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Veröffentlicht am 07.02.2026

Guter Auftaktband

Ungelöst – Die erste Zeugin
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„Ungelöst – Die erste Zeugin“ ist der Auftaktband zu Arno Strobels neuer Cold-Case-Serie. Egal ob die Mörderfinder-Reihe, Fakt/Fake, Stalker oder welch Buch auch immer ich von Strobel gelesen habe - jeder ...

„Ungelöst – Die erste Zeugin“ ist der Auftaktband zu Arno Strobels neuer Cold-Case-Serie. Egal ob die Mörderfinder-Reihe, Fakt/Fake, Stalker oder welch Buch auch immer ich von Strobel gelesen habe - jeder einzelne Thriller hat mich gefesselt und auch dieser Reihenbeginn ist ein nervenaufreibender, spannender Psychothriller, der neugierig auf den nächsten Fall macht.

Luisa Menkhoff wendet sich an die Polizei, nachdem sie auf dem Flugblatt, das auf dem Campus aushängt, die seit vier Tagen abgängige Frau als Nicole Klement erkennt, die sie mit damals in Verbindung bringt. Damals wurde Luise als 5jährige entführt und wie es den Anschein hat, steckt dieser Entführer, Dr. Joachim Lichner, auch heute nicht nur hinter dem Verschwinden von Nicole, auch ist wiederum ein kleines Mädchen spurlos verschwunden, das genau in das damalige Schema passt.

Kriminalhauptkommissar Ramin Brunner ist gerade im Begriff, eine Cold-Case-Einheit aufzubauen, jedoch wird er zunächst diese aktuellen Vermisstenfälle mithilfe des ihm zugeteilten Kriminalkommissars Sebastian Grohmann bearbeiten, was ihm nicht sonderlich zusagt, ist doch Grohmann bekannt für seine eher unmotivierte Dienstauffassung. Nun, die beiden werden sich zusammenraufen müssen, denn Grohmann wird im KK11 Brunner unterstellt sein.

Die ersten Seiten machen mich mit den Personen vertraut, allen voran Ramin Brunner und Luise Menkhoff, deren eidetisches Gedächtnis noch sehr hilfreich sein wird. Um wiederum scheint auch sie wie schon vor Jahren im Focus von Lichner zu stehen, den einst Luises Vater hinter Gitter gebracht hat, nun aber unter Auflagen vorzeitig entlassen wurde. Nicht nur diese Hauptakteure, auch alle anderen Charaktere werden gut eingeführt, was sich allerdings schon etwas in die Länge zieht.

So richtig spannend wird es, als Luise ein altes Foto findet, das sie als 5jährige zeigt. Ab da sind die Nerven zum Zerreißen gespannt, Spuren führen immer wieder zurück und wiederum ist ein Mädchen abgängig. Sie verfolgen so etliche Spuren, viele Ungereimtheiten stehen im Raum, auch wollen sich die einzelnen Fragmente nicht recht miteinander verbinden. Und wenn es dann so aussieht, als sei alles geklärt, wendet sich nicht zum ersten Mal das Blatt. Zwischendurch sind es kurze, kursiv dargestellt Kapitel, die zunächst so gar nicht greifbar sind.

„Ungelöst“ werde ich weiterverfolgen, ich mag Strobels Art, die allzu dunklen Seiten der menschlichen Seele aufzuzeigen. Ein Psychothriller, der mich nach der zu langen Einführung dann nicht mehr loslassen wollte.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Spannender Auftakt um das neue Ermittlerduo Maren Berger und João Ferreira

Die Tote von Nazaré
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Miguel Silva führt mit seinem Portugal-Krimi „Die Tote von Nazaré“ sein neues Ermittlerduo Maren Berger und João Ferreira ein.

Die Kölner Hauptkommissarin Maren Berger bucht kurzerhand einen Flug nach ...

Miguel Silva führt mit seinem Portugal-Krimi „Die Tote von Nazaré“ sein neues Ermittlerduo Maren Berger und João Ferreira ein.

