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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2026

Vom Suchen, Scheitern und Lieben

Niemands Töchter
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Schwierige Familienverhältnisse und insbesondere komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen sind beliebte Themen in der Literatur. Da kann einen schon mal das Gefühl überkommen, dass die Themen ausgereizt ...

Schwierige Familienverhältnisse und insbesondere komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen sind beliebte Themen in der Literatur. Da kann einen schon mal das Gefühl überkommen, dass die Themen ausgereizt sind und es kein weiteres Buch dazu braucht. Doch dann stolpert man über ein Buch wie dieses und wird eines Besseren belehrt.

In ihrem Roman gibt die Autorin Judith Hoersch Einblick in das Leben von vier Frauen, Gabriele, Marie, Isabell und Alma. Alle vier sind Töchter und drei von ihnen sind ebenfalls Mutter. Das Leben der vier Frauen hängt auf irgendeine Art und Weise zusammen, wobei sich dies erst im Laufe des Romanes herauskristallisiert.
Die Erzählerperspektive wechselt zwischen den vier Frauen hin und her und auch Zeitsprünge gibt es in dem Buch so einige. Mal befindet man sich im Jahr 1981 und dann wieder 2019. Dies mag für manche Leserinnen und Leser eine Herausforderung oder ein Störfaktor sein, ich hatte damit im Großen und Ganzen keine Probleme.

Das Tempo des Buches würde ich als eher langsam und gemächlich bezeichnen. Gerade zu Beginn des Buches lässt sich Judith Hoersch viel Zeit und man hat phasenweise das Gefühl auf der Stelle zu treten. Dieses Gefühl ändert sich dann aber je näher man sich dem Ende des Buches nähert. Dort zieht das Tempo ordentlich an und die Ereignisse überschlagen sich fast.

Besonders hervorheben möchte ich, dass es sich hierbei meiner Meinung nach nicht um den klassischen Mutter-Tochter-Roman handelt. Judith Hoersch zeigt die verschiedensten Aspekte des Mutterseins auf, die schönen so wie auch die Schattenseiten. Auch dem Thema unerfüllter Kinderwunsch gibt sie Raum. Dabei geht sie sehr feinfühlig vor und überhaupt nicht wertend. Sie zeigt die Ambivalenz in den Muttergefühlen und wie sehr unsere Beziehung zur eigenen Mutter unser Verhältnis zu unseren Kindern beeinflusst.

Spannend fand ich, dass es sich bei diesem Hörbuch um eine Autorenlesung handelt. Damit habe ich bis dato sehr durchwachsene Erfahrungen gemacht und ziehe normalerweise professionelle und ausgebildete Sprecherinnen und Sprecher vor. Von Anfang an war ich allerdings begeistert von Judith Hoerschs Stimme und ihrer Art das Hörbuch zu lesen. Dies ist wahrscheinlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Autorin auch Schauspielerin und Synchronsprecherin ist. Sie versteht ihr Handwerk wirklich und ich würde sofort wieder ein Hörbuch hören, welches von ihr gelesen wird.

Dieses Buch richtet sich meiner Meinung nach vor allem an Leserinnen und Leser die eine kraftvolle, feinfühlige und tiefsinnige Geschichte zu schätzen wissen. Personen die Bücher mit viel Handlung und Spannung bevorzugen, werden dieses Buch wohl eher nicht genießen können. Für mich war es auf jeden Fall eine sehr interessante Lektüre, die noch immer nachwirkt.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Ein märchenhafter Start voller Zauber, Freundschaft und Mut

Cassandra Morgan, Band 1 - Der goldene Schlüssel
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Ich gestehe, ich habe ein Faible für Hexen und bin immer wieder auf der Suche nach Büchern, die sich um dieses Thema drehen. So bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden und die positiven Rezensionen ...

Ich gestehe, ich habe ein Faible für Hexen und bin immer wieder auf der Suche nach Büchern, die sich um dieses Thema drehen. So bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden und die positiven Rezensionen haben mich davon überzeugt, dass ich es unbedingt lesen muss. So viel sei schon mal verraten, ich habe das Lesen des Buches auf keinen Fall bereut.
Mir ist bewusst, dass es sich hier um ein Buch aus dem Kinder-Fantasy Genre handelt und ich aufgrund meines doch eher fortgeschrittenen Alters nicht ganz in die empfohlene Altersklasse passe. Dennoch habe ich das Buch gelesen, habe das Lesen sehr genossen und möchte daher auch meine Meinung kundtun.

