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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.02.2026

Etwas ganz Besondere

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Dieses Buch habe ich innerhalb von zwei Tagen gelesen und dabei sehr viele Stellen markiert. Martina Hefters Schreibstil ist sehr besonders. Viele kurze Sätze. Viele Gedanken. Vieles, das zwischen den ...

Dieses Buch habe ich innerhalb von zwei Tagen gelesen und dabei sehr viele Stellen markiert. Martina Hefters Schreibstil ist sehr besonders. Viele kurze Sätze. Viele Gedanken. Vieles, das zwischen den Zeilen passiert. Es ist kein Buch, das durch Spannung oder große Ereignisse lebt, sondern durch Beobachtungen, Gefühle und die Innenwelt der Protagonistin.

Im Mittelpunkt steht Juno, eine Tänzerin und Schauspielerin, die ihren schwer kranken Mann pflegt und deren Leben stark von Routine, Verantwortung und Müdigkeit geprägt ist. Nachts, wenn sie nicht schlafen kann, beginnt sie mit fremden Männern im Internet zu schreiben, darunter auch sogenannte Love Scammer. Diese Chats werden zu einem festen Bestandteil ihres Alltags. Die Geschichte wird aus ihrer Perspektive erzählt und man ist sehr nah an ihren Gedanken, ihren Erinnerungen und ihren inneren Konflikten. Dadurch fühlt sich vieles sehr persönlich und direkt an.

"Jetzt bloß nicht in einen Abgrund fallen, einfach weitermachen, nicht vom Weg abkommen. Festen Plänen folgen, Fahrplänen, Probenplänen, Uhrzeiten." - S. 201

Man sollte hier definitiv keinen klassischen Spannungsbogen erwarten. Es gibt keine großen Plotwists und keine dramatischen Wendungen. Stattdessen begleitet man Juno durch ihren Alltag, ihre Gedanken, ihre Routinen und die kleinen Momente dazwischen. Gerade das hat für mich den Reiz ausgemacht. Es geht weniger darum, was passiert, sondern darum, wie sie die Welt wahrnimmt und wie sie mit ihrer Situation umgeht.

"Eigentlich schauspielerte sie nur dann, wenn sie nicht auf einer Bühne stand. An den normalen Tagen. Da spielte sie, ein normaler Menschen zu sein." - S. 52

Der Schreibstil hat mir besonders gut gefallen. Er wirkt ruhig, fast fragmentarisch, aber gleichzeitig sehr nahbar. Viele Sätze haben bei mir nachgewirkt, weshalb ich auch so viel markiert habe. Es sind oft unscheinbare Beobachtungen, die aber sehr viel aussagen. Dadurch entsteht eine besondere Atmosphäre, die einen beim Lesen begleitet.

"Juno freute sich. Das war's doch, weswegen man lebte, wegen der Freude." - S. 201

Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass dieses Buch nicht fesselt im klassischen Sinne. Es ist kein Buch, das man liest, um herauszufinden, was als nächstes passiert, sondern um eine Figur zu verstehen. Für mich war das sehr interessant, auch wenn ich mir stellenweise etwas mehr Entwicklung oder Fokus gewünscht hätte.

Insgesamt ein besonderer Roman, der von seiner Sprache und seiner Hauptfigur lebt. Kein Buch für alle, aber für mich eine sehr eindrückliche Leseerfahrung. Nach dem Lesen kann ich definitiv nachvollziehen, warum das Buch den Deutschen Buchpreis 2024 bekommen hat.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ich mache direkt weiter mit Band 2

Das Reich der sieben Höfe – Dornen und Rosen
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Dieses Buch lag ca. ein Jahr auf meinem SuB und ich frage mich ernsthaft, warum. Ich habe Dornen und Rosen innerhalb eines Tages verschlungen und konnte es kaum aus der Hand legen. Bevor ich mit dem Lesen ...

Dieses Buch lag ca. ein Jahr auf meinem SuB und ich frage mich ernsthaft, warum. Ich habe Dornen und Rosen innerhalb eines Tages verschlungen und konnte es kaum aus der Hand legen. Bevor ich mit dem Lesen angefangen habe, war mir bewusst, dass diese Reihe für viele ein absolutes Highlight ist, vor allem wenn man sich auf BookTok und Co. umschaut. Gleichzeitig hatte ich oft gehört, dass Band 1 im Vergleich zu den anderen Bänden nicht so spannend sein soll, aber das konnte ich nur teilweise nachvollziehen. Falls euch Band 1 also nicht komplett umhaut, dann lest bitte weiter.

