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Veröffentlicht am 23.01.2026

Der Toaster in der Badewanne

Miss Emily und die Schatten der Vergangenheit
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Miss Emily gesteht sich ein, dass sie sich langsam doch auf den Besuch des englischen Königspaar freut, auch wenn dieser Besuch viel Mehrarbeit für die Bewohner und Angestellten von Higher Barton bedeutet. ...

Miss Emily gesteht sich ein, dass sie sich langsam doch auf den Besuch des englischen Königspaar freut, auch wenn dieser Besuch viel Mehrarbeit für die Bewohner und Angestellten von Higher Barton bedeutet. Trotzdem haben alle noch Zeit, Diskussionen pro und contra Elektrik anzuzetteln. Kleinere Vorfälle liefern beiden Lagern immer wieder Argumente dafür oder dagegen.

Doch dann überstürzen sich die Ereignisse - im wahrsten Sinn des Wortes. Erst ein Sturz, für den eventuell ein aggressiver Pächter, dem gekündigt werden soll, als Täter in Frage kommt und dann stirbt der Kammerherr in der Badewanne. Der soll kurz zuvor jemanden getroffen haben, dem Emily sehr nahe steht. Emily will keine Polizei im Hause und ermittelt wie immer selbst. Hilfe bekommt sie von Vikar Horatio Cranleigh, aktuell gerade die einzige Person, der sie noch vertraut.

Schnell ist man wieder in der Szenerie rund um Higher Barton versunken. Während sich das Thema der neuen technischen Errungenschaften der damaligen Zeit in den vergangenen Bänden eher um Automobile drehte, geht es hier nur um Stromanschlüsse in den Häusern. Jetzt fehlen nur noch die Fernsprechgeräte. Interessant war es, den Befürwortern und Gegnern zu lauschen, bei letzteren ist auch viel Aberglaube mit im Spiel, weil man der neuen Technik nicht traut.

Geschickt kombiniert Rebecca Michéle geheimnisvolle Vorfälle mit einem Familiengeheimnis und verwebt diese mit den vielfältigen Charakteren, so dass man sich nicht für eine Täterschaft entscheiden kann. Bis zuletzt, bis die Wahrheit endlich aufgedeckt wird, bleibt es spannend.

Schade fand ich einzig, dass es zwischen Emily und Horatio immer noch nicht weitergeht. Auch seine Vergangenheit bleibt noch im Dunkeln. Ich hoffe, dass zumindest diese im nächsten Band enthüllt wird, denn bei solchen Hintergrund-Geheimnissen bin ich sehr ungeduldig und mag nicht bändelang auf die Auflösung warten.

Fazit: Unterhaltender, ereignisreicher und spannender dritter Band der "Miss Emily"-Reihe.
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Welcher Duft war es?

Mademoiselle Coco und der Duft des Mörders
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Parfüm, und was ein Duft alles vermag, ist das Thema in diesem zweiten Band der "Mademoiselle Coco"-Reihe von Michelle Marly. Eigentlich ist Coco Chanel gerade daran, alles Geschäftliche rund um ihr erstes ...

Parfüm, und was ein Duft alles vermag, ist das Thema in diesem zweiten Band der "Mademoiselle Coco"-Reihe von Michelle Marly. Eigentlich ist Coco Chanel gerade daran, alles Geschäftliche rund um ihr erstes Parfüm Chanel No 5 auszulagern. Mit den Herren Wertheimer stehen Vertragsabschlüsse an. Soll sie sich darüber noch mit ihren Anwälten austauschen oder einfach unterschreiben?

Sie hätte wohl besser Ersteres getan, aber sie ist mit den Gedanken ganz woanders: eine Kundin wird hysterisch, als sie glaubt, in einem Herrn, der das Modegeschäft gerade verlässt, den Verlobten ihrer Schwester zu erkennen. Oder eher zu erriechen, denn das Parfüm hätte er getragen. Am Tag der Hochzeit stand die Kundin alleine vor der Kirche. Ihre Schwester wird seither vermisst und auch der Verlobte ist verschwunden.

Coco, die ihre Nase nicht nur gerne zum Kreieren von Düften benutzt, sondern dieselbige auch gerne in andere Angelegenheiten steckt, versucht nun herauszufinden, wo das Paar, welches im Geschäft eine Bestellung tätigte, wohnt. Nur leider steht Kommissar Hollande auch schon in den Startlöchern. Trotzdem versucht Coco abseits von Hollandes Revier noch weiteren ungeklärten Vermissten- und Todesfällen von Frauen auf die Spur zu kommen. Begleitet wird sie dabei von Misia Sert, aufgefangen von Jean Cocteau. Denn die beiden Frauen lassen kaum ein Fettnäpfchen aus und begeben sich so manches Mal in Gefahr.

