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Annikii

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2026

Winter 1946/47 – ein Krimi, der die Kälte spürbar macht

Die weiße Nacht
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„Die weiße Nacht“ hat mich sofort in seinen Bann gezogen, vor allem wegen der ungewöhnlichen Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird. Berlin im Winter 1946/47 ist kein einfacher Schauplatz, doch ...

„Die weiße Nacht“ hat mich sofort in seinen Bann gezogen, vor allem wegen der ungewöhnlichen Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird. Berlin im Winter 1946/47 ist kein einfacher Schauplatz, doch gerade diese schwierige Zeit macht den Kriminalfall so eindringlich. Der erste Fall von Lou Faber und Alfred König beginnt mit einer toten Frau im Schnee – ein Moment, der mich direkt neugierig gemacht hat, weil Lou als Fotografin Dinge bemerkt, die anderen entgehen. Dieser besondere Blick verleiht ihr eine Rolle, die sich deutlich von klassischen Ermittlerfiguren unterscheidet.

Was mich während des Lesens am meisten bewegt hat, war das Gefühl, wie hart das Leben für die Menschen damals gewesen sein muss. Zwischen Kälte, Not und den Trümmern der Stadt versuchen sie trotzdem, nach vorne zu schauen. Das Buch macht diese Stimmung sehr greifbar, ohne sie überzubetonen oder auszuschmücken. Man spürt einfach, dass jeder Schritt in dieser Zeit schwerer war als gewöhnlich.

Der Kriminalfall entwickelt sich Schritt für Schritt weiter, und genau dieses ruhige, aber stetige Vorankommen mochte ich sehr. Die Geschichte öffnet sich langsam und zeigt Hintergründe, die nicht nur spannend, sondern auch menschlich berührend sind. Besonders Lou ist mir dabei ans Herz gewachsen – mit ihrer feinfühligen Art, ihrer Entschlossenheit und dem Wunsch, mehr zu sehen als das Offensichtliche. Auch das Zusammenspiel mit König wirkt stimmig und glaubwürdig.

Zum Ende hin zieht die Handlung deutlich an, und die verschiedenen Fäden werden überzeugend zusammengeführt. Ich hatte das Gefühl, dass der Weg dorthin gut durchdacht ist und nichts zufällig passiert. Der Mix aus persönlichem Schicksal, historischen Umständen und Krimispannung hat für mich einfach funktioniert.

Fazit: „Die weiße Nacht“ erzählt nicht nur einen Kriminalfall, sondern zeigt gleichzeitig, wie Menschen in schwierigen Zeiten versuchen, ihren Platz zu finden. Ein bewegendes und spannendes Buch, das mir lange im Kopf bleiben wird.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein aufregendes Unterwasser-Abenteuer

Animox Origins 1. Der verlorene Schatz der Delfine
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„Animox Origins – Der verlorene Schatz der Delfine“ ist für mich ein richtig spannendes und unterhaltsames Fantasybuch, das mich von Anfang an mitgenommen hat. Die Geschichte dreht sich um den elfjährigen ...

„Animox Origins – Der verlorene Schatz der Delfine“ ist für mich ein richtig spannendes und unterhaltsames Fantasybuch, das mich von Anfang an mitgenommen hat. Die Geschichte dreht sich um den elfjährigen Jam Fluke, der sich dem Druck seines Vaters ausgesetzt fühlt, der in ihm einen Erben des Unterwasserkönigreichs sieht. Jam möchte aber selbst herausfinden, wer er wirklich ist und was er kann, ohne nur den Erwartungen anderer zu entsprechen.

Als seine sieben Schwestern alle auf Schatzsuche gehen, beschließt Jam, sich der Suche nach dem verlorenen Schatz des Piraten Redfin anzuschließen. Was mir besonders gut gefallen hat, ist, wie Jam sich im Laufe der Handlung entwickelt. Er wächst über seine Zweifel hinaus, lernt neue Seiten von sich kennen und findet dabei Mut und Entschlossenheit.

