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Veröffentlicht am 27.01.2026

Teils pseudo-wissenschaftlich, teils dystopisch!

Schleifen
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Dreidimensional kommen die orange-farbigen Linien auf schwarzem Grund auf dem Cover daher. Der Buchtitel Schleifen bezieht sich im Buch auf Möbiusschleifen, die entstehen, wenn man die Enden eines Papierstreifens, ...

Dreidimensional kommen die orange-farbigen Linien auf schwarzem Grund auf dem Cover daher. Der Buchtitel Schleifen bezieht sich im Buch auf Möbiusschleifen, die entstehen, wenn man die Enden eines Papierstreifens, um 180 Grad verdreht, miteinander zusammenklebt. Cover und Buchtitel überzeugen. In drei Teilen geht es um das Bemühen, eine vom Menschen künstlich erschaffene Universalsprache zu schaffen, eine universelle philosophische und wissenschaftliche Sprache. Wird in Teil 1 zunächst die babylonische Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel erwähnt, dann mit dem Logiker Kurt Gödel, dem Physiker Moritz Schlick oder dem Philosophen Ludwig Wittgenstein an den Wiener Kreis erinnert mit ihren Plansprachen-Ideen mit Bezug auf John Wilkins erster Vision einer universalen Sprache. Spielt die Szenerie mit der kindlichen Hauptfigur Franziska Denk in Wien um 1930, erfolgt während der NSDAP-Zeit ein Wegzug vieler Mitglieder dieses Kreises. Das junge Mädchen reagiert auf sprachliche Äußerungen, als wären sie real. Erfährt sie z.B. Einzelheiten über eine Pesterkrankung, beginnt Franziskas Haut schwarze Blasen zu werfen. Auch nach dem Umzug nach Rhode Island leidet sie aufgrund dieser Kondition an Sozialkontakten, bringt sich selbständig mehrere Sprachen bei, desensibilisiert sich schließlich selbst mit ausgestorbenen Begriffen, quasi mit einem Impfstoff aus toten Wörtern. Mit dem tragischen Ableben der Eltern wird sie den Behörden überlassen mit 17 Jahren. Durch den jahrelangen Briefkontakt ab Herbst 1948 mit dem 14-jährigen Otto Mandl, der in England bei seiner Tante in Sicherheit vor Hitlers Schergen ist, verändert sich auch Franziskas Leben. Durch seinen Vater ist Otto mit Wissenschaft aufgewachsen und sein Traum ist es, die gesamte Wissenschaft auf einen neuen philosophischen Boden zu stellen. Zum Studium in Berlin ziehen sie zusammen, sie inskribiert für Sprachwissenschaften und Germanistik, er für Mathematik. Beide entwickeln eine dynamische Plansprache namens Litæ mit Orientierung an der Struktur der tatsächlich gesprochenen Sprache, sie bleibt lebendig und wandelbar. Der bisherige pseudo-wissenschaftliche Charakter im Roman verliert sich mehr und mehr. Anstatt den festgeschriebenen Regeln der Wörterbücher zu folgen, endet deren gemeinsames Projekt in einer komplizierten Objektsprache. Man entwickelt diese Sprache mit dem Ziel, die Welt in all ihren Details akkurat abzubilden, und nicht, um sie praktisch in Alltagssituationen einsetzen zu können. Ab den Gesprächen beim jährlich stattfindenden Objektsprache-Kongress entwickelt der Roman Kafkaeske Züge. Der zunehmende Eindruck, dass Franziska dem Wahnsinn verfällt und sich nicht nur in einer neuen Sprachwelt aufhält, verstärkt sich im zweiten Teil in Wodot, einem Staat bei Rom. Utopische Ideen werden hier lebendig, während Otto sich in Japan nach einem Kongress in einem großen Kreisverkehr verliert. Im dritten Teil expandiert das einst durch Sprache hervorgerufene Chaos weltweit, weit ab vom Normalen. Kafkas Welt mit seinem Werk Der Prozess wird eingeflochten in die Arbeit des Literaturarchivs in Marbach. Nachdem sich viele Begriffe auflösen, hat dies einen überzeugenden Effekt auf die allgemeine Weltlage. Der Autor regt mit seinen Metaphern, Allegorien und utopischen Bildern sicher an, über den Stellenwert von Sprache nachzudenken.
Nicht ganz leicht zu schluckender Lesestoff.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Eine spicy Weihnachtsgeschichte – sicher nicht ideal für jeden Buchnerd.