Die Kölner Hauptkommissarin Maren Berger bucht kurzerhand einen Flug nach Lissabon, weiter will sie dann mit einem Auto nach Nazaré, das etwa 120 km nördlich der Hauptstadt liegt. Vor drei Monaten ist ihr Leben aus den Fugen geraten, als sie bei einem Banküberfall schwer verletzt wurde. Fast zwei Wochen lag sie im Koma, seitdem hat sie erhebliche Erinnerungslücken und nun ist sie hier, um Abstand zu gewinnen und sich von den Folgen dieses Überfalls zu erholen.

Kaum angekommen in Nazaré, der Stadt der Wellen, erkundet Maren die nähere Umgebung und entdeckt neben der Surferstatue eine leblose Frau. Sie prüft den Puls – nichts. Sieht ein Einschussloch, direkt ins Herz. Die Frau ist tot. Eine Russin, wie sich später herausstellt. Als die örtliche Polizei eintrifft, ist die Tote verschwunden. Nur einer, Inspetor Ferreira, nimmt ihre Beobachtung ernst. Bald darauf wird ein weiterer Toter aufgefunden. Auf dem Foto, das Ferreira ihr zeigt, erkennt Maren einen Kollegen von ihr. Kölner Kollegen kreuzen in der Gegend um Nazaré auf, die ihr allesamt feindselig begegnen. Mehr noch, sie erhält unverhohlene Drohungen, ihr wird unmissverständlich klar gemacht, dass sie sofort abzureisen hat.

Maren bleibt. Und bringt dadurch nicht nur sich in Gefahr, auch gefallen jemandem Ferreiras Ermittlungen so gar nicht.

Der Krimi wird aus Marens Sicht erzählt, die Leser sind so stets hautnah im Geschehen. Sie ist eine toughe Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, sie geht an ihre Grenzen und darüber hinaus und auch wenn ich sie, die zielstrebige Ermittlerin (die jetzt jedoch als Privatperson gilt) sehr schätze, so kann ich ihre Alleingänge nicht gutheißen. Anders verhält es sich mit ihren Erinnerungslücken zum Banküberfall und davor, die wie ausgelöscht sind. Genau diese Zeit aber scheint wichtig zu sein, um auch das, was nun geschieht, richtig einordnen zu können. Und auch João Ferreira war mir sofort in seiner einfühlsamen, natürlichen Art sympathisch. Er hat es (wie so manch anderer) nicht nötig, den Inspetor hervorzuheben. Beide sind sie gut gezeichnet, auch den anderen Figuren nehme ich ihre Charaktereigenschaften ab, selbst vom Kölner „Kleeblatt“ mitsamt Anhängseln hatte ich sofort ein Bild vor Augen.

Nun, es bleibt nicht bei den Toten, es passiert sehr viel mehr. Wir tauchen tief ein in die schwierige Mordermittlung, in den Drogensumpf, in illegale Geschäfte und dem damit einhergehenden Machtmissbrauch.

Der erste Portugal-Krimi ist durchgehend spannend, lediglich ihre Abneigung und ihre Hinhaltetaktik ihrem Partner gegenüber war ein wenig drüber, auch ihre risikoreichen, geheimen Alleingänge werden einer gestandenen Kommissarin nicht gerecht, selbst wenn sie außer Dienst agiert. Die Örtlichkeit dagegen ist gut gewählt, man möchte direkt vor Ort sein. Gespannt warte ich auf den nächsten Einsatz für die beiden, gerne werde ich sie wieder begleiten.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Düster, faszinierend, manipulativ

Das Spiel des Kaspar
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Kaspar Rockwell ist Kreativdirektor bei Pheelix Gamevisions, einem weltweit agierendem Tech-Unternehmen. Er ist aber noch sehr viel mehr. Ein Spieler ist er, ein Spiele-Entwickler sowieso und wer weiß, ...

Kaspar Rockwell ist Kreativdirektor bei Pheelix Gamevisions, einem weltweit agierendem Tech-Unternehmen. Er ist aber noch sehr viel mehr. Ein Spieler ist er, ein Spiele-Entwickler sowieso und wer weiß, was sich hinter seiner visionären Fassade noch verbergen mag.

