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Veröffentlicht am 09.02.2021

Wie viel Kommunikation ist möglich zwischen Mensch und Tier?

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Die drei wesentlichen Protagonisten dieses Romans sind Guy Schemerhorn, Psychologie-Professor, der über den Spracherwerb von Schimpansen forscht, Aimee, eine schüchterne, kontaktscheue und etwas ziellose ...

Die drei wesentlichen Protagonisten dieses Romans sind Guy Schemerhorn, Psychologie-Professor, der über den Spracherwerb von Schimpansen forscht, Aimee, eine schüchterne, kontaktscheue und etwas ziellose Psychologiestudentin und - last but not least - Sam, ein junger Schimpanse, der von Guy wie ein Mensch aufgezogen wird und Unterricht in Gebärdensprache erhält. Der Roman spielt in den 70er/80er Jahren, als die Verhaltensforschung ihren Höhepunkt erreicht.
Aimee sieht zufällig im Fernsehen eine Rate-Show, bei der Guy mit Sam zu Gast ist und ist auf Anhieb begeistert, noch mehr, als sie dann am nächsten Tag am Schwarzen Brett in der Uni ein Angebot für studentische Hilfskräfte für just dieses Projekt entdeckt. Sie bewirbt sich um den Job und bekommt ihn, denn Sam springt ihr sofort auf den Arm und lässt sie nicht mehr los: Liebe auf den ersten Blick.
Sie zieht bei Guy und Sam ein, bemuttert und unterrichtet Sam und wird Guys Geliebte. Sie leben in einer familienähnlichen Konstellation zusammen. Doch Sam wird mit zunehmendem Alter immer kräftiger und schwerer kontrollierbar - und in der wissenschaftlichen Forschung kippt die Stimmung ein paar Jahre später, man hält den Spracherwerb von Primaten nun für ein Hirngespinst. Sams Besitzer, ein skrupelloser und geldgeiler Professor aus Iowa will Sam zurückhaben, um ihn als Versuchstier zu halten. Guy gibt schließlich nach, denn seine Beziehung zu Sam war letztenendes nur ein Mittel zum Zweck für seine Karriere. Aimee ist entrüstet und fährt selbst mit dem Wagen nach Iowa.
Und Sam, der sich für einen Menschen hält, sitzt verzweifelt in einem scheußlichen Käfig und kann seine Mitgefangenen in den anderen Käfigen nicht als sene Artgenossen erkennen ...
Boyles Thema ist die Beziehung zwischen Mensch und Natur, Mensch und Tier. Der Mensch sieht sich als Krone der Schöpfung und fühlt sich deshalb berechtigt, mit den anderen Lebewesen zu machen was er will, sogar einen Affen wie einen Menschen aufzuziehen und mit ihm qua Gebärdensprache zu kommunizieren, bzw. - weit schlimmer - ihn als Versuchstier zu nutzen. Doch wie weit reicht die Lernfähigkeit unserer nächsten Verwandten? Handelt es sich wirklich um eine echte Kommunikation? Da es sich um ein fiktives Werk handelt, nimmt der Autor sich die Freiheit, in einigen kurzen Kapiteln Sams Perspektive einzunehmen.
Ein teils witziger und unterhaltsamer Roman, teils sehr berührend und traurig, ein Roman, der einen nachdenklich macht.

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Veröffentlicht am 09.02.2021

Richtig netter Cosy-Krimi

Das Windsor-Komplott
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Die Queen ermittelt selbst! Das ist nicht ganz neu (in C.C. Benisons Reihe aus den späten Neunzigern ermittelte sie schon sehr erfolgreich mit Hilfe ihres Hausmädchens Jane Bee), wird hier aber sehr modern ...

