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Veröffentlicht am 11.03.2026

Ein Jahreshighlight - toll erzählt

Kleopatra
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Als Kind war ich mehrmals an einem Strand mit wunderbarem Sand, ganz rund waren die Sandkörner. Diesen kleinen Strand nannte man Kleopatra-Strand - nach einer ägyptischen Königin, die hier gebadet haben ...

Als Kind war ich mehrmals an einem Strand mit wunderbarem Sand, ganz rund waren die Sandkörner. Diesen kleinen Strand nannte man Kleopatra-Strand - nach einer ägyptischen Königin, die hier gebadet haben soll. Seither hab ich sie immer im Kopf, diese sagenumworbene Kleopatra.

Geschichten über die Pharaonin gibt es viele, meist von Männern des Patriarchats verfasst. Deshalb freute ich mich, dass Autorin Saara el-Arifi dieser Frau mit ihrem Roman eine weitere Stimme, eine weibliche Stimme gibt.

Zuerst gibt es eine Anmerkung der Autorin, das, was sonst im Nachwort stehen würde: was historisch verbürgt, was Fiction ist und ob vielleicht Orte oder Zeitpunkte verschoben wurden, damit ihre Erzählung stimmiger ist. Das hat mir schon mal sehr gut gefallen, so weiss man von Anfang an Bescheid.

Die Romanbiografie beginnt um 51 v. Chr., kurz bevor Kleopatras Vater stirbt. Kleopatra ist eine Ptolemäerin und erbt den Thron von ihrem Vater. Sie, nun Pharaonin, erzählt ihr Leben selbst und wendet sich manchmal selbstreflektiv an die Leserschaft. Etwa damit, dass sie erst zu spät bemerkte, dass der Eunuch Potheinos, der bereits ihrem Vater diente, genau wie ihre Schwester Arsinoë, ein falsches Spiel spielt.

Dieser Erzählkniff hat mir mir sehr gut gefallen, es ist ein wenig so, als ob sie auch heute noch lebt und ihre Sicht auf die Zeitzeugen mit uns teilt. So ähnlich berichtet es dann auch der Epilog, der zur ganzen Geschichte passt.

Die Autorin zeigt eine sehr menschliche Kleopatra. Eine selbstironische, humorvolle, nachdenkliche und liebende Frau, die Mutter, Königin, Staatsoberhaupt, Geliebte, Schwester ist und laut Familiendynastie auch Göttlichkeit verkörpern soll. Nur ist ihre Gabe, die Heilkunst, für ihre Geschwister keine Göttergabe, was ihr zu schaffen macht. Trotzdem interessiert sie sich sehr für die Heilkunst, wendet ihre Gabe an und lernt viel darüber. Besuche in der Bibliothek von Alexandria - für sie kein Ort, sondern ein "Baum des Wissens" - sind für sie ganz normal. Kein Wunder ist sie am Boden zerstört, als die berühmte Bibliothek abbrennt. Kleopatra setzt alles daran, dass sie so schnell wie möglich wieder aufgebaut wird. Auch ihre Partner Julius Caesar und Marcus Antonius werden nicht nur als römische Herrscher, sondern als Menschen mit Gefühlen dargestellt. In Zukunft werde ich jede Steinstatue von den beiden mit anderen Augen ansehen.

Von Beginn weg hat mich Saara el-Arifi mit ihrem süffigen Schreibstil, der modernen Sprache und der - trotz bekannten - fesselnden Handlung in den Bann gezogen. Sie schreibt bildhaft, so dass man sich das Geschehen nur zu gut vorstellen kann.

Die Freude ist gross, wenn man schon am Beginn des Jahres so einen tollen Roman gelesen hat, der am Ende des Jahres garantiert noch als Jahreshighlight Bestand hat.

Fazit: Stark erzählt - und somit ein Lese-Highlight, das man kaum aus der Hand legen kann.
5 Sterne.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Zufällige Begegnungen, die bleiben

Wohin die Wünsche fließen
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Rixa möchte eigentlich gerne mal wieder nach Hause auf den Filapperhof, der vom ersten Band dieser "Glückshafen"-Reihe her bekannt ist. Doch sie traut sich nicht, denn sie denkt, dass nun Pixie bei ihrer ...

Rixa möchte eigentlich gerne mal wieder nach Hause auf den Filapperhof, der vom ersten Band dieser "Glückshafen"-Reihe her bekannt ist. Doch sie traut sich nicht, denn sie denkt, dass nun Pixie bei ihrer Mutter Feeke und ihrem Bruder Sebo ihren Platz eingenommen hat. Die Annäherung an ihr Zuhause macht sie auf eine unübliche Art und Weise: Rixa meldet sich bei Remy und bietet ihr an, sich auf die Suche nach weiteren Lebensstationen von Kapitän Flömer zu machen. Unkompliziert wie Remy ist, lässt sie sich darauf ein, lässt die Vertrage aber ihren Bruder Rufus überbringen.