Das Buch richtet sich an eine Leserschaft mit einem empfohlenen Alter ab 10 Jahren und obwohl ich gerne Geschlechtszuordnungen vermeide, denke ich, dass sich dieses Buch vornehmlich an Mädchen des entsprechenden Alters richtet. Natürlich spricht nichts dagegen, dass auch Jungs dieses Buch lesen und auch ich würde meinem kleinen Leser dieses Buch geben, leider ist er noch ein wenig zu jung dafür. Der Grund, warum ich denke, dass sich dieses Buch eher an eine weibliche Leserschaft richtet, liegt schlicht und einfach an der Tatsache, dass es keine männlichen Identifikationsfiguren gibt.

Skye McKenna hat in diesem Buch eine zauberhafte Welt erschaffen, die Elemente des modernen Englands mit einer Märchen- und Fantasiewelt verknüpft. Diese Berührungspunkte zwischen Realität und Fiktion sind hervorragend gelöst und wirken an keiner Stelle konstruiert, sondern sehr realistisch.
Cassie ist eine sehr greifbare Hauptperson, in der sich das Zielpublikum des Buches, meiner Meinung nach, sehr gut hineinversetzen kann. Aus erwachsener Sicht waren ihre Handlungen teilweise zu unüberlegt und sie wirkte manchmal ein klein wenig zu naiv. Doch dies alles passt perfekt zu ihrem Alter und macht Cassandra als Charakter glaubwürdig. Besonders gut gefallen hat mir, dass in diesem Buch die Themen Zusammenhalt, Füreinander einstehen und Freundschaft einen großen Stellenwert hatten. Leider sind einige der Nebencharaktere recht farblos geblieben, ich erhoffe mir aber, dass dies im zweiten Teil der Reihe ein wenig verbessert wird.

Der Schreib- und Erzählstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen und ist meiner Meinung nach absolut passend für die Zielgruppe des Buches, aber auch für Erwachsene. Die kleinen Illustrationen am Kapitelanfang haben mir sehr gut gefallen und sind definitiv ein zusätzlicher Pluspunkt.

Als einzigen Kritikpunkt möchte ich anmerken, dass die Handlung nicht immer ganz logisch war und ich an der einen oder anderen Stelle ein klein wenig irritiert war. Dies sei der Autorin aber verziehen, da sie ansonsten eine sehr solide Arbeit abgeliefert hat.
Autorin Skye McKenna hat ihr wirklich einen sehr guten Reihenauftakt geliefert. Das Buch an sich macht Spaß, aber vor allem macht es auch Lust auf die Fortsetzungen.
Ich würde dieses Buch allen empfehlen, die an Hexen und Feen glauben, die Freundschaft schätzen und ein klein wenig Magie in ihrem Leben brauchen, unabhängig von ihrem Alter.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Regional, rustikal, erinnerungsreich

Gennaros Italia Mia
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„Man kann tausend neue Küchen nach Italien bringen – aber am Ende sehnen wir uns doch nach den Gerichten unserer Großmütter und Mütter.“
Gennaro Contaldo tritt mit diesem Buch eine Reise in die Vergangenheit ...

„Man kann tausend neue Küchen nach Italien bringen – aber am Ende sehnen wir uns doch nach den Gerichten unserer Großmütter und Mütter.“
Gennaro Contaldo tritt mit diesem Buch eine Reise in die Vergangenheit an. Zurück zu den Wurzeln, in die Heimat und seine Kindheit. Er gräbt mehr oder weniger in Vergessenheit geratene Rezepte wieder aus und teilt einen Teil der italienischen Küche mit uns, den wahrscheinlich die meisten bis dato noch nicht kannten.

Wie bei den meisten modernen Kochbüchern, vor allem wenn es sich um Exemplare von namhaften Küchen oder anderweitig berühmten Persönlichkeiten handelt, ist dies mehr als nur eine Rezeptsammlung. Es ist viel mehr eine Mischung aus Anekdoten, stimmungsvollen Bildern und ein kleiner Exkurs in die Geschichte Italiens und der italienischen Küche. Gennaro nimmt sich die Zeit den Leser:innen die Unterschiede in den Regionen beizubringen und wie sich diese Unterschiede auch unweigerlich auf das Essen und die Rezepte auswirken.

