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Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein bisschen zu viel, ein bisschen zu wenig

Mathilde und Marie
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Marie ist auf der Flucht vor ihrem Leben in Paris, als sie im Zug Jonina kennenlernt. Die bietet ihr an, mit nach Redu zu kommen, einem Ort, in dem Zeit nicht der Feind ist. Hier kommt Marie zur Ruhe und ...

Marie ist auf der Flucht vor ihrem Leben in Paris, als sie im Zug Jonina kennenlernt. Die bietet ihr an, mit nach Redu zu kommen, einem Ort, in dem Zeit nicht der Feind ist. Hier kommt Marie zur Ruhe und kann entscheiden, was ihr wirklich wichtig im Leben ist.

Torsten Woywod beschert uns mit diesem Roman ein Plädoyer für die Entschleunigung. In Redu gibt es kein Handynetz, Zugang zum Internet nur an einer Stunde am Tag. So bleibt mehr Zeit sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen und Dingen auch beim Werden zuzusehen. Genau das ist schön beschrieben, es gibt hier keine Hektik. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob es mir nicht zu ruhig wäre, um dort dauerhaft zu leben.

Das Buch ist an sich schön geschrieben, auch wenn die Dialoge manchmal etwas sperrig sind. Wer setzt denn heute noch ein „meine Liebe“ ans Ende eines Satzes. Das kam mir gerade bei Marie oft genug zu gestelzt vor. Was mich gegen Ende dann sehr genervt hat, war die ständige Wiederholung der Erkenntnis, wie sehr man in Redu doch entschleunigen kann und wie wunderbar das doch ist.

Was mir außerdem gefehlt hat, war die Dorfgemeinschaft, die im Buch eigentlich gar nicht stattgefunden hat. Neben den beiden namensgebenden Frauen treten nur noch 4 weitere Personen auf. Alle anderen 390 Dorfbewohner tauchen über die Geschichte hinweg, wenn dann nur als Schemen auf. Das fand ich schade, da ich bei den Umständen erwartet hatte, dass es ein reges Dorfleben in Redu gibt. Irgendwie hat das der Geschichte auch die Lebendigkeit entzogen.

So interessant die Geschichte war, am Ende war ich froh, das Buch beendet zu haben. Die Redundanzen haben mich am Schluss wirklich sehr genervt, vor allem da sie die Handlung irgendwann auch nicht mehr vorangebracht haben.

Von mir daher eine begrenzte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Die Frau der Stunde

Die Frau der Stunde
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Catharina, Suzanne und Azadeh sind Freundinnen seit der gemeinsamen Internatszeit. Azadeh ist iranische Filmemacherin, Suzanne belgische Journalistin und Catharina deutsche Politikerin. Vor allem Catharinas ...

Catharina, Suzanne und Azadeh sind Freundinnen seit der gemeinsamen Internatszeit. Azadeh ist iranische Filmemacherin, Suzanne belgische Journalistin und Catharina deutsche Politikerin. Vor allem Catharinas Weg steht im Fokus dieses Buches, sie ist die Frau der Stunde. Als sich ihr Parteikollege in einem privaten Skandal verstrickt wird sie die erste deutsche Außenministerin und das Ende der siebziger Jahre.

So begleiten wir sie durch die ersten Monate ihrer Amtszeit und nebenbei auch die iranische Revolution, wenn wir Azadeh in ihr Heimatland begleiten. Hier wird besonders die Rolle der Frauen in der Revolution beleuchtet und auch der Beginn ihrer sofortigen Unterdrückung nach der Flucht des Shahs.

Mir hat das Buch an sich recht gut gefallen. Anfangs war es etwas schwierig ins Buch zu kommen, aber wenn man alle Beteiligten kennengelernt hat, war es schön sie zu begleiten. Die Autorin schildert die gesellschaftliche Situation und gerade die Stellung der Frau in dieser Zeit wirklich gut. Auch insgesamt spürt man das, was die siebziger Jahre so ausmacht. Pril Blumen, Ernte 23 und dauerrauchende Menschen, sowie die abschätzige Behandlung von Frauen in der Politik sind hier Themen.

Allerdings gab es auch einige Störpunkte für mich. Einige Nebencharaktere wurden ausführlich eingeführt, um dann mehr oder weniger im Nichts zu verschwinden. Die Einführung lässt auf einen bedeutenden Einfluss auf den Plot hoffen, was dann aber oft einfach gefehlt hat. So hätte ich mir mehr von Catharinas Mutter sowie der Assistentin Juliane Birkel und ihrer Freundin Doris Bock erwartet.

Auch das Ende hat mich leider unzufrieden zurückgelassen. Gefühlt bleiben alle Handlungsstränge offen. Natürlich kann man als Leser*in die Geschehnisse weiterspinnen, allerdings war mir hier vieles einfach zu unabgeschlossen. Damit war mir das Ende zu offen und es ist auch keine Fortsetzung angekündigt. Auch hat mir ein persönliches Statement der Autorin, sei es als Vor- oder Nachwort, gefehlt.