Die Mischung aus Abenteuer, Fantasie und Unterwasserwelt macht das Buch lebendig. Ich konnte mir beim Lesen die Orte gut vorstellen. Die Geschichte ist gut strukturiert, hält immer wieder überraschende Wendungen bereit und bleibt spannend, ohne unübersichtlich zu werden.

Auch der Schreibstil ist angenehm und verständlich — ideal für Kinder, aber genauso gut für alle, die gerne fantasievolle Geschichten lesen. Die Balance zwischen Action und ruhigeren Momenten hat mir gefallen: Es gibt genug Abenteuer, aber auch Zeit, die Figuren und ihre Gefühle besser kennenzulernen.

Insgesamt ist Der verlorene Schatz der Delfine ein tolles Buch für alle, die Geschichten über Mut, Selbstfindung und magische Welten lieben.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein chaotisch-herzlicher Familienroman

Mama will ihr Haus vererben
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"Mama will ihr Haus vererben" hat mich überrascht, weil es eine Familie zeigt, wie ich sie so oder ähnlich bestimmt alle kenne: liebenswert, manchmal nervig und immer wieder voller Drama. Die Geschichte ...

"Mama will ihr Haus vererben" hat mich überrascht, weil es eine Familie zeigt, wie ich sie so oder ähnlich bestimmt alle kenne: liebenswert, manchmal nervig und immer wieder voller Drama. Die Geschichte beginnt mit einem Geburtstagskaffee, bei dem Katrins Mutter den verblüffenden Plan verkündet, dass das Elternhaus nur dem Kind gehören soll, das sich in den nächsten Monaten am besten um sie kümmert. Das sorgt schnell für Verwirrung, Konkurrenz und ziemlich viel Chaos.

Katrin war mir von Anfang an sympathisch, weil sie eigentlich gar nicht mitmachen möchte, aber dann doch mittendrin steckt und mit allen möglichen Gefühlen zu kämpfen hat – Liebe für ihre Familie, Pflichtgefühl und die Angst, sich selbst zu verlieren. Besonders spannend fand ich, wie sie zwischen dem Wunsch, für ihre Mutter da zu sein, und den eigenen Bedürfnissen hin- und hergerissen ist. Die Reaktionen der anderen Familienmitglieder, vor allem das Konkurrenzdenken und die kleinen Gemeinheiten, wirkten dabei oft so real, dass ich mich an Gespräche und Situationen erinnert fühlte, die ich selbst schon erlebt habe.

Die Autorin schreibt locker und mit einem guten Gespür für Humor, sodass sich das Buch leicht lesen lässt, selbst wenn es stellenweise etwas turbulent zugeht. Es geht zwar um ein Erbe und um ein Haus, aber letztlich dreht sich vieles um Nähe, Erwartungen und die Frage, wie weit man für die Menschen, die man liebt, gehen will – auch wenn es unbequem wird.

Für mich war das Buch eine kurzweilige, dabei aber auch nachdenklich stimmende Lektüre, die mich oft zum Schmunzeln gebracht hat, aber auch Momente hatte, in denen ich gestoppt und über Beziehungen innerhalb einer Familie nachgedacht habe. Genau diese Mischung aus Witz, Alltag und ehrlichen Gefühlen macht dieses Buch für mich besonders lesenswert.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Sommer, Selbstfindung und Lavendelduft – eine gefühlvolle Geschichte mit kleinen Schwächen

Fleur de Lavande (Band 1) - Wie du liebst
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„Fleur de Lavande – Wie du liebst“ hat mich mit seiner wunderschönen Provence-Atmosphäre sofort in den Bann gezogen. Gabriella Santos de Lima schreibt sehr bildhaft und detailreich – die Lavendelfelder, ...

