Wurzeln, Freiheit, Heimat
Die Riesinnen„Die Riesinnen“ ist ein Buch, das einen festen Platz in meinem Regal bekommen wird, ein Buch, das ich mehr als einmal lesen möchte. Es hat mich ganz und gar aufgesogen und mich mit einem Buchkater zurückgelassen, ...
„Die Riesinnen“ ist ein Buch, das einen festen Platz in meinem Regal bekommen wird, ein Buch, das ich mehr als einmal lesen möchte. Es hat mich ganz und gar aufgesogen und mich mit einem Buchkater zurückgelassen, so gut hat es mir gefallen.
Doch was genau hat mir so gut gefallen? Zum einen die Geschichte dreier Frauengenerationen, die ein wenig anders sind, nicht in der Mitte, sondern eher am Rand einer Gemeinschaft stehen, aber bei sich sind, auch wenn das nicht leicht für sie ist. Sie suchen ihren Platz, eine Heimat, einen Ort, wo sie Wurzeln lassen können, aber auch frei sein können. Das ist eines der Hauptthemen für mich in diesem Buch.
Es ist ohne Pathos, aber sprachgewaltig erzählt. Man fühlt die Sprachlosigkeit, in der besonders Liese lebt. Eine Frau mit geradem Rücken und Prinzipien, die nicht viele Worte braucht und mit ihrer großen Wut zu kämpfen hat.
Alle drei Frauen verbindet ihre äußerliche Andersartigkeit, ihr gerade Rücken und die Liebe zur Natur zum Wald, der für alle drei ein Anker ist. Dort gehen sie hin, wenn sie traurig, wütend oder was auch immer sind. Er gibt ihnen Ruhe, die Möglichkeit, wieder in sich zurückzukehren, wenn sie sich zwischendurch mal verlieren und schenkt ihnen Kraft. Das mag sich jetzt kitschig anhören, ist es aber nur, weil ich nicht so schöne Worte wie Hannah Häffner dafür finde.
Liebe spielt auch eine Rolle in dem Buch, ganz besonders die Liebe der Frauen zueinander, die Mutter-, Großmutter- und Enkeltochterliebe, aber auch das Liebenlernen eines Kindes. Es ist nicht immer einfach für die einzelnen Frauen und jede hat ihre ganz eigenen Herausforderungen. Das macht das Buch auch noch einmal besonders. Es wird nicht dieses eine Schicksal immer weiter vererbt, sondern sie sind ganz eindeutig äußerlich verwandt und kämpfen auch jede auf ihre Weise um Freiheit und ihren Platz im Leben, aber jede hat ihr Thema.
Die Entwicklung von den 60er Jahren bis zur Jetztzeit mitzuerleben, ist spannend. Liese, die unter gesellschaftliche Konventionen zu leiden hatte, Cora, die eine große Freiheit erleben durfte und immer wieder zweifelte, ob sie ihre Welt wirklich so klein wie Wittenmoos lassen sollte und dann Eva, die ganz anders über ihr Leben entscheiden kann, als es Mutter und Großmutter konnten und die die Generationen verbindet.
Es gibt interessante Nebenfiguren, die sich durchs Buch ziehen und man wünscht sich, dass so manches Geheimnis aufgeklärt wird, dass zwischen den Zeilen schwebt. Da ist nichts künstlich Inszeniertes, keine glückliche Fügung, die aufgesetzt wirkt, es wirkt so wirklich. Schicksalsschläge werden nicht locker überwunden, sondern lassen die Figuren mit inneren Narben zurück, mit denen sie leben lernen müssen. Es gibt Entscheidungen, vor denen so einige schon gestanden haben und die nicht leicht waren.
Als das erzählt in einer für mich ungewöhnlich schönen Sprache, in die ich einfach eingetaucht bin und die mich mit ihren Wechseln von spröde bis zu ganz gewaltig begeistert hat. Eine der großen Stärken liegt für mich in den Naturbeschreibungen, in denen ein Gewitter spürbar wird oder der Wald wie ein lebendiges Lebewesen erscheint.
Es ist einfach eine richtige gute Geschichte, die mich zum genau richtigen Zeitpunkt gefunden hat. Eine ganz große Leseempfehlung!