Die Einteilung der Rezepte ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber in diesem Fall auch angebracht und nachvollziehbar. Die Rezepte werden in diesem Buch nach dem Bereich (Mittelitalien, Die Inseln, Der Norden, Der Süden) aus dem sie stammen eingeteilt. Vor jedem der großen Kapitel gibt es eine kurze Einführung über die Regionen, die zu diesem Bereich zählen und welche Zutaten typisch für diese Regionen sind.

Die Rezepte selbst sind ansprechend und übersichtlich dargestellt. Neben dem italienischen Namen und der deutschen Übersetzung dessen, gibt es zu jedem Rezept ein paar einführende Worte und manchmal auch den einen oder anderen Tipp. Nährwertangaben fehlen genauso wie Informationen zur Zubereitungszeit. Auch auf eine Kennzeichnung ob es sich bei dem Rezept um ein vegetarisches oder veganes Gericht handelt, wird verzichtet. Obwohl es sehr viele Fotos in dem Buch gibt, wurde nicht jedes der Gerichte abgelichtet.

Die Rezepte des Buches sind meiner Meinung nach nur bedingt alltagstauglich. Dies liegt vor allem daran, dass der Arbeitsaufwand durch das Herstellen der Nudeln recht hoch ist. In einigen Gerichten empfiehlt Gennaro eine alternative Nudelsorte, damit man dieses Gericht schneller zubereiten kann. Die meisten Zutaten sollte man heutzutage problemlos bekommen, für die eine oder andere Zutat oder auch Küchenhilfsmittel wird man aber um einen Besuch in einem Fachgeschäft oder einer Onlinebestellung nicht rumkommen.

Gennaro Contaldo ermöglicht der breiten Masse mit diesem Buch einen wunderbaren und schmackhaften Einblick in die traditionelle italienische Küche. Meiner Meinung nach ist dieses Buch vor allem für bereits erfahrene Köche geeignet, die tiefer in die italienische Küche eintauchen möchten. Anfänger und Veganern würde ich eher von der Anschaffung dieses Buchs abraten, da ihre Bedürfnisse hier nicht befriedigt werden.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Einfühlsam und kindgerecht: Demenz erklärt mit Herz

Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank
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Es gibt Bücher, da würde man sich wünschen, dass sie überhaupt nicht existieren würden, so wie dieses Buch. Das liegt aber nicht an dem Buch an sich, sondern an dem Thema, dem sich das Buch widmet: Demenz. ...

Es gibt Bücher, da würde man sich wünschen, dass sie überhaupt nicht existieren würden, so wie dieses Buch. Das liegt aber nicht an dem Buch an sich, sondern an dem Thema, dem sich das Buch widmet: Demenz. Ich würde mir wünschen, dass niemand ein Kinderbuch über Demenz braucht, weil niemand seinen Kindern erklären muss, warum sich die Großeltern „plötzlich“ seltsam verhalten. Leider kommen aber immer wieder Eltern in diese Situation und daher bin ich froh, dass es dieses Buch gibt.

Paul und Anna Maar erzählen hier auf kindgerechte und sehr sensible Art und Weise die Geschichte von Opa Bär, welcher unter der „blöden Menz“ leidet, und seinem Enkel Benny. Auf medizinische Fachbegriffe wird hier bewusst verzichtet, was ich bei einem empfohlenen Lesealter von ab 5 Jahren auch durchaus gutheißen kann.

Das Buch konzentriert sich vor allem auf gängige Symptome der Demenz, wie zum Beispiel das Verlegen von Dingen und das Verwechseln von Wörtern. In Ansätzen werden auch Dinge wie Aggressionen und Vergessen angesprochen. Eventuell hätte man gerade letzteres noch ein wenig stärker in die Geschichte einbinden können. Allerdings befürchte ich, dass das Buch dadurch vor allem für sensible Kinder zu emotional belastend werden hätte, können. Andererseits entspricht es aber der Realität.
Demenz ist eine sehr komplexe Krankheit mit verschiedenen Stufen und Ausprägungsformen. Alle Facetten der Krankheit werden in diesem Buch natürlich nicht dargestellt. Dennoch finde ich, dass das Buch die wichtigsten Punkte erläutert und den Kindern vermittelt, was es heißt, dement zu sein.