Es war wieder interessant mit Coco Chanel in Paris und und Umgebung unterwegs zu sein. Zwischendurch empfand die Geschichte aber ein wenig in die Länge gezogen, was wohl daran lag, dass ich mir - schneller als Coco - einiges zusammenreimen konnte. Band 1 fand ich zudem spannender. Dennoch habe ich die Geschichte gerne gelesen und freue mich auf Band 3, der bereits im Juni erscheint.

Fazit: Gemütlicher Cosy-Krimi - mit Coco Chanel einem Heiratsschwindler auf der Spur!
Knapp 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Weihnachtliches Schottland

You Make Me Feel Like Christmas
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Emma Bishop hat für ihren Weihnachtsroman erneut den Schauplatz Schottland gewählt. Diesmal keine kleine Insel wie in der "Isle of Mull"-Reihe, sondern eine kleine Ortschaft namens Fairlie - mit einer ...

Emma Bishop hat für ihren Weihnachtsroman erneut den Schauplatz Schottland gewählt. Diesmal keine kleine Insel wie in der "Isle of Mull"-Reihe, sondern eine kleine Ortschaft namens Fairlie - mit einer Bibliothek. Dort arbeiten unter anderem Annie und Sybil, die leider keinen Kontakt mehr mit ihrem Sohn hat. Als sie ins Spital muss, sucht Annie Sybils Sohn Marc, der erfolgreich in London arbeitet und lebt. Er kommt daraufhin in sein Heimatdorf zurück, und möchte sich endlich mit seiner Mutter, die er quasi nicht kennt, aussprechen.

Nun ist die Leserschaft im Vorteil, denn sie kennen beide Sichten, die von Sybil und die von Marc. Annie blickt langsam auch durch, doch pocht sie darauf, dass Marc sich Sybils Schilderung selbst anhört. Doch Sybil muss sich erst noch schonen und so vergehen einige Wochen, die Marc vor Ort verbringt. Er übernimmt einige von Sybils Schichten in der Bibliothek, während die anderen Mitarbeiterinnen versuchen, Annie und Marc zu verkuppeln, was beim Lesen oft zum Schmunzeln führt. Als ob sie nicht von sich aus flirten könnten, aber beide sind nunmal gerne Singles und haben ihre jeweiligen Gründe dafür, trotzdem verbringen sie gerne Zeit zusammen.

Gemeinsam mit Annie und Marc erleben wir die Weihnachtszeit in Fairlie. Marc überlegt sich mit der Zeit tatsächlich, ob es hier nicht doch lebenswerter wäre als in London. Beim Lesen würde man sich jedenfalls sofort für Fairlie entscheiden, denn Emma Bishops Schreibstil beschreibt die Ortschaft, die weihnachtlichen Aktivitäten der Bewohner und deren Zusammenleben stimmungsvoll.

Der Buchtitel stammt von einem Lied, das im Roman eine Rolle spielen wird. Ich hab es mir gleich auf meine Christmas Songs Playlist gepackt und während dem Lesen öfters gehört.

Sehr schön fand ich die vor jedem Kapitel stehenden Zitate, die alle etwas mit Büchern oder Lesen zu tun haben. Das passt hervorragend zu der Geschichte, denn die Bibliothek und das Bücher schreiben nehmen viel Platz ein in diesem kurzweiligen Roman.

Fazit: Ein schöner weihnachtlicher Schmöker.
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Besuch in Berlin

Wenn ich eine Wolke wäre
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Volker Weidermann fasst in "Wenn ich eine Wolke wäre" Mascha Kalekos späte Jahre zusammen. Zuerst wird ganz kurz ihr Leben bis zur Ausreise nach Amerika im Jahre 1938 geschildert, auch die Jahre in Amerika. ...

Volker Weidermann fasst in "Wenn ich eine Wolke wäre" Mascha Kalekos späte Jahre zusammen. Zuerst wird ganz kurz ihr Leben bis zur Ausreise nach Amerika im Jahre 1938 geschildert, auch die Jahre in Amerika.

Ausführlich erzählt der Autor dann aber über jene Zeit im Jahr 1956, in der Mascha nach Deutschland zurückkehrt, "ihre" Stadt Berlin und weitere deutsche Städte besucht und neu entdeckt.

Kurz reist sie nach Amerika zurück, bevor sie sich mit ihrem Mann Chemjo 1959 in Israel niederlässt. Sie besucht aber einmal im Jahr Europa, v.a. die Schweiz und Deutschland, um Verlegerkontakte zu pflegen.

