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Veröffentlicht am 28.01.2026

Eine mutige Frau

Eine wie Frankie
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Frances Howe wächst im Irland der 1950iger Jahre auf. Sie verliert früh ihre Eltern durch einen Unfall und kommt zur Tante mütterlicherseits, die mit einem Pfarrer verheiratet ist. Fortan ist Frances Jugend ...

Frances Howe wächst im Irland der 1950iger Jahre auf. Sie verliert früh ihre Eltern durch einen Unfall und kommt zur Tante mütterlicherseits, die mit einem Pfarrer verheiratet ist. Fortan ist Frances Jugend durch Verbote und Bibelzitate gekennzeichnet. Gerade 18 geworden, verheiraten ihre Pflegeeltern sie mit einem deutlich älteren Geistlichen, die Ehe hält nur kurz aber in dieser Zeit warten zahlreiche weitere Enttäuschungen auf die junge Frau. Nach dem Ende der Ehe gelangt Frances völlig ahnungs- und mittellos nach London zu Norah, einer Freundin aus der Schulzeit, die sie ihr gesamtes Leben begleiten wird, und vorn dort aus weiter nach New York. Eins muss man Frances lassen, ihr wird im Leben nichts geschenkt, aber sie hat immer Glück im Unglück.
Und davon zu lesen, macht wirklich Spaß! Es passiert viel und gerade in Sachen Glaubwürdigkeit ist der Roman sehr gut gelungen. Ja, Frances trifft – vor allem in Ihrer Jungend – dumme Entscheidungen bzw. lässt zu, dass diese über sie gefällt werden, aber das ist alles mit ihrer Erziehung zu begründen und daher glaubwürdig. (Über die Anzahl der Zufälle, die Frankie immer weiterhelfen, könnte man allerdings diskutieren.) Aber auch wie Graham Norton die Wechsel der Zeitebenen managt, fand ich sehr gut. Denn die Geschichte beginnt mit einer alten Frankie, die nach einem Beinbruch von einem Pfleger betreut wird und diesem ihre Geschichte erzählt. Damien ist ein toller Mensch, er arbeitet gern mit und bei älteren Menschen und liebt seinen Job, das spürt man als Leser. Frankie ist ebenfalls eine sehr symphytische Protagonistin und ihre Entwicklung ist bemerkenswert. Ist sie als junges Mädchen noch scheu, weltfremd und unwissend, gewinnt sie im Lauf der Geschichte zunehmend an Selbstsicherheit, die sich von keiner Niederlag abschrecken lässt. Ich bewundere Frankie sehr für ihren Mut!

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Veröffentlicht am 19.01.2026

toxische Männlichkeit und Schuld

Erde
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Dieser Kurzroman ist unabhängig vom Vorgänger "Wasser" zu lesen wenn auch das Thema (Mit)Schuld wieder ein zentrales Thema ist. Während im Vorgängerroman die Protagonistin durchaus als unschuldig eingestuft ...

Dieser Kurzroman ist unabhängig vom Vorgänger "Wasser" zu lesen wenn auch das Thema (Mit)Schuld wieder ein zentrales Thema ist. Während im Vorgängerroman die Protagonistin durchaus als unschuldig eingestuft werden kann, ist es in dieser Geschichte schon schwieriger und mir wird ein bisschen bange vor dem nächsten Buch "Feuer".

Die Geschichte ist im Profifußball angesetzt, 2 Topspieler stehen in einem Vergewaltigungsprozess vor Gericht, beteuern aber hartnäckig ihre Unschuld. Die aktuelle Zeitebene begleitet durch den Prozess, zeigt, wie die Anwältin der Verteidigung das Vergewaltigungsopfer auseinandernimmt und schildert am Ende auch den Tathergang, während eine Zeitebene in der Vergangenheit vor allem Evan beleuchtet, seinen Werdegang, der in zu dem Mann gemacht hat, der er nun ist.