Der Einstieg ist stellenweise sogar schleppend. Die Handlung schreitet zwar voran, konzentriert sich aber vor allem auf das World Building. Man lernt Feyre kennen, die Welt der Fae, die der Menschen, die Regeln und die Figuren, ohne dass zunächst besonders viel passiert. Für mich hat das trotzdem funktioniert, weil ich es mochte, langsam in diese Welten hineingezogen zu werden. Ab etwa der Hälfte des Buches nimmt die Geschichte dann spürbar Fahrt auf und ab diesem Punkt war ich komplett verloren.

Der Schreibstil hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Ich war emotional investiert, habe mitgefiebert und konnte mich der Atmosphäre kaum entziehen. Feyre ist eine starke, eigenständige Protagonistin, die für mich sehr schnell greifbar wurde. Auch die Dynamiken zwischen den Charakteren, die Spannungen und späteren Wendungen haben mich überzeugt. Besonders die zweite Hälfte des Buches hat gezeigt, warum diese Reihe so geliebt wird.

Auch wenn Band 1 stellenweise schleppend ist, habe ich alles an dieser Geschichte geliebt. Ich bin sehr froh, dass Band 2 und 3 bereits in meinem Regal stehen, denn ich werde direkt weiterlesen. Rückblickend ärgere ich mich nur darüber, dass ich so lange gewartet habe.

Ein Auftakt, der vielleicht Zeit für den Einstieg braucht, sich aber absolut lohnt. Für mich ein gelungener Start in eine Reihe, auf die ich mich jetzt umso mehr freue.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Sehr spannend!

Rabid
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Die Geschichte entwickelt schnell einen eigenen Sog und hat genau diese raue, dunkle Atmosphäre, die ich mir von einer Werwolf-Romantasy erhoffe. Es geht nicht nur um das Übernatürliche, sondern auch stark ...

Die Geschichte entwickelt schnell einen eigenen Sog und hat genau diese raue, dunkle Atmosphäre, die ich mir von einer Werwolf-Romantasy erhoffe. Es geht nicht nur um das Übernatürliche, sondern auch stark um innere Konflikte, Zugehörigkeit und Kontrolle über die eigene Bestie.

Seneca hat mir als Protagonistin richtig gut gefallen. Ihre Entwicklung wirkt nachvollziehbar und authentisch, gerade weil sie nicht von Anfang an alles im Griff hat. Sie zweifelt, sie kämpft und sie wächst an dem, was ihr passiert. Dieses Ringen mit der eigenen Natur ist für mich einer der stärksten Aspekte des Buches und hebt die Geschichte von vielen anderen Genrevertretern ab.

Der Schreibstil ist locker und direkt, wodurch sich das Buch sehr flüssig liest. Die Handlung hat ein gutes Tempo, auch wenn es zum Ende hin etwas schneller vorangeht als angenommen. Die Romance und die spicy Szenen sind deutlich vorhanden, stehen für mich aber nicht allein im Vordergrund, sondern fügen sich passend in die Geschichte ein. Wer mit Werwölfen und Dark Romantasy etwas anfangen kann, dürfte hier definitiv auf seine Kosten kommen.

Insgesamt ein intensiver, unterhaltsamer Genrevertreter mit einer starken Hauptfigur und einer düsteren Stimmung, die gut zur Geschichte passt. Für Fans von Werwolf-Romantasy eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Wenn alte Feinde zurückkehren

Oxen. Interregnum
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Für mich knüpft Oxen. Interregnum nahtlos an die vorherigen Bände an und fühlt sich genau so an, wie ich es von der Reihe erwarte. Die Geschichte setzt ohne große Umwege dort an, wo zuletzt aufgehört wurde, ...

