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Veröffentlicht am 16.02.2026

italienische Seelenverwandtschaft

Villa Rivolta
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Villa Rivolta war für mich vor allem wegen des Schauplatzes interessant – Italien, Mailand, Dolce Vita, gesellschaftlicher Wandel. Genau das habe ich auch bekommen, und allein dafür hat sich das Lesen ...

Villa Rivolta war für mich vor allem wegen des Schauplatzes interessant – Italien, Mailand, Dolce Vita, gesellschaftlicher Wandel. Genau das habe ich auch bekommen, und allein dafür hat sich das Lesen schon gelohnt. Es war mein erstes Buch von Daniel Speck, und insgesamt hat er mich neugierig auf mehr gemacht, auch wenn nicht alles ganz rund für mich war.

Die Geschichte beginnt mit zwei Kindern, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Piero, Sohn eines wohlhabenden Automobilunternehmers, und Valeria, die Tochter der Hausangestellten. In der Villa in Mailand schließen sie ein Versprechen, das sie über Jahre hinweg verbindet. Gemeinsam wachsen sie auf in einer Zeit des Aufbruchs – inmitten von wirtschaftlichem Boom, kultureller Revolution und dem Glanz der goldenen Jahre Italiens. Ein altes Familiengeheimnis schwebt dabei immer im Hintergrund und verleiht ihrer Beziehung zusätzliche Tiefe.

Besonders spannend fand ich die Dynamik zwischen Piero und Valeria: ihre Nähe, ihre Konflikte und die unausgesprochenen Gefühle, die sie ein Leben lang begleiten. Als Valeria sich später in Flavio, den sizilianischen Arbeitersohn, verliebt, verschieben sich die Machtverhältnisse und Emotionen spürbar – und genau hier begann für mich auch die kleine Distanz zur Geschichte. Mit Flavio bin ich leider nie richtig warm geworden; seine Figur blieb für mich schwer greifbar und emotional weniger zugänglich als die anderen.

Sehr gefallen hat mir hingegen die atmosphärische Dichte: Italien wird lebendig, sei es durch gesellschaftliche Spannungen, politische Umbrüche oder die ganz persönlichen Entscheidungen der Figuren. Man merkt, dass der Roman große Themen verhandeln will – Freundschaft über Klassen hinweg, Loyalität, Herkunft und Verlust.

Das Ende kam für meinen Geschmack allerdings zu abrupt. Einige Entwicklungen wurden schnell abgehandelt, und es blieben Fragen offen, bei denen ich mir mehr Raum oder Klarheit gewünscht hätte. Das hat den starken Gesamteindruck ein wenig abgeschwächt.

Trotzdem ist Villa Rivolta ein lesenswerter, emotionaler Roman mit einem großartigen Setting und einer fesselnden Grundkonstellation. Wer Italien liebt und Geschichten über lebenslange Verbindungen mag, wird hier viel entdecken – auch wenn nicht jede Figur und nicht jedes Ende vollständig überzeugt.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

aktuell und eindringlich

Zugwind
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Zugwind ist ein eindringlicher, aktueller Roman, der mich vor allem durch sein Thema und seine emotionale Ehrlichkeit überzeugt hat – auch wenn sich das Lesen stellenweise etwas langatmig angefühlt hat.

Im ...

Zugwind ist ein eindringlicher, aktueller Roman, der mich vor allem durch sein Thema und seine emotionale Ehrlichkeit überzeugt hat – auch wenn sich das Lesen stellenweise etwas langatmig angefühlt hat.

Im Mittelpunkt steht Mira Zehmann: Hausärztin in Deutschland, Ehefrau, Mutter einer kleinen Tochter. Vor Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um sich ein eigenes, sicheres Leben aufzubauen. Doch als in ihrer alten Heimat der Krieg ausbricht und Bomben fallen, holt die Vergangenheit sie mit voller Wucht ein. Der Krieg bleibt nicht fern – er zieht wie ein kalter Zugwind durch ihren Alltag, durch ihre Praxis, durch ihr Innerstes.

