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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2026

Unterhaltung statt Authentizität

The Heat is on – Something‘s Cooking Between Us
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The Heat is on. Something is cooking between us von Felicia Kingsley ist genau das, was es verspricht: eine leichte, romantische und sehr unterhaltsame Story, die sich perfekt für entspannte Lesestunden ...

The Heat is on. Something is cooking between us von Felicia Kingsley ist genau das, was es verspricht: eine leichte, romantische und sehr unterhaltsame Story, die sich perfekt für entspannte Lesestunden eignet. Ich hatte viel Spaß mit dem Buch, auch wenn ich zwischendurch öfter schmunzeln musste, weil die Handlung nicht immer besonders realitätsnah ist.

Die Grundidee ist herrlich absurd und charmant zugleich: Ein FBI-Agent, der undercover als Koch in einem italienischen Familienrestaurant arbeitet, um eine mögliche Mafia-Verbindung aufzudecken. Dwight ist überzeugt, dass er diesen Auftrag problemlos meistert – bis er auf Julia trifft, die schlagfertige Tochter des Restaurantbesitzers, die ihm das Leben ganz schön schwer macht. Zwischen Wortgefechten, Küchenchaos und knisternder Spannung entwickelt sich eine Romance, die von Anfang an Spaß macht.

Als jemand, der selbst sehr kochbegeistert ist, war für mich allerdings klar: Dieser „Koch“ wäre sofort aufgeflogen. Einige Details rund ums Kochen wirken eher wie Kulisse als wie echte Küche – aber das habe ich schnell akzeptiert, denn das Buch will gar kein realistischer Thriller sein, sondern eine romantische Komödie mit Tempo und Humor. Und das gelingt Felicia Kingsley wirklich gut.

Die Dialoge sind witzig, die Chemie zwischen den Figuren stimmt, und die Geschichte liest sich einfach locker weg. Auch wenn man nicht alles ernst nehmen sollte, sorgt das Buch für gute Laune und genau die richtige Portion Drama, Romance und Humor.

Für mich sind es solide 4 Sterne: nicht perfekt, aber absolut unterhaltsam – und genau richtig, wenn man Lust auf eine leichte, heiße Love Story mit einem Augenzwinkern hat.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

mehr Interesse an Lieferanten

Liefern
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Lieferanten sind überall – und doch nimmt man sie kaum wahr. Genau das ändert Tomer Gardi mit seinem Roman Liefern. Das Buch hat mich wirklich beeindruckt, weil es einer Gruppe von Menschen eine Stimme ...

Lieferanten sind überall – und doch nimmt man sie kaum wahr. Genau das ändert Tomer Gardi mit seinem Roman Liefern. Das Buch hat mich wirklich beeindruckt, weil es einer Gruppe von Menschen eine Stimme gibt, mit der man sich sonst viel zu selten beschäftigt.

Schon das Cover ist ein echter Hingucker: der knallblaue Hintergrund, darauf der Lieferant in einem orangen Pfeil, der an Google Maps erinnert. Dieses Motiv passt perfekt zum Inhalt, denn genauso wie die Lieferanten ständig unterwegs sind, kommt man auch beim Lesen viel herum – geografisch wie emotional. Man reist durch verschiedene Städte und Kontinente und taucht immer tiefer in die Leben der Protagonist*innen ein.

Der Roman verknüpft mehrere Geschichten zu einem großen, weltumspannenden Mosaik. Da ist Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflohen ist und als Lieferant unter falschem Namen arbeitet, immer in der Angst, entdeckt zu werden. Sein Ziel ist es, genug Geld zu verdienen, um seine Familie nach Berlin zu holen. Parallel dazu begleiten wir seine Frau und Tochter beim Deutschlernen, eine Lehrerin, die nach Delhi reist, eine Liebesgeschichte, die Kontinente verbindet, und einen Erzähler, der von Istanbul bis Buenos Aires unterwegs ist. All diese Episoden greifen ineinander und zeigen, wie eng unsere Welt eigentlich verbunden ist – auch wenn sie sich für viele Menschen so zerbrechlich anfühlt.

Liefern erzählt von Ausbeutung, Rassismus und Unsicherheit, aber auch von Liebe, Hoffnung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Der Roman ist politisch, international und gleichzeitig erstaunlich leichtfüßig geschrieben. Manche Passagen fordern Aufmerksamkeit, aber gerade das macht das Lesen interessant.

Für mich ist Liefern ein sehr lesenswerter, kluger Roman, der den Blick auf den Alltag – und auf die Menschen, die ihn am Laufen halten – nachhaltig verändert. Ein starkes Buch, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

emotionale Familiengeschichte

Niemands Töchter
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„Niemands Töchter“ von Judith Hoersch ist genau die Art von Roman, die mich anspricht: Geschichten auf mehreren Zeitebenen, die sich langsam entfalten und irgendwann berührend ineinandergreifen.
Im Kern ...