Für mich knüpft Oxen. Interregnum nahtlos an die vorherigen Bände an und fühlt sich genau so an, wie ich es von der Reihe erwarte. Die Geschichte setzt ohne große Umwege dort an, wo zuletzt aufgehört wurde, und ich war schnell wieder mitten im Geschehen. Niels Oxen und Margarethe Franen müssen feststellen, dass der Danehof längst nicht so zerschlagen ist, wie sie gehofft hatten. Diese Erkenntnis gibt dem Buch von Beginn an eine bedrohliche Grundspannung.

Besonders gefallen hat mir die dichte Atmosphäre und das politische Geflecht, das Jens Henrik Jensen erneut aufspannt. Machtspiele, Intrigen und verdeckte Interessen ziehen sich durch die Handlung und machen deutlich, wie tief die Verbindungen reichen. Mehrere Handlungsstränge laufen parallel und wirken zunächst lose, fügen sich aber nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Gerade dieser langsame Aufbau sorgt dafür, dass man als Leser aufmerksam bleibt.

Der Einstieg ist sehr rasant, fast atemlos, danach nimmt das Tempo stellenweise etwas raus. Das hat mich zwischendurch kurz ausgebremst, insgesamt fand ich es aber passend, da nicht jede Szene auf reiner Action beruhen muss. Oxen bleibt die Figur, die ich schätze: kantig, traumatisiert und trotzdem getrieben von einem starken Gerechtigkeitssinn. Auch das Zusammenspiel mit Margarethe funktioniert für mich wieder sehr gut.

Unterm Strich ist Oxen. Interregnum für mich eine gelungene Fortsetzung, die politisch, spannend und düster bleibt. Wer die Reihe kennt und mag, bekommt genau das, was er erwartet, und wird auch hier nicht enttäuscht.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Drei Generationen, ein Ort und die Frage nach dem eigenen Weg

Die Riesinnen
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Ich bin ohne große Erwartungen an Die Riesinnen herangegangen und wollte mich einfach auf die Geschichte einlassen. Genau das hat für mich sehr gut funktioniert, denn das Buch hat mich leise, aber nachhaltig ...

Ich bin ohne große Erwartungen an Die Riesinnen herangegangen und wollte mich einfach auf die Geschichte einlassen. Genau das hat für mich sehr gut funktioniert, denn das Buch hat mich leise, aber nachhaltig beeindruckt.

Erzählt wird die Geschichte von drei Frauen aus drei Generationen. Liese, ihre Tochter Cora und Enkelin Eva wachsen im fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos auf, einem Ort, der zugleich Heimat und Begrenzung ist. Jede von ihnen trägt den Wunsch in sich, wegzugehen, frei zu sein, ein anderes Leben zu führen und doch bleibt jede auf ihre eigene Weise mit diesem Ort verbunden. Die Lebenswege der drei Frauen sind unterschiedlich, aber eng miteinander verwoben, geprägt von gesellschaftlichen Erwartungen, familiären Bindungen und dem Versuch, den eigenen Platz zu finden.

Besonders gelungen fand ich die Darstellung von Liese, deren Geschichte in den 60er-Jahren beginnt. Ihre Ehe, die Enge des Dorflebens und die fehlenden Alternativen machen spürbar, wie sehr sie sich arrangieren muss, um zu überleben. Auch Cora und Eva stehen vor eigenen Konflikten, die zwar moderner wirken, aber ebenso tief gehen. Das Buch zeigt sehr eindrücklich, dass sich Zeiten ändern, innere Kämpfe aber oft bleiben.

Der Schreibstil ist ruhig, stellenweise poetisch und sehr atmosphärisch. Wittenmoos und der Schwarzwald werden nicht nur als Kulisse beschrieben, sondern fast wie ein eigener Charakter behandelt. Der Wald, die Natur und die dörflichen Strukturen spiegeln die Gefühle der Figuren wider und geben der Geschichte eine besondere Tiefe. Trotz der ruhigen Erzählweise hatte das Buch für mich eine starke emotionale Wirkung.

Nicht jede Entwicklung konnte mich vollständig überzeugen und an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht. Dennoch überwiegt für mich ganz klar der Eindruck einer berührenden, klugen Geschichte über Frauen, Generationen und das Spannungsfeld zwischen Gehen und Bleiben.

Die Riesinnen ist ein stilles, nachdenkliches Buch, das lange nachhallt und seine Stärke aus den Figuren und der Atmosphäre zieht. Für mich ein sehr gelungenes Leseerlebnis.

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