Die Illustrationen von Hannes Maar runden das ganze Buch ab. Sie passen perfekt zu der sehr feinfühligen Art der Erzählung und unterstreichen den gefühlvollen Charakter des Buches. Besonders gut haben dem kleinen Leser und mir die Mischung aus groß- und kleinformatigen Zeichnungen gefallen. Auf grelle und schreiende Farben wurde in diesem Buch verzichtet, trotzdem sind die Illustrationen bunt und detailreich.

Wie nicht anders zu erwarten bei deinem Buch über Demenz ist der Grundton des Buches ein wenig melancholisch und traurig. Paul und Anna Maar haben es aber dennoch geschafft ein paar sehr lustige Szenen einzubauen, so dass man zwischendurch auch mal, was zum Lachen hat. Auch wenn einem als Erwachsener das Lachen manchmal fast im Hals stecken bleibt.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch wirklich eine gute Möglichkeit und Hilfestellung, um Kindern von betroffenen Familien das Thema Demenz näher zu bringen. Daher möchte ich für dieses Buch auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Mutterschaft ohne Filter

8000 Arten, als Mutter zu versagen
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Bittet man die KI um eine Beschreibung von Carolin Kebekus, dann kommen unter anderem die folgenden Schlagworte: Scharfe Beobachtungsgabe, Satire, Gesellschaftskritik und natürlich Humor. Genau diese Schlagwörter ...

Bittet man die KI um eine Beschreibung von Carolin Kebekus, dann kommen unter anderem die folgenden Schlagworte: Scharfe Beobachtungsgabe, Satire, Gesellschaftskritik und natürlich Humor. Genau diese Schlagwörter passen perfekt zu diesem Buch. Kein Wunder, denn dieses Buch ist eine sehr persönliche Angelegenheit und wie man es von Carolin Kebekus kennt, nimmt sie sich kein Blatt vor den Mund.

Carolin Kebekus schildert in diesem Buch sehr offen und persönlich ihre Erfahrungen zu den Themen Schwangerschaft und Muttersein und insbesondere ihre Erfahrungen wie ihre Umwelt mit diesem Thema umgeht. Sie schreibt über den Druck, der durch die sozialen Medien entsteht, über die Unter- und Überforderung und die oftmals unrealistischen und romantischen Vorstellungen, die mit der Mutterschaft einhergehen.

Auf ihre bekannte Art spricht die Autorin dabei die Missstände auf eine sehr humorvolle, sarkastische und manchmal auch ein wenig übertriebene Art und Weise an. Manche der Witze kommen ein wenig platt daher und den einen oder anderen lustigen Spruch von Carolin Kebekus hat man schon irgendwo anders gelesen oder gehört. Alles in allem war das Buch aber eine sehr kurzweilige und lustige Lektüre, wenn einem manchmal auch das Lachen ein wenig im Halse stecken geblieben ist.

Dennoch trifft sie den Nagel leider viel zu oft auf den Kopf und sie spricht sicher vielen überforderten und verunsicherten Neumüttern aus der Seele. Viele, der von ihr beschriebenen Szenen, Gedanken und Situationen konnte ich sehr gut nachvollziehen bzw. habe ich selbst erlebt. Carolin Kebekus vermittelt den Leserinnen mit diesem Buch sehr eindringlich, dass sie nicht allein ist mit ihren Sorgen, Ängsten und Problemen.

Obwohl ich das Buch sehr unterhaltsam gefunden habe, gibt es leider auch einen kleinen Kritikunkt von meiner Seite. An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht und dafür auf den einen oder anderen lustigen Spruch verzichtet.

Die Mischung aus Unterhaltung und Gesellschaftskritik hat mir wirklich gut gefallen, daher möchte ich das Buch gerne weiterempfehlen. Meiner Meinung nach ist dies eine hervorragende Lektüre für Schwangere und Neumütter, um ihnen ein wenig den Druck zu nehmen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. All denjenigen, die mit dem Humor von Carolin Kebekus nichts anfangen können, würde ich eher von dem Buch abraten, denn wer mit der Autorin nicht zurechtkommt, wird mit diesem Buch auch nicht glücklich werden.

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