Die Queen ermittelt selbst! Das ist nicht ganz neu (in C.C. Benisons Reihe aus den späten Neunzigern ermittelte sie schon sehr erfolgreich mit Hilfe ihres Hausmädchens Jane Bee), wird hier aber sehr modern und aktuell dargestellt.
Die Handlung spielt um den neunzigsten Geburtstag der Queen herum, als der Hofstaat sich gerade in Windsor Castle aufhält, wo es etwas zwangloser zugeht, als im Buckingham Palace. Nach einer von Prince Charles initiierten Abendeinladung von diversen Russen und Rußland-Kennern ist der junge russische Pianist Maksim Brodsky am nächsten Morgen unter seltsamen Umständen tot in seinem Zimmer aufgefunden worden. Nachdem die forensischen Daten einen Selbstmord ausschließen, ist der Geheimdienstchef von einem politisch motivierten Komplott überzeugt und geht so weit, zwei langjährige, geschätzte Angestellte der Queen als russische "Schläfer" zu entlarven. Diese hält das für kompletten Blödsinn und ist not amused. Weshalb sie ihre stellvertretende Privatsekretärin, die junge Rozie, ins Vertrauen zieht, und sie mit einigen Nachforschungen beauftragt ... Was sie herausfindet, muss nun geschickt den Geheimdienstleuten zugetragen werden, damit diese denken, sie hätten es selbst herausgefunden.
Das macht Spaß, ist spannend und liest sich sehr launig und unterhaltsam. Man hat teil an den Gedanken der Queen, auch über ihren Gatten Prinz Philip (der damals "erst" 94 war), ihrer Freude auf den Besuch der "ganz reizenden" Obamas und ihrer Begeisterung für Pferde und Hunde. Hat mir sehr gut gefallen und ist allen Freunden des Cosy-Krimis sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 02.01.2021

Ein Leben für die Königskinder

Teatime mit Lilibet
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Marion Crawford macht in Edinburgh eine Ausbildung zur Lehrerin, eigentlich mit dem erklärten Ziel, unterprivilegierten, armen Kindern eine Schulbildung zukommen zu lassen. Sie gehört zur ersten Generation ...

Marion Crawford macht in Edinburgh eine Ausbildung zur Lehrerin, eigentlich mit dem erklärten Ziel, unterprivilegierten, armen Kindern eine Schulbildung zukommen zu lassen. Sie gehört zur ersten Generation von Frauen, die eine Berufsausbildung machen. Die Leiterin ihres Instituts überredet sie jedoch, eine Stelle als Gouvernante bei der Herzogsfamilie York anzunehmen, mit dem Argument, dass auch solche privilegierten Kinder Lehrer brauchen, die ihnen das Leben der "normalen" Leute nahebringen. Marion ist 22 als sie die Stelle antritt und man schreibt das Jahr 1932. Eigentlich sollte es erst nur ein Probemonat sein, aber im Endefekt bleibt Marion 16 Jahre bei der Familie, aus der inzwischen die Königsfamilie geworden ist.
Sie bemüht sich, ihren beiden Schützlingen Elizabeth und Margaret Einblick in das Leben außerhalb der Paläste zu geben, fährt mit ihnen U-Bahn, geht in öffentliche Schwimmbäder und zu Woolworth. Ihr Unterrichtsprogramm wird oft von - in ihren Augen überflüssigen - Veranstaltungen des Hofprotokolls gestört und unterbrochen. Aber sie hat die beiden Mädchen ins Herz geschlossen, liebt sie, als wären sie ihre eigenen Kinder und hat ihr Privatleben für ihren Job mehr oder weniger aufgegeben. Mehrfach will sie kündigen, wird aber von der "Queen Mum" immer wieder daran gehindert. Denn obwohl die Mädchen sehr an ihr hängen, wird sie letzlich doch als Domestikin behandelt.
Als sie das (gutbezahlte) Angebot erhält, ein Buch über die Prinzessinnen zu schreiben, tut sie es entgegen dem ausdrücklichen Verbot der Königin und wird danach von der königlichen Familie geächtet.
Gerade wenn man auch "The Crown" gesehen hat, fügt das Buch noch einige informative Facetten hinzu, ist aber insgesamt für mich doch etwas zu langatmig und repetitiv, eine Kürzung und Straffung hätte gut getan.

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Veröffentlicht am 30.11.2020

Spannend und witzig!

Die Djurkovic und ihr Metzger
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Anfangs tat ich mich recht schwer mit dieser Lektüre: Verwirrend viele unbekannte und skurrile Protagonisten (ich bin Metzger-Neuling), unterschiedliche Zeitebenen und Orte, verschiedene Textformen und ...