Obwohl Rufus als Schreiner einen Möbelrenovationsauftrag hat, hilft er Rixa bei ihrer Suche nach einem weiteren Flaschenschiff von Kapitän Flömer. Rufus und Rixa stecken beide gerade in Fernbeziehungen, beide Partner befinden sich zur Zeit im Ausland. Die Frage nach der Zukunft ist bei ihnen deshalb sehr aktuell. Schnell fassen sie Vertrauen ineinander und freuen sich, im jeweils andern einen guten Gesprächspartner gefunden zu haben.

Rixa, die keine Ausbildung hat, aber gerne Mobiles gestaltet, trifft auf Glaskünstlerin Kira, deren Werke Rixa beeindrucken und die sie gerne auch herstellen würde. Die zur Zeit am Arm verletzte Kira nimmt Rixa bei sich auf und weiht sie in ihre Kunst ein. Die eigentliche Flömer-Suche gerät in den Hintergrund, doch dann stossen Rixa und Rufus bei einem Ausflug eher zufällig auf seine Spur. Und die ist heiss!

Der Teil von Flömers Lebensgeschichte, der hier in "Wohin die Wünsche fliessen", enthüllt wird, ist sehr spannend geschildert und höchst interessant. Man bekommt einen ganz neuen Blick auf den sympathischen Kapitän, den man gerne persönlich kennengelernt hätte.

Das Setting in diesem dritten Band ist wie immer in Patricia Koelles Bücher toll ausgewählt. Der Wunsch, einmal eine Reise zu all diesen Schauplätzen zu unternehmen, wird von Buch zu Buch grösser.

Der Roman erzählt von Begegnungen, die zur rechten Zeit kommen. Menschen, die die Protagonisten - sowie in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit - einen Teil des jeweiligen Lebens begleiten. Es sind eher zufällige Begegnungen, die unerwartet in so was wie Lebensabschnittsgefährten münden.

Fazit: Ein mehr als gelungener dritter Band, der durch überraschende Begegnungen besticht und bestens unterhält.
5 Sterne.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Was Musik vermag, wenn Worte fehlen

Für Polina
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Die Mutter von Hannes ist seit der Geburt der Kinder mit der Mutter von Polina befreundet. Für Hannes ist Polina eine Vertraute seit jeher. Er spricht nicht viel und ist verschlossen, sie wiederum spricht ...

Die Mutter von Hannes ist seit der Geburt der Kinder mit der Mutter von Polina befreundet. Für Hannes ist Polina eine Vertraute seit jeher. Er spricht nicht viel und ist verschlossen, sie wiederum spricht viel und ist neugierig auf die Welt. Nur beim Klavier spielen kann Hannes seine Gefühle in Melodien verwandeln.

Sein Talent, Klavier zu spielen, bringt ihn an viele Orte, bringt ihm aber auch Ärger ein. Irgendwann trennen sich die Welten von Polina und Hannes, der mittlerweile in Polina verliebt ist, sie bleiben in Kontakt. Doch dann hört Hannes eines Tages auf Klavier zu spielen, und trägt sie stattdessen umher: er wird Klavierträger, lernt viele unterschiedliche Menschen kennen, kommt fast aus sich heraus, so wie nie zuvor jedenfalls. Doch von Polina hört er kaum mehr etwas, was ihm zu schaffen macht. Und deshalb fasst er einen Plan, wie er sie aufspüren will.

Hannes als Figur kann man begreifen, er kommt trotz Eigenheiten sympathisch rüber, Polina hingegen ist ein Luftibus. Nicht nur die gemeinsamen Jahre in ihrer Kindheit und auch nicht die Liebe zur Musik sind das Verbindende zwischen den beiden, sondern auch ein geschenkter Teppich. Dieses Element hat mir als Teppichhändlertochter besonders gut gefallen.

Dieser melancholische Roman besticht durch seine interessanten Charaktere, die einzigartige Verbindung der Figuren, immer geprägt von leiser Hoffnung. Und es ist auch eine Geschichte über das, was Musik vermag, wenn Worte fehlen.

Fazit: Eine berührende Geschichte über Freundschaften und die erste, nie vergessene Liebe.
5 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Grossartig erzählt

Lindt & Sprüngli (Lindt & Sprüngli Saga 1)
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Lange hab ich die Lektüre des ersten Bandes der "Lindt & Sprüngli"-Trilogie heraus gezögert. Doch nach Beenden von "Zwei Familien, eine Leidenschaft" muss ich dafür nicht mehr auf den zweiten Band warten, ...

Lange hab ich die Lektüre des ersten Bandes der "Lindt & Sprüngli"-Trilogie heraus gezögert. Doch nach Beenden von "Zwei Familien, eine Leidenschaft" muss ich dafür nicht mehr auf den zweiten Band warten, sondern kann ihn gleich anhängen und weiterlesen. Das mach ich sehr gerne, denn dieser erste Band hat mir total gut gefallen.

Lisa Graf erzählt die Anfänge von "Lindt & Sprüngli", die Firma, die es so heute nicht mehr gibt, sondern (später auf die Söhne und) in zwei Firmen aufgeteilt: "Lindt & Sprüngli" und "Sprüngli". Die Lindt-Schoggi ist heutzutage weltweit bekannt. Sprüngli ebenso, und zudem - mittlerweile mit vielen Filialen - DIE Adresse in Zürich für höchsten Schoggi-Genuss.

