Wenn der moralische Kompass flexibel ist
Hustleunbezahlte Werbung - Rezensionsexemplar
„Hustle“ war für mich definitiv ein Schritt außerhalb meiner Komfortzone, hat mich aber positiv überrascht. Leonie und ihre Freundinnen sind mir schnell ans Herz ...
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„Hustle“ war für mich definitiv ein Schritt außerhalb meiner Komfortzone, hat mich aber positiv überrascht. Leonie und ihre Freundinnen sind mir schnell ans Herz gewachsen, auch wenn die Story bewusst etwas abgedreht ist. Genau das hat für mich aber den Reiz ausgemacht.
Leonie zieht nach München und merkt schnell: Ein normales Gehalt reicht nicht für ein Leben in der Stadt. Sie trifft auf drei Frauen, die sich ihren luxuriösen Lifestyle mit zweifelhaften Methoden finanzieren und plötzlich findet auch Leonie ihren eigenen Weg, Geld zu verdienen: Sie rächt frisch gebrochene Herzen gegen Bezahlung. Dabei zeigt sie immer wieder, dass sie nach ihrem eigenen moralischen Kompass handelt. Sie lügt, trickst und täuscht, aber mit nachvollziehbaren Gründen und viel Elan.
Mit dem nüchternen, teils zynischen Schreibstil und der Erzählweise in der dritten Person hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten, aber nach etwa 20 Seiten war ich drin. Leonies Alltag zwischen Münchner Schickeria und ihrem eher dubiosen Nebenjob wirkte trotz dem Kontrast authentisch und greifbar. Als jemand, der selbst vom Ruhrgebiet nach Bayern gezogen ist, konnte ich Leonie in vielen Momenten gut nachvollziehen (vor allem bei den Öffnungszeiten!).
Ein echtes Highlight war ihr ungewöhnliches Hobby: die Schleimpilzzucht, inklusive ihres ehrgeizigen Plans, dem Pilz ein Labyrinth zu bauen. Das war schräg, witzig und gleichzeitig so liebevoll erzählt, dass es mir jedes Mal ein Schmunzeln entlockt hat.
Insgesamt ist das Buch sehr humorvoll, ich musste oft laut lachen. Gesellschaftliche Kritik an Kapitalismus, Wohnungsmangel und Erfolgsdruck trifft dabei den Nerv der Zeit. Der Humor kommt durch den Schreibstil noch einmal besser zur Geltung. Schade fand ich nur, dass die moralischen Fragen lediglich angerissen werden und das Ende etwas gehetzt wirkt. Da hätte ich mir noch ein paar Seiten mehr gewünscht.