Zunächst geht es darum, DICE auf den Weg zu bringen, seine engsten Mitspieler sind mit ihm am Start. Aber - hat er Mitspieler? Hat er Gegner? Wer sind sie? Sind es einzelne Personen oder hat er es mit Velocity Springplay, dem größten Konkurrenten von Pheelix Gamevisions, zu tun? Noch habe ich keinen Durchblick, auch – oder gerade weil neben diesem Spiel so einiges passiert, das ich erst sehr spät zuordnen kann.

Von Kaspar bin ich fasziniert, er scheint alle Fäden in der Hand zu halten, außerdem scheint er über genügend Vertrauen in sich und selbstredend in DICE zu verfügen, um dieses Spiel, bei dem es um dunkle Machenschaften und Intrigen zu gehen scheint, auf den Markt zu werfen.

Benjamin Leeway bringt seinen Lesern „Das Spiel des Kaspar“ in vier Akten näher. Dass es sich dabei um sehr viel mehr als ein einfach gestricktes Würfelspiel handelt, wird bald klar. Es hat lediglich einige Seiten gebraucht, bis ich „drin“ war und ich mich auf dieses Spiel eingelassen habe, dessen Spielregeln so geheim sind, dass sie einen speziellen Zugangscode für die Anleitung brauchen - zumindest macht Kaspar dies publik. Zahlt sich seine taktisch kluge, äußerst raffinierte Handlungsweise aus?

Dieser psychologische Thriller bietet ein Spiel der gefährlichen Art, der hinter die auf Hochglanz polierten Kulissen der Chefetagen blickt. Er geht weit, sehr weit, und nicht nur die Moral bleibt dabei auf der Strecke und - vertrauen sollte man tunlichst nur sich selbst. Dunkelheit, Intrige, Chaos, Enthüllung – ein wendungsreicher Wirtschaftsthriller, der mit starken Charakteren aufwartet, dessen Ende - das mir ausgesprochen gut gefällt - zu keiner Zeit vorhersehbar ist.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Schwacher Anfang, wird zunehmend fesselnd

This Story Might Save Your Life
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Schon allein die Geschichte, die den Anspruch erhebt, dein Leben retten zu können oder besser ausgedrückt „was dich nicht umbringt, lässt dich überleben“, macht neugierig aufs Buch, dazu das sehr ansprechende ...

Schon allein die Geschichte, die den Anspruch erhebt, dein Leben retten zu können oder besser ausgedrückt „was dich nicht umbringt, lässt dich überleben“, macht neugierig aufs Buch, dazu das sehr ansprechende Äußere – da muss man einfach zugreifen. „This Story Might Save Your Life“, kurz TSMSYL, ist ein Comedy-Survival-Podcast, der sich jede Woche einem anderen Thema widmet.

Joy und Benny sind die beiden Protagonisten, die diesen Postcast betreiben. Einer ist Stichwortgeber, der andere kontert, das Ergebnis sind launige, witzige Folgen, die Reichweite ist mittlerweile enorm. Man muss schon locker sein, um den vorgegebenen, mitunter lebensgefährlichen Situationen auf witzig-spritzige Art beizukommen - ihre Fans lieben genau diesen Nervenkitzel. Die beiden kennen sich wirklich gut, sind beste Freunde, sie ticken ähnlich. Ein Paar sind sie jedoch nicht. Joy ist mit Xander verheiratet und Luna ist Bennys Ex-Frau. Einige andere spielen schon auch eine Rolle, sie kommen ins Geschehen, sobald es die Story zulässt. Als dann Joy und Xander verschwinden, ist nichts mehr so, wie es war.

Gespannt starte ich in diese Geschichte, die mich jedoch bald das Buch zur Seite legen lässt. Der extrem langatmige Anfang macht das Hineinfinden in die Story nicht gerade einfach, das Durchhalten hat sich aber dann doch gelohnt. Die wechselnden Kapitel werden aus Sicht von Joy und Benny erzählt, es sind einmal Rückblenden und dann ist es die Suche nach Joy und Xander. Und jetzt nimmt die Story so richtig Fahrt auf, von jedem einzelnen werden auch unschöne Dinge ans Licht gezerrt, keiner kommt ungeschoren davon. Letztendlich sehe ich klarer, es geht um perfide Manipulation, die lange gut versteckt werden kann. Ein Thriller, der sich langsam entwickelt, dem man trotz Startschwierigkeiten eine Chance geben sollte, es lohn sich allemal.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Erschütternde Einblicke in häusliche Gewalt und deren tödliche Folgen

Da, wo ich dich sehen kann
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Ein Femizid wird als gezielte Tötung einer Frau oder eines Mädchens gesehen, dem häufig über einen längeren Zeitraum exzessive Gewalt in körperlicher und physischer Form vorausgeht. Jasmin Schreiber hat ...