Anfangs tat ich mich recht schwer mit dieser Lektüre: Verwirrend viele unbekannte und skurrile Protagonisten (ich bin Metzger-Neuling), unterschiedliche Zeitebenen und Orte, verschiedene Textformen und Schreibstile, teilweise starker Dialekt - da musste ich mich erst einmal einlesen, bin dann aber doch ganz gut hineingekommen und fand es immer witziger und spannemder, zum Ende hin super spannend und auch die einzelnen Puzzle-Teile fügten sich dann zu einem sinnvollen Ganzen zusammen.
Metzgers langjährige Lebensgefährtin Danjela Durkovic, die er nun nach 13 Jahren auch ehelichen wollte, lässt ihn während der Trauung am Altar stehen und verschwindet. Metzger fällt in ein tiefes Loch, beginnt sich dann allmählich doch darüber Gedanken zu machen, ob hinter ihrem Verschwinden nicht etwas anderes stecken könnte. Danjela ist von ihrer Vergangenheit eingeholt worden, die etwas anders aussieht, als sie von ihr immer dargestellt worden war.
Ich will vom Inhalt nicht mehr verraten, aber reizvoll ist auch der Schreibstil: Funkprotokolle, von Leuten, die sich mit Vogelnamen anspreche, ein Anruf bei einer Mobilfunkhotline inklusive Warteschleife, dann wieder Passagen im Stil eines Drehbuches, herrliche, knappe und witzige Dialoge, z.B. beim Anzugkauf in der Umkleidekabine, völlig absurde Situationen, z.B. mit dem Zirkuselefanten bei einer Promi-Party, wo der Metzger zum Youtube-Star avanciert. Satire, rabenschwarzer Humor, liebenswerte Protagonisten, Geselschaftskritik und ein veritabler, spannender Kriminalfall. Sehr unterhaltsam!

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Vom argentinischen Schuhpalast ins kanadische Seemannsheim

Mr. Saitos reisendes Kino
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Eigentlich hatte mich die Autorin schon mit dem ersten Satz: Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt – wenn das kein toller Anfang ist!
Zuerst war ich ganz begeistert von der üppigen ...

Eigentlich hatte mich die Autorin schon mit dem ersten Satz: Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt – wenn das kein toller Anfang ist!
Zuerst war ich ganz begeistert von der üppigen Erzählweise, und nahm Anteil am Schicksal der beiden Protagonistinnen. Lita wächst in den ersten Jahren ihres Lebens in dem Nonnenkloster in Buenos Aires auf, in dem schon ihre schuh- und tangoverrückte, blutjunge Mutter Fabiola groß geworden war. Später leben die beiden dann im Lagerraum des El Palacio del Zapatos, dem exquisiten Schuhgeschäft, dessen beste Verkäuferin Fabiola ist. Berichtet wird uns das aus der Perspektive der kleinen Lita. Doch dann ließ mein Interesse allmählich nach. Der Spannungsbogen fehlte mir und die endlos aneinandergereihten Episoden und Anekdoten plätscherten an mir vorbei. Vieles liest sich wirklich sehr nett, es ist alles ganz hinreißend und skurril, vielleicht manchmal etwas zu gewollt skurril. Ich wollte das Buch wirklich mögen, ich wollte auch durchhalten, aber dann trat regelrecht eine Art Leseblockade bei mir ein, ich hatte keine Lust, zu lesen, habe immer wieder versucht, mich dazu zu zwingen, weiterzulesen, aber es hat nicht geklappt, das Buch hat bei mir keinen Sog entwickelt.
Fabiola und Lita mussten Argentinien verlassen und gelangten auf abenteuerliche Weise per Schiff auf eine dünn besiedelten Insel gegenüber von Neufundland. Lita findet in der kleinen Oona eine gleichaltrige Freundin und Fabiola verkauft nun eher Holzschuhe statt High Heels. Weiter bin ich dann nicht gekommen, den titelgebenden Mr. Saito habe ich noch nicht kennen gelernt, aber nachdem ich für etwas mehr als hundert Seiten fast fünf Wochen gebraucht habe, habe ich die Lektüre abgebrochen, etwas , was ich wirklich nur ganz selten tue! Ich fand das Buch gar nicht schlecht, aber es hat mich irgendwie nicht gepackt und ich konnte es einfach nicht lesen. Dabei bin ich eigentlich neugierig, wie die Geschichte sich weiter entwickelt, vielleicht schaffe ich es irgendwann nochmal in einem zweiten Anlauf. Und wie ich bemerkt habe, sind die meisten anderen Rezensionen positiv bis begeistert. Das ist also mein ganz persönliches Problem. Und obwohl ich diese Schwierigkeiten hatte, soll das kein Verriss sein und ich gebe für die fantasievolle Geschichte 3 Sterne.

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