Plötzlich wird Miras Hausarztpraxis zur Anlaufstelle für geflüchtete Ukrainer:innen, die nicht nur medizinische Hilfe suchen, sondern auch Trost, Verständnis und jemanden, der ihre Sprache spricht – im wörtlichen wie im emotionalen Sinn. Parallel gerät ihr Privatleben ins Wanken: die angespannte Beziehung zur Schwiegermutter, Gedanken an eine Affäre, die Frage, wie viel Verantwortung man für das Leid anderer tragen kann, ohne selbst daran zu zerbrechen. Schließlich reift in Mira der Entschluss, nach Odesa zurückzukehren – zur hochbetagten Großmutter, zu Erinnerungen, zum Meer und zu einem Teil von sich selbst, den sie lange verdrängt hat.

Iryna Fingerova erzählt diese Geschichte sehr authentisch und nahbar. Besonders stark fand ich die Darstellung von Miras innerem Chaos: Trauer, Schuldgefühle, Wut, Ohnmacht und der verzweifelte Versuch, trotzdem weiterzuleben. Man spürt, wie zerrissen sie zwischen zwei Welten ist – zwischen Sicherheit und Herkunft, Alltag und Ausnahmezustand.

Abzüge gibt es für mich vor allem beim Erzähltempo. Einige Passagen ziehen sich, wiederholen Stimmungen und Gedanken, sodass die emotionale Wucht stellenweise eher ermüdet als verstärkt wird. Dennoch überwiegt der positive Eindruck deutlich.

Zugwind ist ein wichtiges, sensibles Buch, das zeigt, wie Krieg weit über Ländergrenzen hinaus wirkt – leise, nachhaltig und zutiefst menschlich. Trotz kleiner Längen eine sehr lesenswerte Geschichte, die lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Books and Flowers

Botanic Hearts
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Botanic Hearts hat mir als Romcom wirklich gut gefallen. Schon der Klappentext klang richtig vielversprechend – Bücher, ein botanischer Garten, ein Neuanfang nach einem Sturm und natürlich eine Enemies-to-Lovers-Dynamik: ...

Botanic Hearts hat mir als Romcom wirklich gut gefallen. Schon der Klappentext klang richtig vielversprechend – Bücher, ein botanischer Garten, ein Neuanfang nach einem Sturm und natürlich eine Enemies-to-Lovers-Dynamik: Genau mein Ding. Und insgesamt hat das Buch auch genau das geliefert, was ich mir erhofft hatte – eine warme, unterhaltsame Liebesgeschichte mit Wohlfühlfaktor.

Im Mittelpunkt steht Tansy, eine alleinerziehende Mutter und Bibliotheksleiterin, die nach einem verheerenden Hurricane nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre geliebte Bücherei verliert. Übergangsweise zieht diese in einen botanischen Garten um – was auf dem Papier wunderschön klingt, in der Realität aber für jede Menge Reibung sorgt. Besonders mit Jack, dem angehenden Direktor des Gartens, der deutlich macht, dass die Bücher dort eigentlich nicht hingehören. Dass er ausgerechnet der Mann ist, der Tansy während des Hurricanes gerettet hat, macht die Sache natürlich noch komplizierter – und emotional aufgeladen.

Die Grundidee, Bücher und Pflanzenwelten aufeinanderprallen zu lassen, fand ich sehr charmant, und das Setting ist wirklich gelungen. Man spürt die Atmosphäre, die Hoffnung auf einen Neuanfang und die leise Romantik zwischen den Zeilen. Auch Tansy als Mutterfigur und Bibliotheksliebhaberin mochte ich sehr.

Was mir allerdings gefehlt hat, war etwas mehr Tiefe bei den Charakteren. Sowohl Tansy als auch Jack bleiben stellenweise ein wenig an der Oberfläche, und einige Konflikte lösen sich fast zu glatt auf. Dadurch hätte die Geschichte emotional noch mehr Wirkung entfalten können.

Trotzdem ist Botanic Hearts eine schöne, cozy Romcom, die sich angenehm lesen lässt und perfekt für zwischendurch ist. Für mich solide 4 Sterne – mit mehr Charaktertiefe wäre es ein echtes Highlight gewesen.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

emotional

Elf ist eine gerade Zahl
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11 ist eine gerade Zahl von Martin Beyer ist ein Buch, das man nicht einfach so liest – man fühlt es. Das Thema ist furchtbar traurig: Krebs bei Kindern, eine Krankheit, die alles aus dem Gleichgewicht ...