In dieser Zeit erlebt sie so vieles: das geteilte Berlin, das Wiedersehen mit ihrer Schwester Lea, den Tod ihrer Eltern, ihres Sohnes, später auch den von Chemjo. Ebenso erfährt man vieles Interessantes über die Entwicklung der Buchverlage und der Kontakt mit den Verlegern in den Nachkriegsjahren und über die anderen Künstler, mit denen Mascha in Kontakt stand.

Es ist nicht nur Maschas Geschichte, sondern auch eine Art Dokumentation über das, was die geflüchteten Menschen bei einem Besuch oder ihrer Rückkehr in Deutschland erwartete. Die dortigen Erlebnisse lösen vielfältige und unterschiedliche Gefühle bei Mascha aus, die sie in ihren Briefen an Chemjo und in ihren Gedichten verarbeitet. Immer wieder werden an passender Stelle ihre Gedichte wiedergegeben, was das zuvor Gelesene sogleich vertiefen lässt.

Fazit: Feinfühlig erzählt Volker Weidermann Mascha Kalekos Geschichte, mit ihren Gedichten achtsam unterlegt. Leseempfehlung!
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Herrlich schräg!

Der Doktor und der liebe Mord
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Wenn man sich das Cover dieses Tierarzt-Krimis genau anschaut, erkennt man, dass es deutlich in Richtung Humor geht. Auch der Klappentext verrät selbiges. Doch dass es in Richtung schwarzer Humor geht, ...

Wenn man sich das Cover dieses Tierarzt-Krimis genau anschaut, erkennt man, dass es deutlich in Richtung Humor geht. Auch der Klappentext verrät selbiges. Doch dass es in Richtung schwarzer Humor geht, merkt man erst beim Lesen der ersten Kapitel. Mich erinnerte dieser Tierarzt-Krimi an die "Monsieur Comte"-Reihe von Pierre Martin. Auch dort geht es um Auftragsmorde und der "Killer" will hier wie da eigentlich gar nicht morden. Doch von Anfang an:

Der scheue Tierarzt Severin Herr arbeitet in einer Praxis auf einem Gutshof, der altersschwache Tiere aufnimmt. Sein Chef, Professor Thalheim, ist arrogant, intrigant und ein Besserwisser. Das wird ihm - endlich! - zum Verhängnis, als er sich wieder einmal in eine Behandlung einmischt. Der Professor ist tot, glücklicherweise. Aber Severin denkt, er wäre schuld an Thalheims Tod. Damit dessen ungewöhnlicher Tod nicht auffällt, lässt sich Severin einiges einfallen.

Um den Hof zu halten, braucht Severin aber Geld, viel Geld. Wie er zu diesem kommen soll, für das hat eine Mitarbeiterin, Putzfrau Jedna, eine ihrer Meinung nach super Idee: er soll inoffiziell als Auftragskiller arbeiten, was ihm gar nicht gefällt. Der erste Auftrag lässt auch nicht lange auf sich warten. Doch Severin will erst die Unschuld dieser Person beweisen, bevor er sich auf den Deal einlässt. Derweil hat er dazu noch Kommissarin Helene Sommerfelt-Stur an der Backe, die skeptisch ist, was die Unschuld der Gutshof-Mitarbeitenden betrifft. Viel lieber hätte Severin mit dem umgänglichen Kommissar Albin zu tun, doch der kommt nur selten allein vorbei.

Es ist ein wirklich schräger Krimi mit vielen originellen Figuren. Severin Herr ist ein einfühlsamer Arzt, der sich um die Tiere und auch die Besitzer kümmert, das Herz hat er am rechten Fleck. Jedna ist undurchschaubar. Tierarzt-Gehilfe Tristan kommt daher wie ein hartherziger Rocker, ist aber äusserst sensibel und tierlieb. Von Tierpfleger Leopold hätte ich gerne ein bisschen mehr erfahren.

Der Schauplatz "Gnadenhof" ist gut gewählt, inhaltlich alles gewollt eine Spur zu überdreht. Der unterhaltende Krimi spielt in der kalten Jahreszeit, von daher wäre jetzt die perfekte Lesezeit für "Der Doktor und der liebe Mord". Und ihr habt keine Ahnung, wie oft ich mir den Titel falsch notierte: an den "lieben Mord" konnte ich mich einfach nicht gewöhnen, bei mir wurde immer "das liebe Vieh" daraus

Fazit: Ideenreicher, schwarzhumoriger und unterhaltender Krimi. Wer in der Adventszeit eine nicht ganz so besinnliche, aber trotzdem zur Saison passende Lektüre lesen möchte, liegt hier goldrichtig.
4 Sterne.

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