He Sees You When You´re Sleeping
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Das Cover verspricht auf dunklem Grund reichlich weihnachtliches Flair, mittig eine filigrane, rote Augenmaske platziert – sehr geschmackvoll. Diese ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte spielt im verschneiten ...

Das Cover verspricht auf dunklem Grund reichlich weihnachtliches Flair, mittig eine filigrane, rote Augenmaske platziert – sehr geschmackvoll. Diese ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte spielt im verschneiten New York. Die junge, sympathische Hauptfigur Chloe Hallman, Influencerin und Markenbotschafterin für Modeschmuck, führt ein düsteres Doppelleben über ihren Account von Dark Secrets. Dieses zunächst weihnachtliche, unschuldige Ambiente entwickelt sich durch die heimlichen Aktionen der zweiten Hauptperson Jack, einem gut aussehenden Feuerwehrmann, jedoch zwanghaftem Stalker, zu einem spannungsgeladenen Plot mit romantischen Szenen. Dieses Spiel aus Obsession, Verlangen, Selbstbefriedigung, Voyeurismus, Stalking und Angst wird in sehr detailliertem Schreibstil beschrieben. Beide verhalten sich mit ihren sexuellen Perversionen eher außerhalb gesellschaftlicher Normen. Die Handlung wird wechselnd aus der Sicht dieser Protagonisten getragen.
Die Nebenfiguren wie z.B. der achtzig jährige, warmherzige Mr. Haven verleiht dem dortigen Alltagsleben mehr Normalität und Mitmenschlichkeit, während Chloes Vorgesetzter Mr. Tyler höchstens als zusätzlicher Spannungsfaktor eingeplant scheint.
Eigentlich kein weihnachtliches Wohlfühlbuch aufgrund moralischer Grenzwertigkeit.

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Veröffentlicht am 06.12.2025

Hausfrau im Geheimdienst-Thriller – etwas unrealistisch

Down Cemetery Road
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In sieben Kapiteln entwickelt sich aus einer ungewöhnlichen Dinner-Szene mit nachbarlicher Explosion im verstaubten Oxford ein Geheimdienst-Plot mit ungemütlichen und für tot erklärten Kandidaten auf ...

In sieben Kapiteln entwickelt sich aus einer ungewöhnlichen Dinner-Szene mit nachbarlicher Explosion im verstaubten Oxford ein Geheimdienst-Plot mit ungemütlichen und für tot erklärten Kandidaten auf einer unbenannten Insel vor Schottland. Die zunächst unscheinbare Hauptfigur Sarah Tucker, gelangweilte Hausfrau, kommt auf ihrer Suche nach dem 4-jährigen Mädchen Dinah recht unglaubwürdig daher. Ihr Agieren mit dem Privatdetektiv Joseph Silvermann erscheint unrealistisch, durchsetzt von Nebensächlichkeiten. Sarahs langsame Verwandlung in eine rationale, unerschrockene Person an der Seite des Soldaten Michael Downey wirkt glaubwürdiger. Der ruhige Vorort von Oxford versprüht leider nicht das besonders geheimnisvolle Ambiente einer altehrwürdigen Universitätsstadt, sorgt aber bis zu den stürmischen Vorkommnissen an der schottischen Küste am Ende des Plots für einen spannenderen Handlungsverlauf mit zunehmender Vehemenz. Zoë Boehm als Ermittlerin der Detektei Oxford Investigations JOSEPH SILVERMANN BA. taucht erst spät und wenig überzeugend in der Handlung an der Seite von Sarah auf. Das Netz der kaltblütigen Söldner, die im Auftrag der britischen Regierung aufräumen, wird teilweise zu langatmig beschrieben. Der Schreibstil gefällt in seiner humorigen bis sarkastischen Art.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Eine Serienmörderin in einem politischen Ambiente

Düsteres Tal
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Der 1.v on drei Teilen dieses Thrillers spielt in Nairobi und endet mit einem Terroranschlag auf den norwegischen Entwicklungsminister. Die unerschrockene Hauptfigur Clara Lofthus wird in ihrem Heimatland ...