Mit vielen schweizerdeutschen Wörtern versehen macht es enormen Spass die Geschichte von Rudolf Sprüngli zu lesen. Von klein auf hat Rudolf die fixe Idee, Schoggi herzustellen und gibt nicht locker, bis ihm dies gelingt. Dabei hat er einige Schwierigkeiten zu bewältigen. Die grösste aber ist wohl, seinem sturen und altmodischen Vater Paroli zu bieten und an seinen Ideen festzuhalten. Die Leserschaft ist dabei, wenn Rudolf Katharina kennenlernt und auch bei ihr nicht aufgibt, denn sie ist schon von Kindertagen her seine Auserwählte.

Höchst interessant fand ich auch die Szenen, in denen das alte Zürich beschrieben wird, das sich mit den Jahren unablässig veränderte. Erst konnte der Vater die einfache Bäckerei übernehmen, später lief Rudolf drei Stunden Fussmarsch an der Pfnüselküste entlang zu seiner ersten Schoggi-Fabrik nach Horgen. Es ist heute auch kaum vorstellbar, dass man sich damals über Hotelier Baur lustig machte, der an unbeliebter Stelle ein gehobenes Hotel eröffnete und das Eckhaus in der Nähe Rudolf - für seine Vergrösserung des Ladengeschäfts wie auch für das erste Sprüngli-Café - zum Mieten anbot. Heute ist die Lage piekfein, an der Bahnhofstrasse und direkt am Paradeplatz gelegen.

Betreffend den eingesetzten Dialekt-Wörter möchte ich noch erwähnen, dass ich noch keinen Roman gelesen habe, in der diese so gut gepasst haben und obwohl es deren viele sind, wirken sie nicht wie andernorts aufgesetzt, sondern äusserst passend. Da hat die Autorin nicht nur den Dialekt, sondern auch die historischen Begebenheiten sehr akkurat recherchiert.

Ich kann diesen Band uneingeschränkt empfehlen. Es ist ein unterhaltender Schmöker für alle Schoggi-, Zürich- und Historien-Fans.

Fazit: Grossartig erzählter erster Teil der Geschichte des traditionellen "Lindt & Sprüngli"-Unternehmen.
5 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Wo kaufe ich jetzt meinen Christbaum?

Lichterzauber in New York
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Die Adventszeit in New York kann man mit "Lichterzauber in New York" von Mary Kay Andrews ganz nahe miterleben. Ihre 34jährige Protagonistin Kerry soll aufgrund eines Spitalaufenthalts des Vaters ihren ...

Die Adventszeit in New York kann man mit "Lichterzauber in New York" von Mary Kay Andrews ganz nahe miterleben. Ihre 34jährige Protagonistin Kerry soll aufgrund eines Spitalaufenthalts des Vaters ihren fünf Jahre älteren Bruder dabei unterstützen, Christbäume in New York zu verkaufen. Schon als Kind war Kerry dabei, als die ganze Familie im kleinen Wohnwagen wohnte und auf "ihrem" Platz ihre Tannenbäume von der eigenen Farm in North Carolina verkaufte.

Schon ewig war Kerry nicht mehr dabei, auch "Spammy", dem kleinen Wohnwagen sieht man das Alter an. Doch in der New Yorker Nachbarschaft wartet man bereits auf die Familie, man kennt und hilft sich. Nur Murphy ist mies drauf, er beschwert sich immer wieder, dass der Verkauf der Bäume nicht so gut wie sonst läuft, aber goutiert die kreativen Bemühungen von Kerry, die zusätzlich Kränze gestaltet und weitere tolle Ideen umsetzt, gar nicht. Dabei kurbelt sie das Geschäft damit an. Dies sind nicht die einzig schlechten News, denn auch andere Baumverkäufer wollen an ihrem Platz verkaufen.

Zum Glück ist da der kleine Austin und der alte Heinz, mit denen Kerry zusammen zeichnet und Spass hat. Auch Patrick, der Vater von Austin, ist ein Highlight in dieser Zeit. Doch Kerry sollte an Weihnachten ja wieder zurück. Nur zurück wohin? Auch ein neuer Job wäre wichtig für sie.

Diese Geschichte über Freundschaft und sich-umeinander-sorgen ist sehr schön erzählt und hat genau die richtigen weihnachtlichen Vibes. Den eigenen Christbaum will man nach der Lektüre am liebsten bei Kerry und Murphy kaufen - was natürlich nicht möglich ist. Man hofft aber, den Baum bei Menschen wie Kerry kaufen zu können und nicht einen Stand wie den von den Brody-Brüdern erwischt.

Die Atmosphäre nimmt einen von Anfang an mit. Tolle Charaktere und der gewohnte mitreissende Schreibstil von Mary Kay Andrews inklusive dem kleinen Geheimnis um Heinz machen diesen Weihnachtsroman zu einer perfekten Lektüre in der Adventszeit.

Fazit: Weihnachtliche Stimmung und gemütliche Lesestunden sind mit dieser schönen Geschichte rund um den Christbaumverkauf garantiert.
5 Sterne.

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