11 ist eine gerade Zahl von Martin Beyer ist ein Buch, das man nicht einfach so liest – man fühlt es. Das Thema ist furchtbar traurig: Krebs bei Kindern, eine Krankheit, die alles aus dem Gleichgewicht reißt und für die es keine richtigen Worte gibt. Entsprechend emotional war das Lesen für mich, und ich musste das Buch öfter zur Seite legen, um durchzuatmen.

Im Mittelpunkt steht Katja, eine alleinerziehende Mutter, deren 14-jährige Tochter Paula schwer erkrankt ist. Paula war einmal stark, eigenwillig und selbstbewusst – jetzt ist sie voller Angst. Und Katja, die eigentlich die Starke sein möchte, droht an dieser Situation zu zerbrechen. Ihre Schuldgefühle, ihre Hilflosigkeit und ihre Liebe zu Paula sind so ehrlich und schmerzhaft beschrieben, dass man sich ihnen kaum entziehen kann.

Besonders berührend fand ich das Märchen, das Katja ihrer Tochter erzählt: die Geschichte von einem Fuchs, einem Mädchen und einem Schatten, der immer näherkommt. Diese zweite Erzählebene ist poetisch und gleichzeitig voller Bedeutung – eine Art Schutzraum, in dem das Unsagbare Platz findet. Sie macht das Buch noch intensiver und zeigt, wie Geschichten helfen können, mit Angst und Schmerz umzugehen.

Die Sprache ist ruhig, sensibel und sehr feinfühlig. Nichts wirkt übertrieben, nichts sensationslustig – im Gegenteil: Gerade die Zurückhaltung macht das Buch so stark. Es geht um die Zeit kurz vor und nach der Operation, um das Warten, Hoffen, Zittern – und um die tiefe Verbindung zwischen Mutter und Tochter.

11 ist eine gerade Zahl ist kein leichtes Buch, aber ein sehr wichtiges. Es ist traurig, bewegend und ehrlich, und es bleibt lange im Herzen. Für mich 4 Sterne – wegen der emotionalen Wucht, der schönen Sprache und der stillen Kraft dieser Geschichte.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Scheinwelt

Belladonnas
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Belladonnas von Liann Zhang war für mich ein richtig unterhaltsames und spannendes Leseerlebnis – vor allem, weil es so faszinierend war, in diese perfekt inszenierte, aber zutiefst toxische Welt der Influencer ...

Belladonnas von Liann Zhang war für mich ein richtig unterhaltsames und spannendes Leseerlebnis – vor allem, weil es so faszinierend war, in diese perfekt inszenierte, aber zutiefst toxische Welt der Influencer einzutauchen. Der Roman zeigt sehr eindrucksvoll, wie dünn die Grenze zwischen Schein und Sein ist, wenn Likes, Luxus und Aufmerksamkeit zur Währung werden.

Die Ausgangssituation ist schon für sich genommen packend: Zwei Zwillinge, die nach dem Tod der Eltern getrennte Wege gehen – die eine lebt ein einfaches Leben, die andere im Reichtum der New Yorker High Society. Als Chloe unter mysteriösen Umständen stirbt, schlüpft Julie in ihre Rolle und betritt eine Welt voller Glamour, Sponsoren und Privilegien, die fast zu schön ist, um wahr zu sein. Und genau das ist sie natürlich auch nicht.

Besonders spannend fand ich die geheimnisvolle Influencer-Gruppe der „Belladonnas“. Je tiefer Julie in diesen elitären Kreis hineingezogen wird, desto unheimlicher wird die Atmosphäre. Das jährliche Treffen auf der Luxusinsel mit seinem merkwürdigen Ritual sorgt für eine düstere, fast schon thrillerartige Stimmung, die mich richtig gefesselt hat.

Ich habe mich beim Lesen durchgehend gut unterhalten gefühlt, das Tempo stimmt, und die Themen Identität, Selbstinszenierung und sozialer Druck sind clever in die Handlung eingebaut. Nur das Ende konnte mich leider nicht ganz überzeugen – es fühlte sich für mich etwas zu abrupt an und hat nicht alle Erwartungen erfüllt, die die Geschichte zuvor aufgebaut hatte.

Trotzdem ist Belladonnas ein spannender, moderner Roman mit einer starken Idee und einer faszinierenden Welt, die man so schnell nicht vergisst. Für mich solide 4 Sterne und definitiv eine Empfehlung für alle, die Thriller mit Gesellschaftskritik und Glamour mögen.

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