„Niemands Töchter“ von Judith Hoersch ist genau die Art von Roman, die mich anspricht: Geschichten auf mehreren Zeitebenen, die sich langsam entfalten und irgendwann berührend ineinandergreifen.
Im Kern geht es um zwei Frauen:
Alma, ein Mädchen, das in den 80ern in der Eifel aufwächst und sich in ihrer eigenen Familie fremd fühlt – vor allem, weil über ihre Herkunft geschwiegen wird. Und Isabell, die 2019 in Berlin lebt und den Verlust ihrer Mutter nie überwunden hat. Beide tragen eine Leerstelle in sich, die ihr Leben, ihr Denken und ihr Gefühl von Zugehörigkeit prägt. Als sich ihre Wege überraschend kreuzen, entsteht eine generationsübergreifende Geschichte über Identität, Familienwunden und die Suche nach dem eigenen Platz.
Zu Beginn war ich von den vielen Perspektiven etwas verwirrt – es dauert, bis man sich sortiert hat. Aber genau diese Vielstimmigkeit habe ich schließlich sehr gemocht. Die verschiedenen Blickwinkel geben der Geschichte Tiefe, selbst wenn man am Anfang ein bisschen Durchhaltevermögen braucht.
Hier und da wirkte einiges auf mich etwas konstruiert, fast zu perfekt aufeinander abgestimmt. Das hat mich zwar kurz aus dem Lesefluss gebracht, ändert aber nichts daran, dass mich das Buch insgesamt emotional erreicht hat.
Ein besonders schöner Aspekt ist die Bildsprache des Romans – mit Polaroids, verlorenen Träumen und dem Gefühl von Nostalgie, das sich durch die gesamte Geschichte zieht. Man merkt, wie sehr hier nicht nur über Familien gesprochen wird, sondern über das Schweigen innerhalb von Familien, das Menschen formt – und wie befreiend es sein kann, wenn die Wahrheit endlich Raum bekommt.
Fazit: Ein berührendes, klug erzähltes Debut, das mich trotz kleiner Schwächen überzeugt hat. Wer Geschichten mit Zeitsprüngen, viel Gefühl und mehreren Perspektiven mag, wird hier viel finden, das lange nachhallt. Für mich kein perfektes, aber ein sehr gutes Buch.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Anspruchsvoll

Dius
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Dius von Stefan Hertmans ist ein anspruchsvoller, vielschichtiger Roman, der mich nicht nur wegen seiner dichten Sprache, sondern auch wegen seiner kunstvollen Komposition beeindruckt hat. Hertmans verwebt ...

Dius von Stefan Hertmans ist ein anspruchsvoller, vielschichtiger Roman, der mich nicht nur wegen seiner dichten Sprache, sondern auch wegen seiner kunstvollen Komposition beeindruckt hat. Hertmans verwebt kunsthistorische Referenzen, persönliche Beziehungen und gesellschaftliche Fragen zu einem melancholisch gefärbten Erzählnetz, das sowohl Konzentration als auch Bereitschaft zur emotionalen Offenheit verlangt.

Im Zentrum steht Egidius De Blaeser, genannt Dius – ein begnadeter Kunststudent, dessen außergewöhnliches Talent ebenso auffällt wie sein komplexer, manchmal schwer greifbarer Charakter. Sein Charme zieht sowohl Kommilitoninnen als auch seinen Dozenten Anton in den Bann. Zwischen Anton und Dius entsteht eine besondere Verbindung: lange Spaziergänge, Gespräche über Kunst, Musik und Natur, ein intellektuelles und emotionales Hin- und Herpendeln zweier Menschen, die sich gegenseitig inspirieren und herausfordern. Doch eine Lüge zerstört diese fragile Freundschaft – ein Bruch, der nachhallt.

Jahre später steht Dius plötzlich wieder vor Antons Tür, gezeichnet von Narben und begleitet von einem Mädchen. Diese Begegnung öffnet alte Wunden und neue Fragen: Was bedeutet Freundschaft wirklich? Was kann ein Gemälde in uns auslösen? Und wie gehen wir mit der fortschreitenden Zerstörung der Natur um, die im Roman immer wieder wie ein melancholischer Unterton mitschwingt?

Hertmans erzählt mit einer feinen, poetischen Traurigkeit, die den gesamten Roman durchzieht. Gerade diese Stimmung und die vielen Kunstbezüge machen Dius zu einer fordernden, aber lohnenden Lektüre. Wer bereit ist, sich auf die leisen Zwischentöne einzulassen, findet hier ein tief bewegendes Buch. Für mich sind es klare vier Sterne.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Rilke neu entdeckt

Mein Freund Rilke
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Mein Freund Rilke hat mich positiv überrascht. Bisher konnte ich mit Rainer Maria Rilke ehrlich gesagt nicht besonders viel anfangen – sein Werk wirkte auf mich oft eher sperrig und distanziert. Dieses ...

Mein Freund Rilke hat mich positiv überrascht. Bisher konnte ich mit Rainer Maria Rilke ehrlich gesagt nicht besonders viel anfangen – sein Werk wirkte auf mich oft eher sperrig und distanziert. Dieses Buch hat mir jedoch einen ganz neuen, sehr zugänglichen Blick auf den Dichter eröffnet.

Im Mittelpunkt steht Ellen, die eigentlich nur einen Artikel über Rilke schreiben soll, ohne sich wirklich mit ihm auszukennen. Durch eine unerwartete Begegnung verschwimmen plötzlich Zeitgrenzen, und aus der anfänglichen Recherche entwickelt sich eine leise, besondere Verbindung zwischen zwei sehr unterschiedlichen Welten. Die Geschichte ist poetisch erzählt, ohne dabei schwer oder belehrend zu wirken.

Besonders begeistert hat mich die Gestaltung. Das Buch ist unglaublich liebevoll gemacht, und die Zeichnungen sind wirklich wunderschön – sie tragen die Atmosphäre der Geschichte und machen das Lesen zu einem ganz eigenen Erlebnis. Allein dafür lohnt sich das Buch schon.

Inhaltlich bleibt die Handlung eher zart und ruhig, was gut zum Thema passt, aber nicht jede*r wird darin große Spannung finden. Trotzdem ist Mein Freund Rilke eine warme, sanfte Annäherung an einen Autor, der mir zuvor eher fremd war. Für mich eine gelungene Mischung aus Literatur, Kunst und Gefühl – und definitiv eine Empfehlung für alle, die Rilke neu entdecken möchten.

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