Ein Femizid wird als gezielte Tötung einer Frau oder eines Mädchens gesehen, dem häufig über einen längeren Zeitraum exzessive Gewalt in körperlicher und physischer Form vorausgeht. Jasmin Schreiber hat sich dieses Themas angenommen. „Da, wo ich dich sehen kann“ gibt einen Einblick in eine Familienstruktur, der erschüttert.

Vater, Mutter, Kind und beide Großelternpaare sowie die beste Freundin der Mutter, die auch Majas Patentante ist, kommen hier zu Wort, daneben sind es Anträge über das Sorgerecht für die neunjährige Maja, Gerichtsbeschlüsse, Zeitungsartikel sowie Zeichnungen und Notizzettel des Kindes, dazwischen auch sehr dunkle Kapitel, die schwarz unterlegt sind.

Es geht um Verlust, um Trauer, um Liebe und Hass und um Manipulation geht es auch. Frank, Majas Papa, war Meister darin, seine Tochter an sich zu binden und sie gleichzeitig ihrer Mutter Emma zu entziehen. Er versteht es bestens, das Bild des treusorgenden Ehemannes und Vater zu zeigen, dabei hält er Emma klein, sodass auch sie dieses Bild nach außen hin verfestigt. Nicht mal ihren Eltern vertraut sie sich an, es kommt immer häufiger zu unschönen Szenen, die in der Ermordung Emmas durch Frank gipfelt.

Nach einigem hin und her ist Maja bei Oma und Opa mütterlicherseits, bei Brigitte und Per. Zu Mamas beste Freundin Liv fasst sie Vertrauen und vor allem ist es ihre Hündin Chloé, die das Herz aller im Sturm erobert. Abwechselnd werden sie alle näher betrachtet, sie alle tragen sehr viel Trauer in sich, sie haben Schuldgefühle – warum habe ich nicht eher hingesehen, nichts bemerkt? Anzeichen gab es reichlich. Aber ist es nicht immer so, dass man hinterher nicht nachvollziehen kann, die verdeckten Hilferufe übersehen zu haben?

Es ist eine sehr intensive Erzählung, die jedoch teilweise wie entrückt daherkommt, nicht recht greifbar ist. Vor allem die Protokolle und auch die Großeltern väterlicherseits sind eher abstrakt, während ich das Gefühlschaos in Maja schon nachvollziehen kann. Ihre Gewissensnöte sind sichtbar, sie erlebt in ihren jungen Jahren häusliche Gewalt und auch, wenn sie in Therapie ist, kann sie nicht damit umgehen. Sie gibt sich die Schuld an Mamas Tod. Denkt an sie und auch an ihren Papa, der hier ansonsten stumm bleibt. Auch Livs Bemühungen um sie sowie die von Oma Brigitte und Opa Per sind ob dieser schrecklichen Situation überzeugend und warmherzig dargestellt.

Ein weiterer Fall im familiären Umfeld wird angedeutet - ein als Treppensturz getarnter Femizid. Podcasts und Thrillerautoren werden angeprangert, allerdings fehlt mir ein nicht unbedeutender Teil. Gewalt gegen Frauen ist hier Thema – so weit, so gut bzw. nicht gut. Dass es auch Gewalt gibt, die von Frauen ausgehen, wird zum Schluss auf einer halben Seite (Hilfe für Männer) schon erwähnt, was mir zu wenig ist. Denn gerade hier ist die Dunkelziffer hoch, Frauen wird unbesehen alles geglaubt, während Männer sich immer noch scheuen, Hilfe anzunehmen. Trotzdem ist es ein Buch, das mich fassungslos zurücklässt. Weltweit wird alle zehn Minuten eine Frau ermordet. Getötet, weil sie Frauen sind. Von Partnern, von Familienmitgliedern.

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