Thematisch dreht sich die Geschichte neben Schuld um toxische Männlichkeit, um die Fassade von Moral, um Macht durch Unterdrückung.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Eine weibliche Perspektive auf das 20. Jahrhundert

Schwebende Lasten
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Hannah ist wirklich eine bewundernswerte Frau. Sie wächst in der Weimarer Republik auf, allein mit Mutter und 2 Halbschwestern, der polnische Vater hat die Familie verlassen und wird nicht mehr erwähnt. ...

Hannah ist wirklich eine bewundernswerte Frau. Sie wächst in der Weimarer Republik auf, allein mit Mutter und 2 Halbschwestern, der polnische Vater hat die Familie verlassen und wird nicht mehr erwähnt. Sie hilft im Blumenladen der einen Halbschwester, kümmert sich zeitweise aber auch um den Haushalt der anderen. Der erste Mann, den sie kennenlernt, schwängert sie auch gleich und muss geheiratet werden, obwohl er alles andere als eine gute Wahl ist. Auf die erste folgen viele weitere Schwangerschaften, nicht alle Kinder überleben und das ist wahrscheinlich auch gut so. Da Karl es nicht kann, bringt Hannah die ganze Familie irgendwie durch, überlebt den 2. Weltkrieg, Ausbombung, Armut, Verluste, Diktaturen. Sie arbeitet als Putzfrau, in der Fabrik, später als Kranführerin aber ihre Leidenschaft gehört den Blumen und Pflanzen. Folgerichtig beginnt jedes Kapitel mit der Vorstellung einer Pflanze oder einem Insekt vorangestellt, was eine wunderschöne Idee der Autorin ist. Hannah ist keine besonders sympathische Figur: sie ist eine einfache Frau aus der Arbeiterklasse, trifft falsche Entscheidungen, schlägt ihre Kinder. Und doch bewundere ich sie, weil sie mit ihrer Stärke überzeugt.

Das Buch hat es wirklich in sich, es erzählt vom geliebten Blumenladen im Knattergebirge (einem Viertel in Magdeburgs Altstadt, das vor dem 2. Weltkrieg als das am dichtesten besiedelten Wohnviertel Deutschlands galt), der den Krieg nicht überlebt, dem Abstieg in bittere Armut, die mit dem Wachsen ihrer Familie gleichzeitig verlief, furchtbare Kriegserlebnisse, der Aufbau des Landes, ihrem beruflichen Neuanfang und dem Leben in der DDR bis hin zum Anschluss der DDR an die BRD. Blumen und Pflanzen ziehen sich weiter durch ihr Leben und sei es nur in einem winzigen Streifen Beet vorm Fenster, den sie bewirtschaften darf.

So emotional wie die Themen im Buch auch sind, so reduziert, distanziert und fast berichthaft ist der Schreibstil. Durch das hohe Erzähltempo erdrückt einen keines der zeitweise sehr furchtbaren Details, denn bevor man sich zu sehr in eines reindenken kann, folgt schon das nächste. Hannah nimmt das Leben einfach wie es kommt. Das erinnert mich sehr an meine Großmutter, die ca dieselbe Lebenspanne hatte und deren Erzählungen mir vieles im Buch bekannt vorkommen lassen hat. Auch meine Großmutter war eine Frau, die gefallen, aufgestanden und einfach weitergemacht hat. Davon zu lesen, hat mich zutiefst berührt. Ich frage mich immer wieder, woher diese Frauen die Kraft genommen haben. Die Antwort darauf liefert Annett Gröschner nur zwischen den Zeilen. Am Ende verbleibe ich mit riesigem Respekt vor den Stärken von Frauen, die riesige Lasten stemmen können, sich um ihre Familien kümmern, die Unfähigkeit der Männer ertragen und die Frauenfeindlichkeit.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Wunderschön

Sunbirds
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„Sundbirds“ handelt von Anne, die bereits im siebenten Jahr ihren Sohn Torran sucht, der während eines Auslandsjahrs in Indien verschwunden ist. Ich bin selbst Mutter von 2 Söhnen und mein Herz schmerzt ...

