedoch auf vergnügliche Stunden zählen können.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Kruse kontert aus dem Krankenhaus

Lügen auf Friesisch
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Polizeichef Kruse muss ins Krankenhaus, lässt sich aber dennoch nicht davon abbringen, einen Ermittlungsfall zu leiten. Wer kann schon wissen, ob Michaela Greve und Ulf Weingärtner ordentliche Arbeit abliefern? ...

Polizeichef Kruse muss ins Krankenhaus, lässt sich aber dennoch nicht davon abbringen, einen Ermittlungsfall zu leiten. Wer kann schon wissen, ob Michaela Greve und Ulf Weingärtner ordentliche Arbeit abliefern? Aktuell liegt nämlich ein Mordfall vor, der Leiter des Restpostenmarktes in Husum wurde blutüberströmt gefunden. Pikantes Detail in dessen Lebenslauf: elegante Designerstücke im Zweitspind und der Verdacht auf geheime Liebschaften am Abend, während er seiner Familie geschäftliche Verpflichtungen vortäuscht.

Ein spannender Kriminalfall erwartet die geneigte Leserschaft, allein der mürrische Kruse kann einem den Spaß an den teils schleppenden Ermittlungen vereiteln. Seine üble Laune und sein machohaftes Gehabe gegenüber Krankenhaus- und Polizeipersonal überspannen oft den Bogen und lassen den vermeintlichen Spaß zum Galgenhumor werden. Ein flotter Schreibstil und die abwechslungsreiche Motivsuche machen zwar einiges wieder wett, aber ein unangenehmer Beigeschmack bleibt leider erhalten.

Auffällige Charaktere, eine Polizistin, die ihr Potential nicht entfalten darf und viele Nebenschauplätze überlagern die spannenden Momente in diesem Regiokrimi. 3 Sterne.