Der 1.v on drei Teilen dieses Thrillers spielt in Nairobi und endet mit einem Terroranschlag auf den norwegischen Entwicklungsminister. Die unerschrockene Hauptfigur Clara Lofthus wird in ihrem Heimatland als Heldin nach diesem Attentat gefeiert. Zurück in Olso, erneut in machtvoller politischer Position, holen diese Ich-Erzählerin ihre skrupellosen Taten aus 2 Vorgängern dieser Trilogie ein, während ihr Gesetzentwurf zum Kinderschutzgesetz nur relativ kurz Erwähnung finden. Ihr Partner Axel und Erik Heier, investigativer Journalist, sorgen aus ihrer Perspektive abwechselnd für weitere spannungsvolle Momente. Wird der Charakter von Axel als naiv, schwach und gelangweilt gezeichnet, erscheint Erik Heier mit seinen Potcasts engagiert und zielstrebig zu sein. Im 2. Teil zeigt sich Clara weiterhin als emotionslose Karrierefrau, die erneut mit mörderischem Kalkül vorgeht. Schließlich konzentriert sich der Plot im 3. Teil auf Clara Lofthus als furchtlose Psychopathin, deren Spuren sich in Westnorwegen schließlich verlieren. Dieses Mysterium um sie wird nicht entschlüsselt. Das offene Ende mag nicht jedem Leser gefallen, einige Fragen zur Widersprüchlichkeit von Claras Charakter – hier soziales Engagement für Kinderschutz und zu Frauenrechten, dort manipulative, emotionslose Racheakte - mögen keine klare Antworten finden.
Insgesamt ein Thriller mit moderatem Spannungsbogen.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Zu wenig Aufklärungsarbeit für einen Krimi!

Die Chinesin
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Hauptsächlich spielt dieser Roman rund um die Hauptfigur Gerhard Beckmann, dem ehemaligen Kriminalrat und Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität im LKA in Berlin, auf der idyllischen, italienischen ...

Hauptsächlich spielt dieser Roman rund um die Hauptfigur Gerhard Beckmann, dem ehemaligen Kriminalrat und Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität im LKA in Berlin, auf der idyllischen, italienischen Urlaubsinsel Sardinien. Beschreibungen zu einigen interessanten Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps leiten langsam hinüber zur zweiten Hauptfigur, der Chinesin Xia, die als Migrantin am dortigen Strand ihre Dienste als Masseuse anbietet. Thematisiert werden illegale Migration, Korruption, Menschenhandel, moderne Sklaverei, Schutzgelderpressung innerhalb eines global agierenden, kriminellen Netzwerks in und außerhalb Chinas. Als Zeuge eines brutalen Überfalls auf Xias ältere Schwester erfährt Beckmann nach deren Tod mehr über die Ausbreitung der chinesischen Triaden, über die Welt der chinesischen Mafia, die sowohl ein grausames Verbrecherkartell als auch ein Wirtschaftsgigant ist und sich seit Jahrhunderten konsequent mit wechselnden Machthabern arrangiert hat. Innerhalb dieses Romans nimmt das Privatleben der Hauptfigur mit Hautkrebs, Tochter Doris und seiner verstorbenen Ehefrau zu viel Raum ein. Leider verflüchtigt sich das authentisch beschriebene Geschehen rund um Xia in Berlin. Ohne Ermittlungserfolg wirkt der Fall blass und zu flach, für den Leser unbefriedigend. Es gibt interessante Tourismustipps über Sardinien und Infos zu chinesischen Fakten wie z.B. die Einkind-Politik oder Falun Gong. Darüber hinaus jedoch verliert dieser Roman an Spannung während der ausbleibenden Auflösung all dieser kriminellen Machenschaften..

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