„Sundbirds“ handelt von Anne, die bereits im siebenten Jahr ihren Sohn Torran sucht, der während eines Auslandsjahrs in Indien verschwunden ist. Ich bin selbst Mutter von 2 Söhnen und mein Herz schmerzt für sie! Sie ist völlig erschöpft, ausgelaugt und zutiefst depressiv aber plötzlich gibt es eine neue Spur, die ihre Nichte Esther, eine Journalistin, aufgetan hat. Anne und Esther verbindet eine seltsame Hassliebe. Neben der Suche nach ihrem Sohn geht es auch um die Suche nach sich selbst, der Frage nach dem „Warum“ und Neuanfängen.
Es ist aber auch eine Geschichte darüber, das Kriegsbeil zu begraben, die Vergangenheit neu zu betrachten und Liebe zu finden.
Penelope Slocombe ist es meiner Meinung nach gelungen, das Indien jenseits von Klischees einzufangen, etwas, das über die Exotik, den Duft der Gewürze hinausgeht. Ihre Beobachtungen über Westler in Indien finde ich sehr scharfsinnig und aufschlussreich. Trotz der bedrückenden Geschichte, ist „Sunbirds“ ein Liebeslied an Indien, an dseine Menschen, den Himalaya und die umliegende Region. Ich fand den Schreibstil poetisch, nachvollziehbar, besonnen und berührend. Die Charaktere sind gut gezeichnet.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Eine Ode an Introvertierte

Der Garten der kleinen Wunder
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Patricia Koelle-Wolken läd uns mit ihrem neuen Buch in den Garten nebenan ein. Sie läd uns dazu ein, die Wunder und Möglichkeiten eines solchen Stück Lands zu erkennen und zu erforschen und die Energie ...

Patricia Koelle-Wolken läd uns mit ihrem neuen Buch in den Garten nebenan ein. Sie läd uns dazu ein, die Wunder und Möglichkeiten eines solchen Stück Lands zu erkennen und zu erforschen und die Energie und den Mut, den das Empfinden von Farben, Klängen, Texturen schenkt, mitzunehmen.

Sie schreibt von Toja und Vica, die beide hochsensibel sind und ihr ganzen Leben lang vermittelt bekommen, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Es ist eine Ode an das Leise, Introvertierte und die Kernaussage des Buches ist die, dass jeder genauso richtig ist, wie er nun mal ist. Auch Vica und Toja finden Ihren Weg. Toja lebt zurückgezogen in ihrem Haus am Stadtrand, sie arbeitet als Illustratorin und liebt ihren Naturgarten. Dieser wiederrum wird skeptisch von ihrem neuen Nachbarn, einem alleinerziehenden Vater, beäugt, der eine Betonwüste mit getrimmtem Rasen sein stolzes Eigen nennt. Seine Tochter Vica dagegen ist angezogen von all der Wildheit und die beiden Frauen freunden sich an und erkennen verwandte Seelen ineinander. Beide können große Menschenansammlungen, Krach und Stress schlecht vertragen, brauchen vielmehr Ruhe und Platz zum Denken. Gemeinsam überzeugen sie Vicas Vater davon, dass es ok ist, anders zu sein. Der Garten wird dabei als Spiegel der inneren Prozesse genutzt, steht für Heilung, Rückzug und Wachstum. Denn auch der Nachbarsgarten wird umgekrempelt und in eine Naturoase verwandelt.

Ich mochte sehr, wie sich die Beziehung der beiden leise und natürlich entwickelt. Der Schreibstil ist ruhig und bildhaft, sehr gefühlvoll und poetisch. Die Geschichte wird feinfühlig erzählt und nach Beenden des Buches habe auch ich mich bereichert gefühlt.

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