Wer sich nicht an sehr offenen Enden stört ist hier sicher richtig. Das Buch ist gut recherchiert und transportiert ein Gefühl für die Zeit. Für mich hat aber einiges gefehlt.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

eher nichts für mich

Ein ganz besonderer Ort
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Suzanna und ihr Mann sind zurück in ihren Heimatort gezogen. Doch sie ist nicht glücklich, ihr fehlen die Wurzeln, hat sie ihre Mutter doch nie kennengelernt. Daher kann sie ihrem Mann auch den Kinderwunsch, ...

Suzanna und ihr Mann sind zurück in ihren Heimatort gezogen. Doch sie ist nicht glücklich, ihr fehlen die Wurzeln, hat sie ihre Mutter doch nie kennengelernt. Daher kann sie ihrem Mann auch den Kinderwunsch, den er hat nicht erfüllen. Statt dessen eröffnet sie einen Laden, das Peacock Emporium, und schnell lernt sie neue Menschen kennen und kommt ein wenig an in ihrem neuen Leben.

Ich muss sagen, das Buch konnte mich nicht überzeugen. Suzanna selbst taucht erst sehr spät im Buch auf, davor spielt das Buch in der Zeit vor ihrer Geburt und erzählt die Geschichte ihrer Eltern. Für mich war das unglaublich irritierend, da ich mich auf ein anderes Buch eingestellt hatte.

Dazu kam, dass mir weder Suzanna noch die anderen Protagonisten nahe gekommen sind. Irgendwie fand ich sowohl Suzannas Eltern als auch sie selbst einfach nur seltsam. Vielleicht liegt es daran, dass dieses Buch die Neuauflage von Suzannas Coffee-Shop von 2004 ist und daher zu den ersten Büchern der Autorin gehört.

Für mich war das Buch eher nichts. Schade.

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Halt mich leider nicht erreicht

Das Haus am Gänsemarkt
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Hamburg während der napoleonischen Besetzung. 1812 ist Hamburg schon seit 6 Jahren besetzt und es machen sich die Einschränkungen immer mehr bemerkbar. Der Familie Brestetten geht es dabei immer noch gut, ...

Hamburg während der napoleonischen Besetzung. 1812 ist Hamburg schon seit 6 Jahren besetzt und es machen sich die Einschränkungen immer mehr bemerkbar. Der Familie Brestetten geht es dabei immer noch gut, doch auch Arnold muss sein Haus mit den französischen Besatzern teilen und um seine Geschäfte fürchten. Durch die Kontinentalsperre Napoleons gegen Großbritannien werden die Geschäft der Hamburger Kaufleute immer mehr eingeschränkt. Als Napoleon dann seinen Russlandfeldzug verliert beginnt die Stimmung immer mehr zu kippen.

Petra Oelker zeichnet in diesem Buch wortgewaltig die Situation in der Stadt. Von den Armen über die kleinen Leute und natürlich auch die gehobene Gesellschaft hinweg schildert sie die Auswirkungen der Besetzung. Dabei werden Umgebung und Stimmung recht ausführlich beschrieben.

Ich hatte tatsächlich ein Problem mit dem Buch. Mir kamen die Protagonisten überhaupt nicht nah und mir fehlte einfach ein roter Faden in der Geschichte, ein Ansatz , wo es hingehen soll. Selbst nach einem Drittel des Buches gab es immer wieder Szenen in neuen Settings mit neuen Protagonisten. Die Sprache war dabei, wie von der Autorin gewohnt, sehr passend für die Zeit und man konnte sich das Setting gut vorstellen.

Mich hat das Buch leider nicht erreicht, für andere mag es aber trotzdem spannend und interessant sein.

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Veröffentlicht am 31.12.2023

hat mich nicht erreicht

»Scharfsinnig wie ein Adler und mutig wie ein Löwe«
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Andrea Brill trägt in diesem Buch die Lebensgeschichten von 10 außergewöhnlichen Frauen zusammen. Angelika Kauffmann, Clara Schuhmann, George Sand, Lou Andreas-Salomé, Else von Jaffé-Richthofen, Golda ...

Andrea Brill trägt in diesem Buch die Lebensgeschichten von 10 außergewöhnlichen Frauen zusammen. Angelika Kauffmann, Clara Schuhmann, George Sand, Lou Andreas-Salomé, Else von Jaffé-Richthofen, Golda Meir, Coco Chanel, Anna Mahler, Genia Averbuch und Zaha Hadid sind alles Frauen, deren Biografien nicht den gewöhnlichen Weg zeichnet. Was diese Frauen eint ist, Dass sie ihren eigenen Weg gegangen sind, egal was die Gesellschaft von ihnen erwartete.

Ich muss sagen, ich hatte so meine Probleme mit dem Buch. Einerseits wollte ich gerne etwas über diese Frauen erfahren, um mich dann auch vielleicht im Nachhinein noch weiter und intensiver mit ihnen zu beschäftigen. Andererseits hat es die Autorin leider nicht geschafft mir diese Frauen auch nahe zu bringen. Die Lebensläufe, die erzählt werden sind für mich nicht lebendig geworden.

Daher war das Buch eher nichts für mich, auch wenn es sicher interessante Fakten über ungewöhnliche Frauen birgt.

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