„Fleur de Lavande – Wie du liebst“ hat mich mit seiner wunderschönen Provence-Atmosphäre sofort in den Bann gezogen. Gabriella Santos de Lima schreibt sehr bildhaft und detailreich – die Lavendelfelder, das Licht, die Gerüche, alles wirkt so lebendig, dass man meint, mitten in Südfrankreich zu stehen.

Viola fand ich als Hauptfigur authentisch. Ihre Unsicherheit am Anfang hat mich manchmal etwas ungeduldig gemacht, aber gerade deshalb war ihre Entwicklung hin zu mehr Selbstbewusstsein glaubwürdig und bewegend. Luc hat mit seinen Ecken und Kanten ebenfalls überzeugt, auch wenn mir das späte Aufgreifen wichtiger Themen und die schnelle Auflösung am Ende etwas zu knapp erschienen.

Die Nebenfiguren haben gemischte Gefühle bei mir hinterlassen: Während die Beziehung zwischen Viola und ihrer Schwester für mich ein Highlight war, blieb Ines für mich eher blass und schwer zugänglich.

Alles in allem ist es eine emotionale, sommerliche Geschichte über Mut, Selbstfindung und die Liebe – mit einem Schreibstil, der einen träumen lässt. Kleine Schwächen im Tempo und bei einzelnen Figuren verhindern für mich die volle Punktzahl, aber ich habe das Buch sehr gern gelesen.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Stille Heldinnen – lauter Widerstand

Wir dachten, das Leben kommt noch
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„Wir dachten, das Leben kommt noch“ ist ein bewegender historischer Roman, der jenseits bekannter Kriegserzählungen jene Frauen in den Mittelpunkt rückt, die in der Besatzungszeit geheime Botschaften übermittelten, ...

„Wir dachten, das Leben kommt noch“ ist ein bewegender historischer Roman, der jenseits bekannter Kriegserzählungen jene Frauen in den Mittelpunkt rückt, die in der Besatzungszeit geheime Botschaften übermittelten, Sabotageakte planten und im Schatten agierten.

Die Hauptfigur Pat wird von einer BBC-Moderatorin aufgesucht, die Licht auf ihre Vergangenheit werfen will. In dieser Suche nach Wahrheit entfaltet sich eine Geschichte voller Mut, Erinnerung und Verdrängung.

Sandmann gelingt es, historische Detailtreue mit literarischem Erzählfluss zu verbinden. Die Figuren wirken glaubwürdig und vielschichtig: Pat trägt ihre Geheimnisse mit Würde, zugleich spürt man die Last, die Jahre des Schweigens hinterlassen haben. Der Roman zeigt eindrücklich, wie widersprüchlich und entbehrungsreich das Leben im Widerstand war – und wie wenig Anerkennung diese Frauen oft bekamen.

Besonders gelungen ist die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart: Erinnerung wird nicht nur rekonstruiert, sie wird erlebt. Der Leser spürt den Druck, die Gefahr, das Versteckspiel – und gleichzeitig den inneren Frieden, der erst nach Jahrzehnten möglich wird. Die Sprache ist klar, bildhaft und mit einem Feingefühl für Atmosphären. Einige Szenen sind so intensiv, dass man kurz innehält.

Ein kleiner Kritikpunkt: Der breite Zeitraum und die vielen Zeitebenen machen das Lesen an manchen Stellen herausfordernd – mir hätten ein paar ruhigere Momente mehr gefallen, um tiefer in einzelne Lebensgeschichten einzutauchen. Doch das schmälert nicht den Gesamteindruck: Das Buch bleibt fesselnd und beeindruckend.

Fazit:Ein Roman, der leise Geschichten laut erzählt. Erzählt von Frauen, die nicht ins Rampenlicht wollten — und dennoch Geschichte schrieben. Wer historische Romane mit starken Charakteren und moralischem Tiefgang schätzt, findet hier eine außergewöhnliche Lektüre.

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